{"id":13149,"date":"2003-01-17T00:01:58","date_gmt":"2003-01-16T23:01:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=13149"},"modified":"2022-07-13T10:57:17","modified_gmt":"2022-07-13T08:57:17","slug":"zur-kritik-der-deutschen-intelligenz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/17\/zur-kritik-der-deutschen-intelligenz\/","title":{"rendered":"Zur Kritik der deutschen Intelligenz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">1<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>Will man den Weg verstehen, auf dem die heute unter dem Schlagwort Pangermanismus vereinigten Tendenzen zu jener furchtbaren Macht gelangten, die alle Welt kennt und versp\u00fcrt, so mu\u00df man zur\u00fcckgehen bis ins tiefe Mittelalter. In dem mittelalterlichen Kampf um die Suprematie zwischen geistlicher und weltlicher Macht, zwischen einer geistigen Oberleitung durch den Papst und der tobs\u00fcchtigen Wildheit barbarischer K\u00f6nige spielten sich die ersten Entscheidungen europ\u00e4ischer Geschichte ab. Als Otto\u00a0I. sich im Jahre\u00a0962 vom Papste die Kaiserkrone erzwang, entstand das \u00bbHeilige R\u00f6mische Reich Deutscher Nation\u00ab. Unter Otto\u00a0III. gab es bereits einen deutschen Papst, kaum da\u00df es ein deutsches Volk gab. Es folgten die Kreuzz\u00fcge, in denen die P\u00e4pste der \u00fcberm\u00fctigen Barbarenkraft und den verheerenden Einf\u00e4llen deutscher K\u00f6nige nach Italien eine phantastische Ablenkung schufen. Es folgte die Unterwerfung des geschw\u00e4chten Staates unter die Kirche durch Gregor\u00a0VII.<\/p>\n<p>Der p\u00e4pstlich-kaiserliche Universalstaat des Mittelalters leitete eine innige Verbindung der deutschen V\u00f6lkerschaften mit dem zivilisiertesten Lande der damaligen Welt, Italien, ein, und wenn die gewaltsamen deutschen K\u00f6nige auch, sobald sie den Segen empfangen hatten, nur Richtschwert und Vollstrecker des r\u00f6mischen Willens geworden waren, so verlieh ihnen diese Weihe noch die \u00bbKulturmission\u00ab, Mehrer des Kirchengebiets und Verbreiter des Evangeliums zu sein, und damit jene heraldische Attit\u00fcde einer von Reichstrompetern begleiteten theologischen Majest\u00e4t, der die buntb\u00e4urische Phantasie des deutschen Volkes noch heute nicht gewachsen ist. Jahrhunderte lang verbreitete das Schwert der Kaiser den Christenglauben, wie es unter Muhamed den Islam verbreitet hat. Und nicht erst heute, sondern schon zu Gutenbergs Zeiten findet sich in der Presse die optimistische \u00dcberzeugung, die deutsche Nation sei von Gott bevorzugt und von der Vorsehung auserw\u00e4hlt. Sie war aber nur von den Kardin\u00e4len auserw\u00e4hlt und vom Papste bevorzugt. Die deutschen K\u00f6nige hatten sich ihre Stellung durch Bluttat und Gewalt ertrotzt. Ihre Kulturleistungen blieben weit hinter dem zur\u00fcck, was gleichzeitig Arabien, Spanien und Italien in Kunst, Literatur und Wissenschaft leisteten.<\/p>\n<p>Noch heute sehen unsere deutschen Schulr\u00e4te, Geschichtsschreiber und P\u00e4dagogen nicht ein, da\u00df keine Veranlassung vorliegt, auf diese Tradition besonders stolz zu sein. Deutschland war keineswegs das \u00bbmoralische Herz der Welt\u00ab, wie Herr Scheler glauben machen will. Die Moralit\u00e4t war in Deutschland, von vereinzelten Mystikern und Troubadouren abgesehen, unausgebildet, abseitig und grob. Das Land war R\u00fcstkammer und Arsenal f\u00fcr die weltlichen Ziele des Papsttums. In solchen L\u00e4ndern ist wenig Raum f\u00fcr die Ausbildung verfeinerter Sitte. Profoss und Schrecken brachten den P\u00e4psten die Barbarossas, Ottos und Friedrichs. Wen deshalb der Papst zum Kaiser salbte, dem legte er damit die Verpflichtung auf, da\u00df solch \u00bbapostolische Majest\u00e4t\u00ab \u2013 noch heute tr\u00e4gt der Kaiser von \u00d6sterreich den Titel \u2013 den gewaltigen europ\u00e4ischen Kirchenstaat vergr\u00f6\u00dfere oder verteidige, auf welche Art immer es geschehe.