{"id":12856,"date":"2013-12-10T00:01:09","date_gmt":"2013-12-09T23:01:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12856"},"modified":"2022-12-29T16:44:10","modified_gmt":"2022-12-29T15:44:10","slug":"gedankenspaziergaenge","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/gedankenspaziergaenge\/","title":{"rendered":"Gedankenspazierg\u00e4nge"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die Bezeichnung Essay schafft einen rahmenlosen Rahmen, und ich bin dankbar f\u00fcr jede Nichtregulierung.<br \/>\nMarlene Streeruwitz<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von einem Essayisten erwartet man ebenso wie vom Scharfrichter, da\u00df er sich st\u00e4ndig entschuldigt. Dieser mu\u00df Abbitte leisten, weil er zu t\u00f6dlich ist, jener, weil er nicht t\u00f6dlich genug ist. Die Sprache treibt den Essay aus sich heraus und umgekehrt der Essay die Sprache, und in diesem Text werden Gedanken zu Sprache, wird Sprache zu Gedanken. Der Essay ist eine Hybridform zwischen Feuilleton und Wissenschaft, in der sich freies, wildes oder unreglementiertes Denken ohne akademische Formvorgaben artikulieren darf, ihm h\u00e4ngt der Ruf an, zu klein und zu nebens\u00e4chlich, eine seltsame, irgendwie veraltete Form des Journalismus zu sein. Zwar ist der Essay kein langer Roman, auch keine wissenschaftliche Abhandlung, im Idealfall aber verbindet er die Qualit\u00e4ten der Gattungen. Wen an diese Kategorie denkt, ruft im Geist eine Reihe klassischer Begriffspaare auf, wie zum Beispiel Essay und Wissenschaft, Subjektivit\u00e4t und Objektivit\u00e4t, Fragment und System. Dabei ist das <em>und<\/em> immer eher als <em>oder<\/em> zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Was ist eigentlich ein Essay, wenn er keine wissenschaftliche Abhandlung, kein Traktat, kein Pamphlet und kein Roman ist?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir begreifen den Essay auf KUNO als eine Versuchsanordnung, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Er ist Medium und Movens der Reflektion in einer Zeit, die einem bekannten Diktum zufolge ohne verbindliche Meta-Erz\u00e4hlungen auskommt. Das eigent\u00fcmliche Verm\u00f6gen des Essays ist es, dass er das Ideal der clara et distincta perceptio und der zweifelsfreien Gewissheit sanft herausfordert. Die Gattung Essay konterkariert die begrifflichen Ordnungsmodelle der modernen Wissenschaft und das, was sie gemeinhin als wahr erachten. Dem innersten Formgesetz nach, verschreibt sich der Essay der \u00a0Ketzerei, da er durch seinen Verstoss gegen die Orthodoxie des Gedankens gerade das sichtbar macht, was zu vertuschen insgeheim den Zweck der Geltungsmacht des schlecht Allgemeinen ausrichtet. Der Essay ist ein Forum des Denkens nach der gro\u00dfen Theorie und schon gar nach den gro\u00dfen Ideologien und Antagonismen, die das letzte Jahrhundert beherrscht haben. Auf die offene Form, die der Essayist bespielen muss, damit dieser immer wieder neu entstehende \u201eintegrale Prozesscharakter von Denken und Schreiben\u201c auf der \u201eB\u00fchne der Schrift\u201c in Gang gesetzt werden kann, verweist der Literaturwissenschaftler Christian Sch\u00e4rf. Im Essay geht die abstrakte Reflexion mit der einnehmenden Anekdote einher, er spricht von Gef\u00fchlen ebenso wie von Fakten, er ist erhellend und zugleich erhebend.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Aus der Vergangenheit die Zukunft herauslesen, wer h\u00e4tte es nicht versucht?