{"id":11282,"date":"2008-03-17T00:01:00","date_gmt":"2008-03-16T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11282"},"modified":"2025-03-24T11:32:33","modified_gmt":"2025-03-24T10:32:33","slug":"marchen-und-sagen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/03\/17\/marchen-und-sagen\/","title":{"rendered":"m\u00e4rchen und sagen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\" align=\"left\"><em><span style=\"color: #999999;\">&#8230; je weiter ich in diesem Studium fortgehe, desto kl\u00e4rer wird mir der Grundsatz: da\u00df kein einziges Wort oder W\u00f6rtchen blo\u00df<\/span> <span style=\"color: #999999;\">eine Ableitung haben, im Gegenteil jedes hat eine unendliche und unersch\u00f6pfliche. Alle W\u00f6rter scheinen mir gespaltene und sich spaltende Strahlen eines wunderbaren Ursprungs, daher die Etymologie nichts tun kann, als einzelne Leitungen, Richtungen und Ketten aufzufinden und nachzuweisen, soviel sie vermag. Fertig wird das Wort nicht damit.<\/span><\/em><\/p>\n<p align=\"right\"><span class=\"citeright\" style=\"color: #999999;\">Jacob Grimm an Savigny. 20. Apr. 1815<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0jacob grimm (1785 bis 1863) und wilhelm grimm (1786 bis 1859) schrieben in ihrer &gt;Vorrede&lt; zur sammlung &gt;Deutsche Sagen&lt;: \u00bbDas M\u00e4rchen ist poetischer, die Sage historischer; jenes stehet beinahe nur in sich selber fest, in seiner angeborenen Bl\u00fcte und Vollendung; die Sage, von einer geringern Mannigfaltigkeit der Farbe, hat noch das Besondere, dass sie an etwas Bekanntem und Bewu\u00dftem hafte, an einem Ort oder einem durch die Geschichte gesicherten Namen &#8230; Die M\u00e4rchen also sind teils durch ihre \u00e4u\u00dfere Verbreitung, teils ihr inneres Wesen dazu bestimmt, den reinen Gedanken einer kindlichen Weltbetrachtung zu fassen, sie n\u00e4hren unmittelbar, wie die Milch, mild und lieblich, oder der Honig, s\u00fc\u00df und s\u00e4ttigend, ohne irdische Schwere; dahingegen die Sagen schon zu einer st\u00e4rkeren Speise dienen, eine einfachere, aber desto entschiedenere Farbe tragen und mehr Ernst und Nachdenken fordern &#8230; Der Geschichte stellen sich beide, das M\u00e4rchen und die Sage, gegen\u00fcber, insofern sie das sinnlich Nat\u00fcrliche und Begreifliche stets mit dem Unbegreiflichen mischen.\u00ab je phantastischer sagen sind, umso mehr \u00e4hneln sie m\u00e4rchen, die oft nur begrenzt versteht, wer ihren mythischen und kultischen hintergrund nicht kennt, w\u00e4hrend sagen teils bereits skepsis gegen \u00fcberwirkliche wahrnehmungen erkennen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das m\u00e4rchen ist, indem es st\u00e4rker aus zauberhaftem w\u00e4chst, noch der magie und schon der kunst n\u00e4her. heinrich heine (1797 bis 1856) schrieb von der \u00bbM\u00e4rchenhaftigkeit der wildfremden Erscheinung\u00ab. m\u00e4rchen berichten wunderbare begebenheiten von figuren, die h\u00e4ufig mit kr\u00e4ften des \u00fcberwirklichen verbunden sind oder davon in ihrem schicksal beeinflu\u00dft werden. die m\u00e4rchenhaften symbole \u00e4hneln denen in mythen, religionen, mystik, alchemie, orakeln, aberglaube, tr\u00e4umen, utopien, literatur, kunst, rauscherfahrungen, l\u00fcgengeschichten, wahngebilden und \u00fcberhaupt allen arten existentieller und elementarer erfahrungen, die eine zeitlose und \u00fcberreale dimension haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas so mannigfach und immer wieder von neuem erfreut, bewegt und belehrt hat, das tr\u00e4gt seine Notwendigkeit in sich und ist gewi\u00df aus jener ewigen Quelle gekommen, die alles Leben betaut &#8230; Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, w\u00e4hrend andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.\u00ab schrieb wilhelm grimm im vorwort zu den &gt;Kinder- und Hausm\u00e4rchen&lt;. wer dem wolf symbolisch begegnet, braucht das wort raubtier nicht mehr. wenn m\u00e4rchen ihn b\u00f6se nennen, bleiben sie eigentlich hinter ihrer eignen tiefe und substanz zur\u00fcck. auch literatur, die gegenwelten formiert, unterwandert begriffe, ja macht sie unn\u00f6tig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wilhelm grimm wies darauf hin, \u00bbdass bei den Galliern nicht erlaubt war, die \u00fcberlieferten Ges\u00e4nge aufzuschreiben, w\u00e4hrend man sich der Schrift in allen \u00fcbrigen Angelegenheiten bediente.\u00ab die schriftliche aufzeichnung der mythen und des geheimwissens der druiden blieb bis zum ende der keltischen kulturen untersagt. zum einen ging dadurch viel mythisches wissen, dessen m\u00fcndliche weitergabe letztlich doch abri\u00df, verloren oder kann nur aus bruchst\u00fccken rekonstruiert werden. andererseits haben gerade die keltischen v\u00f6lker, vor allem die iren, mit ihrer ausgepr\u00e4gten tradition der m\u00fcndlichen \u00fcberlieferung viel sagenundm\u00e4rchengut bewahrt. es gibt 1,5 millionen gesammelte irische m\u00e4rchen und sagen. vorteilhaft wirkte auch, da\u00df irische m\u00f6nche schon im 7. jahrhundert, als das heidnische schriftverbot l\u00e4ngst nicht mehr galt, damit anfingen, die irischen volks\u00fcberlieferungen aufzuschreiben. sp\u00e4ter bef\u00f6rderten nationalirische kulturbewegungen diese tradition. noch im 20. jahrhundert zogen professionelle irische m\u00e4rchenundsagenerz\u00e4hler mit ihren programmen \u00fcber land wie anderswo s\u00e4nger und musikanten. einige tun dies bis heute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die fr\u00fcheste erw\u00e4hnung des deutschen worts m\u00e4rchen findet sich im 15. jahrhundert