<\/p>\n<p>Das \u00bbHeilige R\u00f6mische Reich Deutscher Nation\u00ab wurde von Luther zerst\u00f6rt. Luthers robust gewaltige Pers\u00f6nlichkeit ist geschichtlich nur zu verstehen, wenn man den Kampf zwischen Kaiser und Papst sich vergegenw\u00e4rtigt. Luther trennte Deutschland von Rom und schuf damit die Voraussetzung f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit des heutigen deutschen Feudalismus. Er lieferte den deutschen F\u00fcrsten und Reichsherolden wie Treitschke und Chamberlain die Ideologie f\u00fcr jene egozentrische Selbst\u00fcberhebung, die sich in den K\u00f6pfen alldeutscher Gener\u00e4le und Subalternpropagandisten zu einem Delirium ausgewachsen hat. Von den Zeiten der Reformation an gelang es den P\u00e4psten nicht mehr, die deutsche Macht unter eine geistige Obhut zu beugen. Luther wurde ein Angelpunkt der Geschichte.<\/p>\n<p>Von Luther an beginnt sich ein neuer Universalstaat vorzubereiten, in dessen Zentrum nicht mehr die ganz klerikale, sondern die ganz profane Gewalt steht. In den gro\u00dfen Bauernkriegen von 1524\/25 handelte es sich darum, ob die uralte Feudaltradition Deutschlands gebrochen werden k\u00f6nne oder nicht. Jene deutsche Revolution (wichtiger heute als die Reformen, in denen sie erstickt wurde) mi\u00dfgl\u00fcckte. Der Feudalismus erhob sich gest\u00e4rkt. Im Aufkommen der Hohenzollern verj\u00fcngte er sich. Das Aufkommen der Hohenzollern brachte den Konkurrenzkampf mit Habsburg, dem letzten Rudiment des mittelalterlichen Systems. Dazumal gingen die geistlichen und weltlichen Methoden der Universalstaats-Politik und -Diplomatie von Wien in die preu\u00dfischen Kabinette \u00fcber. Und heute erleben wir, wie derselbe auf die Besitzlosen, das Proletariat, gegr\u00fcndete Universalstaat des Mittelalters von Berlin aus wiederaufzustehen bem\u00fcht ist.<\/p>\n<p>Jetzt ist es umgekehrt. Das kaiserliche Regime sucht den Papst (und die Freiheitsideologie, die geistige Macht) zu ben\u00fctzen, wie im Mittelalter der Papst den Kaiser ausspielte. Steuerte Habsburg die diplomatischen Methoden bei, so Robespierre die staatlichen und Napoleon die milit\u00e4rischen. Eine satanische Macht regiert heute Deutschland und sucht sich von dort aus die Welt zu unterwerfen. Das Mittel ist Zweck geworden. Die Profanit\u00e4t triumphiert, und eine Entwertung aller Werte findet statt, die niemals ihresgleichen sah.<\/p>\n<p>Als Dante seine Schrift \u00bbDe monarchia\u00ab schrieb, lie\u00df er sich kaum tr\u00e4umen, da\u00df er die H\u00f6lle selbst damit beg\u00fcnstigte. Gott ist Werkzeug der Monarchie geworden. Moral und Religion sind der omnipotenten Staatsgewalt untergeordnet. Und die Folge dieser Perversion der Moralbegriffe ist, da\u00df man die teuflischsten Dinge im Namen Gottes verherrlicht, ohne jegliches Gef\u00fchl und Gewissen f\u00fcr die Inferiorit\u00e4t dieses Evangeliums der reinen Kraft und Gewalt.