{"id":10914,"date":"2013-01-13T00:11:16","date_gmt":"2013-01-12T23:11:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=10914"},"modified":"2022-06-12T17:24:47","modified_gmt":"2022-06-12T15:24:47","slug":"alles-fliest","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/13\/alles-fliest\/","title":{"rendered":"Alles flie\u00dft"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_10917\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/kanal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10917\" class=\"size-medium wp-image-10917 \" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/kanal-300x222.jpg\" alt=\"Kanaldeckel\" width=\"300\" height=\"222\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/kanal-300x222.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/kanal-1024x760.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10917\" class=\"wp-caption-text\">Arno Kappe\u00a0\u2022 Kanaldeckel<\/p><\/div>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Warten auf Enzo<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war p\u00fcnktlich an der Ablagestelle, ein tiefer, gefliester Hauseingang, auf der einen Seite Altpapier, auf der anderen in Folie eingeknotete Zeitungsstapel, wie Strohballen gestapelt. Enzo fehlte. Das Licht, das ich angeschaltet hatte, ging nach einer Minute wieder aus. Ich k\u00e4mpfte gegen die M\u00fcdigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um diese Uhrzeit auf jemanden zu warten geht eigentlich nicht. Vielleicht, wenn man bei der Polizei arbeitet oder jemanden umbringen will. Es war schweinekalt, und ich war ein bisschen aufgeregt, weil ich Enzo ewig nicht gesehen hatte und fr\u00fcher mal in ihn verliebt war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem ich mir zehn Minuten die Beine vertreten und mich dabei f\u00fcr alles m\u00f6gliche gesch\u00e4mt hatte, einschlie\u00dflich der Unf\u00e4higkeit, einen besser bezahlten Job zu finden, bog aus der Sallstra\u00dfe ein Fahrradfahrer mit leerem Anh\u00e4nger ein, der bei jeder Unebenheit in der Halterung rumpelte. Die Anwohner m\u00fcssen dieses Ger\u00e4usch \u00fcber Jahre in den gegen Morgen d\u00fcnner werdenden Schlaf eingebaut haben, dachte ich, w\u00e4hrend mein Kollege sich lichtlos n\u00e4herte, die stillen Rumpeltr\u00e4ume warteten wahrscheinlich schon auf eine Vertonung, und umgekehrt, wenn Enzo mal nicht kam, w\u00fcrden sie vermutlich aufwachen von der ungewohnten Stille.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Enzos Rad, ein verbrauchtes Mountainbike ohne St\u00e4nder, wie ein Pferd sah es aus mit den ausgeleierten Packtaschen, er lehnte es routinem\u00e4\u00dfig an die H\u00e4userwand. Soviel ich unter der Vermummung erkennen konnte, hatte er sich kaum ver\u00e4ndert. Es war stark anzunehmen, dass die Haare noch so schwarz waren wie die Augen, sein Gesicht war nicht mehr so glatt wie fr\u00fcher, aber das tat seiner Sch\u00f6nheit keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Und was kann denn auch an uns Zeitungszustellern glatt sein, wenn wir stets dem rauen Wetter ausgesetzt sind. Enzo war immer noch kr\u00e4ftig und sportlich, wobei er sich eine gewisse Gem\u00fctlichkeit bewahrt hatte, was sich darin zeigte, dass er f\u00fcr meine Einarbeitung anscheinend gar nicht viel Zeit eingeplant hatte \u2013 und das bei Schnee- und Eisgl\u00e4tte. Ob er immer noch an Marathonl\u00e4ufen teilnahm und die Arbeit blo\u00df zum Aufw\u00e4rmen nutzte? Mir war klar, dass wir uns die Hand geben mussten, und er dachte dasselbe, unsere H\u00e4nde trafen sich\u00a0\u2013 nur dass er seinen Handschuh auszog und ich ihn anbehielt und mich gleichzeitig \u00e4rgerte, eine solche Dumpfbacke zu sein. Wir machten uns an die Arbeit, die Zeit war ja begrenzt: Bis 6 mussten die Dinger bei ihren Adressaten sein.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Halt den Lenker fest!