in mitteldeutsch fr\u00fchneuhochdeutsch mergin, merechyn=kleine erz\u00e4hlung mit erfundenem inhalt, das sich gegen mittelhochdeutsch m\u00e6rel\u012bn=geschichtchen, erdichtetes und oberdeutsch fr\u00fchneuhochdeutsch m\u00e4rlein durchsetzte. schlie\u00dflich ist die uns gel\u00e4ufige bedeutung im sinne von (kinder)m\u00e4rchen gebr\u00e4uchlich geworden, die nicht zuletzt durch die m\u00e4rchen der br\u00fcder grimm etabliert wurde. der m\u00e4rchensammler ludwig bechstein (1801 bis 1860) schrieb, das m\u00e4rchen sei dem kindesalter des menschen vergleichbar. allerdings waren die grimmschen m\u00e4rchen schon auch f\u00fcr erwachsene gedacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das grimmsche w\u00f6rterbuch, das m\u00e4rchen \u00bb<em>kleine m\u00e4r, kleine erz\u00e4hlung<\/em>\u00ab nennt, erkl\u00e4rt: \u00bb<em>m\u00e4hrchen, f\u00fcr eine mit dichterischer phantasie entworfene erz\u00e4hlung &#8230; besonders eine erz\u00e4hlung aus der zauberwelt<\/em>.\u00ab, und erw\u00e4hnt indes auch andere bedeutungen: \u00bb<em>m\u00e4hrchen, in allgemeiner bedeutung, eine kunde, nachricht, die der genauen beglaubigung entbehrt, ein bloszes weiter getragenes ger\u00fccht &#8230; zugleich mit dem sinne des \u00fcbertriebenen, nicht glaubhaften oder voraussichtlich falschen &#8230; m\u00e4hrchen, in sch\u00e4rferem sinne f\u00fcr etwas bewust gelogenes, erfundenes &#8230; m\u00e4hrchen ferner f\u00fcr ein bloszes phantasiegebild, eine einbildung dessen was sein oder geschehen k\u00f6nnte.<\/em>\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">verwandt ist das wort m\u00e4rchen mit m\u00e4r, das etwas legendenhaftes als gegenteil des real geschehenen meint, auch unwahrheit bedeuten kann und zugleich ins vision\u00e4re und utopische \u00fcbergeht. zun\u00e4chst war m\u00e4r vor allem eine r\u00fchmende geschichte, was mehr der sage als dem m\u00e4rchen entspricht. man verbindet m\u00e4r, das bis ins 19. jahrhundert hinein gebr\u00e4uchlich blieb, mit altirisch m\u0101r, m\u014dr=gro\u00df und griechisch -m\u014dros=gro\u00df, etwa in enches\u00edm\u014dros=gro\u00df im speerwerfen, speerber\u00fchmt. zur gleichen wortwurzel geh\u00f6ren gotisch m\u0113rjan=verk\u00fcnden, siehe wa\u00edlam\u0113reis=von gutem ruf, wohllautend, l\u00f6blich, altnordisch m\u00e6ra=preisen, loben, althochdeutsch m\u0101ren=verk\u00fcnden, sagen, m\u0101ri=bekannt, ber\u00fchmt, hervorragend, gl\u00e4nzend, sowie mittelhochdeutsch m\u00e6ren=verk\u00fcnden, bekanntmachen, ber\u00fchmtmachen, m\u00e6re=kunde, nachricht, bericht, rede, dichterische erz\u00e4hlung, ruhm, ber\u00fchmtheit, ger\u00fccht, und m\u00e6re=gern und viel besprochen, bekannt, ber\u00fchmt, ber\u00fcchtigt, der rede wert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sage bezeichnet im deutschen, sp\u00e4testens seit dem 19. jahrhundert allgemein \u00fcblich, eine \u00fcberlieferung, konkret einen bericht \u00fcber vergangenes, meist weit zur\u00fcckliegendes, das von generation zu generation weitergegeben wurde, aber nicht streng belegt sein mu\u00df. sagenhaft hei\u00dft somit der inhalt einer historischen erz\u00e4hlung, der teils verb\u00fcrgt und teils erfunden, also nicht, oder zumindest nicht vollst\u00e4ndig, als tats\u00e4chliches geschehen nachweisbar ist. man spricht von g\u00f6ttersage, heldensage, volkssage. umgangssprachlich nannte man zudem einen verbreiteten bericht \u00fcber etwas oder die kunde von etwas sage, auch im sinne der vorstellung vom unsicheren, unglaubw\u00fcrdigen, unzuverl\u00e4ssigen, ger\u00fcchteartigen, verleumderischen. \u00fcberdies kann das sagenhafte das unvorstellbare sein. daneben war deutsch sage wertneutral einfach das, was gesagt wird, etwa vor gericht, bei einem verh\u00f6r oder als urkundliches zeugnis. althochdeutsch saga hie\u00df aussage, rede, erz\u00e4hlung, ger\u00fccht, mittelhochdeutsch sage das sprechen, rede, aussage, erz\u00e4hlung, bericht, ger\u00fccht. englisch saw bedeutet spruch, redensart, maxime, sprichwort, altnordisch saga erz\u00e4hlung, bericht, die gesprochene geschichtserz\u00e4hlung im gegensatz zum gesungenen historischen lied, sp\u00e4ter die vorgeformte literarische erz\u00e4hlung. verwandt sind deutsch sehen, gotisch siuns=gesicht, sehkraft, litauisch sak\u00fdti=sagen, erz\u00e4hlen sowie lettisch sekt=suchen, ausfindig machen. saga meint heute speziell die isl\u00e4ndischen sagas. m\u00f6glicherweise geh\u00f6rt auch skalde, die bezeichnung der altnordischen dichter, zu diesem wortfeld.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die deutschen sagen der br\u00fcder grimm sind weniger bekannt als die grimmschen m\u00e4rchen, die in 170 sprachen \u00fcbersetzt wurden. bis heute werden figuren und passagen dieser m\u00e4rchen, die wahrscheinlich zu den bekanntesten deutschen texten \u00fcberhaupt geh\u00f6ren, weltweit in literatur, musik, bildender kunst und filmkunst zitiert, verwendet oder bearbeitet. mit den sagen geschieht dies ebenfalls, doch seltener, obwohl einige davon \u00e4hnlich bekannt sein d\u00fcrften wie &gt;Frau Holle&lt;, &gt;H\u00e4nsel und Gretel&lt;, &gt;Rotk\u00e4ppchen und der Wolf&lt; oder &gt;Sneewittchen&lt;, etwa &gt;Der Tannh\u00e4user&lt;, &gt;Wilhelm Tell&lt;, &gt;Die Kinder zu Hameln&lt; oder &gt;Friedrich Rotbart auf dem Kyffh\u00e4user&lt;. aber das ist regional verschieden, weil sagen historisch und landschaftlich konkreter sind. manche figuren kommen gleicherma\u00dfen in grimmschen m\u00e4rchen und grimmschen sagen vor, so hollen, nixen, teufel und