{"id":11770,"date":"2013-02-12T00:01:07","date_gmt":"2013-02-11T23:01:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11770"},"modified":"2022-02-25T16:26:29","modified_gmt":"2022-02-25T15:26:29","slug":"die-maserung-erzahlt-eine-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/02\/12\/die-maserung-erzahlt-eine-geschichte\/","title":{"rendered":"Die Maserung erz\u00e4hlt eine Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Paragone<\/em> hei\u00dft der Wettstreit der K\u00fcnste. Das intellektuelle Projekt, die Rangfolge der klassischen Disziplinen Malerei, Bildhauerei und Architektur festzulegen, wurde in der Renaissance Italiens geboren. W\u00e4hrend die Maler auf ihre illusionistischen F\u00e4higkeiten verwiesen, punkteten die plastischen K\u00fcnstler mit der Vielansichtigkeit ihrer Werke. F\u00fcr das Medium der Bildhauerei hat sich Pia Bohr f\u00fcr den Holzweg entschieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/pia03.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11777 alignright\" title=\"pia03\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/pia03.png\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"295\" \/><\/a>Die Bildhauerin <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pia_Lund\">Pia Bohr <\/a>sch\u00e4lt das Holz mit einem Stechbeitel, welcher auf direktem Wege das Geheimnis freilegt. Sie bearbeitet das Material mit einer erotisch grundierten Spiritualit\u00e4t wie den Apfel der Liebe oder den Pfirsich der Lust. Analog zu ihrer Arbeit als Musikerin lauscht sie in das Material hinein, als sei es ein Gef\u00e4\u00df, in dem sich die Energien bereits gesammelt haben. Statt zu predigen, l\u00e4\u00dft Bohr mit jener Passivit\u00e4t, die ihre Form weiblicher Hingabe darstellt, die Welt durch sich hindurch sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Maserung erz\u00e4hlt eine Geschichte. Als Synergetikerin h\u00f6rt Pia Bohr zu: <em>Ich nehme Kontakt auf mit dem Holz<\/em>, erkl\u00e4rt die Holzbildhauerin den ersten Schritt dieses Schaffensprozesses. Zu Beginn wei\u00df die Artistin oft nicht wie die Skulptur am Ende aussehen wird. Holz, rein als Material besehen, steckt voller \u00dcberraschungen, es ist vielgestaltig formbar. Ihr Hinterhofatelier war fr\u00fcher Teil der Geburtsstation der st\u00e4dtischen Kliniken, hier wurden Babys geboren, nun sind es ihre Skulpturen, die das Licht der Welt erblicken. Es entstehen neben Frauen- und M\u00e4nnertorsi in der Regel: Liegende, Liebende &#8211;\u00a0 und neben abstrakten Arbeiten auch eigent\u00fcmliche Urtiere, welche alle ihre eigene Geschichte haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20120204_hungertuch_meth_046.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-12112\" title=\"20120204_hungertuch_meth_046\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20120204_hungertuch_meth_046-199x300.jpg\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20120204_hungertuch_meth_046-199x300.jpg 199w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20120204_hungertuch_meth_046-681x1024.jpg 681w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20120204_hungertuch_meth_046.jpg 799w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a>Pia Bohr arbeitet zumeist von grob nach fein mit Kettens\u00e4ge, Spezialfr\u00e4sen, bis hin zu sehr feinstem Schleifpapier. Angeschlossen ist ihre Arbeit erst dann, wenn ein harmonisches Ganzes entstanden ist. Ein gro\u00dfes Gl\u00fccksgef\u00fchl bedeutet f\u00fcr die Holzbildhauerin die letzte Phase des Ein\u00f6lens, befreit vom Staub wird die Skulptur zum Atmen freigegeben. Viele ihrer Torsi sind glatt, die Maserung zeigt sich sehr deutlich und \u00e4hnelt teilweise \u00c4derchen, Fleisch, der Haut. Die k\u00f6rperlichen Rundungen lassen sich mit der Hand nachf\u00fchlen. Obwohl ihre Skulpturen physisch oft unvollkommen sind, strahlen sie neben ihrer Empfindsamkeit auch