{"id":12899,"date":"2009-01-31T00:01:17","date_gmt":"2009-01-30T23:01:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12899"},"modified":"2022-02-18T20:17:45","modified_gmt":"2022-02-18T19:17:45","slug":"novelle_revisited","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/01\/31\/novelle_revisited\/","title":{"rendered":"Die Gattung Novelle \u2022 Revisited"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">&#8211; \u00dcber die Reanimierung der Literaturgattung Novelle &#8211;<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Herkunftsdokumentation des Begriffs <em>Novelle<\/em> ist fragmentarisch, und selbst bei den vielen gut aufgekl\u00e4rten F\u00e4llen bleibt sie oftmals strittig. Dem lateinischen <span lang=\"la-Latn\"><i>novus<\/i><\/span> \u201aneu\u2018 entspricht italienisch <span lang=\"it-Latn\"><i>novella<\/i><\/span> \u201aNeuigkeit\u2018, eine k\u00fcrzere Erz\u00e4hlung in Prosaform. Hinsichtlich des Umfangs bemerkte Hugo Aust, die Novelle habe oft eine mittlere L\u00e4nge, was sich darin zeige, da\u00df sie in einem Zug zu lesen sei.\u00a0 Als Begr\u00fcnder der Novellentradition gilt der Italiener Giovanni Boccaccio aufgrund des von ihm verfassten <i>Decamerone<\/i> (\u201aZehntagewerk\u2018). Das deutsche Wort <i>Novelle<\/i> und das englische Wort <i>novel<\/i> sind falsche Freunde. <i>Novel<\/i> bezeichnet einen Roman, keine Novelle. Die im Deutschen als <i>Novelle<\/i> bezeichnete Prosaform hei\u00dft auf Englisch <i>novella<\/i> oder <i>novelette<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">In der Literaturgeschichte kann man sich nicht auf Zwangsl\u00e4ufigkeiten verlassen.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vorgaben der Novellenform sind wesentlich schwerer zu erf\u00fcllen als die des Romans, das Ergebnis ist ein literarisches Hochkonzentrat. Die Geschichte der Literatur ist eine Geschichte der Verweigerung, die Verweigerung der Dichtung, sich Erwartungen und Vorgaben unterzuordnen, und die Weigerung, Widerspenstige in die Hallen des literarischen Kanons einzulassen, durch die einsam Johann Wolfgang Goethe west. Als wahrscheinlich letzverblieberner Poet empfindet <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andrascz_Weigoni\">A.J. Weigoni<\/a> den enormen Abstand zwischen k\u00fcnstlerischer Wahrheit und der Notwendigkeit, diese Wahrheit f\u00fcrs Publikum ansprechend zu verpacken, um \u00fcberhaupt geh\u00f6rt zu werden. Die sukzessive Erkenntnis des Subtextes, der in den Text eingeflochten ist, ist ein erheblicher Lustgewinn f\u00fcr den Leser. Nicht zuf\u00e4llig hat er das Genre der K\u00fcnstlernovelle ausgesucht, die es erlaubt krisenhafte Konflikte auf engem Raum zu verdichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Fl\u00fcsse sind wie Seelen &#8211; so grundverschieden, da\u00df wir f\u00fcr jeden Flu\u00df eine andere Sprache entwickeln m\u00fc\u00dften.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Vladimir Nabokov<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bedruckte Papierseiten entsprechen dem menschlichen Lesetempo, unserem Rhythmus. Diesem Rhythmus folgen Weigonis <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=4\"><em>Vignetten<\/em><\/a>, (zu \u00fcberpr\u00fcfen bei seiner Rezitation auf dem H\u00f6rbuch <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/630.html\"><em>63<\/em><em>0<\/em><\/a>) indem sie die Wellenbewegungen des Rheins denen des Nils gegen\u00fcberstellen &#8211; und setzen sie um in Wellenbewegungen des Flu\u00dfes, des Lichts und der Gedanken. Weigoni zeigt sich mit dieser Novelle auf der H\u00f6he seiner Kunst. Man weiss nicht, was man mehr bewundern soll: die schlanke \u00d6konomie dieser Erz\u00e4hlung oder die Stringenz, mit der sich diese Novelle entwickelt. Diese ist eine produktive und heterogene Kunstform, bei der sich \u00fcber die Zeitl\u00e4ufte \u00e4sthetisch-konzeptionelle Ver\u00e4nderungen ergeben haben, aber auch im 21. Jahrhundert gilt das Friedrich Schlegels Sentenz f\u00fcr die gestalterische Innovationen dieser offene Gattung: \u201edie Kunst gut zu erz\u00e4hlen\u201c. Satz f\u00fcr Satz bew\u00e4hren sich sich diese <a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/theo-breuer-weigoni.htm\"><em>Vignetten<\/em><\/a> als Sprachkunstwerk.