zwerge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>kinder<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">als die br\u00fcder grimm ihre &gt;Kinder- und Hausm\u00e4rchen&lt; ausdr\u00fccklich als sammlung f\u00fcr kinder herausgaben, wohl auch in der hoffnung, da\u00df die m\u00e4rchentexte, indem man sie kindern vorliest oder erz\u00e4hlt, allgemein bekannt werden und so bewahrt bleiben, war kind noch ein wort mit eher negativer bedeutung. kinder wurden lange in ihrer altersgem\u00e4\u00dfen eigenart kaum wahrgenommen oder gar abgewehrt, nicht zuletzt weil sie als schwer berechenbare und schamlose wesen galten, die g\u00fcltige normen ins wanken bringen k\u00f6nnen. wenn menschenkinder im sprachgebrauch tierjungen naheger\u00fcckt wurden, siehe redensarten wie \u00bbMit Kindern und Rindern\u00ab, \u00bbKinderma\u00df und K\u00e4lberma\u00df\u00ab oder \u00bbEr hat weder Kind noch Rind\u00ab, so klingt das, jedenfalls aus heutiger sicht, durchaus abwertend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das grimmsche w\u00f6rterbuch erkl\u00e4rt, \u00bb<em>vom \u00fcberm\u00fctigen, l\u00e4ppischen, furchtsamen, unerfahrnen menschen &#8230; sagt man,<\/em> er sei ein rechtes kind\u00ab. die neigung, kindliches als wenig belangvoll darzustellen, entgegnete wohl auch unbewu\u00dft einem vagen gef\u00fchl, da\u00df kinder wichtiges zu geben h\u00e4tten, das die \u00bberwachsene\u00ab lebensart ver\u00e4ndern k\u00f6nnte. die floskel \u00bbKleine Kinder kleine Sorgen, gro\u00dfe Kinder gro\u00dfe Sorgen\u00ab suggeriert, kinder h\u00e4tten allenfalls unbedeutende und untergeordnete konflikte. \u00bbKinderleichtes\u00ab meint problemlos und \u00bbAmmenm\u00e4rchen\u00ab unfug. friedrich m\u00fcller (1749 bis 1825) schrieb: \u00bbIhr wi\u00dft, wie es geht: Ammen erz\u00e4hlen M\u00e4hrchen, Kinder und Narren glauben sie.\u00ab der volksmund sagte: \u00bbWer es glaubt, der wird zum Kind\u00ab, also dumm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">selbst in saturierten mitteleurop\u00e4ischen familien starben bis weit in die neuzeit hinein nicht selten die h\u00e4lfte der geborenen kinder an krankheiten. da\u00df die eltern mit dem fr\u00fchen tod ihrer kinder rechnen mu\u00dften, mag ihnen die liebende zuwendung erschwert haben. das vermeiden von einf\u00fchlung w\u00e4re somit auch eine schutzreaktion gewesen. au\u00dferdem machte materielles und ideelles elend kinder zu objekten. sie waren bevorzugte opfer autorit\u00e4rer umgangsformen und beim abreagieren aufgestauter gef\u00fchle. sprichworte wie \u00bbEs ist besser, die Kinder bitten dich, als du sie\u00ab, \u00bbEs ist besser das Kind weine, denn der Vater\u00ab oder \u00bbKinder soll man ziehen, dass der Apfel bei der Rute liege\u00ab zeigen ein zuckerbrotundpeitsche-denken im volksbewu\u00dftsein: \u00bbJe lieber Kind, je sch\u00e4rfre Rute\u00ab. \u00bbDenn wen der Herr lieb hat, den z\u00fcchtigt er, und er schl\u00e4gt jeden Sohn, den er annimmt.\u00ab hei\u00dfts im &gt;Neuen Testament&lt;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbKindlich gehorsames Bitten\u00ab geziemte den untertanen. \u00bbSich lieb Kind machen\u00ab bedeutet einschmeicheln, anbiedern, heucheln. sogar die anrede \u00bbliebes Kind\u00ab konnte herablassend klingen. h\u00e4ufig sprach man untergebene als kinder an. die landesherrn nannten so ihr volk, die geistlichen die gl\u00e4ubigen, also ihre \u00bbSchafe\u00ab, was die hunde assoziiert, die handwerker die gesellen, gesch\u00e4ftsleute das personal, hausbesitzer die mieter, offiziere die soldaten, schiffseigent\u00fcmer die mannschaft. der mann nannte seine frau kind und diese wiederum den siech, oder gar n\u00e4rrisch, gewordenen alten, ob ehemann oder vater.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">andererseits haben viele sprichworte \u00fcber kinder etwas anr\u00fchrendes. man spricht vom kind, das die mutter unterm herzen tr\u00e4gt. friedrich schiller (1759 bis 1805) schrieb vom \u00bbzarten Alter\u00ab, wie derb und n\u00fcchtern wirkt dagegen \u00bbS\u00e4ugling\u00ab, christoph martin wieland (1733 bis 1813) von \u00bbjener dichterischen Zeit, \/ mit deren Wundern uns der Amme Freundlichkeit \/ durch manches M\u00e4hrchen einst in s\u00fc\u00dfen Schlummer wiegte.\u00ab der sensible umgang mit dem wort kind signalisiert indes oft tragik. \u00bbKluge Kinder leben nicht lange\u00ab, \u00bbViel Kinder viel Vaterunser\u00ab, \u00bbWenn das Kind ertrunken ist, deckt man den Brunnen zu\u00ab. das einzelkind wird \u00bbAngstkind\u00ab genannt, wohl weil es, aufgrund der angst der eltern um es, h\u00e4ufig selber bang ger\u00e4t. \u00bbWer das Reich Gottes nicht empf\u00e4ngt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.\u00ab postuliert das &gt;Neue Testament&lt;. \u00bbIm Kinde ist Freiheit allein.