<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">William Morris<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Internet erm\u00f6glicht uns, eine Welt der Bez\u00fcge herzustellen, daher rufen wir auf KUNO die Klassiker in Erinnerung und kombinieren die Vision des Niedrigschwelligen mit mit aktuellen Themen. Ein Essayist er ist heute nicht mehr der Gatekeeper mit dem Geheimwissen von einst. Daher kn\u00fcpfen wir in diesem Online-Magazin wortreich soziale Netzwerke mit Lebenden und Toten. Das Netz hat die Literatur aus den Krallen der Kritiker befreit und die Geschmackspolizei entmachtet. Hypertext bietet eine Erweiterung: Online-Sein hei\u00dft Ver\u00adfl\u00fcchti\u00adgung, und im Glauben, alles zu erfassen, kann selbst der interessierte Leser doch nur seine Ohnmacht ange\u00adsichts der Zeichenschwemme einge\u00adstehen. Der se\u00adman\u00adtisch ent\u00adris\u00adsene Text tritt als Flie\u00dftext in Kon\u00adkurrenz zu anderen Texten und Bildern, die immer auch auf den eigent\u00adlichen Text als Diskurs\u00adprodukt zur\u00fcck\u00adwirken. Auch die Text\u00adintention \u00e4ndert sich durch die mediale Ver\u00adschiebung, soda\u00df die Netz-Fl\u00fcchtigkeit zur Text-Fl\u00fcchtigkeit wird. Nat\u00fcrlich kennt auch die Welt jenseits der Kunst eine vergleichbare Dichte von Information, vor allem im Internet, wo das Enzyklop\u00e4dische in kollaborativer Anstrengung zu neuem Leben erweckt wird. Wir bei KUNO glauben, da\u00df die \u00d6ffnung der Archive das gro\u00dfe Zeichen unserer Zeit ist. Wie geht man damit um, dass man mit einem Mal durch das Internet einen direkten Zugang zu allen jemals erschienenen Essays bietet?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Wie geht man mit dieser Vielfalt um?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">In welchem Verh\u00e4ltnis stehen Neuerscheinungen zu den Avantgarden der Vergangenheit?<\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #333333;\">Drei Haupttypen der Gattung <em>Essay<\/em><\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Falls wir richtig gez\u00e4hlt haben, sind bei der Gattung <em>Essay<\/em> drei Haupttypen auszumachen, alle gleicherma\u00dfen in jener Tradition, die Michel de Montaigne (von dem ich mir flankierend ein paar <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=13252\">Vorworte<\/a> borgte) einstmals begr\u00fcndete. Zum einen eine Mischung aus Rezension und Reportage, dann den Essay \u00fcber entlegene Dinge, und zu guter Letzt den Erinnerungsessay. Dem Essay schreibt man als literarisch-philosophischer Form folgende Kennzeichen zu: Unverwechselbarkeit, Pers\u00f6nlichkeit, eine bewegliche Freiheit des Geistes, die Liebe zur offenen Form, der \u00fcberraschende Blickwinkel, die Neigung zum Vorl\u00e4ufigen, aber auch Pointierten, eine gewisse unternehmungslustige Heiterkeit umrei\u00dfen positiv das essayistische Temperament, wie es sich skeptisch, auch kritisch zum Systematischen, Scholastischen, Dogmatischen verh\u00e4lt. Philosophie als strenge Wissenschaft ist dem Essayisten ein Gel\u00e4chter, die Attit\u00fcde des Wahrheitsbesitzes, \u00fcberhaupt alles Fixierte, Gebundene ist verp\u00f6nt; Zweifel ist ihm die prim\u00e4re Tugend intellektueller Redlichkeit, Langeweile die S\u00fcnde wider den Geist.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Nicht zu vergessen, dass die Kritik, um etwas zu leisten, sich selber unbedingt bejahen muss. Ja, vielleicht muss sie \u2013 man denke an die Theorien der Br\u00fcder Schlegel, \u2013 sich selber den h\u00f6chsten Rang geben.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Walter Benjamin<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #333333;\">Tradition ist Widerspruch. Der Essay ist eine Form, die in der deutschen Literaturgeschichte nicht viele Gew\u00e4hrsleute hat. Adorno und Hans Magnus Enzensberger beklagten sich dar\u00fcber schon in ihren literaturkritischen Essays, die sie zu den wenigen deutschsprachigen Vertretern dieser Gattung machten. Immer wieder haben hier einzelne Autoren Essays geschrieben, wie Thomas Mann, doch eine dichte Tradition wie im angels\u00e4chsischen Raum gibt es nicht. Was Essays die \u00dcberzeugungskraft verleiht, ist die philosophische Anstrengung, denen man das Material unterwirft. Wir haben nicht viel \u00dcbung mit dieser Art des Schreibens, die weder Fisch noch Fleisch ist. Der Verlag