{"id":11594,"date":"2013-01-10T12:00:19","date_gmt":"2013-01-10T11:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11594"},"modified":"2022-06-12T18:19:56","modified_gmt":"2022-06-12T16:19:56","slug":"tod-dertruktion-und-berlin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/10\/tod-dertruktion-und-berlin\/","title":{"rendered":"Death, Destruction &#038; B\u00e4rlin"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #888888;\">Das Berliner Maxim Gorki Theater stoppt die Auff\u00fchrung des St\u00fccks \u00b4Demenz, Depression und Revolution`. Die\u00a0Witwe\u00a0des 2009 gestorbenen Fu\u00dfball-Nationaltorh\u00fcters will verhindern, da\u00df ihre Familientrag\u00f6die auf der B\u00fchne vermarktet wird. Unser Medienpartner kultura-extra berichtete von der Auff\u00fchrung, die nun niemand mehr in dieser Form zu sehen bekommt:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die Welt im Innersten zusammenhalten w\u00fcrde, hatte schon der alte Goethe (gottlob) nicht herausgekriegt!<\/p>\n<div id=\"attachment_11598\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/getbildtext.php_.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11598\" class=\"size-full wp-image-11598\" title=\"getbildtext.php\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/getbildtext.php_.jpeg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"282\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11598\" class=\"wp-caption-text\">DEMENZ DEPRESSION UND REVOLUTION von Fritz Kater am Berliner Maxim Gorki Theater &#8211; Foto (C) Bettina St\u00f6\u00df<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein menschelnd-menschheitlicher Nachfahre\u00a0Fritz Kater\u00a0&#8211; der mit seinem Urauff\u00fchrungsregisseur um Gottes Willen nicht verwechselt werden darf &#8211; war, seit er selber St\u00fccke schrieb, in einem immer wieder gern bestrebenden als wie beseelenden Bezug zu seinem Dichtervater, den er (Beispiel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.kultura-extra.de\/theater\/feull\/rosinenpicken_174_drogefaust_gorki.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Droge Faust<\/em><\/a>) obzwar durch\/mittels Einar Schleef mitunter ziemlich gern und v\u00f6llig richtig herbem\u00fchte, aber umso glaubw\u00fcrdiger (menschelnd-menschheitlich halt) hinterfragen tat&#8230; Jetzt war ihm irgendwie nach Mythischem zumute, und so untertitelte er justament seine drei n\u00e4chsten (Teil-)St\u00fccke, die er als\u00a0<strong>DEMENZ DEPRESSION UND REVOLUTION<\/strong> ver\u00f6ffentlichte, schlicht mit\u00a0<em>&#8222;studie zu 3 mythen der gegenwart&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber drei Stunden h\u00f6renswertes und zum Ende hin ein bisschen oder mehr und mehr nicht mehr so h\u00f6renswertes Textgemisch verabsolvierte sich mit gro\u00dfartig agierenden und noch viel gro\u00dfartiger sprechenden Schauspielerinnen sowie Schauspielern in der Premieren-Vorstellung, zu der wir gestern Abend sehr gespannt und \u00fcberaus geduldig weilten: Die drei dargebrachten (Teil-)St\u00fccke erschlossen sich dem ungeachtet nicht so eindeutig und leicht in der beabsichtigten Klammerzw\u00e4nge, wie das nun von ihrem Autor eigentlich beabsichtigt gewesen war; und insbesondere w\u00e4hrend des dritten also des Final-St\u00fcckes der Trias war dann schon genervtes Augenrollen oder hochnerv\u00f6ses Auf-den-Sitzen-hin-und-her-Rutschen im Publikum beobachtbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gut, dass es dann immer wieder solche Art von Leitf\u00e4den in den Programmheften zu lesen resp. nachzulesen gibt, wie nachstehendes Beispiel kurz belegen soll:\u00a0<em>&#8222;Demenz, Depression und Revolution: Die drei Themen stehen in Fritz Katers St\u00fcck unverbunden nebeneinander und beleuchten sich doch gegenseitig. Sucht man man einem verbindenden Element, so besteht es wohl darin, dass alle drei das Ineinandergreifen der R\u00e4dchen, das Funktionieren einer Hochleistungsgesellschaft nachhaltig st\u00f6ren oder sogar au\u00dfer Kraft setzen.