{"id":11140,"date":"1989-12-13T00:01:26","date_gmt":"1989-12-12T23:01:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11140"},"modified":"2019-07-22T17:43:54","modified_gmt":"2019-07-22T15:43:54","slug":"uber-bilder-und-sehen-ii","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/12\/13\/uber-bilder-und-sehen-ii\/","title":{"rendered":"\u00dcber Bilder und Sehen I"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Flugh\u00e4fen \u2013 der vermutete Ma\u00dfstab zuhause oder wo ist zuhause Mama<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Antwort auf einen Text von J.H.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sitze ich einmal mehr in meinem Arbeitszimmer am Schreibtisch, genie\u00dfe den Ausblick aus der architektonisch eigenwillig gestalteten Fenstergaube und denke f\u00fcr einen Augenblick dar\u00fcber nach, ob die mit dem vorherigen Attribut gestaltete Architektur durchaus mit der bei mir vermuteten Eigenwilligkeit meiner Person korrespondiert. In dieser Wahrnehmung f\u00fchle ich mich f\u00fcr diesem bemerkten Augenblick wohl. Doch schiebt mich meine kurze \u00dcberlegung zu einer weiteren, grunds\u00e4tzlichen Frage. Hat irgendeine Form und Gestaltung irgendeiner Behausung unaufl\u00f6slich mit gef\u00fchlm\u00e4\u00dfigen Befindlichkeiten in unserem Leben zu tun. Oder ist letzteres nicht v\u00f6llig beliebig in andere \u00fcberdachte Schutzr\u00e4ume zu transportieren? Ich gerate in diese Frage nicht von ungef\u00e4hr \u2013 geh\u00f6rt ihre Kl\u00e4rung doch zum Bestandteil der mir aufgetragenen Aufgabe.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/IMG_1085.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11141 aligncenter\" style=\"border: 1px solid black;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/IMG_1085-724x1024.jpg\" width=\"456\" height=\"644\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/IMG_1085-724x1024.jpg 724w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/IMG_1085-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/IMG_1085.jpg 1919w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gestaltung der Glaube lenkt meinen Blick durch drei gleichf\u00f6rmige Teile in den anbrechenden Tag. Dieser scheint sich fr\u00fchlingshaft einen&nbsp; blauen Minirock \u00fcberstreifen zu wollen, so da\u00df wir nach der bestrumpften Winterenge wieder dem Leben unter die R\u00f6cke sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser heiteren Wahrnehmung m\u00f6chte ich die mir aufgetragene Aufgabe mit dieser geb\u00fchrenden Leichtigkeit angehen, die jede mahnende, korrigierende und besserwisserische Betrachtung verhindern soll. Ich hoffe und w\u00fcnsche mir, da\u00df mein Auftraggeber mit der Erkenntnis gesegnet ist, wie schwierig es ist, einen fremden, aber dann doch anvertrauten Text ad\u00e4quat zu \u201ebehandeln\u201c. Denn eine Bewertung steht keinem an, der mit der Bewertung der eigenen sprachlichen Bem\u00fchungen schon Schwierigkeiten genug hat. Man wird ja an einem vermuteten Ma\u00dfstab gemessen, den man selbst bei sich befragt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin mir nicht sicher, ob eine gewaltige und mit irrwitzigen Perspektiven ausgestattete Architektur Leere und Hektik geradezu, als zwangsl\u00e4ufig beherbergt. Wobei beherbergt bereits das falsche Wort ist, da eine Herberge zun\u00e4chst Schutz anbietet. Das Wort zuhause schlummert schon im Hintergrund. Leere und Hektik wird vielleicht hier sichtbarer, da an ihnen eine un\u00fcberschaubare Menge von Leuten beteiligt ist, die in ihrer Summe gerade dies vermitteln k\u00f6nnen. Auf Flugh\u00e4fen sind vielleicht alle heimatlos \u2013 auf dem Weg zu einer wie auch immer gearteten Ankunft. Vielleicht sind einige von ihnen unterwegs zu ihrem \u201eStyling\u201c und \u201eMake off\u201c, um nach einem \u201eWork out\u201c ihr Anliegen besser \u201ePerformen\u201c zu k\u00f6nnen. Der \u201eSun-downer\u201c bei der \u201eAfter-work-party\u201c ist hier sicherlich hilfreich. Kein Wunder also, da\u00df alle so \u201ebusy\u201c und nicht wirklich \u201eamused\u201c sind. In jedem Fall haben die meisten diesen anglizistischen Sprachsalat verdient, der mit einer gedanklich verw\u00e4sserten Vinaigrette angerichtet ihnen nicht einmal seelisches Sodbrennen verursacht. Sind sie nicht selbst die Voraussetzung ihrer Ziellosigkeit. La\u00df sie reisen und sich mit ihrer l\u00e4ngst ins Banale abgedrifteten Lebenswichtigkeit kopulieren. Sie geb\u00e4ren sich selbst als Zerrbilder vormaliger Ideal und Wertigkeiten. W\u00fcrde man den Zynismus nicht diesen Gebrauchsattent\u00e4tern \u00fcberlassen, k\u00f6nnte man ihn trefflich mit dem Bemerken anwenden: sie haben sich alle verdient. Aber unser humanistisches Seelenzwicken zwingt uns zu einer mehr g\u00fctigen