wei\u00df nicht, ob er den Essay in der Sachbuch- oder Belletristik-Vorschau ank\u00fcndigt, der Buchh\u00e4ndler wei\u00df nicht, in welches Regal er ihn stellt; und die Kritiker, die Texte in die Schubladen ihrer geistigen H\u00e4ngeregistraturschr\u00e4nke einordnen wollen, k\u00f6nnen mit dem essayistischen Ich nichts anfangen, das von sich selbst erz\u00e4hlt, aber offenbar doch etwas Exemplarisches meint. Es gilt die metaphorischen Stecknadeln im www zufinden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Wir leben, wenn man den g\u00e4ngigen Theorien glauben darf, in der Wissensgesellschaft.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Was ist eigentlich Wissen?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Buecherregal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-13466\" title=\"Buecherregal\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Buecherregal.jpg\" alt=\"\" width=\"203\" height=\"210\" \/><\/a>Unter dem Titel <em>\u00dcber die Schulmeisterei<\/em> kann man bei Michel de Montaigne lesen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch kenne einen, der, so oft ich ihn frage, ob er dies oder jenes wei\u00df, ein Buch von mir verlangt, um es mir darin zu zeigen, und sich nicht getrauen w\u00fcrde, mir zu sagen, er habe die Kr\u00e4tze am Hintern, ohne auf der Stelle im Lexikon nachzuschlagen, was Kr\u00e4tze ist und was Hintern.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um zu verdeutlichen, was er sagen will, f\u00fcgt Montaigne erl\u00e4uternd hinzu:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir nehmen die Gedanken und das Wissen anderer in Obhut, und das ist alles. \u2013 Wir m\u00fcssen sie uns aber zu eigen machen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Montaignesche Unterscheidung erscheint mir wegweisend: der Gegensatz zwischen totem Buchwissen und einer lebendigen, neue Informationen, Methoden und Perspektiven ins eigene Selbst\u2013 und Weltverstehen integrierenden Intelligenz. Was Wissen erst wirklich vital macht ist die F\u00e4higkeit, selbst\u00e4ndig mit ihm umzugehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Darum engagiert sich der Essayist nicht so sehr im Gewebe der Sprache, sondern am Webstuhl, in dem die F\u00e4den zusammenflie\u00dfen, um zu dem &#8218;Kultur&#8216; genannten Gespr\u00e4ch verwoben zu werden. Das hei\u00dft, mit anderen Worten: der Essayist f\u00fchlt den Drang, oft und in vielen Medien, also intensiv und extensiv zu publizieren. <\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Vil\u00e9m Flusser<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Logo-Essaywettbewerb1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13470\" title=\"Logo-Essaywettbewerb\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Logo-Essaywettbewerb1.gif\" alt=\"\" width=\"560\" height=\"100\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Logo-Essaywettbewerb1.gif 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Logo-Essaywettbewerb1-300x53.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #888888;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Tradition Montaignes verstehen wir auf KUNO den Essay als Versuch, gibt diesem aber den naturwissenschaftlichen Sinn des Experiments, der experimentellen Versuchsanordnung und zugleich die existenzielle Bedeutung des Lebensexperiments und vertieft beides so ins Abgr\u00fcndige, da\u00df aus dem Versuch sowohl die Versuchung wie der Versucher und das Versucherische sprechen. Welche labyrinthischen Gedankeng\u00e4nge bei diesem Auswahl\u2013 und Transformationsprozess durchlaufen werden, wie schnell ein brauchbarer Gedanke zu Abfall und Nebens\u00e4chliches fruchttragend werden kann, beschrieben wir auf KUNO t\u00e4glich bis zum Jahresende in unterschiedlichster Weise, indem wir die Korrespondenzen der eingereichten Essays zu den Klassikern aufzeigen. Jede Auswahl ist angreifbar. Entscheidend ist, ob sie aus sich selbst heraus eine Begr\u00fcndung findet.