<\/p>\n<div id=\"attachment_6055\" style=\"width: 430px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6055\" class=\"wp-image-6055\" title=\"Schreibstab2\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab22.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"851\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab22.jpg 1259w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab22-148x300.jpg 148w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab22-505x1024.jpg 505w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6055\" class=\"wp-caption-text\">Schreibst\u00e4be, Detail &#8211; von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die Dinge so ansehen, als w\u00e4re es das erste Mal. Mit der Unschuld des reinen Blicks erkennen, wie sie ihr Eigenleben f\u00fchren und zugleich einen einzigen Zusammenhang ergeben.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Falkentheorie Paul Heyses wird in der Nekropolen-Vignette eine Referenz erwiesen. Die alten \u00c4gypter glaubten nicht an eine ewige Dauer des Kosmos. Sie sahen eine Zeit kommen, da der Sch\u00f6pfer seiner Sch\u00f6pfung m\u00fcde werden w\u00fcrde und zusammen mit ihr ins Nichts zur\u00fccks\u00e4nke, danach beg\u00e4nne der Sch\u00f6pfungszyklus von vorn. F\u00fcr die \u00c4gypter fiel das Ende der Menschheitsgeschichte mit dem Anfang zusammen. Nachdem das Bild der ersten Vignette sich in der letzten Vignette als Sehnsuchtsbild einl\u00f6st, wird die Zukunft der Figuren Nataly und Max lediglich angedeutet.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Erst Satz f\u00fcr Satz gelesen, in Lockerung der eigenen Erwartungen, \u00f6ffnet sich der Blick auf die kantige Sch\u00f6nheit dieser Novelle.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=4\"><em>Vignetten<\/em><\/a> sind eine konzentrierte, kluge Erz\u00e4hlung voller Wahrheit, mit gl\u00fccklichen Einsch\u00fcssen von Schmerz und Leidenschaft, von Melancholie und Wut. So besteht diese Novelle aus kurzen, keineswegs ausschweifenden Dialogen, in denen das Wesentliche immer ausgespart wird. Das, was Weigoni erz\u00e4hlen will, erz\u00e4hlt er zwischen den Zeilen, durch das Schweigen der Figuren, durch das, was geschieht und was nicht geschieht. Und dennoch leben diese <a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/theo-breuer-weigoni.htm\"><em>Vignetten<\/em><\/a> von einer immensen Vorstellungskraft und einer sensiblen Beobachtungsgabe. Eine Seite entspricht ungef\u00e4hr 20 Seiten handels\u00fcblicher handlungsstarker Prosa; der anstrengende, bisweilen fast zerm\u00fcrbende Wagemut, mit dem hier ununterbrochen h\u00f6chst eigenwillige Schreibweisen entwickelt werden, verlangt nach einer Hornhaut bei der Lekt\u00fcre. Erst Satz f\u00fcr Satz gelesen, in Lockerung der eigenen Erwartungen, \u00f6ffnet sich der Blick auf die kantige Sch\u00f6nheit dieser Novelle. Und auch ganz, wie solche Vorf\u00e4lle, erz\u00e4hlt, dann sein m\u00fcssen: \u00fcber allen Zufall hinaus v\u00f6llig einmalig und individuell und \u00fcber alles Individuelle hinaus wundersch\u00f6n musterhaft, wie Goethe das genannt h\u00e4tte. Kondensieren bedeutet nicht nur komprimieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Von der Unm\u00f6glichkeit, die Realit\u00e4t nicht zu beschreiben<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Weigoni sind Selbstironie und aufrichtiger Affekt eben kein Widerspruch, philosophischer Ernst findet sich mit abgr\u00fcndigem Witz verpaart, und Raffinesse und pophistorische Reflektiertheit paaren sich mit der Komplexit\u00e4t eines Gedichts. Roland Barthes hat geschrieben, da\u00df es keine menschliche Stimme auf der Welt gebe, die nicht Objekt des Begehrens w\u00e4re &#8211; oder eben des Abscheus. Es gibt keine Stimme, zu der wir uns neutral verhalten k\u00f6nnen: Entweder wir lieben sie oder nicht, entweder wir ertragen sie oder wir reagieren idiosynkratisch. Was fasziniert, ist etwas sehr Konkretes: W\u00f6rter, Wortgruppen, bestimmte Zusammenstellungen, in bestimmter Perspektive ausgew\u00e4hlte Sprachkombinationen.