Betrachtung, die sich mehr um Fragen nach der Notwendigkeit und den Voraussetzungen dieser Verk\u00fcmmerung rankt. Es hei\u00dft so sch\u00f6n \u201eReisende soll man nicht aufhalten\u201c. In der Tat scheint das Heer der Wohlstandsverwahrlosten und im wesentlichen Sinne Heimatlosen zu einer Horde unberechenbarer Frohlinge und Scheingl\u00fcckseligen anzuwachsen. Sie sind nach so vielen Seiten offen, da\u00df sie keine mehr in sich ber\u00fchren. In allen M\u00f6glichkeiten, die sie sich scheinbar erobern, so, wie man offene T\u00fcren einrennt, glauben sie, ihre Individualit\u00e4t anzureichern, um sie recht eigentlich aufzugeben. Die dies alles beobachtenden Psychologen und Soziologen sind l\u00e4ngst die milde Falte selbst in ihrem s\u00fcffisanten Mundwinkel geworden. Fernsehgerecht meinungsfrisiert spielen sie die Probleme, von denen man dann vermuten kann, da\u00df es sie wirklich gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der mir vorliegende Text ist im wahrsten Sinne recht aussichtslos, sein Blick hat sich eine g\u00fctige Betrachtung sozusagen \u201eabgeschminkt\u201c. Doch wirft er auch ein kleines, aber gewichtiges Bemerken weit hinaus zu einem Gedanken, f\u00fcr den es noch keine angemessene Architektur gibt, da er sich bequemt, in unserer Seele seine Heimat zu begr\u00fcnden:&nbsp; zuhause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es scheint so treffend und sch\u00f6n zugleich \u201ewir sind immer unterwegs. Nach Hause.\u201c Auch E.T. wollte, wenn ich mich recht erinnere, nach Hause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke, so etwas Wesentliches l\u00e4\u00dft den Begriff \u201etrivial\u201c erst gar nicht an sich heran. Trivial erscheint er vielleicht dem Pseudo-Weltenbummlern der heutigen Zeit, die in ihrem st\u00e4ndigen Unterwegssein in neue Ablenkungen genau das fliehen, das sie in ihrem ungeordneten Vorw\u00e4rtstrieb l\u00e4ngst verloren haben. Aber auch sie tragen diesen Gedanken in sich \u2013 vielleicht wie ein kitschiges Lied, das sie zu Tr\u00e4nen r\u00fchrt, die man aber wiederum nicht zu zeigen wagt. Man ist halt zu \u201etaff\u201c und Ger\u00fchrtheiten haben nur noch Geltung im Swingerclub der promiskuitiven Pubert\u00e4tsalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber seien wir gerecht \u2013 auch streunende Hunde brauchen einen Ort, an den sie zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. So bem\u00e4ngelt der Text, wenn ich dies bemerken darf wohl eher den Mangel an gedanklichem &nbsp;Bewu\u00dftsein um diese Heimatform und nicht ihr zu vermutendes Dasein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erlaube mir eine Frage an den Verfasser. Ist er in der Wahrnehmung seiner Beobachtungen zuhause oder betrachtet er sie als Fremder einer sich immer unbehauster gestaltenden Welt. L\u00e4\u00dft er dies offen in dem letzten geschriebenen Wort: Optimist \u2026?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Versteckt sich hier die Ahnung, das eigene Ziel seiner Beschreibung selbst zu verfehlen? Oder bereits verloren zu haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder ist dies lediglich ein kluges Kokettieren mit einem Thema, das in der Passage eines internationalen Flughafens so zu Hause ist, wie der Teufel im Beichtstuhl? In jedem Falle kann man bei einem solchen Gedanken tats\u00e4chlich nach Hause kommen. Ist dies nicht eine beruhigende Aussicht? In keinem Fall sollte man sich f\u00fcr die Gedanken, die man hierbei entwickelt, entschuldigen. Sie langweilen weniger als das gesamte schreiende Angebot aufgesetzter Themen und Problemchen, mit der sich eine zunehmende Zahl von Menschen in die d\u00fcrftige N\u00e4he ihrer Wahrnehmung stottert. Diese Enthausten hocken l\u00e4ngst im universalen Container und werden f\u00fcr ihre debilen Absonderungen auch noch belohnt. Diese Behausung ist zumindest architektonisch ad\u00e4quat gestaltet. Denn sie gestattet uns den Einblick in sich immer mehr verabschiedende Wertigkeiten, die sich auf eine kleine Wahrnehmung konzentrieren lie\u00dfen: In und zu Hause sein. In diesem Sinne: Gute Ankunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<h4><strong><strong>Weiterf\u00fchend<\/strong>&nbsp;\u2192 <\/strong><\/h4>\n<p>Lesen Sie auch den&nbsp;<strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">Nachruf<\/a><\/strong> \u00fcber Peter Meilchens Lebenswerk und den&nbsp;<strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21518\">Essay<\/a><\/strong> 50 Jahre Krumscheid \/ Meilchen \u00fcber die Retrospektive im Kunstverein Linz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flugh\u00e4fen \u2013 der vermutete Ma\u00dfstab zuhause oder wo ist zuhause Mama Antwort auf einen Text von J.H. 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