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Essayist ist man, weil man Kopfmensch ist,<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Roland Barthes<\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #333333;\">KUNOs essayistische Begleiter durchs Jahr<\/span><\/h3>\n<div id=\"attachment_19900\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/theoBreuer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19900\" class=\"size-thumbnail wp-image-19900\" title=\"theoBreuer\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/theoBreuer-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19900\" class=\"wp-caption-text\">Theo Breuer<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir finden im Dezember auf KUNO Essayisten, die uns \u00fcber das Jahr hinweg begleitet haben. Michael Gratz, ein G\u00f6nner der Verschreibkunst, k\u00fcndigte den Lyriker Theo Breuer auf der Seite <a href=\"http:\/\/lyrikzeitung.com\/\">lyrikzeitung <\/a>in seiner Funktion als Essayist als THE Breuer an. Wir sind froh, da\u00df dieser Kenner der deutschsprachigen Literatur bei <em>kulturnotizen<\/em> den ein oder anderen Essay publiziert hat. Das existenzielle Schreiben kann man bei <em>The<\/em> Breuer als moralische Selbstbehauptung beschreiben, wie sich auch z. B.\u00a0 Michel de Montaignes R\u00fcckzug in sein offenes Projekt der \u00bbEssais\u00ab sieht. <em>The<\/em> Breuer tr\u00e4gt damit zur Ehrenrettung einer Gattung bei. Leitartikel sind nicht ohne. Schwieriger aber schon eine Kritik, ein historischer Aufsatz. Noch schwieriger eine Reportage. Dann kommen die Glossen, Kolumnen, das ist schon ziemliche Kunst. Der Zeitungsk\u00fcnste h\u00f6chste aber ist: der Essay.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Warum?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil der Essay nichts erz\u00e4hlt und nichts bedenkt, weil er im Gegensatz zur Glosse oder Kolumne keine Pointe kennt und keine Moral von der G\u2019schicht, weil der Autor in jeder Zeile gegenw\u00e4rtig und doch am Ende zwischen den Zeilen verschwunden sein muss. Weil ein Essay ein textlicher Schwebezustand ist, ein vages Nichts, das exakt alles enth\u00e4lt: Leitartikel, Reportage, Kritik, historische Betrachtung. Ein Essay kann jede Materialschlacht wagen. Was ihn zusammenh\u00e4lt, ist nicht einmal ein roter Faden. Ihn st\u00fctzen ein paar rote Punkte vielleicht und die Haltung, der Atem dessen, der spricht. So darf ein Essay alles, was er stilistisch tr\u00e4gt. Dieser Prozess, sein Geheimnis, aus intensiver Welt- und Selbstwahrnehmung einen Text im Tone v\u00f6lligen Unbeteiligtseins herzustellen, l\u00e4\u00dft sich auf keiner Journalistenschule lernen. Man sch\u00e4tzt <em>The<\/em> Breuer aus seinen essayistischen Monographien, aber erst hier auf KUNO lief er zur <em>h\u00f6ggschden<\/em> Form auf. Gerne weise ich daher abschlie\u00dfend noch einmal auf seinen fulminanten Essay\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19437\">Gedanken \u00b7 G\u00e4nge \u00b7 Spr\u00fcnge<\/a> hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Und das hei\u00dft wieder, dass der Essayist gegen das Getriebe jenes Apparates getrieben wird, das man die &#8218;Medien&#8216; nennt, was ich metaphorisch &#8218;den Webstuhl der Kulturen&#8216; nannte. Dieser Apparat, dessen M\u00fchlen langsam, daf\u00fcr aber unsicher mahlen, k\u00f6nnen den Essayisten entweder ausspeien oder zermahlen oder aber sie k\u00f6nnen ihm willkommene Grenzen setzen.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Vil\u00e9m Flusser<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_16637\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Benkel13.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16637\" class=\"wp-image-16637 size-full\" title=\"Benkel1\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Benkel13.