<\/p>\n<div id=\"attachment_6056\" style=\"width: 472px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6056\" class=\"wp-image-6056\" title=\"Schreibstab3\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab3.jpg\" alt=\"\" width=\"462\" height=\"616\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab3.jpg 1704w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab3-224x300.jpg 224w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab3-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 462px) 100vw, 462px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6056\" class=\"wp-caption-text\">Schreibst\u00e4be, Detail &#8211; von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Anticipitating serendipity<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Romancier buchstabiert ein poetisches Vokabular der rheinischen Landschaft durch, er untersucht die Beschaffenheit des Gel\u00e4ndes am Nil. Nicht nur Menschen, auch Landschaften k\u00f6nnen zu Hinterbliebenen werden, dich im Vergleich mit dem Material der Natur ist der Mensch klein. Das Erz\u00e4hlnetz, das Weigoni in poetischer Naturbeschreibung aufspannt, ist auf eine Weise stabil und gleichzeitig zerbrechlich, wie es wahrscheinlich in dieser kalligrafischen Kunstfertigkeit der Maler Haimo Hieronymus hinbekommt. Diese <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6036\">Vignetten<\/a> sind ein dichter, bildreicher, mitunter sperriger Prosatext, der f\u00fcr den Leser eine Herausforderung darstellt. Jeder Verlust ist eine Leerstelle, eine nicht erz\u00e4hlte Geschichte, diese Novelle ist ein autonomer Text mit offenen Deutungsr\u00e4umen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Die Durchbrechung der Schranke zwischen Kunst und Leben geh\u00f6ren zu den Kernparadigmen der Moderne wie der modernen Kunst.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie in seinen anderen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=52\">Erz\u00e4hlungen<\/a> f\u00fchrt dieser Abgrund auch in den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14554\"><em>Vignetten<\/em><\/a> in die triebhaften Tiefen einer von Sprachlosigkeit, existenzieller Not und dumpfen, \u00fcberm\u00e4chtigen Zw\u00e4ngen beherrschten Welt. In dieser Prosafolge lebt Weigoni seinen narrativen Reichtum l\u00e4ssig aus. Sein Erz\u00e4hlton macht kein Aufhebens, er betreibt &#8211; und das macht den besonderen Charme der Geschichten aus &#8211; eine Art von buchhalterischem Understatement. Das Schweigen hat einen weiten Echoraum in Weigonis&#8216; Schaffen, die eigent\u00fcmliche Spannung von Weigonis Novelle ergibt sich kaum aus ihrer Fabel, sondern wesentlich aus der \u00d6konomie des Erz\u00e4hlens, einer kammermusikalischen Genauigkeit und Diskretion.<\/p>\n<div id=\"attachment_6058\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6058\" class=\"wp-image-6058\" title=\"Schreibstab4\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab4.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"411\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab4.jpg 1912w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab4-300x232.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibstab4-1024x794.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6058\" class=\"wp-caption-text\">Schreibst\u00e4be, Detail &#8211; von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #808080;\"><em>Herrliches Klima, tiefblauer Himmel, wunderbare beleuchtungseffektereiche Vegetation neben der \u00d6de der W\u00fcste, ein buntes Gemisch fremdartiger Bewohner.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #808080;\">Quelle: Der Baedeker<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das M\u00e4andern ist eine Form zwischen Polen suchender Schreibart, die dialogisch von Assoziation zu Assoziation Erkenntnisse produziert. Worin die &#8222;unerh\u00f6rte Begebenheit&#8220; liegt, welche diese Novelle nach Goethes Definition zu einer solchen macht, erf\u00e4hrt man erst auf den letzten Seiten. Mit dem W\u00fcnschelruten-Blick des Schatzsuchers laufen Nataly und Max \u00fcber den W\u00fcstensand und nehmen die Ersch\u00fctterungen und Blessuren auf, die die Verheerungen der Geschichte diesen alten Landstrichen