<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Enzo zeigte mir die unter einem Zeitungshaufen versteckte Packliste, trug ein paar \u00c4nderungen ins Tourenbuch ein, lud in Sekundenschnelle die abgez\u00e4hlten Zeitungen in Anh\u00e4nger und Packtaschen. Er schaute skeptisch auf mein Kinder-Car. \u00bbMeinst Du, das reicht?\u00ab \u00bbIch werd mir noch Packtaschen holen.\u00ab \u00bbDer St\u00e4nder bricht dir jedenfalls noch ein paar Tagen ab. Lehns lieber an.\u00ab \u00bbWenn das mit den vollen Taschen geht &#8230;\u00ab \u00bbReine \u00dcbungssache. Mittwochs ist bl\u00f6d, wenn die ganzen gelben S\u00e4cke hier stehen &#8230; Morgen hast du auch noch die fette <em>Zeit<\/em>.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte M\u00fche, hinter Enzo herzukommen, der zum Anfang der Tour am Stephansplatz sauste; die Stra\u00dfen waren um diese Uhrzeit nicht gestreut, die B\u00fcrgersteige noch nicht mal ger\u00e4umt, ich geriet ins Schlingern, wie sollte das erst mit vollgeladenem Anh\u00e4nger werden? \u00bbHalte den Lenker FEST!\u00ab, rief Enzo. \u00bbUnd bleib immer in Bewegung: Das hilft einerseits gegen Erfrieren, andererseits gegen Ausrutschen. Denn eigentlich rutscht man nur aus, wenn man z\u00f6gert, anh\u00e4lt, abrupt sein Gewicht verlagert oder bremst.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich brauchte Enzo das Tourenbuch gar nicht, hatte die \u00c4nderungen gespeichert und versuchte mir nun das Wesentliche zu erkl\u00e4ren. \u00bbHier schmei\u00df ich die nur auf die Treppe\u00ab \/ \u00bbBei diesem Kunden darf die Zeitung auf keinen Fall auf dem Fu\u00dfabtreter liegen &#8230;\u00ab \/ \u00bbDie wollen uns keinen Schl\u00fcssel geben, also &#8230;\u00ab, er lie\u00df die Zeitung auf den Schnee fallen, der sich nach allen Seiten verst\u00e4ubte, \u00bbM\u00fcssen Fr\u00fchaufsteher sein\u00ab \/ \u00bbDieses Haus nervt; neun Zeitungen, und jeder will seine woanders haben.\u00ab Er wirbelte mit den Armen in der Luft herum, und im Nu waren alle Zeitungen verteilt: Briefkasten, Zeitungsrolle, T\u00fcrschlitz, Schuhregal, vor die T\u00fcr, auf die untere Treppe, auf die obere Treppe, Treppengel\u00e4nder zum 1. Stock, hinter die T\u00fcrklinke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEigentlich hab ich Schwein gehabt mit der Tour: Ich habe relativ viele Zeitungen auf engem Raum und die Leser gut erzogen: Nur Questenhorst 20 muss ich bis ins 1. OG hochlaufen und die Zeitung unter der T\u00fcr durchschieben. Aber es reicht in der Regel, wenn du um halb 5 anf\u00e4ngst. Du musst nat\u00fcrlich immer in Bewegung bleiben, wie gesagt, das ist das Geheimnis, hilft nicht nur gegen Ausrutschen, sondern auch gegen die M\u00fcdigkeit und die Angst vor der Dunkelheit, lach nicht, ich hatte mal so &#8217;ne absurde Paranoia, als ich Schlafst\u00f6rungen hatte.\u00ab<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Marathon<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach zehn weiteren H\u00e4usern hatten wir die wichtigsten pers\u00f6nlichen Daten ausgetauscht, mir schien, dass es Enzo ebenso wichtig war wie mir, zu erfahren, wie es dem anderen ergangen war; andererseits erwarteten wir keine gro\u00dfen Spr\u00fcnge, denn: warum w\u00e4ren wir sonst auf diesen Job angewiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Enzo hatte tats\u00e4chlich seine Marathon-L\u00e4ufe aufgegeben, daf\u00fcr seine Stunden aufgestockt, trug noch bis weit in den Nachmittag Post aus, brauchte das Geld, seine ganze Kraft floss hier rein, K\u00f6rperkraft, Lebensenergie\u00a0\u2013 das war jetzt sein Marathon, und ich merkte, dass ich ihn immer noch bewundern konnte, aber nun f\u00fcr sein Aufgeben, was musste das f\u00fcr ihn bedeutet haben.