{"id":11434,"date":"2014-08-30T00:01:15","date_gmt":"2014-08-29T22:01:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11434"},"modified":"2021-11-15T09:25:31","modified_gmt":"2021-11-15T08:25:31","slug":"ausstellung-hinter-der-stirn","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/08\/30\/ausstellung-hinter-der-stirn\/","title":{"rendered":"Ausstellung hinter der Stirn"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andreas-Liebich11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12332\" style=\"border: 1px solid black;\" title=\"Andreas-Liebich1\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andreas-Liebich11-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Es gab ein Tor, sie wollte schauen, eindringen, die Wirrungen betreten, er\u00f6rtern, anfassen, auseinander nehmen, vielleicht ordnen. Er kam, klingelte, sein bezauberndes L\u00e4cheln lenkte ab von den Inhalten, den Motiven, den Verschlingungen hinter seiner Stirn. Immerhin war er gekommen, auch wenn sein L\u00e4cheln das Wesentliche in Nebel h\u00fcllte, verdunkelte, es sich verfl\u00fcchtigen lie\u00df. Die Nelke &#8211; brachte sie Licht ins Vordergr\u00fcndige, ein Friedensangebot, oder war sie ein manipulatives Spiel, eine Finte, sollte den Blick verschleiern, verh\u00fcllen, das Wesentliche verdecken?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Versteckte er sich hinter Blumen, Charme und Liebesn\u00e4chten, nicht nur bei ihr?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Wille war stark, das Fleisch fand sich inmitten hei\u00dfer Umarmungen und Liebkosungen, lie\u00df das Wesentliche schrumpfen zu einem winzigen Punkt in einer dunklen Nische. Die sich ausbreitende Wollust hinter ihrer Brust, die durch Leidenschaft ertr\u00e4nkten Gedanken, die verflogenen Zweifel, verschmolzen zu einem violett &#8211; violinen Orchester im Sopranissimo und verliefen sich in paradiesische H\u00f6hen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andreas-Liebich3-217x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12334\" style=\"border: 1px solid black;\" title=\"Andreas-Liebich3-217x300\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andreas-Liebich3-217x300-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Sie nippte an ihrem schweren roten Wein, ihre Gedanken begannen sich zu formen, erneut Zweifel freizusetzen, Bewusstsein stellte sich allm\u00e4hlich wieder ein. Ihr Bauch riss auf, Wunden klafften aufs Neue, bohrende Schmerzen, Schwerter durchzogen die Ged\u00e4rme, blutende Gedanken tropften zu Boden, erhoben sich, spannten ihre Netze gen Decke. Kurz vor dem Niederschlag ergriff sie ihr Mobiltelefon und schrieb: \u00bbKomm zur\u00fcck\u00ab. Verw\u00e4sserte Erleichterung, ebbende Qualen, gepolsterte Wolken m\u00fcndeten in veilchen-farbenen Pl\u00fcsch und betteten die Wunden des Gemetzels.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Aufschrei, Dolche gruben sich weit in ihren K\u00f6rper, Reue stieg auf, bar jeden Echos versank sie Wein trinkend in rot-gr\u00fcnen Galle speienden Gefilden. Ein eisblauer Blitz, zartes Gr\u00fcn erschien am Horizont und erhellte ihren kreisenden Lauf: not tat eine Ausstellung hinter seiner Stirn. Sie veranstaltete ein Fest, eine Vernissage, zur geb\u00fchrenden Ehrung der Ausstellungsst\u00fccke und lud ihn ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andreas-Liebich2-217x3002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12335\" style=\"border: 1px solid black;\" title=\"Andreas-Liebich2-217x300\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Andreas-Liebich2-217x3002-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Er kam, entkleidete sich und positionierte die Exponate. Das wei\u00dfe, penibel geb\u00fcgelte Hemd in der hintersten Ecke erz\u00e4hlte von der stetig zur\u00fcckgewiesenen Liebe zur Mutter, die rote Hose auf dem Tisch der Gaben &#8211; von schneidenden Hieben im Schmuckband des Vaters. Die schwarze Jacke verdeckte den Torbogen: die Festung, die er um sich gebaut hatte. Elegante Schuhe zierten den Seidenteppich: die Empore des Berufes. Ein String wehte auf dem Fenstersims seine Bindungslosigkeit in die Welt; abschlie\u00dfend pr\u00e4sentierte er blaue Socken jonglierend seine Freiheitsliebe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dramatische Szenen seines Lebens skizzierte er, ein lockeres Band kn\u00fcpfend, ihr Herz erobernd: den Mittelpunkt genie\u00dfend, die Aufmerksamkeit: um Verst\u00e4ndnis heischend, beschrieb er sein heldenhaftes Leben. Sie h\u00f6rte zu, die Kunstwerke bestaunend, den nackten Mann betrachtend, irritiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das bizarre Fest kr\u00f6nte das Klirren der Sektgl\u00e4ser und seine Frage:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Darf ich jetzt noch nackt putzen?&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-20158 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Wurm-209x300.jpg\" alt=\"\" width=\"209\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Wurm-209x300.jpg 209w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Wurm.jpg 502w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>Anja Wurm, sizzierte, warum Netzliteratur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=20142\">Ohne Unterla\u00df<\/a> geschieht. Vertiefend ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>, sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/09\/06\/recap-hungertuchpreis\/\">Recap<\/a> des Hungertuchpreises.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #888888;\">KUNO dankt dem Mainzer K\u00fcnstler Andreas Liebich f\u00fcr die den Text begleitenden Arbeiten.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gab ein Tor, sie wollte schauen, eindringen, die Wirrungen betreten, er\u00f6rtern, anfassen, auseinander nehmen, vielleicht ordnen. Er kam, klingelte, sein bezauberndes L\u00e4cheln lenkte ab von den Inhalten, den Motiven, den Verschlingungen hinter seiner Stirn. 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