<\/p>\n<p>Jede Art Mystik, jede Art Religion, jede Regung des Seelenlebens und der menschlichen Sehnsucht, alles, was dem Menschen heilig ist, wird von diesem System in raffiniertester Weise ben\u00fctzt, um den Menschen zu fassen und gef\u00fcgig zu machen. An die Stelle des Ablasses ist der Aderla\u00df getreten. An die Stelle der Ohrenbeichte die Detektivpolizei. Die gro\u00dfen moralischen Werte der Menschheit (Seele, Friede, Vertrauen; Achtung, Freiheit und Glauben) werden nach dem Erfolg berechnet und als Mittel zur Erreichung von Zwecken ausgespielt, die der traditionellen Bedeutung dieser Worte entgegengesetzt sind. Das klerikale Collegium der propaganda fide ist ersetzt von einem journalistischen de propagando bello, und die Freude und der Stolz, mit denen man diesem verwerflichen System dient, geben die Beleuchtung zu einem infernalischen Totentanz, in dem die Reste deutschen Wesens in Verwesung \u00fcbergehen.<\/p>\n<h4>2<\/h4>\n<p>Wir, die wir dieses System bek\u00e4mpfen, sind gezwungen, seine Heroen zu revidieren. Mit nationalen Vorurteilen mu\u00df aufger\u00e4umt werden wie mit individuellen. Es geht nicht an, da\u00df noch heutzutage ein Sozialist von der Bedeutung Camille Huysmans von Deutschland als der \u00bbg\u00e9n\u00e9reuse Allemagne de Luther\u00ab spricht. Luthers Deutschland war nichts weniger als gener\u00f6s. August Bebel hat in seinem \u00bbBauernkrieg\u00ab ein Bild des damaligen Deutschlands entworfen; das Werk kann nicht nachdr\u00fccklich genug empfohlen werden. 1517 wurden durch die Tat eines politisch und geistig gleich unvollendeten M\u00f6nchs Europa und die christliche Kultureinheit zerrissen, und dieser Luther gilt heute der gro\u00dfdeutschen Feudalpolitik als erster europ\u00e4ischer Exponent ihres \u00bbdivide et impera\u00ab. Heute, vier Jahrhunderte sp\u00e4ter, hie\u00dfe es Europa nur d\u00fcrftig zusammenflicken, wollte man den Glauben an die offiziellen Heroen und Propheten bestehen lassen.<\/p>\n<p>Der Ideenstreit um eine neue Menschheit ist entbrannt, und in der L\u00f6sung der Menschheitsfrage wird auch die politische beschlossen liegen.<\/p>\n<p>Die mittelalterlichen Probleme sind noch heute nicht ausgetragen. Noch fehlt Europa eine neue Hierarchie, eine Hierarchie von Geistern, f\u00e4hig und stark genug, jene mittelalterliche geistliche Hierarchie zu ersetzen; eine Rangleiter der Leistungen und Verm\u00f6gen, sowohl zwischen den V\u00f6lkern wie zwischen den Individuen; eine unsichtbar abgestufte geistige und moralische Gesellschaft, f\u00e4hig, wieder die Oberhand zu erlangen \u00fcber den Satanismus der in rudiment\u00e4ren Einrichtungen und Formeln vereinigten Profanit\u00e4t, die heute ihre entsetzliche Todesorgie feiert. Dann erst wird das Mittelalter \u00fcberwunden sein.<\/p>\n<p>Uns Deutsche f\u00fchrt die Beteiligung an dieser Aufgabe, der eine Elite hervorragender M\u00e4nner des letzten Jahrhunderts gedient hat, tief bis ins Mittelalter und in die Zeit Luthers zur\u00fcck. Die Revision unserer intellektuellen Geschichte soll uns neue Impulse geben, und manches wird fallen m\u00fcssen, an das wir glaubten und glauben gemacht wurden.<\/p>\n<p>Ein neues Gut und B\u00f6se. Neue Gewissensk\u00e4mpfe. G\u00f6ttlich und teuflisch nicht mehr klerikales Symbol, doch deshalb beileibe nicht Hohn und Verachtung. Die Aufgabe aber dieser Hierarchie aller gutgesinnten Geister und Werke soll sein: eine Syntax der neuen Gottes- und Menschenrechte. Keine civitas dei ohne eine civitas hominum! Die neue Gemeinschaft soll dienen der Verbreitung eines Reichs aller Menschen, die eines guten Willens sind.