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"133\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16637\" class=\"wp-caption-text\">Holger Benkel<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Holger Benkel konzentriert sich in seinen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/23\/essays-von-holger-benkel\/\">Rezensionsssays<\/a> auf Personen, zumeist Schriftsteller und bildende K\u00fcnstler. In seinen Essays beschreibt Benkel, wie sich Zeit und Identit\u00e4t im Lesen und Wiederlesen spiegeln, das Gelesene und Gesehene beeinflussen, wie das Gelesene und Gesehene immer wieder auch von den Umst\u00e4nden abh\u00e4ngt, unter denen es geschrieben wurde. Was den Essays von Benkel die \u00dcberzeugungskraft verleiht, ist die philosophische Anstrengung, denen er sein Material unterwirft, seine Texte zeigen, was der Fokus auf eine Fragestellung sichtbar machen kann, wie diese Konzentration aufdeckt, was dem Schreibenden selbst verborgen blieb, wohl wissend, da\u00df die F\u00fclle der Literatur, der Kunst und des Lebens eben darin liegen, nie alles wissen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Denken ohne Augenklappe<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Trans.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-16421\" style=\"border: 1px solid black;\" title=\"Trans\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Trans.jpg\" alt=\"\" width=\"140\" height=\"199\" \/><\/a>Die Krisen, die unseren Globus sch\u00fctteln, sind begleitet von einer Krise unseres Denkens, die damit auch zu einer Krise unseres politischen, kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Handelns wird. Wir m\u00fcssen unser Denken und Handeln ver\u00e4ndern und weiterentwickeln. Das ist eine politische Forderung, die in nahezu allen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=16147\">Essays<\/a> von Joachim Paul enthalten ist. In <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=468\">Trans- <\/a>k\u00f6nnen wir seinem wilden, kompromisslosen Denken folgen. Dieses Buch zeigt ihn denkend und es zeigt auch, wie er denkt. Er richtet seine Aufmerksamkeit genau darauf, was dem Denken im Wege steht. Genauer: was das Denken \u00fcberhaupt pr\u00e4sent macht. Paul entwickelt eine Medientheorie, die auf Kulturtechniken setzt: Medien, Netze und Maschinen schreiben mit an unserem Denken.\u00a0 Wenn ein User nur <em>unter<\/em> einem Programm arbeitet, ist er regelgerechter Untertan. Pauls Reflexionen \u00fcber Menschen, Medien, Netze und Maschinen sind eine Flaschenpost an die Zukunft.<\/p>\n<p align=\"right\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\">VerDichtung &#8211; \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/a> <em><span style=\"color: #999999;\">ist ein Essay von A. J. Weigoni, der \u00fcber zeitgeistige Subjektivismen hinaus das Verfertigen von Lyrik thematisiert und Schreiben in einen psychozozialen Kontext stellt. Die Jaynes&#8217;sche These aus den 1970er-Jahren von der &#8222;Sprache als Wahrnehmungsorgan&#8220; findet in Weigonis Essay eine neue Entsprechung.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=1016\"><em>Vorlass<\/em><\/a> b\u00fcndelt Weigoni die Motive seines Schreibens in einem vielstimmigen Buch. In diesem Band findet sich die dekonstruktive Aufl\u00f6sung der mehr oder weniger strikt gezogenen Grenzen zwischen Elite- und Massenkultur, zwischen Literatur und Wissenschaft, Kunst und Publizistik. Simultanit\u00e4t ist ein gef\u00e4hrlicher Reichtum, die \u00dcberf\u00fclle von Gelerntem und fl\u00fcchtig Aneigbarem, f\u00fchrt zur Abstraktionen. Jeder Essay von Weigoni f\u00fcr sich genommen schl\u00e4gt mit einer beinahe unertr\u00e4glichen Leichtigkeit einen Bogen von einem winzigen, eigentlich belanglosen Ph\u00e4nomen zu einer fundamentalen Frage des Menschseins.