\u00a0\u2013 Was er wohl von meinem aktuellen Lebenswandel hielt? Ich war zu keinem normalen B\u00fcrojob in der Lage, weil ich immer noch leidenschaftlich der Kunst nachging, und daf\u00fcr braucht ich einen freien Kopf, allerdings lie\u00df mir die Familie nicht viel Raum daf\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wurden unterbrochen, jemand kam eilig in Str\u00fcmpfen die Holztreppe runtergelaufen, er hatte anscheinend nur auf den Zeitungsboten gelauert, \u00bbHalt, warten Sie&#8230;\u00ab, ein kleiner Mann mit russischen Akzent, er war im Schlafanzug, der hastig \u00fcbergeworfene Morgenmantel schleifte \u00fcber den Boden, er schoss zur Briefkastenanlage und schnappte sich seine \u00fcberdicke <em>Maz<\/em>, die Enzo soeben in die Briefkasten\u00f6ffnung geklemmt hatte, \u00bbBitte stecken sie die Zeitung doch immer ganz rein. Und&#8230; und&#8230;\u00ab er riss voller Wut die Werbebeilage zwischen den Seiten heraus und pfefferte sie in einen auf der Fensterbank stehenden Karton. \u00bbDie Werbung will ich nicht. Tun Sie sie doch bitte hier hinein. Dann passt die Zeitung auch besser in den Kasten.\u00ab \u00bbAber sicher, Herr Michalski, aber sicher.\u00ab Als wir wieder auf der Stra\u00dfe standen, meinte Enzo: \u00bbImmer freundlich bleiben. Seine W\u00fcnsche sind nat\u00fcrlich ganz unrealistisch. Komm blo\u00df nicht auf die Idee, auf so etwas einzugehen. Dann bist du verloren.\u00ab<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Revolution<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim 14. Haus kamen wir zu den aktuellen politischen Themen, Fukushima, die fehlenden Renten, &#8230; \u00bbWir werden hier doch nur verarscht.\u00ab Der Spanier wies auf die Zeitungen und begann eine kleine Rede zu halten, der ich gar nicht ganz folgen konnte, weil ich mir die Besonderheiten der Tour zu merken versuchte. Das bisschen Geld, das er \u00fcbrighatte, legte er in Gold an, und wenn es nach ihm ginge, h\u00e4tten wir ein K\u00f6nigkreich und keine Demokratie, das hatte wenigstens noch Stil, und der neugegr\u00fcndete Betriebsrat hatte seiner Ansicht nach das letzte Bisschen des guten Verh\u00e4ltnisses zur Chefin zerst\u00f6rt, es gab weder Weihnachtsgeld noch Betriebsausfl\u00fcge, und bald w\u00fcrde sowieso die ganze Firma aufgel\u00f6st, weil Zeitungen zunehmend online gelesen werden und diejenigen, die das nicht wollten, ausstarben &#8230; Enzo hatte Format, aber wo war sein Platz in der Gesellschaft? Letzten Endes versuchte er blo\u00df zu \u00fcberleben. \u00bbMal mit Freunden abends weggehen, das r\u00e4cht sich am n\u00e4chsten Tag, dieses 6 Tage die Woche um 4 Uhr Aufstehen &#8230; das Alter macht sich doch irgendwie bemerkbar, ich bin jetzt 51 &#8230;\u00ab Eigentlich hie\u00df das ja wohl, dass er einsam war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir bogen in eine Seitenstra\u00dfe ein, und hier sah ich, woher das orange, rotierende Licht kam, welches ich wahrnahm, seit wir die Geibelstra\u00dfe \u00fcberquert hatten. Ein Kanalarbeitereinsatz Rehberg, Ecke Mendelssohn. Und je n\u00e4her wir kamen, umso lauter wurde es, bald konnten wir uns nicht mehr unterhalten. Die Lautst\u00e4rke des pumpenden Lastwagens, der durch das in derselben Farbe flackernde Licht die Farbe verloren hatte, der einschneidende Ton, den schwere Metallstangen, die auf Stein fallen, verursachen, die kr\u00e4ftigen M\u00e4nner, die teils in latexfarbener Schutzkleidung, teils in Leuchtwesten mit viel zu d\u00fcnnen Jacken herumstanden, versetzten mich in Alarmbereitschaft. In k\u00fcrzester Zeit war ich so angespannt, als ob hier gleich etwas Schlimmes passieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Enzo arbeitete schweigend weiter, w\u00e4hrend ich zu erkennen versuchte, was die Kanalarbeiter taten. Ein dicker Schlauch spulte sich mit irrer Geschwindigkeit aus dem Wagen in die runde \u00d6ffnung, die starken M\u00e4nner standen herum und rauchten, routiniert bet\u00e4tigte der Vorarbeiter einige Hebel, der Schlauch hielt an, der L\u00e4rm h\u00f6rte aber nicht auf, sondern \u00e4nderte nur den Grundton, und jetzt wurde der Schlauch wieder eingerollt, einer der Kanalarbeiter stieg mit Stirnlampe und Messger\u00e4t in das Loch. \u00bbDu, Enzo, warte mal, ich will wissen, was die da machen.\u00ab \u00bbBist du verr\u00fcckt, wir m\u00fcssen uns beeilen, sonst bleibt keine Zeit mehr zum Fr\u00fchst\u00fcck.\u00ab \u00bbIch komme gleich nach. Geh schon mal vor. Machst du jetzt St\u00fcve? Da hole ich dich wieder ein.