\u00ab meinte friedrich h\u00f6lderlin (1770 bis 1843). der gesamteindruck jedoch bleibt. das verh\u00e4ltnis zu kindern war lange zumindest ambivalent. man lese dar\u00fcber bei philippe ari\u00e8s (1914 bis 1986) in seiner &gt;Geschichte der Kindheit&lt;. viele erwachsene lernen bis heute wenig vom besonderen, unverdorbenen, erfrischenden der kinder, offenbar da sie die irritationen f\u00fcrchten, die ihnen die eignen verluste und deformationen bewu\u00dft machen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>notiz zu &gt;Rotk\u00e4ppchen&lt;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">k\u00f6nnte es sein, da\u00df der wolf urspr\u00fcnglich die gro\u00dfmutter selbst war und lediglich deren vormalige funktion \u00fcbernahm? die patriarchale umdeutung einst matriarchal gepr\u00e4gter mythen brachte durchaus solche transformationen und verschiebungen hervor. die gro\u00dfmutter als wolf w\u00fcrde die unbeherrscht herrschende urnatur verk\u00f6rpern, die etwa des teufels gro\u00dfmutter symbolisiert, und entspr\u00e4che damit dem negativen weiblichen elementarcharakter, das hei\u00dft der verschlingenden gro\u00dfen mutter, wie sie der psychoanalytiker erich neumann (1905 bis 1960) in seinem buch &gt;Die Gro\u00dfe Mutter \/ Eine Ph\u00e4nomenologie der weiblichen Gestaltungen des Unbewu\u00dften&lt; beschrieben hat, das vielleicht doch eher m\u00e4nnliche vorstellungen vom weiblichen darstellt. da\u00df die gro\u00dfmutter das rotk\u00e4ppchen besonders liebt, ist kein argument gegen m\u00f6glicherweise vorhandene ambivalenzgef\u00fchle. wahrscheinlich geh\u00f6rte einst sogar das kannibalische kindsopfer zum kult der urmutter. wer gebiert, kann auch t\u00f6ten. die naturreligi\u00f6se ganzheit der welt verlangte die verschmelzung der gegens\u00e4tze. wer die eigene frucht, also das wertvollste, verspeiste, nahm die kraft des opfers auf und gewann dadurch neue fruchtbarkeit. der &gt;Hexenhammer&lt; behauptete, w\u00f6lfe, christlich teufelstiere, w\u00fcrden ihre eigenen jungen verschlingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der wolf selbst hat eine beziehung zur weiblichen symbolik. eine w\u00f6lfin soll romulus und remus, die sagenhaften gr\u00fcnder roms, die mars gezeugt hatte, ges\u00e4ugt haben. wie diesen kindern wird der gro\u00dfmutter im m\u00e4rchen nahrung gebracht. wenn der wolf, ein typischer verschlinger, am ende an den steinen im eignen bauch zugrunde geht, mythen kennen zahlreiche steingeburten und manche kulturen bewahren bis heute rituale, die glauben lassen, steine k\u00f6nnten fruchtbar machen, so erscheint er tragisch-komisch in einer weiblichen rolle, der er nicht gewachsen sein kann. denn nicht alle, die verschlingen, k\u00f6nnen auch geb\u00e4ren. der zweite wolf in &gt;Rotk\u00e4ppchen&lt; ertrinkt in einem steintrog voller gekochter w\u00fcrste, was man als einen m\u00e4nnlichen tod im mutterk\u00f6rper deuten k\u00f6nnte. dies erinnert an das m\u00e4rchen &gt;Der Wolf und die sieben jungen Gei\u00dflein&lt;, wo dem wolf anstelle der befreiten gei\u00dflein wackersteine in den bauch gelegt werden, die ihn, als er sich \u00fcber den brunnenrand beugt, um zu trinken, ins wasser st\u00fcrzen und ertrinken lassen. auch der brunnen ist symbol des mutterk\u00f6rpers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">rotk\u00e4ppchens rote kappe, die solare bedeutungen assoziiert, r\u00fcckt sie ebenfalls dem wolf nahe, der in mythen gleicherma\u00dfen mit licht und tod verbunden ist. im griechischen mythos war er das heilige tier des lichtgotts apollon und symbolisierte das sonnenlicht. artemis, die mondg\u00f6ttin, apollons schwester, soll ebenfalls eine wolfsg\u00f6ttin gewesen sein. in der &gt;Snorri-Edda&lt; t\u00f6tet der fenriswolf beim weltuntergang odin und verschlingt sonne und mond. bei den althispaniern erschien der unterweltherrscher wolfsk\u00f6pfig, w\u00e4hrend er auf etruskischen grabsteinen eine wolfskappe trug. die algonkin-indianer kannten einen wolf als h\u00e4uptling ihres totenreichs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zugleich konnte der wolf, indem er die seele von verstorbenen verk\u00f6rperte, ein ahnentier sein und als stammvater ganzer v\u00f6lker und st\u00e4mme auftreten. auffallend ist, da\u00df der wolf rotk\u00e4ppchen bereits vor der ersten begegnung kennt, nicht aber rotk\u00e4ppchen wirklich den wolf. sollte eine totemistische vorstellung in dieses m\u00e4rchen hineingewirkt haben, w\u00fcrde der wolf seine verwandten, also rotk\u00e4ppchen und die gro\u00dfmutter, aufsuchen und sie verschlingen, um wieder mit ihnen vereint zu sein oder sich durch sie zu verj\u00fcngen. die t\u00f6tung der wolfs w\u00e4re dann die ausweisung eines totengeistes aus der welt der lebenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">rotk\u00e4ppchens wanderung kann auch als initiationsweg mit h\u00f6llenaufenthalt verstanden werden, bei dem das m\u00e4dchen die geheimnisse der liebe erf\u00e4hrt, die ihm wolfsgestaltig zun\u00e4chst fremd, d\u00e4monisch, uners\u00e4ttlich und verschlingend begegnet. die freundlichkeit, hinter der eine listige verf\u00fchrungskunst steckt, mit der ihr der wolf, dessen absichten sie nicht einmal ahnt, anfangs entgegentritt, hat etwas teuflisches. \u00bbDas junge, zarte Ding, das ist ein fetter Bissen, der wird noch besser schmecken als die Alte\u00ab, denkt er insgeheim, und fragt: \u00bbWas tr\u00e4gst du da unter der Sch\u00fcrze?\u00ab \u00bbKuchen und Wein, gestern haben wir gebacken.\u00ab, antwortet rotk\u00e4ppchen. das sexuelle motiv erscheint hier kulinarisch, obwohl der eher konservative wilhelm grimm bei seinen m\u00e4rchenundsagenbearbeitungen manche sexuelle anspielung getilgt oder wenigstens abgeschw\u00e4cht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">backen ist eine alte kunst der urm\u00fctter, weisen frauen und hexen gewesen. auf symbolischer ebene entspricht das wachstum der kinder im k\u00f6rper der mutter dem backen von broten, br\u00f6tchen und kuchen aus dem teig im ebenfalls gew\u00f6lbten backofen. schon die antike kannte den backofen als symbol des geb\u00e4renden bauches. sp\u00e4ter wurde der auch im deutschen vertraute vergleich des backens mit der zeugung und geburt eines kindes vor allem in frankreich, wo es das m\u00e4rchen vom rotk\u00e4ppchen in eigenen fassungen gibt, vielfach gebraucht. bei arthur rimbaud (1854 bis 