{"id":11426,"date":"2013-03-12T00:43:43","date_gmt":"2013-03-11T23:43:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11426"},"modified":"2022-02-23T05:34:08","modified_gmt":"2022-02-23T04:34:08","slug":"from-outer-space","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/03\/12\/from-outer-space\/","title":{"rendered":"From outer space"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/hallinger-lyrikedition-200.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-11428\" title=\"hallinger-lyrikedition-200\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/hallinger-lyrikedition-200-191x300.jpg\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/hallinger-lyrikedition-200-191x300.jpg 191w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/hallinger-lyrikedition-200.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/><\/a>Nat\u00fcrlich spielt der Titel des Gedichtbandes von Markus Hallinger \u00bbDas Eigene\u00ab da\u00adrauf an, dass das, was jemand sein Eigenes nennt, den anderen das Fremde ist. Und aus dieser Vorstellung speist sich auch mein Inter\u00adesse an diesem Band, denn er f\u00fchrt mich in Gegenden, die ich nur vom H\u00f6ren\u00adsagen kenne. Wenn Hallinger n\u00e4mlich ganz bei sich bleibt, entfernt er sich umso mehr von mir und uns, und mit \u00bbuns\u00ab meine ich, die Bewohner der St\u00e4dte, der W\u00fcrfel, des geordneten Verkehrs, der gez\u00fcgelten Massen, die sich gern f\u00fcr den Nabel der Welt halten und allzu gern vergessen, dass die Lebens\u00admittel, die sie brauchen und ver\u00adbrauchen zum gr\u00fc\u00dften Teil aus Gegenden stammen, die sie nur von Bildern kennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die St\u00e4dte die ich kenne, sind weit davon entfernt ein Gro\u00df\u00adstadt\u00addschungel zu sein. Man verliert hier, im urbanen Raum den \u00dcber\u00adblick nicht. Und genau sowenig, wie die Stadt ein Dschungel ist, ist das Land kein Idyll. Das war es nie und war es schon zu Eichen\u00addorffs Zeiten gerade nicht, denn damals schickte man sich an, die Distanzen zwischen den St\u00e4dten mit Eisenbahngleisen zu verk\u00fcrzen, das Land wurde durch\u00adschnitten, und weil es schein\u00adbar ruhig liegt, wenn wir es durch\u00adfahren, weil auch einmal ein paar Kinder winken, mag es uns als Idylle erscheinen.<\/p>\n<p>Bei Hallinger h\u00f6rt sich das so an:<\/p>\n<p>Bahnfahrt<\/p>\n<p>Nur wer besoffen ist, schreit aus dem fenster<br \/>\nden kartoffelacker an.<br \/>\nMit dem vollmond w\u00e4chst der durst<br \/>\nund die hand brennt.<br \/>\nMit abnehmenden mond<br \/>\nwerden die fahrg\u00e4ste schl\u00e4frig und sehen weich aus.<br \/>\nNur der buckel juckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch auf dem Land also, hat man keine Zeit zu verlieren, muss sehen, dass man zum Rausch kommt und zu Arbeitsbeginn wieder n\u00fcchtern sein, nur dass dort die nat\u00fcrlichen Abfolgen, die Vegetations\u00adphasen und Jahres\u00adzeiten vom k\u00fcnstlichen Licht und der Fernh\u00adeizung noch nicht komplett verdr\u00e4ngt sind. Insofern ist aber das Land eben nicht der Gegenentwurf zur Stadt, kein gegen\u00ad\u00fcber, keine Negativ\u00adkopie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Gedichten Markus Hallingers stellt es sich als das Eigene, eine eigene Welt dar, die der unseren zwar verbunden ist, aber durch sie nicht erkl\u00e4rt werden kann. Wenn sie \u00fcberhaupt erkl\u00e4rt werden kann, dem der sie nicht lebt. Aber Hallinger erkl\u00e4rt sie ja auch nicht. Er zeigt sie in grandio\u00adsen St\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr be\u00adeindruckt war ich von den kleinen Por\u00adtraits der Bewohner Karl, Lisbeth, Else, Gustl \u2026 (Der Gustl tr\u00e4gt ein l bei sich\u00a0\/ ein kleines l so sieht er sich). Hallinger zeich\u00adnet sie mit Liebe aber auch mit Distanz, einer Distanz, die mir n\u00f6tig scheint, um das Leben der anderen, hier wie dort, aus\u00adzuhalten. Und das Sprachspiel erw\u00e4chst aus dem Namen und dem Dialekt. Ein wunderliches, ein wunder\u00adbares Buch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Das Eigene<\/strong> von\u00a0Markus Hallinger,\u00a0Gedichte,\u00a0Lyrikedition 2012<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>, sowie einen Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>\u201c <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> \u201eBiby\u201c Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich spielt der Titel des Gedichtbandes von Markus Hallinger \u00bbDas Eigene\u00ab da\u00adrauf an, dass das, was jemand sein Eigenes nennt, den anderen das Fremde ist. 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