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><span style=\"text-align: justify; color: #333333;\">Zukunft braucht eine fundierte Herkunft<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Dezember finden sich Schl\u00fcsseltexte in Bezug auf die Entwicklung des Essays. Diese Texte machen deutlich, wie seit der Aufkl\u00e4rung lang um Haltungen, Positionen, um das Spannungsfeld zwischen Authentizit\u00e4t und K\u00fcnstlichkeit gerungen wurde. Die Haltung zu den Medien und zur technischen Welt ist nicht kritisch im herk\u00f6mmlichen Sinn, sondern eher distanziert, oder anders gesagt: kontingent. Kritik baut immer schon darauf, dass die Welt so ist, wie sie ist, um auf ihre Fehler zu zeigen oder eine Ver\u00e4nderung zu fordern.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Ist Sampling nicht auch eine Form der \u00dcberlieferung?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn das Bewu\u00dftsein des Historischen verschwindet, kehren die Gespenster der Geschichte zur\u00fcck. Spirituelle oder mystische Eingebungen, obskure und irrationale Denkbilder m\u00f6gen sich bestens mit der Heroisierung exzentrischer K\u00fcnstler-Egos vertragen. Auf die Tatsache, dass wir in einer kontingenten Welt leben, gibt der eskapistische R\u00fcckzug in Innenwelten und Randgebiete des Wissens nur eine von mehreren m\u00f6glichen, sozusagen kontingenten, Antworten \u2013 und keine besonders befriedigende. Das mag ein praktisches Problem sein, das die Essays zwar ber\u00fchrt, aber die k\u00fcnstlerische Position der beteiligten Autoren sogar st\u00e4rkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Essays gegen das Verschwinden<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich nicht \u00fcber mich selbst nachdenke, dann denke ich erst gar nicht nach. Innovationen verursachen bei mir immer dann Bauchgrimmen, wenn damit die Vernichtung von etwas kulturell Bew\u00e4hrtem oder gesellschaftlich Erprobtem einhergeht. Meine Arbeit auf KUNO ist eine Meditationen gegen das Verschwinden. Da\u00df der Mainstream etwas als obsolet aussondert, nichts aus \u00fcber dessen tats\u00e4chliche Bedeutung. Der Umstand, da\u00df Dinge in der Vergangenheit mal von Belang waren, sollte ihnen allemal unsere Wertsch\u00e4tzung, zumindest als Archivalien, sichern. Die Kontingenz setzt sich \u00fcber diese Beschr\u00e4nkung hinweg. Denn sie wei\u00df, dass die Welt auch anders sein k\u00f6nnte oder vielleicht gar nicht so ist, wie sie allgemein scheint. Man kann eine Entwicklung feststellen, die in einem positiven Sinne von Naivit\u00e4t zu Abgekl\u00e4rtheit f\u00fchrt, jede Phase hat ihre H\u00f6hepunkte gehabt, die sich stets durch einen intuitiv virtuosen Gebrauch von Sprache kennzeichnen. Um das abzubilden, w\u00e4hlten wir mehrheitlich bekannte Essayisten, zu denen sich jeder Leser kalibrieren kann.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #888888;\"><span style=\"color: #333333;\">Die Preistr\u00e4ger des KUNO Essay-Wettbewerbs 2013<\/span><br \/>\n<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Essay ist ein Werkzeug, das nach der Lekt\u00fcre die Dinge klarer und sch\u00e4rfer sehen l\u00e4sst, er bewegt sich an der Schnittstelle von Feuilleton, Wissenschaft und Literatur agiert. Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist zumal, zumal es sich bei den ausgezeichneten Autoren um Lyrikerinnen und Lyriker handelt. Die Jury hat sich nach intensiver Beratung als Preistr\u00e4ger f\u00fcr den KUNO-Essaypreis 2013 f\u00fcr Sophie Reyer, Christine Kappe und Jan Kuhlbrodt entschieden.<\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\">Essayistische Splitscreen\u2013Technik<\/span><\/p>\n<div style=\"width: 276px\" class=\"wp-caption alignright\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=12856&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/PortaitSophieReyer1.jpg\" alt=\"\" width=\"266\" height=\"182\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Portr\u00e4t Sophie Reyer, von Konstantin Reyer<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sophie Reyer geht im Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17985\"><em>Referenzuniversum<\/em><\/a> der Frage nach, wie das Schreiben durch das schreibende Analysieren gebrochen wird. Sie gestaltet sich einen Allegorienaufmarsch mit Texteinheiten voller Schalk und Weisheit. Wie jede Schriftstellerin erschafft Reyer eine ganz eigene Wahrnehmung, eine Beobachtung, die sich sowohl aus dem kollektiven wie auch individuellen Bewu\u00dftsein speist.