1891) erscheint der backofen als warmer scho\u00df. deutsch war backen ein synonym f\u00fcr kinder zeugen. schw\u00e4chliche kinder nannte man nicht ausgebacken. im \u00f6sterreichischen burgenland hei\u00dft ein weihnachtsgeb\u00e4ck wickelkind. in der alchemie galt der ofen als mutterk\u00f6rper, aus dem die verwandelte und gel\u00e4uterte materie entstehen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in der ukraine geh\u00f6rte das umreiten des backofens zu den hochzeitsritualen. bei den slowenen warf die braut, bevor sie sich zum hochzeitsmahl setzte, m\u00fcnzen in den ofen, sozusagen geldsamen f\u00fcr die zukunft ihrer kinder. in tirol sollte eine unfruchtbare frau in einen backofen kriechen. schwangere frauen mu\u00dften am backofen zahlreiche und genau bestimmte regeln beachten, deren nichteinhaltung die geburt sowie ihre eigene gesundheit und die des kindes beeintr\u00e4chtigen konnte. in th\u00fcringen und im vogtland durfte die braut beim backen des hochzeitsbrotes nicht mitwirken, in schlesien die w\u00f6chnerin nicht kuchen schieben. in chemnitz sollten schwangere nicht in den teig greifen, sonst w\u00fcrden dem kind die h\u00e4nde aufrei\u00dfen. in rum\u00e4nien war es der schwangeren frau untersagt, den backofen mit lehm einzuschmieren, andernfalls w\u00fcrde sie eine schwere geburt haben. bei den siebenb\u00fcrger sachsen deutete ein l\u00e4ngsri\u00df in einem brot auf eine geburt. eine frau, die sich das geb\u00e4ren erleichtern wollte, betete dort vorm ofen. stand die geburt bevor, sagte man, der ofen werde bald einfallen. auch im alemannischen bedeutete \u00bbDer Ofen ist zusammengefallen.\u00ab das kind ist geboren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHeute back ich, morgen brau ich, \u00fcbermorgen hol ich der K\u00f6nigin ihr Kind.\u00ab singt rumpelstilzchen. geht das m\u00e4rchen vom rotk\u00e4ppchen auf das ritual eines kindsopfers zur\u00fcck? warum braucht die gro\u00dfmutter ausgerechnet kuchen und wein? geh\u00f6rten beide urspr\u00fcnglich zur initiationsmeisterin? welche zutaten enthielten rotk\u00e4ppchens geschenke f\u00fcr die gro\u00dfmutter? waren rauschmittel darin? sind die verschlingungen gar blo\u00df orgiastische visionen wie die fl\u00fcge der hexen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">schlie\u00dflich gelingt rotk\u00e4ppchen die wiedergeburt in ein durch erfahrung gereifteres leben. unter initiatorischem aspekt betrachtet wird der wolf am ende aus der welt des nunmehr erwachsenen m\u00e4dchens ausgesto\u00dfen. m\u00f6glicherweise war einst die w\u00f6lfische gro\u00dfmutter selbst, die das kind symbolisch verschlang, um es danach in die gesellschaft der erwachsenen zu entlassen, die initiationsmeisterin, die den tod der kindheit inszenierte, womit h\u00e4ufig einige grausamkeiten verbunden waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>notiz zu &gt;H\u00e4nsel und Gretel&lt;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die ente aus &gt;H\u00e4nsel und Gretel&lt;, die zuletzt die kinder auf ihrem r\u00fccken \u00fcbers wasser tr\u00e4gt, so da\u00df sie aus dem wald der hexe ins diesseits der lebenden zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen, geh\u00f6rt zu den m\u00fctterlich hilfreichen tieren. ihr wei\u00dfes gefieder verweist zudem auf einen vogel des jenseits, der magie und der seele, wie der schneewei\u00dfe vogel, der die kinder anfangs zur hexe geleitet hatte. als gretel die hexe get\u00f6tet und h\u00e4nsel gerettet hat, springt dieser heraus \u00bbwie ein Vogel aus dem K\u00e4fig\u00ab. die beiden v\u00f6gel des m\u00e4rchens sind wohl die seelen get\u00f6teter kinder. und auch die seelen von h\u00e4nsel und gretel w\u00e4ren vermutlich v\u00f6gel geworden, h\u00e4tte die hexe ihre k\u00f6rper verspeist. in antiken sagen und im europ\u00e4ischen volksglauben lassen manche v\u00f6gel, etwa kraniche und wachteln, kleine steine im flug fallen, um den r\u00fcckweg zu finden. im h\u00e4nselundgretelm\u00e4rchen tun die kinder \u00e4hnliches, indem sie erst kieselsteine und dann brosamen am wegrand fallen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">auch an erotische und sexuelle bedeutungen der ente ist zu denken. h\u00e4nsel und gretel, die sich am ende k\u00fcssen, wurden als inzestpaar gedeutet, was ihre hexenwalderfahrung zu einem initiationsritual von liebenden machen w\u00fcrde. griechische vasenbilder lie\u00dfen aphrodite und eros auf enten reiten. das altertum kannte entenfleisch als aphrodisiaka. noch der deutsche aberglaube meinte, da\u00df das essen einer ente den m\u00e4nnlichen samen vermehrt. eine begehrte frau mu\u00dfte in deutschland einen mann lieben, wenn dieser einen entenschnabel in der hose hatte, der ihn unwiderstehlich machte. william shakespeare (1564 bis 1616) schrieb vom br\u00fcnstigen enterich. im christlichen denken hingegen konnten enten erscheinungsform von hexen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das haus der hexe ist gebacken. vielf\u00e4ltig waren die br\u00e4uche der verwendung von broten und anderem geb\u00e4ck beim liebeszauber. serbische frauen kneteten teig zu einem rundkuchen, mit dem sie die m\u00e4nner liebestoll machen wollten, auf ihrem eigenen hintern. in deutschland und \u00f6sterreich sowie bei slawischen v\u00f6lkern sollte sich eine frau, die \u00fcber ihren mann herrschen wollte, am hochzeitstag im backtrog anziehen. schlie\u00dflich beherrschten auch hexen die kunst des zauberns beim backen und flogen mit backundofenger\u00e4ten, backtr\u00f6gen, backschaufeln, ofenbesen, ofengabeln, durch