{"id":1265,"date":"2012-02-09T06:59:14","date_gmt":"2012-02-09T06:59:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1265"},"modified":"2018-03-06T07:29:38","modified_gmt":"2018-03-06T06:29:38","slug":"zwischenruf-establishment-avantgarde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/02\/09\/zwischenruf-establishment-avantgarde\/","title":{"rendered":"Zwischenruf: Establishment-Avantgarde"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Es gab eine Zeit, da war die k\u00fcnstlerische Avantgarde k\u00fcnstlerisch, da war sie tats\u00e4chlich vorn, vorn auf einem sch\u00f6pferischen Weg. Die Emp\u00f6rung \u00fcber die Gaskrieg-Massaker in Verdun und anderswo und auch \u00fcber das Sterben so vieler\u00a0 K\u00fcnstler \u201ef\u00fcr eine Hure mit verfaulten Z\u00e4hnen\u201c (so Ezra Pound \u00fcber das bzw. die Europa des Jahres 1914-1918), der aus nacktem Hunger geborene Aufschrei eines Malers wie Chaim Soutine, voller Mitleid mit jeder Kreatur, auch mit dem armen Menschen, die Prophetien und Verw\u00fcnschungen gerade der gro\u00dfen Lyriker wie Georg Heym oder Georg Trakl, die Farbexplosionen des deutschen Expressionismus oder des italienischen Futurismus, die k\u00fchle Zauberwelt de Chiricos oder von Henri Michaux, die klaren Dome und Landschaften Feiningers, das Theater von Max Reinhardt, die Musik Strawinskijs oder Hindemiths \u2013 all das und vieles andere zwischen 1900 und 1950 war zun\u00e4chst einmal aus den K\u00f6pfen und Herzen freier Geister geschaffen \u2013 es ordnete sich keinen Marktzw\u00e4ngen unter oder verdankte diesen gar seine Entstehung. Allerdings war es, ehe es entstehen konnte und nachdem es in die Welt und auf den Marktplatz getreten war, \u00e4hnlich konfrontiert mit Geldgier, Verwertungs- und Verwurstungsstreben war wie jede heutige Kunst. Aber damals war eben in aller Regel die Avantgarde unbequem und unerw\u00fcnscht, sie brachte den Zwischenh\u00e4ndlern (den Galeristen, Kuratoren, Impressarios \u2026) keine fetten Honorare und kaum Ehre. Genau das hat sich ge\u00e4ndert. Zwar wird immer noch eine bis zum Koterbrechen ausgequetschte und abgeleierte Traditionsmasche in bestimmten Sektoren gut bezahlt (etwa in der Konzertsaal-Musik), aber mehr und mehr flie\u00dfen \u00f6ffentliche Gelder und private Mittel in ein gut geschmiertes und flott rotierendes Avantgarde-Karussell, das sich ebenso steril wie unaufhaltsam dreht. So wie die Politik zunehmender Verrottung und Verrothung unterliegt, so dominieren in der Kunst die mediokren Vermittler, die theatralischen Wiederaufbereiter, die ebenso berechnenden wie berechenbaren Gro\u00dfmeister einer anpasserischen Verformungsmanie und Provokationsinflationierung.<\/p>\n<p align=\"center\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Ein Hinweis auf das Geamtwerk von Rolf Stolz<\/span>: <strong>WOLFSSEKUNDEN. Kurze Prosa 1995-2010. WERKE Band 1\u201c<\/strong>, mit einem Nachwort von <strong>Nikolaus Gatter<\/strong> (367 Seiten, fester Einband, 22 x 17 cm, 24,90 \u20ac, ISBN 9783746092430).<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=46871&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WolfssekundenxTitelseitex2neu.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WolfssekundenxTitelseitex2neu.jpg 315w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WolfssekundenxTitelseitex2neu-218x300.jpg 218w\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"266\" \/><\/a><em>Wolfssekunden<\/em> ist nach <em>Der Unvermiderte (<\/em>1991 bei Dipa in Frankfurt am Main), <em>Der Abschiednehmer<\/em> (2003 im Verlag Freiburger Echo in Freiburg im Breisgau) und <em>Gwalt<\/em> (2010 im KIDEMUS Verlag, K\u00f6ln) Rolf Stolz vierter erz\u00e4hlender und prosaischer Band. Es sind einfache Geschichten \u00fcber Menschen und ihre Schicksale, meist zwischen 1900 und 1999, zwischen Deutschland und der Nirgendwo-Welt angesiedelt. Diese Prosa bewegt sich zwischen Traumphantasien, (auto)-biographischen Fragmenten, Kurzkrimis, Parodien, Historien und Legenden bewegen sich diese Texte durch Zeit und Raum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gab eine Zeit, da war die k\u00fcnstlerische Avantgarde k\u00fcnstlerisch, da war sie tats\u00e4chlich vorn, vorn auf einem sch\u00f6pferischen Weg. 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