<\/p>\n<p>Wenn das Wort von der deutschen Universalit\u00e4t wahr ist, so m\u00f6gen die Deutschen herauskommen aus ihrem politischen Getto, um zu zeigen, was sie zu sagen haben. Nicht aber mit der Tr\u00e4gheit pr\u00fcgelnder Waffen, sondern mit der Energie klarer Gedanken. Nicht auf das Verantwortungsgef\u00fchl\u00a0<em>gegen\u00fcber<\/em>\u00a0der Menschheit kommt es an, wie Prinz Max von Baden zu glauben scheint, sondern auf die Verantwortung\u00a0<em>mit<\/em>\u00a0und\u00a0<em>inmitten<\/em>\u00a0der Menschheit. Der \u00dcbermensch mu\u00df dem Mitmenschen weichen. Nicht Leiden schaffen, sondern Leiden beheben. Nur so besteht die Hoffnung, da\u00df das automatisch eingetretene Schicksal einer automatisch gewordenen Welt der Selbstbestimmung des einzelnen und damit der Freiheit weicht.<\/p>\n<h4>3<\/h4>\n<p>Die konsistorialr\u00e4tliche deutsche Reichsgeschichtsschreibung hat verhindert, gerade \u00fcber Luther nachzudenken, und das beweist, wie notwendig es ist. Damals, zu Luthers Zeit, fand jenes B\u00fcndnis der deutschen Bourgeoisie mit dem Feudalismus statt, das alle europ\u00e4ischen Revolutionen \u00fcberdauerte und heute Europa zu knebeln und niederzuwerfen gewillt ist. Luther war dieses B\u00fcndnisses Prophet und Herold. Durch seine Stellungnahme im Abla\u00dfstreit hat er die Landst\u00e4nde, F\u00fcrsten und Magistrate br\u00fcderlich verbunden. Indem er das Gewissen in den Schutz weltlicher F\u00fcrsten stellte, half er jenen Staats-Pharis\u00e4ismus schaffen, f\u00fcr den das Gottesgnadentum, die gottgewollte Abh\u00e4ngigkeit und die Phrase vom \u00bbpraktischen Christentum\u00ab gleicherweise Symbole sind. Durch sein despotisches Auftreten in den Bauernkriegen aber verriet er die Sache des Volkes an den Beamtenstaat.<\/p>\n<p>Die Tat Luthers soll keineswegs verkleinert oder verunglimpft werden. Vom alldeutschen Standpunkt aus mu\u00df man sie verg\u00f6ttern, gewi\u00df. Vom Standpunkt der Demokratie aus mu\u00df man sie verwerfen. Wer gegen die heutige Tyrannei protestiert wie Luther vor 400\u00a0Jahren als M\u00f6nch protestierte, hat das Recht, sich auf ihn zu berufen. Auch soll den Evangelischen nicht ihr Heiliger genommen werden, obgleich dieser Heilige von Heiligen nichts wissen wollte. \u00bbDem Doctor Luther zulieb\u00ab, sagt Naumann, \u00bbist das Jesuskindlein geboren worden. Der Papst hatte nur einen Schatten davon.\u00ab\u00a0Sei&#8217;s drum. Solche Verehrung lassen wir gelten. Jener Luther, der herzinnige Brieflein an seinen Sohn H\u00e4nsigen schrieb; der die Bibel \u00fcbersetzte und die Bannbulle verbrannte, bleibt ewiges Ged\u00e4chtnis; dem protestantischen Handwerker und Bauern ein Vorbild des guten Familienvaters, wie Josef von Nazareth dem katholischen. Ein anderer Luther aber ist es, den das Wischi-Waschi alldeutschen Geredes und Geschreibes zu Demagogiezwecken ausspielt. Ein anderer Luther, der \u00bbaus der Polyphonie heraus den t\u00f6nenden Weg gebahnt\u00ab haben soll, \u00bbf\u00fcr ein Volk, das Genies geb\u00e4ren wird\u00ab.<\/p>\n<p>Nun stehen wir nicht gerade auf dem Standpunkt des Novalis, der da schrieb: \u00bbEs waren sch\u00f6ne gl\u00e4nzende Zeiten, wo Europa\u00a0<em>ein<\/em>christliches Land war,\u00a0<em>eine<\/em>\u00a0Christenheit diesen menschlich gestalteten Erdteil bewohnte.\u00ab\u00a0Wir sind keine katholischen Romantiker, Lobredner der Vergangenheit auf Kosten der Zukunft und Gegenwart. Nicht deshalb sind wir Antilutheraner, weil wir mit Theodor Lessing glauben: \u00bbNur solange die gro\u00dfe Weltidee des Katholizismus eine gemeinsame Atemluft f\u00fcr Europa schuf, bl\u00fchte einf\u00e4ltige Sch\u00f6nheit aus n\u00fcchternem Alltag.