\u00a0Die Generation um Reyer setzt auf die Intelligenz der Menge, auf die Selbstorganisation des Schwarms, auf die Macht derer, die sich selbst erkannt und aus freien St\u00fccken miteinander verbunden haben. Es geht ihnen nicht mehr darum, dass die Einzelnen in einem grossen Ganzen vereinheitlicht werden und ihre eigenen Ideen, Geistesblitze und ihre Kreativit\u00e4t einem fertigen Weltbild unterordnen. Diese Generation kann viele werden und dabei Einzelne bleiben, die mit all ihrer Eigenst\u00e4ndigkeit, Verr\u00fccktheit und mit ihrem individuellen Eigensinn dazu beitragen, die Idee einer Poesie immer wieder neu entstehen zu lassen. Reyer bricht die Idee vom objektiven Ich und vom subjektiven Ich auf und thematisiert in ihrer Poesie Verletztheit, es ist eine wohltuend unsentimentale Sichtweise auf die Welt und ihre Mechanik.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Gegenwartsliteratur l\u00e4\u00dft sich \u00fcber ihre Gegenw\u00e4rtigkeit definieren.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_20152\" style=\"width: 250px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/041kl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-20152\" class=\" wp-image-20152 \" title=\"OLYMPUS DIGITAL CAMERA\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/041kl-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"180\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/041kl-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/041kl-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-20152\" class=\"wp-caption-text\">Christine Kappe, Fotograf: Ric G\u00f6tting<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christine Kappe stellt die Frage: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17565\">Findet das Heute \u00fcberhaupt statt?<\/a> Inspiriert durch den Literaturvermittler und gleichfalls findigen Essayisten Theo Breuer startete Kappe auf KUNO mit dem Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=2978\">Das Licht ist mein Thema, nicht der Himmel oder: Ilya Kabakov und das Licht auf meiner Posttour<\/a>. Diese Autorin wartet in ihren Essays mit skurriler Metaphorik auf. Obzwar sie Sprachwissenschaft und Geschichte studierte, wurde sie nicht verbildet. Gute Autoren erkennt man daran, da\u00df sie besser werden. Kappe exerziert auf lakonische und unterhaltsame Weise, wie ein neugieriges, zwanghaft sprachverliebtes Cham\u00e4leon Entfremdung, Fragmentierung und erneute Synthese betreibt. Ihre Essays haben die Tendenz das Ich und seinen Gegenstand zu entgrenzen und diese Entgrenzung sprachlich weiterzutreiben, sie miteinander und mit skurrilen Einzelheiten und Beobachtungen zu vermischen und einfallsreich in surreale Gebilde zu verwandeln. Diese Autorin ist eine wilde Denkerin im besten Sinne, allein sch\u00f6n wegen der gr\u00f6\u00dferen Textsammlung zu den Themen Nacht und Hannover h\u00e4tte ihr dieser Preis geb\u00fchrt. Auf die Knie ging die Jury jedoch vor der scheinbaren Einfachheit ihres preisw\u00fcrdigen Essays und stimmt der Autorin vollauf zu Die Literatur wird parallel zu den neuen Medien weiterexistieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Der Essay bedarf keiner enzyklop\u00e4dischen Stimmigkeit, seine Suggestivkraft erlaubt es, eine Pluralit\u00e4t von Partialwelten koexistieren zu lassen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz im Sinne Montaignes wagt sich Jan Kuhlbrodt an einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12944\"><em>Versuch \u00fcber Ingold<\/em><\/a>. Das Tastende dieses<em> Vermittlers<\/em> l\u00e4\u00dft sich durchweg in seinem Schreiben finden, etwa in seinem Langgedicht <em>St\u00f6tzers Lied. Gesang vom Leben danach<\/em>. Dieser Zyklus tr\u00e4gt viel Bewu\u00dftsein f\u00fcr die eigenen Quellen in sich, gelegentlich glaubt man das Faksimile-Knistern alter Amigaplatten zu h\u00f6ren. Sein Gedichtband enth\u00e4lt eine Vielstimmigkeit in der Einheit. Und es sind \u00fcberwiegend Lyriker, denen sich Kuhlbrodt essayistisch widmet. Stoische Geringsch\u00e4tzung von \u00c4u\u00dferlichkeiten, Kritik des Wissenschaftsaberglaubens und der menschlichen \u00dcberheblichkeit gegen\u00fcber anderen Naturgesch\u00f6pfen sowie Skepsis gegen\u00fcber jeglichen Dogmen kennzeichnen seine essayistischen Portr\u00e4ts. Seine trefflichsten Essays sind auch verkappte Selbstportr\u00e4ts. Dieser Au\u00dfenseiter versteht problematischen Naturen. In den Details erkennt er die Eigenwilligkeiten. F\u00fcr einen Autor, der vorgibt, die Literatur sei sein Lebensgef\u00fchl, ist das ein Triumph der Kritik \u00fcber ihren Gegenstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Man interessierte sich weniger f\u00fcrs Analytische als f\u00fcrs Anekdotische<\/em>, schreibt Kuhlbrodt etwa \u00fcber die Jahre bei der Frankfurter AStA. Ebenso wie im \u201eSchnecken\u00adparadies\u201c interessiert sich der Autor auch in seinen Essays f\u00fcr beides: daf\u00fcr, Anekdoten zu erz\u00e4hlen, ebenso wie daf\u00fcr, die Umst\u00e4nde der Anekdoten und die Erinnerung an die Anekdoten zu analysieren. Kuhlbrodt \u00fcberwindet die traditionelle deutsche Kritikfeindschaft, die schon Lessing beklagte zugunsten einer Kunstbetrachtung. Dabei \u00fcberwiegt die Reflexion und Analyse deutlich, dies geschieht jedoch nie ohne Empathie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<div id=\"attachment_47232\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Denis_Ullrich-e1520668311146.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-47232\" class=\"wp-image-47232 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Denis_Ullrich-e1520668311146.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"180\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-47232\" class=\"wp-caption-text\">Denis Ulrich<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denis Ullrichs Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=18423\">Sind wir nicht alle ein bisschen COPY &amp; Paste?<\/a> wurde beim KUNO-Essaypreis 2013 mit einer lobenden Erw\u00e4hnung bedacht. Lesen Sie bitte auch von Denis Ulrich: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=33429\">Fragmentarischer Versuch einer Prosaverortung<\/a>, den Prosa\u00fcberflug\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=34426\">Lost in Laberland <\/a>und seinen letzten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=43793\">Rezensionsessay<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Essays von Frederik Wolfgang Kloiber, Nicoleta Craita Ten\u2019o und Lukas Wetzel, standen bei der Jury ebenfalls in der engeren Auswahl. Diese Autoren wurden mit einem Sonderpreis bedacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>In 2003 stellte KUNO den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/01\/der-essay-als-versuchsanordnung\/\">Essay als Versuchsanordnung <\/a>vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 In 2013 versuchte KUNO mit Essays <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/02\/mit-essays-licht-ins-dasein-bringen\/\">mehr Licht ins Dasein zu bringen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bezeichnung Essay schafft einen rahmenlosen Rahmen, und ich bin dankbar f\u00fcr jede Nichtregulierung. Marlene Streeruwitz Von einem Essayisten erwartet man ebenso wie vom Scharfrichter, da\u00df er sich st\u00e4ndig entschuldigt. 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