\u00ab \u00bbHol dir keine Erfrierungen, das geht schnell, vor allem an den F\u00fc\u00dfen.\u00ab Ich ging zu dem Mann, der das Fahrzeug bediente und fragte ihn, ob da unten vielleicht was eingefroren sei bei dem Dauerfrost und wenn zuf\u00e4llig zwei Stunden niemand die Klosp\u00fclung bet\u00e4tigt hatte. \u00bbNee nee, keine Bange, die Bakterien halten das alles sch\u00f6n warm.\u00a0\u2013 Der Job hier oben ist viel bl\u00f6der. Bis auf den Geruch nat\u00fcrlich. Man steht rum und langweilt sich oder wird von Leuten angesprochen &#8230; Wenn&#8217;s mal nur so nette Frauen w\u00e4ren wie Sie &#8230;\u00ab Ich blickte in sein Gesicht. Es erinnerte mich an einen ber\u00fchmten Piraten, der mit seinem furchterregenden \u00c4u\u00dferen seine Opfer einsch\u00fcchterte. Er hatte den feuerroten Bart zu einem langen Zopf geflochten und versuchte, sich das Frieren nicht anmerken zu lassen. Aber die Z\u00e4hne klapperten, und er fluchte und spuckte in den Schnee. \u00bbEhrlich gesagt ist unsere Arbeit aussichtslos, Verstopfung der Rohre ist ein Problem der Vergangenheit. Obwohl es nat\u00fcrlich nach wie vor eine Sauerei ist, dass die Leute das Klo als M\u00fclleimer benutzen. (Gegen die beim Z\u00e4hneputzen verlorenen Goldz\u00e4hne, Ringe, Ketten &#8230; habe ich ja nichts einzuwenden. Das ist wenigstens eine kleine Aufbesserung des lausigen Gehalts.) Der Punkt ist: Die Kan\u00e4le werden von Robotern \u00fcberwacht, die v\u00f6llig falsche Informationen liefern, weil der Virenschutz dieser Ger\u00e4te machtlos gegen die Bakterien ist. Das intelligente Abwasser programmiert die Maschinen um und sendet an Stelle \u00fcbelster Anh\u00e4ufungen sch\u00f6ne Bilder von sauberen R\u00f6hren, um mehr Verunreinigungen zum Essen zu haben. Das marode Kanalsystem ist nicht mehr zu retten. Eine Zeitbombe tickt da unten. Abwasser sickert in Trinkwasser &#8230; Wo sauberes Wasser herkommt, das ist bald unser Thema &#8230; Die Verantwortlichen verarschen uns doch nur!\u00ab Dieser Satz klang derart nach Enzo, dass ich dachte: Warum schlie\u00dfen die beiden sich eigentlich nicht kurz und machen eine Revolution.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Die h\u00f6her entwickelte Lebensform<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/HW21.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-10965\" style=\"border: 1px solid black;\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/HW21-300x109.jpg\" alt=\"verschneite Stra\u00dfe\" width=\"300\" height=\"109\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/HW21-300x109.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/HW21-1024x375.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Leider musste ich weiter, sonst h\u00e4tte ich ihn noch mehr gefragt, die K\u00e4lte hatte sich bereits an den Zehen festgebissen, aber seltsam war es jetzt, \u00fcber die Stra\u00dfe zu laufen und unter den F\u00fc\u00dfen diese zweite, aus den Fugen geratene Welt zu wissen. Hatte der Kanalarbeiter recht? Ich holte Enzo am Ende der St\u00fcve ein. \u00bbDu, das ist ganz sch\u00f6n erschreckend, wir werden bald kein Trinkwasser mehr haben, weil die Computer, die da unten rumfahren von den Mikroorganismen vereinnahmt werden.\u00ab \u00bbKein Wunder\u00ab, entgegnete Enzo grinsend, \u00bbdie Pantoffeltierchen werden uns noch alle \u00fcberleben, letzten Endes sind sie die h\u00f6her entwickelte Lebensform.\u00ab Er zog eine kleine, flache Isolierflasche aus seiner Jackentasche und sog sie leer. \u00bbIch trinke au\u00dferdem kein Wasser.