die l\u00fcfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zuletzt verbrennt die hexe, die abgesunkene gro\u00dfe mutter, die h\u00e4nsel und gretel r\u00f6sten wollte, um sie zu essen, im eignen backofen, das hei\u00dft der zeugungsundgeburtsvorgang wird zum tod hin umgekehrt und damit das kindsopfer paradox aufgehoben. es f\u00e4llt auf, da\u00df am ende, nachdem die hexe get\u00f6tet wurde, auch die stiefmutter gestorben ist. entsprechen beide figuren einander? im grimmschen m\u00e4rchen &gt;Br\u00fcderchen und Schwesterchen&lt; ist die stiefmutter direkt eine hexe, in der urspr\u00fcnglichen fassung von &gt;H\u00e4nsel und Gretel&lt; die stiefmutter die wirkliche mutter. im russischen m\u00e4rchen &gt;Die wundersch\u00f6ne Wassilissa&lt; verschmelzen stiefmutter und baba jaga. b\u00f6se m\u00fctter findet man in m\u00e4rchen h\u00e4ufig. wer st\u00e4rker liebt, ha\u00dft vielleicht auch konsequenter. m\u00e4rchen sind ambivalent, weshalb man bei ihnen, wie in der mythologie und psychologie, immer auch die umkehrungen mitdenken mu\u00df. \u00bbwo in der einen Version eines M\u00e4rchens &#8222;Gott&#8220; steht, findet sich in der andern der Teufel.\u00ab schrieb c.g. jung (1875 bis 1961).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die hexe in &gt;H\u00e4nsel und Gretel&lt; war urspr\u00fcnglich wohl ebenfalls eine initiationsmeisterin, die jungen und m\u00e4dchen, nach einem durchlebten tod der kindheit, ins leben der erwachsenen einf\u00fchrte. initiatorisch, und viele m\u00e4rchen haben einen initiationshintergrund, den heutige leser freilich kaum noch kennen, werden die kinder ins urchaos eines waldes geschickt, um darin schockartig die geborgene urwelt der kindheit zu \u00fcberwinden. das grimmsche m\u00e4rchen betont allerdings den negativen charakter der hexe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ein m\u00e4rchen aus rum\u00e4nien verbindet motive aus &gt;H\u00e4nsel und Gretel&lt; und dem niederdeutschen m\u00e4rchen &gt;Von dem Machandelboom&lt;, einer kannibalischen novelle mit seelenvogel, wo der wacholder, den man auch als weltenbaum deutete, die auferstehung eines von seiner stiefmutter get\u00f6teten und zubereiteten und danach vom vater unwissentlich in der suppe verspeisten jungen bef\u00f6rdert, der, nachdem seine schwester die knochen zusammengesucht hat, in vogelgestalt, die seine seele zun\u00e4chst annimmt, aufersteht und davonfliegt und schlie\u00dflich seine menschliche gestalt zur\u00fcckgewinnt. wiederbelebungen durch das zusammenf\u00fcgen der knochen finden sich mythisch vielfach. auch die knochen des jesus wurden vor der auferstehung nicht, wie die anderer kreuzigungsopfer, zerschlagen und zerstreut. und tats\u00e4chlich enthalten knochen genmaterial. die geschichte vom machandelboom erinnert an den griechischen fruchtbarkeitsgott kronos, der seine kinder verschlang, oder die wiederbelebung des \u00e4gyptischen gottes osiris.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">im rum\u00e4nischen m\u00e4rchen heiratet ein armer mann mit zwei kindern. die stiefmutter ha\u00dft die kinder und verlangt von ihrem mann, diese zu beseitigen. die tochter h\u00f6rt dies. als der vater beide kinder mit in den wald nimmt, bestreut sie den weg mit asche, so da\u00df sie zusammen mit ihrem bruder wieder heim findet. die mutter erschl\u00e4gt daraufhin den jungen und befiehlt dem m\u00e4dchen, ihrem vater das tote kind als speise zu bereiten. der junge wird gegessen. doch die tochter versteckt herz und knochen ihres bruders, aus denen ein kuckuck entsteht. in einer sage aus pommern kann eine frau ihre sieben kinder nicht ern\u00e4hren, f\u00fchrt sie in den wald, spielt mit ihren verstecken, indem sie immer \u00bbKuckuck, Kuckuck\u00ab ruft, und entfernt sich dabei, bis die kinder sie nicht mehr sehen, ausgesetzt zur\u00fcckbleiben und sterben. gott verwandelt die mutter darauf zur strafe in einen kuckuck, der st\u00e4ndig \u00bbKuckuck\u00ab rufen mu\u00df und seine kinder nicht aufziehen darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in fr\u00fcheren jahrhunderten wurden kinder wirklich vielfach ausgesendet und mu\u00dften ihr gl\u00fcck auf eigene faust versuchen. so haben w\u00e4hrend des drei\u00dfigj\u00e4hrigen kriegses eltern ihre kinder in die w\u00e4lder geschickt oder gebracht, um sie nicht sterben zu sehen oder selber zu verhungern. auch sollen in hungerzeiten kinder geschlachtet und gegessen worden sein. aus anderen zeiten gibt es ebenfalls berichte dar\u00fcber, wie tausende kinder einzeln oder in kleinen gruppen \u00fcber land zogen und arbeit und brot suchten. philippe ari\u00e8s hat dies in seiner &gt;Geschichte der Kindheit&lt; beschrieben. diese aussendung, die oft einer aussetzung gleichkam, erfand das m\u00e4rchen also nicht, wenngleich die sozialgeschichte sicher zu einem sp\u00e4teren zeitpunkt ins eigentlich mythisch und kultisch grundierte m\u00e4rchenmaterial eingearbeitet wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>notiz zu &gt;Frau Holle&lt;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bb<em>Frau holle<\/em> wird als ein <em>himmlisches<\/em>, die erde umspannendes wesen vorgestellt.