{"id":1253,"date":"2012-02-08T05:46:11","date_gmt":"2012-02-08T05:46:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1253"},"modified":"2012-02-08T05:47:21","modified_gmt":"2012-02-08T05:47:21","slug":"der-wald-am-strand","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/02\/08\/der-wald-am-strand\/","title":{"rendered":"Der Wald am Strand"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/WaldCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1255\" title=\"WaldCover\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/WaldCover-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/WaldCover-188x300.jpg 188w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/WaldCover.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a> Zuerst eine Verwirrung: Was hat der Titel des Buches mit den Gedichten zu tun? In Synke K\u00f6hlers Lyrikdeb\u00fct \u00bbwaldoffen\u00ab stehen wir nicht im Wald, sondern fast ausnahmslos an Gew\u00e4ssern, wie schon die Kapitel\u00fcberschriften \u00bbStrandl\u00e4ufer\u00ab oder \u00bbGrenze im Flu\u00df\u00ab suggerieren. Die Autorin beschreibt uns den Horizont \u00fcber dem Meer, Fische, Muscheln und Str\u00e4nde, l\u00e4dt uns ein zu poetischen Bootstouren. Ihre Zeilen sind ganz leicht dabei, \u00bbdurch die gr\u00fcnen Flaschen betrachtet \/\/ wirkt das Leben hier sehr gr\u00fcn\u00ab, und schon m\u00f6chte man der Autorin ihr eigenes Gedicht vorhalten: \u00bbes bleibt kein Eindruck \/\/ nicht mal im Sand\u00ab. Doch das w\u00e4re nicht richtig. Zugegeben, auf den ersten Blick wirken die ungest\u00f6rten sonnigen Nachmittage weichgezeichnet und kantenlos, und manchmal sind sie das auch. Wozu soll man da mitkommen, wenn doch nichts Besonderes wartet au\u00dfer Landschaftsbeschau und die Suche nach Surfern in den Wellen? Doch bei genauer Betrachtung werden einige tr\u00fcgerische Idyllen sichtbar: Der Himmel ist nicht blau, sondern \u00bbgestochen blau\u00ab, Fischer gar nicht erst vorhanden, der Tang modert, und \u00bbbem\u00e4ngelt wird das fehlende Flimmern der Luft\u00ab. Diese Beobachtungen sind eine Einladung zu intensiver Lekt\u00fcre, der Spaziergang zum \u00bbStrand mit den sandigen \/\/ Zungen\u00ab scheint interessant zu werden. Erst einmal in das feinmaschige und unpr\u00e4tenti\u00f6se Netz der Autorin getappt, bleiben selbst die Umkreisungen zwischenmenschlicher Beziehungen nachvollziehbar, was K\u00f6hlers schr\u00e4ger und zugleich sensibler Wahrnehmung zu verdanken ist: \u00bbschau dir die Verwesung an \/\/ das Meer weckt falsche Erwartungen \/\/ (\u2026) wahrscheinlich hat das Meer uns \/\/ nie gemeint\u00ab.<\/p>\n<p>K\u00f6hlers Gedichte sind leicht und salzig, leise und laut genug, um nicht unterzugehen. Ein Teil des Bandes verspricht etwas und kann es halten: Weil die Gedichte nicht nach Aufmerksamkeit heischen, weil die Wortsetzung genau ist und Bildentw\u00fcrfe aus mehreren Schichten bestehen, die es zu entdecken gilt \u2013 sofern man sich Zeit nimmt f\u00fcrs Muschelsuchen. Dann formt sich K\u00f6hlers poetische Wirklichkeit zu einem feinen Rauschen, wird ein ganz eigener, ruhiger und zugleich kr\u00e4ftiger Puls, der durch die Seiten schl\u00e4gt. Der Puls verl\u00e4\u00dft das Buch nie ganz, flackert immer wieder auf, doch er verebbt auch oft: immer dann, wenn die besondere Welt zugunsten ausgetretener und wenig abenteuerlicher D\u00fcnenpfade verlassen wird. Dann kann es auch passieren, da\u00df das eine oder andere Gedicht schlicht belanglos ist. Ein \u00bbrock konzert\u00ab wird bev\u00f6lkert von Teeniem\u00e4dchen, die selbstverst\u00e4ndlich Pickel haben und Menstruation, alles sehr vorhersehbar und das \u00bbPortrait mit Dorfkirche\u00ab will wohl irgendwie kritisch sein, liefert dann aber wenig, sondern errichtet nur eine Kirche, die \u00bbim neuen Design\u00ab dasteht, immerhin noch \u00bbmit verspiegelten Gl\u00e4sern\u00ab. Weiter geht es zum Tennisplatz, auf dem man nat\u00fcrlich \u00bbimmer in bewegung\u00ab bleibt und die wei\u00dfen Tennisr\u00f6ckchen \u00bbinnerhalb der single lines\u00ab wehen, was auch sonst. Und wozu? Auf in den Wald zum Muschelsuchen! Die langweiligen Muscheln bleiben liegen, die interessanten kommen ins K\u00f6rbchen. Bis dieses voll ist, dauert es l\u00e4nger, aber es lohnt sich.<\/p>\n<h5><\/h5>\n<h5>Synke K\u00f6hler: waldoffen &#8211; Gedichte. Allitera Verlag, M\u00fcnchen 2011, 76 Seiten, 9,50 Euro<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuerst eine Verwirrung: Was hat der Titel des Buches mit den Gedichten zu tun? In Synke K\u00f6hlers Lyrikdeb\u00fct \u00bbwaldoffen\u00ab stehen wir nicht im Wald, sondern fast ausnahmslos an Gew\u00e4ssern, wie schon die Kapitel\u00fcberschriften \u00bbStrandl\u00e4ufer\u00ab oder \u00bbGrenze im Flu\u00df\u00ab suggerieren. Die&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/02\/08\/der-wald-am-strand\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[97],"class_list":["post-1253","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-literatur","tag-peggy-neidel"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1253","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1253"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1253\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1253"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1253"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1253"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}