Kraft aus, sie r\u00e4keln sich, sie streben, sie erz\u00e4hlen von Sehnsucht, Gl\u00fcck und Harmonie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pia Bohr leistet sich den Luxus mit ausgesuchten, lang abgelagerten H\u00f6lzern zu arbeiten, am liebsten sind ihr ligurisches Olivenholz, heimische Obsth\u00f6lzer, Goldregen, Walnu\u00df und Eukalyptus. Wenn sie beginnt, l\u00e4\u00dft sie oftmals nur eine grobe Idee als Ausgangsbasis zu, durch die Maserung, den Faserverlauf und auftauchende Astl\u00f6cher undsofort, bestimmt das Holz w\u00e4hrend des gesamten Arbeitsablaufs seine Neuentstehung mit. Die Bildhauerin geht auf diesem Weg eine Kommunikation ein, der Baum ist nicht tot, er will nach wie vor seine Seele und Geschichte mit in der kreativen Phase zum Ausdruck bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20120115_regalien_meth_053.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-11782 alignright\" title=\"20120115_regalien_meth_053\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20120115_regalien_meth_053-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20120115_regalien_meth_053-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20120115_regalien_meth_053-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20120115_regalien_meth_053.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><em>Die Farben im Gem\u00e4lde sind eine Falle, um das Auge zu \u00fcberzeugen, wie der Charme der Verse in der Poesie<\/em>, schrieb Poussin, und <em>poetisch<\/em> ist das Wort, das Pia Bohrs Werk am besten beschreibt. Was sich bei ihren Solo\u2013Projekten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11764\">Lundaland<\/a>, <em>Gift<\/em> und dem Remix\u2013Album<em> La Folie Angelique<\/em> musikalisch entfaltet, setzt sich auch in ihrer Arbeit als Bildhauerin fort. Biomorphe Formen beherrschen ihre Bildsprache. Diese Artistin nimmt Bezug auf neue Tendenzen in der k\u00fcnstlerischen Auseinandersetzung mit Aspekten des Lebendigen und konzentriert sich dabei besonders auf Holzskulpturen, die explizit biologisches Formenvokabular darstellen. Das Geometrische tritt zur\u00fcck, in manchen Plastiken verschwindet es sogar ganz. Diese freien Formen wirken wie ein Antidot auf jene Ornamentik, die sie auch in ihren Songs vermeidet, weil sie lediglich um ihrer selbst Willen bestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/pia04.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-11783\" title=\"pia04\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/pia04.png\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"295\" \/><\/a>Das Heilige und das Obsz\u00f6ne liegen in ihrem Schaffen dicht beieinander. In ihrem <a href=\"http:\/\/www.piacensored.com\/\">Video<\/a>, das auf ihrer Homepage steht, lernen wir die Doppelbegabung einer Sirene zu sch\u00e4tzen. Einem Song von Pia Lund mit vollem Herzen zu lauschen, erfordert eine gewisse Leidensbereitschaft. Es mutet fast so an, als ob man sich ein Tattoo stechen l\u00e4\u00dft: es kribbelt, es brennt, die Stiche gehen unter die Haut, aber diese Schmerzen geh\u00f6ren zum Preis der Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #888888;\">***<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #888888;\">Zur sehen sind Skulpturen von Pia Bohr auf der Ausstellung &#8222;DORTMUNDER GRUPPE WERKSCHAU 2013&#8220; noch bis zum 22.03.2012. BIG gallery, Unionviertel, Rheinische Stra\u00dfe 1, 44137 Dortmund <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #888888;\">\u00d6ffnungszeiten: montags bis freitags 8:00-17:00 Uhr, sonntags 13:00-18:00 Uhr<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Paragone hei\u00dft der Wettstreit der K\u00fcnste. Das intellektuelle Projekt, die Rangfolge der klassischen Disziplinen Malerei, Bildhauerei und Architektur festzulegen, wurde in der Renaissance Italiens geboren. 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