zugef\u00fcgt haben. Weigoni verwehrt sich gegen jede touristische Bilderbesch\u00f6nigung, aber auch gegen die elitistische Verachtung f\u00fcr den Massentourismus. Er begegnet der Fremde illusionslos, daf\u00fcr mit allen Sinnen &#8211; und feinem Humor. Dabei schl\u00e4gt er in Sprachbildern und Wortfiguren manche Br\u00fccke zu seiner kulturellen Heimat. Im Rhythmus der Schritte erschlie\u00dft sich ihnen der Geist dieser Landschaft, gleichsam das Versma\u00df der sie umgebenden Dinge. Es sind die im Wortsinne elementaren Gewalten, die das Leben bestimmen &#8211; aber erz\u00e4hlerisch zur\u00fcckgenommen ins Kleinformat des Allt\u00e4glichen. Da\u00df jedes Ding in dieser erz\u00e4hlten Welt \u00fcber sich hinausweisen kann, verdankt sich gerade der Sorgfalt, mit der sie alle dem Realit\u00e4tseffekt dienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Gkgp6Vv8zXU&amp;feature=related\"><span style=\"color: #ff0000;\">This is not a love-song<\/span><\/a> <\/strong>(PIL)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigoni hat eine Liebesgeschichte geschrieben, die nicht durch einen Ku\u00df besiegelt werden mu\u00df. Unauff\u00e4llig und fr\u00fch sind die Signale gesetzt, diese novellistische Flu\u00dffahrt umsegelt die Scylla des Pathetischen ebenso sicher wie die Charybdis der Sentimentalit\u00e4t; diese verdankt sich der Sparsamkeit der erz\u00e4hlerischen Mittel und dem weiten Horizont, in den hinein dieses Erz\u00e4hlen sich \u00f6ffnet. Meisterhaft ist sie in einem ganz handwerklichen Sinne. Und eben deshalb erreicht sie so sicher jenen Punkt, an dem die stupende Pr\u00e4zision der pi\u00e8ce bien faite umschlagen kann in die Magie des Geschichtenerz\u00e4hlens. Mit Ossip Mandelstam gesagt: Poesie ist Ausbruch von Energie und ein Luxus, aber ein notwendiger. Weigoni ist in diesem Sinne ein luxurierender Schriftsteller, er schafft bleibende Erz\u00e4hlkunst.<\/p>\n<div id=\"attachment_6059\" style=\"width: 1738px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibsta\u0308be1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6059\" class=\" wp-image-6059\" title=\"Schreibsta\u0308be\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibsta\u0308be1.jpg\" alt=\"\" width=\"1728\" height=\"1024\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibsta\u0308be1.jpg 2160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibsta\u0308be1-300x177.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Schreibsta\u0308be1-1024x606.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1728px) 100vw, 1728px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6059\" class=\"wp-caption-text\">Schreibst\u00e4be, komplett &#8211; von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Der Tod ist ein Skandalon, das sich nicht aus der Welt schaffen l\u00e4sst.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Projekt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=4\"><em>Vignetten<\/em><\/a> ist eine Langzeitbeobachtung intermedialer Wechselwirkungen, es schafft ein Gef\u00fchl f\u00fcr individuelle Trag\u00f6dien, die nicht durchs Visuelle gepr\u00e4gt sind, sondern durch Verh\u00e4ltnisse, Spannungen, Energieverschiebungen und Differenzen, durch die Dom\u00e4nen der Sprache, der Kunst und der Dichtung als intransitive sprachliche Kundgabe, die sich zuletzt nur noch als beredtes Schweigen manifestiert und nichts anderes mehr zu bedeuten hat, als da\u00df da einer noch atmet. \u00c4hnlich wie Gilgamesch wollte Weigoni nicht einsehen, da\u00df Unsterblichkeit nur den G\u00f6ttern gegeben, Leben und Sterben aber Teil der menschlichen Natur ist &#8211; Rainer Maria Rilke nannte es: das \u201eEpos der Todesfurcht\u201c. Diese Offenheit und dieses geradezu Schwebende ausgehalten zu haben und \u00fcber die Strecke einer Novelle tragen zu k\u00f6nnen &#8211; auch das ist Erz\u00e4hlkunst. Weigoni beschw\u00f6rt den linguistic turn in der Poesie, er zeigt, da\u00df <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=229\">Novellen<\/a> erheblich mehr sein k\u00f6nnen als Erz\u00e4hlungen mittlerer L\u00e4nge, es geht ihm nicht nur darum die Gattung der Novelle neu zudefinieren, sondern letztlich zu transzendieren. Hier kann man nachvollziehen, da\u00df das Gedicht von der Rose nicht mehr gilt: Der Rhein ist nicht der Nil ist kein Rinnsal. Die Dingwelt lebt &#8211; und zwar gerade in ihrer h\u00f6chst verg\u00e4nglichen Einmaligkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vignetten<\/strong>, Novelle von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2009 \u2013 Limitierte und handsignierte Ausgabe als Hardcover.