\u00ab schrieb jacob grimm in &gt;Deutsche Mythologie&lt;. die g\u00f6ttin holda, die einige gemeinsame merkmale mit der nordischen liebesfruchtbarkeitsundgeburtsg\u00f6ttin freya hat, war als urmutter herrin der oberen und der unteren welt, der lebenden und der toten. sie entlie\u00df die neugeborenen aus ihrem unterirdischen reich und besch\u00fctzte die kleinen kinder, w\u00e4hrend sie zugleich die seelen der toten empfing. das wort holle ist verwandt mit hold, siehe althochdeutsch huld\u012b=huld, geneigtheit, mittelhochdeutsch holt=geneigt, zugetan, gn\u00e4dig, treu, ergeben, dienstbar, holde=freund, geliebter, diener, dienstmann, freundin, dienerin, das gegenteil sind die d\u00e4monischen unholde, und bezeichnet die hehre, freundliche, hilfreiche, milde, gn\u00e4dige, m\u00fctterliche g\u00f6ttin. viele dieser merkmale gingen christlich auf die jungfrau maria \u00fcber. auch da\u00df zentrale motive des m\u00e4rchens, brunnen, apfelwiese, backofen und brot, ebenso der hahn, der nach der r\u00fcckkehr der beiden jungfrauen ruft, fruchtbarkeitssymbole sind, brunnen und ofen zudem symbole des mutterk\u00f6rpers, sowie das wasser belebend und befruchtend ist, zeigt frau holle als nachfolgerin einer urmutter. im volksmund hie\u00df der venusberg, auf dem sich allerdings zugleich die hexen trafen, \u00bbFrau Hollen Hofhaltung\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie liebt den aufenthalt in <em>see<\/em> und <em>brunnen<\/em>; zur mittagsstunde sieht man sie, als sch\u00f6ne wei\u00dfe frau, in der flut <em>baden<\/em> und <em>verschwinden<\/em>.\u00ab hei\u00dft es bei jacob grimm. hans peter duerr, geboren 1943, schrieb in &gt;Traumzeit \/ \u00dcber die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation&lt;: \u00bbIn der heutigen Kammerbacher H\u00f6hle, dem fr\u00fcheren Hollenloch im Mei\u00dfner sollen noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts M\u00e4dchen und Burschen in dem dortigen Gew\u00e4sser Blumen und Kr\u00e4uter f\u00fcr die Frau Holle versenkt haben. Darinnen badeten einstmals kinderlose Frauen, vermutlich um Kindersegen zu empfangen.\u00ab gemeint ist hier der hollenteich im mei\u00dfner gebirge in hessen. in der grimmschen sage &gt;Frau Hollen Teich&lt; lesen wir: \u00bbWeiber, die zu ihr in den Brunnen steigen, macht sie gesund und fruchtbar; die neugeborenen Kinder stammen aus ihrem Brunnen, und sie tr\u00e4gt sie daraus hervor.\u00ab au\u00dferdem hat die holle unten im teich blumen, obst und kuchen, die sie an menschen verteilt, die ihr gefallen. der brunnen kann indes auch eingang zur unterwelt sein. im griechischen bedeutet brunnen abgrund und ungl\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die hollen waren also kinderbringerinnen, aber auch kinderr\u00e4uberinnen. es gibt anzeichen daf\u00fcr, da\u00df ihnen kindsopfer gebracht wurden. \u00bbIm Waldeckschen legte man einst Opfergaben in einen Wacholderbusch und sprach dabei: &#8222;Ihr Hollen und Hollinnen, \/ Hier bring ich euch etwas zu spinnen. \/ Und zu essen, \/ ihr sollt spinnen und essen \/ und meines Kindes vergessen.&#8220;\u00ab (hans peter duerr). im m\u00e4rchen hat frau holle gro\u00dfe lange z\u00e4hne. hollen sa\u00dfen im wacholder, der wie der brunnen einen ort des \u00fcbergangs zur anderen, jenseitigen welt bezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die m\u00e4dchen im m\u00e4rchen, die durch den brunnen in die andere welt geleitet werden, verletzen sich jeweils an der spindel, ehe frau holle, als gebieterin eines initiationsrituals, zu dem das spinnen geh\u00f6rt, sie aus der jenseitswelt, in die sie durch sie gelangt waren, so oder so, als goldoderpechmarie, also goldene und sch\u00f6ne oder schmutzige und h\u00e4\u00dfliche abspaltung der mutterg\u00f6ttin, f\u00fcrs leben gepr\u00fcft ins irdische und erwachsene dasein zur\u00fcckkehren l\u00e4\u00dft. in &gt;Frau Hollen Teich&lt; hei\u00dft es: \u00bbFaule Spinnerinnen straft sie, indem sie ihnen den Rocken besudelt, das Garn wirrt und den Flachs anz\u00fcndet; Jungfrauen hingegen, die flei\u00dfig abspinnen, schenkt sie Spindeln und spinnt selber f\u00fcr sie \u00fcber Nacht, dass die Spulen des Morgens voll sind.\u00ab und \u00bbGern zieht sie Kinder in ihren Teich, die guten macht sie zu Gl\u00fcckskindern, die b\u00f6sen zu Wechselb\u00e4lgen.\u00ab holda stand dem spinnen wie dem ackerbau vor. im mittelalter war sie patronin der weber, was vermutlich ebenfalls auf fruchtbarkeitsbedeutungen verweist, die mit dem spinnen verbunden waren. in m\u00e4rchen und sagen verschiedener europ\u00e4ischer v\u00f6lker ist die spindel ein attribut der weisen frauen und hexen und hat magische funktionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbUnter dem Bilde des Spinnens und Webens ist die T\u00e4tigkeit der bildenden, formenden Naturkraft dargestellt. Die Arbeit der gro\u00dfen stofflichen Urm\u00fctter wird dem kunstreichen Flechten und Wirken verglichen, das dem rohen Stoffe Gliederung, symmetrische Form und Feinheit verleiht. Vollendet treten die Organismen alle aus dem Scho\u00dfe der Erde hervor. Von der Mutter haben sie das kunstreiche Gewebe des Leibes, das jene mit unerreichbarer Meisterschaft im dunklen Scho\u00dfe des Stoffes bereitet. Darum verdient Terra [die Erde] vor allem die Bezeichnung &#8222;K\u00fcnstlerin&#8220; (<em>daedala, artifex rerum<\/em>), darum die Urmutter den Namen &#8222;Mutter Bildnerin&#8220; (<em>mater plastene<\/em>).\u00ab erkl\u00e4rte johann jakob bachofen (1815 bis 1887) in &gt;Mutterrecht und Urreligion&lt;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das gallische wort nate=sohn ist verwandt mit anderen worten keltischer sprachen, die aufs spinnen, weben und n\u00e4hen verweisen: altirisch sn\u0101the=faden, n\u0101that=nadel, mittelirisch sn\u012bid=spinnt, flickt, dreht sich, m\u00fcht sich ab, kymrisch noden=band, bretonisch neud-enn=faden. die zugrunde gelegte wortwurzel sn\u0113, n\u0113, sn\u0113i, n\u0113i bedeutet f\u00e4den zusammendrehen, mit dem faden hantieren, weben, spinnen, n\u00e4hen. der sohn w\u00e4re demnach der gewebte und gesponnene oder der herausgedrehte. in manchen kulturen war schwangeren frauen das spinnen verboten, damit sich das kind im mutterk\u00f6rper nicht verwirrt. im land ob der ems sagte man: \u00bbIn den Sechswochen darf die Frau nicht spinnen. Sonst wird aus dem Garn ein Strick f\u00fcrs Kind.