\u00ab\u00a0Nicht einer katholischen Renaissance reden wir das Wort, deren obskure Propaganda \u00bbdas sch\u00f6ne Werk des Mittelalters\u00ab wieder herzustellen hofft oder verzweifelt \u00bbdurch einen Sieg des geeinigten deutschen und christlich-europ\u00e4ischen Geistes \u00fcber die abgefallene Welt ringsum\u00ab, wie Herr Scheler. Wenn wir die Reformation, Luther und den Protestantismus bek\u00e4mpfen, geschieht es, weil wir in ihnen die Hauptbollwerke einer nationalen Isolation erblicken, die fallen mu\u00df, soll die einige Menschheit erstehen. Wir glauben auch nicht, da\u00df es notwendig ist, \u00bbder europ\u00e4ischen Entartung Heilmittel aus der Welt der Upanishads und des Buddha\u00ab\u00a0zuzuf\u00fchren. Das w\u00fcrde, wie die Dinge in Deutschland heute beschaffen sind, nur die Gelehrsamkeit mehren, die Energie aber schw\u00e4chen. Gedacht und geschrieben ist l\u00e4ngst genug. Wir brauchen nur die Essenz zu ziehen aus dem Vorhandenen; denn es gilt von den Deutschen noch heute, was Bakunin 1840 \u00fcber sie aus Berlin an Herzen schrieb: \u00bbW\u00e4re der zehnte Teil ihres reichen geistigen Bewu\u00dftseins ins Leben \u00fcbergegangen, so w\u00e4ren sie herrliche Leute.\u00ab<\/p>\n<p>Graben wir unsere Bibliotheken aus! Verbrennen wir alles \u00dcberfl\u00fcssige, statt neue \u00bbHeilmittel\u00ab zu suchen! Ein neuer Gewissensstrom komme \u00fcber Deutschland. Wiedererw\u00e4gung nicht nur politischer Fragen, sondern auch der Leistungen und Entscheidungen deutscher Geistesheroen, gemessen an den Forderungen des heutigen Europa.<\/p>\n<h4>4<\/h4>\n<p>Man hat Luther den ersten gro\u00dfen Durchbrecher des mittelalterlichen Systems genannt, und gewi\u00df mit Recht, wenn man damit das religi\u00f6se System meinte. Die 95\u00a0Thesen, die Luther an die Schlo\u00dfkirche zu Wittenberg nagelte, handelten von der \u00bbfreien Gnade\u00ab, und der Abla\u00dfstreit, der daraus entstand, entwickelte sich rapid zum Streit um das Recht des Papstes. \u00bbWenn die Gnade Gottes frei wirkte\u00ab, sagte Naumann,\u00a0\u00bbh\u00f6rte alle Zentralverwaltung der Heiligt\u00fcmer auf.\u00ab Und sie h\u00f6rte in der Tat auf. Freie Gnade hie\u00df freies Gewissen, hie\u00df \u00fcber Seligkeit, Recht und Unrecht, Diesseits und Jenseits, von nun an selbst\u00e4ndig denken zu d\u00fcrfen. Freiheit eines Christenmenschen: das bedeutete, da\u00df das b\u00fcrgerliche Individuum gewillt war, von nun an die Entscheidung \u00fcber letzte Fragen des Daseins auf sein eigenes Gewissen zu nehmen. Es w\u00e4re zu w\u00fcnschen, da\u00df wir in diesem Punkte noch heut Lutheraner w\u00e4ren.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-99423\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Hugo_Ball_Cabaret_Voltaire-e1645506781248.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"300\" \/>Im Mai 1915 emigrierte Hugo Ball gemeinsam mit Emmy Hennings in die Schweiz, wo er zun\u00e4chst in Z\u00fcrich wohnte. Er tingelte mit einem Variet\u00e9-Ensemble als Klavierspieler und Texter durch das Land. Schlie\u00dflich kam er in Kontakt mit der Tanzschule von Rudolf von Laban, die als Treffpunkt der Dadaismusbewegung galt. Im Februar 1916 gr\u00fcndete er mit Hans Arp, Tristan Tzara und Marcel Janco in Z\u00fcrich das Cabaret Voltaire, die als \u201eWiege des Dadaismus\u201d bezeichnet wird.<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14599\">Artikel<\/a> \u00fcber die Gr\u00fcndung des Cabaret Voltaire.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1 Will man den Weg verstehen, auf dem die heute unter dem Schlagwort Pangermanismus vereinigten Tendenzen zu jener furchtbaren Macht gelangten, die alle Welt kennt und versp\u00fcrt, so mu\u00df man zur\u00fcckgehen bis ins tiefe Mittelalter. 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