&#8220;<\/em>\u00a0(Quelle: Sibylle Dudek,\u00a0<em>St\u00f6rungen im Betrieb<\/em>, s. Jahrbuch von Theater heute 2012)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wissen und erfahren also (gottlob) nichts oder so gut wie nichts \u00fcber das &#8222;Was die Welt im Innersten zusammenh\u00e4lt&#8220; und machen uns daher \u00fcber Fritz Katers (Teil-)St\u00fccke &#8211; ganz unverbindlich und ganz unabh\u00e4ngig aller Theorien &#8211; unsern eigenen privaten Reim:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>im schmetterlingsgrund<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem Pflegeheim oder einer Beherbergungsanstalt f\u00fcr Alzheimer-Patienten wird sehr allgemein und wirr herumpalavert und der eine oder andere (medizinale) Fall konkret; am eindr\u00fccklichsten in Erinnerung diese Geschichte von der Frau, die auf der Suche nach dem Kissen ist, das sie dereinstmals w\u00e4hrend der Vertreibung (= Fl\u00fcchtlings-Treck) mitf\u00fchrte und in sinnlichester Unvergessenheit behielt&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>schwarzer hund\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein deutscher Starfu\u00dfballer macht als Torwart eine internationale Blitzkarriere. Seine Frau ist bei und mit ihm ganz gem\u00e4\u00df des Wencke-Myhre-Schlagers\u00a0<em>Er steht im Tor, im Tor, im Tor und ich dahinter<\/em>&#8230; Aber wie das bei den Blitzkarrieren halt so ist &#8211; pl\u00f6tzlich ist unerwartet Schluss mit Lustig, und (egal was kommt): Alles geht schief. Und wenig sp\u00e4ter tut der Starfu\u00dfballer einen Suizid an sich ver\u00fcben; und das hatte er halt dann von seiner Schei\u00dfkarrieregeilheit&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>tagebuch eines revolution\u00e4rs \/ versuch einer f\u00e4lschung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom Prager Fr\u00fchling 1968 handelt letztlich Katers Pavel-Jur\u00e1cek-Text. Der Behandelte w\u00e4re\/war tschechischer Jungautor und Jungregisseur gewesen; einen Gulliver-Film wollte er &#8211; w\u00e4hrend des Prager Fr\u00fchlings &#8211; machen. Wir erfahren alles Diesbez\u00fcgliche aus vorgelesenen und vorgetragenen (fiktiven?) Tagebucheintragungen aus der besagten Zeit&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Interaktive zwischen den Personen &#8211; Pavel, Pavels Tochter und Pavels M\u00e4zenin &#8211; wird durch Rollentausche manifest und aufgelockert. Ja und wenn der hochbegnadete\u00a0Thomas Lawinky nicht gewesen w\u00e4re &#8211; &#8211; ohne das versinnbildlichende Erlebthaben, das seinem Erzverstand und seiner Urkomik f\u00fcr die drei Wechselrollen zu verdanken war, w\u00fcrde der plakative Aufsagtext zur absoluten Blutleere &#8222;verronnen&#8220; gewesen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Urauff\u00fchrungstag las man in der Berliner Zeitung einen seitenlangen Gro\u00dfaufmacher zu den in bundesrepublikanischen Theatern \u00fcblichen &#8222;Sklavenhalter-Vertr\u00e4gen&#8220; f\u00fcr SchauspielerInnen und restliches B\u00fchnenpersonal; da wurde auch am Beispiel des Maxim Gorki Theaters hin und her philosophiert, wie anst\u00e4ndig oder unanst\u00e4ndig so was w\u00e4re.<br \/>\nDie Quintessenz war dann in etwa die: Theater in einer kapitalistisch funktionierenden Gesellschaft funktionierte halt nur so oder so \u00e4hnlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fanden wir nicht minder spannend als die Urauff\u00fchrung (s. o.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr noshade=\"noshade\" size=\"1\" \/>\n<p><strong>DEMENZ DEPRESSION UND REVOLUTION (Maxim Gorki Theater, 05.01.2013)<\/strong><br \/>\nRegie: Armin Petras<br \/>\nB\u00fchne: Annette Riedel<br \/>\nKost\u00fcme: Patricia Talacko<br \/>\nMusik: Miles Perkin<br \/>\nVideo: Rebecca Riedel<br \/>\nChoreographie: Berit Jentzsch<br \/>\nDramaturgie: Sibylle Dudek<br \/>\nMit: Michael Klammer, Cristin K\u00f6nig, Peter Kurth, Thomas Lawinky, Svenja Liesau, Miles Perkin und Aenne Schwarz<br \/>\nUrauff\u00fchrungen der St\u00fccke\u00a0<em>im schmetterlingsgrund<\/em>\u00a0|\u00a0<em>schwarzer hund<\/em>\u00a0|\u00a0<em>tagebuch eines revolution\u00e4rs \/ versuch einer f\u00e4lschung<\/em>\u00a0war am 5. Januar 2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_103646\" style=\"width: 269px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-103646\" class=\"wp-image-103646 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andre-Sokolowski.jpeg\" alt=\"\" width=\"259\" height=\"194\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andre-Sokolowski.jpeg 259w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andre-Sokolowski-160x120.jpeg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/><p id=\"caption-attachment-103646\" class=\"wp-caption-text\">Andre Sokolowski, Photo, privat<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Portr\u00e4t des Dramatikers Andre Sokolowski finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/07\/andre-sokolowski-dramatiker\/\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Berliner Maxim Gorki Theater stoppt die Auff\u00fchrung des St\u00fccks \u00b4Demenz, Depression und Revolution`. 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