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein H\u00f6rprobe findet sich <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/630.html\">hier<\/a>. &#8211;\u00a0 Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualit\u00e4t erh\u00e4ltlich \u00fcber: <a href=\"mailto:info@tonstudio-an-der-ruhr.de\">info@tonstudio-an-der-ruhr.de<\/a><\/p>\n<div style=\"width: 184px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=52878&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover.jpeg\" sizes=\"auto, (max-width: 174px) 100vw, 174px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover.jpeg 623w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover-196x300.jpeg 196w\" alt=\"\" width=\"174\" height=\"266\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Covermotiv: Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<h4>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Constanze Schmidt zur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/11\/18\/wellenbewegungen\/\">Novelle<\/a> und zum <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">Label<\/a>. Ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/01\/18\/literaturgeografie\/\">Nachwort<\/a> von Enrik Lauer. KUNO \u00fcbernimmt einen Artikel der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/09\/09\/bruchstuckhafte-morsezeichen\/\">Lyrikwelt<\/a> und aus dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/09\/lachfalten-im-gesicht-der-zeit\/\">Poetenladen<\/a>. Betty Davis konstatiert <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/06\/18\/ein-fein-gesponnenes-psychogramm\/\">Ein fein gesponnenes Psychogramm<\/a>. \u00dcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/12\/18\/novelle_revisited\/\">Reanimierung<\/a> der Gattung Novelle und die Weiterentwicklung zum Buch \/ Katalog-Projekt <em>630<\/em> finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46549\">hier<\/a> einen Essay. Einen Essay zur Ausstellung <em>50 Jahre Krumscheid \/ Meilchen<\/em> lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21518\">hier<\/a>. Mit einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/10\/das-hungertuch-fuer-tom-taeger\/\">Laudatio<\/a> wurde der Hungertuch-Preistr\u00e4ger Tom T\u00e4ger und seine Arbeit im Tonstudio an der Ruhr gew\u00fcrdigt. Eine W\u00fcrdigung des Lebenswerks von Peter Meilchen findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; \u00dcber die Reanimierung der Literaturgattung Novelle &#8211; Die Herkunftsdokumentation des Begriffs Novelle ist fragmentarisch, und selbst bei den vielen gut aufgekl\u00e4rten F\u00e4llen bleibt sie oftmals strittig. Dem lateinischen novus \u201aneu\u2018 entspricht italienisch novella \u201aNeuigkeit\u2018, eine k\u00fcrzere Erz\u00e4hlung in Prosaform.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/01\/31\/novelle_revisited\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":195,"featured_media":97847,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,36,52],"class_list":["post-12899","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-ioona-rauschan","tag-peter-meilchen"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12899","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/195"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12899"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12899\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98141,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12899\/revisions\/98141"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97847"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12899"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12899"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12899"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}