\u00ab auch an den lebensoderschicksalsfaden ist hier zu denken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">als herrin hatte holda gewaltsame und d\u00e4monische z\u00fcge, worauf etwa das pech, ein stoff der h\u00f6lle, hindeutet, das frau holle \u00fcber das faul genannte m\u00e4dchen gie\u00dft. \u00bbGleich Wuotan f\u00e4hrt Holda aber auch schreckenhaft durch die l\u00fcfte und geh\u00f6rt, wie der gott, zu dem w\u00fctenden heer. daraus folgt die einbildung, da\u00df hexen in Hollas gesellschaft fahren\u00ab (jacob grimm). die holle war, wie die d\u00e4monische diana, die nachts mit ihren teufelsweibern umherzog, oder kybele, die entmannerin, fruchtbarkeitsg\u00f6ttin und des teufels gro\u00dfmutter, die dem teufel vorausging, in einer person. in &gt;Frau Hollen Teich&lt; fliegt sie an der spitze des w\u00fctenden heers der unerl\u00f6sten seelen. mittelalterlich war hollefahrt ein synonym f\u00fcr hexenfahrt. h\u00f6llengeister hie\u00dfen \u00bbtievels holde\u00ab. hollen waren f\u00fchrerinnen beim hexensabbat. freilich wurden entsprechende sagen \u00fcber jahrhunderte hinweg zur d\u00e4monisierung des weiblichen mi\u00dfbraucht. auch hat man bei holle an eine verbindung zum wort h\u00f6lle sowie zur nordischen toteng\u00f6ttin hel und zum gleichnamigen totenreich gedacht. hel, in der &gt;Snorri-Edda&lt; lokis tochter sowie schwester des fenriswolfs und der midgardschlange, k\u00f6nnte urspr\u00fcnglich auch eine g\u00f6ttin der bergung gewesen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wenn jacob und wilhelm grimm aus ihren deutschen m\u00e4rchen und sagen, oder achim von arnim (1781 bis 1831) und clemens brentano (1778 bis 1842) aus ihrer volksliedsammlung &gt;Des Knaben Wunderhorn&lt;, ein zusammenh\u00e4ngendes literarisches werk mit einigen wenigen hauptfiguren und durchgehender handlung geschaffen h\u00e4tten, w\u00e4re vielleicht etwas \u00e4hnliches entstanden wie das finnische nationalepos &gt;Kalevala&lt;, das elias l\u00f6nnrot (1802 bis 1884) auf der grundlage der finnischen volks\u00fcberlieferung, und insbesondere des reichen liedguts der finnen, schrieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\u00a02007, \u00fcberarbeitet 2012<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<div id=\"attachment_100367\" style=\"width: 236px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-100367\" class=\"size-full wp-image-100367\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Bru\u0308der-Grimm-e1645725260502.jpg\" alt=\"\" width=\"226\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-100367\" class=\"wp-caption-text\">Wilhelm and Jacob Grimm, 1847; daguerreotype by Hermann Blow<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #888888;\">Anmerkung der Redaktion: <span style=\"color: #333333;\">Karen Duve hat sich an einer Neufassung der Grimmschen M\u00e4rchen versucht, obs gelungen ist,<\/span><\/span> <a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/peggy-neidel-karen-duve.htm\">schreibt<\/a> <span style=\"color: #333333;\">Peggy Neidel im Poetenladen. Wir haben A.J. Weigoni gebeten seine Grimm-Hommage <em>Lilak\u00e4ppchen und der Steppdeckenwolf<\/em> bei hier<\/span> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=10528\">einzustellen<\/a>.<\/p>\n<p>\u2192 <span style=\"color: #333333;\">Wir begreifen die Gattung des Essays auf KUNO als eine<\/span> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, <span style=\"color: #333333;\">undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Was den<\/span> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21478\">Rezensionsessays<\/a> <span style=\"color: #333333;\">von Holger Benkel die \u00dcberzeugungskraft verleiht, ist die philosophische Anstrengung, denen er sein Material unterwirft.<\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; je weiter ich in diesem Studium fortgehe, desto kl\u00e4rer wird mir der Grundsatz: da\u00df kein einziges Wort oder W\u00f6rtchen blo\u00df eine Ableitung haben, im Gegenteil jedes hat eine unendliche und unersch\u00f6pfliche. Alle W\u00f6rter scheinen mir gespaltene und sich spaltende&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/03\/17\/marchen-und-sagen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":36,"featured_media":100367,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[94,925,97,4466],"class_list":["post-11282","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-holger-benkel","tag-karen-duve","tag-peggy-neidel","tag-wilhelm-and-jacob-grimm"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11282","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/36"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11282"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11282\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":106615,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11282\/revisions\/106615"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100367"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11282"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11282"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11282"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}