{"id":11639,"date":"2013-01-11T01:46:58","date_gmt":"2013-01-11T00:46:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11639"},"modified":"2022-06-12T18:23:44","modified_gmt":"2022-06-12T16:23:44","slug":"die-schaubuhne-als-moralische-verunstaltung-oder-zur-anhaltenden-mode-deutscher-inszenierungen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/11\/die-schaubuhne-als-moralische-verunstaltung-oder-zur-anhaltenden-mode-deutscher-inszenierungen\/","title":{"rendered":"Die Schaub\u00fchne als moralische Verunstaltung oder Zur anhaltenden Mode deutscher Inszenierungen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_11649\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/800px-Schaubuehne_am_Lehniner_Platz_2009_IMGP1721.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11649\" class=\"size-medium wp-image-11649\" title=\"800px-Schaubuehne_am_Lehniner_Platz_2009_IMGP1721\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/800px-Schaubuehne_am_Lehniner_Platz_2009_IMGP1721-300x159.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"159\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/800px-Schaubuehne_am_Lehniner_Platz_2009_IMGP1721-300x159.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/800px-Schaubuehne_am_Lehniner_Platz_2009_IMGP1721.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11649\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Rainer L\u00fcck<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass immer wieder &#8211; auch im Bereich des Theaters Faschismus-Folien auftauchen, zeigt mir, dass die Ph\u00e4nomene des Faschismus noch l\u00e4ngst nicht begriffen sind, weil man n\u00e4mlich das Denkverbot befolgt: Es kann im Faschismus nichts gut gewesen sein. Die Fragestellung: Was war am Faschismus so verf\u00fchrerisch, l\u00e4uft immer in die Antwort, dass die Menschen so leicht verf\u00fchrbar und verf\u00fchrt waren. Das aber kann die ganze Antwort nicht sein. Wir m\u00fcssen die Denkverbote aufheben, und dies nicht nur in den akademischen Vakuum-Laboren. Als Ernst Nolte in der Zeit des Historikerstreits, den er ja ma\u00dfgeblich mit ausl\u00f6ste, die Frage nach der historischen Funktion des Dritten Reichs (des Faschismus) stellte, verlor man sich in Moralismen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnliches ist auch zu beobachten, wenn die DDR-Vergangenheit analysiert wird. Das wenige Gute in der DDR (Vollbesch\u00e4ftigung, materielle Absicherung so gut wie aller B\u00fcrger) wird immer im Denkmuster der Widerlegung behandelt: Deswegen ging die DDR ja auch pleite. Usw.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche Denkverbote werden gelebt wegen der verst\u00e4ndlichen R\u00fccksichtnahme auf Juden, Israel. Das Denkverbot f\u00fchrt zur Unfreiheit des Denkens, es verunm\u00f6glicht Kritik als Voraussetzung m\u00fcndigen, vernunftorientierten Handelns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck zur Inszenierungsmode, die nationalsozialistische Vergangenheit als Anspielungsfokus f\u00fcr alles m\u00f6gliche zu missbrauchen, was nun schon seit Jahrzehnten andauert: Hinter dem Schrecken der NS-Grausamkeit l\u00e4sst sich auch gut jeder Mangel unserer heutigen Lebensverh\u00e4ltnisse verstecken, das ist das Gef\u00e4hrliche! Da sind wir schon wieder beim Denkverbot. Als ob unsere b\u00fcrgerlich-kapitalistische Demokratie, auch wenn sie zun\u00e4chst einmal die beste Verfassung in der deutschen Geschichte tats\u00e4chlich ist, die absolute Widerlegung des Faschismus sei. So begreift man weder das Faszinosum der faschistischen Bewegung noch die Schw\u00e4chen unserer gegenw\u00e4rtigen Verfassung, sondern verh\u00e4lt sich subversiv zur Aufkl\u00e4rung als Grundbedingung jeder Kritik und Reform.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mich st\u00f6rt an solchen Inszenierungen au\u00dferdem der \u00fcbergro\u00dfe didaktische Zeigefinger, die B\u00fchne als moralische Anstalt, der Zuschauer als Objekt einer obskuren Erziehung mit der Faschismus-Keule. Ich denke lieber selber. Ich m\u00f6chte meine Deutungshoheit nicht an der Garderobe abgeben, auch nicht vor der Rampe im Nebel schiefer Vergleiche und dummer Plakatierungen verlieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man m\u00f6chte ja fast von einer Neurose dieser Regisseure reden. Sind diese zwanghaften Faschismus-Vergleiche Resultate des Geschichtsunterrichts? Oder Wichtigtuerei selbsternannter Moralw\u00e4chter und Zensoren? Sind das alles immer noch Fernwirkungen unserer faschistischen Vergangenheit?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber vielleicht wird das Theater eines Tages wieder ein Raum freieren Denkens. Benjamin von Blomberg, 34, Dramaturg des Jahres 2012, meint:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir bilden keine Aussages\u00e4tze mit einem Punkt am Ende, sondern \u00f6ffnen bestenfalls einen \u00e4sthetischen Assoziationsraum, der Fragen und m\u00f6gliche Antworten in dem Betrachter entstehen l\u00e4sst, ohne naseweis zu bevormunden und vorzugeben, man selbst habe im Griff: die Deutung des Stoffes, die Deutung der Welt, das eigene Menschsein, das Leben.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-98374 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1989\/02\/Bergmann.jpg\" alt=\"\" width=\"122\" height=\"182\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine bildungsb\u00fcrgerliche Kurzprosa mit gleichsam eingebauter Kommentarspaltenfunktion, bei der Kurztexte aus dem Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper,<\/em> und auch aus der losen Reihe mit dem Titel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40312\"><em>Splitter, nicht einmal Fragmente <\/em><\/a>aufploppen. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em>\u00a0von Ulrich Bergmann finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>. Lesen Sie auf KUNO zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> auch den\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Essay<\/a>\u00a0von Holger Benkel, sowie seinen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15183\">Essay<\/a> zum Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass immer wieder &#8211; auch im Bereich des Theaters Faschismus-Folien auftauchen, zeigt mir, dass die Ph\u00e4nomene des Faschismus noch l\u00e4ngst nicht begriffen sind, weil man n\u00e4mlich das Denkverbot befolgt: Es kann im Faschismus nichts gut gewesen sein. Die Fragestellung: Was&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/11\/die-schaubuhne-als-moralische-verunstaltung-oder-zur-anhaltenden-mode-deutscher-inszenierungen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":98374,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[866],"class_list":["post-11639","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-ulrich-bergmann"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11639","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11639"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11639\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103652,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11639\/revisions\/103652"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98374"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11639"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11639"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11639"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}