{"id":11094,"date":"2013-01-04T07:30:05","date_gmt":"2013-01-04T06:30:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11094"},"modified":"2022-11-18T09:12:12","modified_gmt":"2022-11-18T08:12:12","slug":"wenn-die-dinge-verschwinden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/04\/wenn-die-dinge-verschwinden\/","title":{"rendered":"Wenn die Dinge verschwinden"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">\u00dcber Formen digitaler Magie dachte Peter Glaser in der Sendereihe <em>Politisches Feuilleton<\/em> auf Deutschlandradio Kultur nach. KUNO zitiert daraus:<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was passiert eigentlich, wenn die Zukunft von der Gegenwart eingeholt wird? Wenn sich direkt vor unseren Augen aufzubl\u00e4ttern beginnt, was wir erst in Jahrzehnten suchen wollten? Wir leben in einer Zeit, in der Science Fiction im technischen Sinn kaum noch m\u00f6glich scheint: Es gibt schon alles (oder es wird auf jeden Fall bereits im Labor erprobt).<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>Kaum versuche ich mir ein F\u00fchlofon vorzustellen\u00a0\u2013 also ein Telefon, mit dem Empfindungen \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen, geben Forscher der University at Buffalo die Entwicklung eines Verfahrens bekannt, das\u00a0<em>eine Person sp\u00fcren l\u00e4sst, was eine andere Person empfindet, wenn diese etwas ber\u00fchrt.<\/em> Die Fingerspitzengef\u00fchle werden \u00fcbers Netz in Datenhandschuhe \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Steve Mann ist Professor an der Universit\u00e4t Toronto und einer der Pioniere des Wearable-Computing. Technologie, die man anziehen kann. Er tr\u00e4gt einen solchen Gef\u00fchls\u00fcbermittler in Form einer Datenweste; dazu eine spezielle Brille, auf der er Dinge sehen kann, f\u00fcr die andere Menschen noch einen Bildschirm brauchen.<\/p>\n<p>Aber auch eine solche Brille\u00a0\u2013 Stichwort: Google Glass\u00a0\u2013 ist bereits wieder \u00fcberholt: Vor wenigen Wochen haben Forscher im belgischen Gent einen Prototypen von Kontaktlinsen mit eingebettetem LC-Display pr\u00e4sentiert, eine Technologie, die 1984 in William Gibsons Roman <em>Neuromancer<\/em> noch einer fernliegenden, d\u00fcsteren Zukunft angeh\u00f6rte. Scheinbar utopische Entw\u00fcrfe sind l\u00e4ngst bei uns angekommen.<\/p>\n<p>2004 erlaubte die amerikanische Arzneimittelgenehmigungsbeh\u00f6rde einen ersten klinischen Test, bei dem einem Gel\u00e4hmten ein <em>Braingate<\/em> genanntes Hirn-Computer-Interface in den Sch\u00e4del eingepflanzt wurde. Diese Direktverbindung erm\u00f6glicht es einem Menschen, einen Computer mit Gedankenkraft zu steuern. Einer Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little zufolge gibt es weltweit etwa 170.000 Menschen, denen ein solches Ger\u00e4t helfen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>In der fortschreitenden Digitalisierung l\u00e4sst sich eine Tendenz erkennen: Immer mehr Dinge entmaterialisieren sich. Musik, Filme und B\u00fccher brauchen keine materiellen Tr\u00e4ger mehr, sie halten sich zunehmend in der gro\u00dfen Datenwolke auf. Und es gibt einen noch weitaus radikaleren Wunsch an die Zukunft: Die Hardware soll insgesamt verschwinden und nur noch ihre Funktionen sollen \u00fcbrig bleiben.<\/p>\n<p>Das Internet wird immer und \u00fcberall erreichbar sein (so wie einstmals das Radio). Es wird zu einer neuen Umweltbedingung werden und daf\u00fcr sorgen, dass man stets online sein kann, um zu schreiben, zu lesen, zu telefonieren, fernzusehen, Musik zu h\u00f6ren, zu suchen und zu bloggen &#8211; und zwar ohne sperrige Ger\u00e4tschaften mit sich herumschleppen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Technik wird nicht wirklich verschwinden, aber unscheinbar in den Hintergrund r\u00fccken, vielleicht in die Masten der Stra\u00dfenbeleuchtung, und Teil einer \u00f6ffentlichen Infrastruktur werden, so wie heute die zunehmend fl\u00e4chendeckenden drahtlosen Netzwerke, die WLANs.<\/p>\n<p>Statt Notebook, Smartphone oder Tablet mit sich f\u00fchren zu m\u00fcssen, g\u00e4be es dann die M\u00f6glichkeit, \u00fcberall in virtueller Form das zu benutzen, was Bildschirm und Tastatur uns bisher eher umst\u00e4ndlich angeboten haben. L\u00e4ngst gibt es Systeme, die Bildschirminhalte auf eine beliebige Fl\u00e4che werfen\u00a0\u2013 etwa auf die Innenhand \u2013, dazu Sensoren, die jede unserer Gesten erkennen.<\/p>\n<p>Diese lichtgetragene Technik k\u00f6nnte unser globales Dorf sch\u00f6ner machen. Man denke nur an Bankomaten, Fahrkartenautomaten oder Informationszapfs\u00e4ulen. Heute sind diese Ger\u00e4te in der \u00d6ffentlichkeit meist brutalistisch verbunkerte, klobige Stahlk\u00e4sten\u00a0\u2013 \u203avandalismusresistent\u2039. Sie vermitteln kein besonders freundliches Menschenbild. Aber das l\u00e4sst sich \u00e4ndern. Die martialischen K\u00e4sten werden auch verschwinden, denn in der digitalen Welt von morgen gen\u00fcgt ein smarter Hauch aus Licht.<\/p>\n<p>Eine Handbewegung, und was ich m\u00f6chte, geschieht. Es ist wie Zauberei, blo\u00df wirklich.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_104245\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-104245\" class=\"size-medium wp-image-104245\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Peter_Glaser_auf_der_republica10_-_2-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><p id=\"caption-attachment-104245\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Daniel Seiffert<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch Peter Glasers Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/06\/05\/die-neue-deutsche-wanderdune-attrappe-einer-kulturgeschichte-von-neulich\/\">Attrappe einer Kulturgeschichte von neulich<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Formen digitaler Magie dachte Peter Glaser in der Sendereihe Politisches Feuilleton auf Deutschlandradio Kultur nach. 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