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als wir uns verabschiedeten, nutzte ich die Gelegenheit, um meinen <em>faux pas<\/em> vom Anfang wieder wettzumachen: Ich gab ihm die Hand <em>ohne<\/em> Handschuh, und er l\u00e4chelte sogar f\u00fcr 1,5 Sekunden. Dann stieg er aufs Rad und fuhr Richtung Zooviertel davon. Es war noch vor 6, und er w\u00fcrde jetzt eine lebensnotwendige, kleine Pause einlegen, damit der Tag \u00fcberhaupt weitergehen konnte, Kalorien nachladen, Muskeln entspannen. Kopf freipusten. Mein Weg nach Hause f\u00fchrte \u00fcber die Mendelssohn. Von dem Kanalarbeitereinsatz war nichts mehr zu sehen bis auf einen angetauten Kanaldeckel, aus dem z\u00f6gerlich Nebel kroch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_103624\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-103624\" class=\"wp-image-103624 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Christine-Kappe-150x150-1.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-103624\" class=\"wp-caption-text\"><\/h6>\n<h6>Christine Kappe, Fotograf: Ric G\u00f6tting<\/h6>\n<p><\/p><\/div>\n<h5><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO hat ein Faible f\u00fcr die frei drehende Phantasie. Wir begreifen die Gattung des Essays als eine Versuchsanordnung, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Auch ein Essay handelt ausschliesslich mit Fiktionen, also mit Modellen der Wirklichkeit. Wir betrachten Michel de Montaigne als einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/04\/23\/die-ehe-ist-ein-vertrag-nur-der-erste-anfang-ist-frei\/\">Blogger aus dem 16. Jahrhundert<\/a>. Henry David Thoreau gilt als Schriftsteller auch in formaler Hinsicht als eine der markantesten Gestalten der klassischen amerikanischen Literatur. Als sorgf\u00e4ltig feilender Stilist, als hervorragender Sprachk\u00fcnstler hat er durch die f\u00fcr ihn <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/07\/12\/walden-life-in-the-woods\/\">charakteristische Essayform<\/a> auf Generationen von Schriftstellern anregend gewirkt. Karl Kraus war der erste Autor, der die kulturkritische Kommen\u00adtie\u00adrung der Welt\u00adlage zur Dauer\u00adbesch\u00e4f\u00adtigung erhob. Seine Zeit\u00adschrift \u201eDie Fackel\u201c war gewisser\u00adma\u00ad\u00dfen der erste <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/01\/29\/die-fackel\/\">Kultur-Blog<\/a>. Die Redaktion nimmt Rosa Luxemburg beim Wort und versucht in diesem Online-Magazin auch \u00fcberkommene <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/05\/01\/wie-entstand-die-maifeier\/\">journalistische Formen<\/a> neu zu denken. Enrik Lauer zieht die Dusche dem Wannenbad vor. Warum erstere im Sp\u00e4tkapitalismus \u2013 zum Beispiel als Zeit und Ressourcen sparend \u2013 zweiteres als Form der K\u00f6rperreinigung weitgehend verdr\u00e4ngt hat, ist einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/25\/wohlbefinden\/\">eigenen Betrachtung<\/a> wert. Ulrich Bergmann setzte sich mit den Wachowski-Br\u00fcdern und der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/06\/the-matrix-has-you\/\">Matrix<\/a> auseinander. Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">weitere Betrachtungen<\/a> von J.C. Albers. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warten auf Enzo Ich war p\u00fcnktlich an der Ablagestelle, ein tiefer, gefliester Hauseingang, auf der einen Seite Altpapier, auf der anderen in Folie eingeknotete Zeitungsstapel, wie Strohballen gestapelt. Enzo fehlte. Das Licht, das ich angeschaltet hatte, ging nach einer Minute&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/13\/alles-fliest\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":103624,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[390,239],"class_list":["post-10914","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-arno-kappe","tag-christine-kappe"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10914","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10914"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10914\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103625,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10914\/revisions\/103625"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/103624"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10914"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10914"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10914"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}