{"id":10906,"date":"2010-11-10T00:01:00","date_gmt":"2010-11-09T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=10906"},"modified":"2022-03-07T15:12:58","modified_gmt":"2022-03-07T14:12:58","slug":"die-untoten-sind-lebendig","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/11\/10\/die-untoten-sind-lebendig\/","title":{"rendered":"Die Untoten sind &#8211;  lebendig!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span class=\"ILfuVd\" style=\"color: #999999;\"><span class=\"hgKElc\">Der Begriff <em>Zombie<\/em> leitet sich von dem Wort <em>nz\u00f9mbe<\/em> aus der in Nord-Angola beheimateten Bantusprache Kimbundu ab. Er bezeichnete dort urspr\u00fcnglich einen Totengeist, eine Bedeutung, die das im Kreolischen gebr\u00e4uchliche Wort zonbi (gesprochen <em>zombi<\/em>) in Haiti noch besitzt.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zombies<\/em>, der Titel verspricht uns Erz\u00e4hlungen. Erfahren darf man literarische Kompositionen. Das Studium der Partitur der adressierten Hypermoderne f\u00fchrt uns durch diverse Abgr\u00fcnde menschlichen Daseins, die Empfindungshorizonte der Innerlichkeitsarmut \u00fcber Ankn\u00fcpfungspunkte der Triebe bis hin zum Umgang mit dem Sein, Werden und Gewesensein \u2013 und der zum Teil verzweifelten Suche der Pro- und Antagonisten nach einem Sinn darin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">A. J. Weigoni schafft es dabei souver\u00e4n mit minimalistischem Werkzeug\u00a0\u2013 zum Teil am Rande des Poetischen &#8211; Figuren eine besondere Art von Leben einzuhauchen. Obwohl sie dieses zum Teil bereits verlassen haben, in der Abwesenheit einer realistischen Hoffnung. Dabei zeichnet er seine Charaktere mit schnellen, kr\u00e4ftigen Strichen, ohne sie dabei profan zu penetrieren. Man n\u00e4hert sich an. Fliegt vorbei und l\u00e4sst sich nieder. Beobachtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man ist Gast in einer seelenlosen Landschaft der Moderne, in der sich die Menschlichkeit meist in vertrauten Abgr\u00fcnden \u00e4u\u00dfert. Diese, an denen man steht, in welche man gesto\u00dfen wird oder sich fallen l\u00e4sst. Dabei ist das Scheitern an den Alltagsh\u00fcrden gepr\u00e4gt vom Selbst- oder Fremdbetrug. Das Sich-Maskieren des Menschen von heute wird \u00fcberaus facettenreich durchdekliniert. Wir scheinen mit den Szenerien und Geschehnissen vertraut zu sein, und doch sind sie neu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei geht es doch nicht um Trostlosigkeit! Erstaunlich ist doch eher die Widerstandsf\u00e4higkeit der Akteure im Angesicht der bereits im Klappentext adressierten globalen Niedergangsstimmung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind in den Geschichten Gast der Moderne, welche ihren moralischen Horizont erst aus dem Erfahrungsspektrum des Gewesenen neu definieren muss. Diese M\u00f6glichkeit sublimiert aus den Texten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hoffnungen sind im Gegensatz zum eindrucksvoll dargestellten Kaleidoskop des allgemeinen Scheiterns ein Privileg des Lesers \u2013 auch f\u00fcr den Fall, das es sich mal um einen Zombie handelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zombies<\/strong>, Erz\u00e4hlungen von A. J. Weigoni, Edition Das La\u00adbor, M\u00fclheim an der Ruhr 2010.<\/p>\n<div id=\"attachment_15220\" style=\"width: 152px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/ZombiesCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15220\" class=\"wp-image-15220 size-full\" title=\"ZombiesCover\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/ZombiesCover.jpg\" alt=\"\" width=\"142\" height=\"207\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15220\" class=\"wp-caption-text\">Coverphoto: Anja Roth<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchend\u00a0\u2192<\/strong> KUNO \u00fcbernimmt einen Artikel von Karl Feldkamp aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/08\/07\/tote-lebende\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und von Jo Wei\u00df von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/02\/18\/turbokapitalistischer-realismus\/\">fixpoetry<\/a>. Enrik Lauer stellt den Band unter <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/09\/01\/unter-kanonverdacht\/\">Kanonverdacht<\/a>. Betty Davis sieht darin die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/03\/18\/zur-gegenwartslage-der-literatur\/\">Gegenwartslage der Literatur<\/a>, Margaretha Schnarhelt kennt den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/01\/18\/bissfest\/\">Ausgangspunkt<\/a> und Constanze Schmidt erkennt literarische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/10\/23\/polaroids-von-den-schattenseiten-der-gesellschaft\/\">Polaroids<\/a>. Holger Benkel beobachtet <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/25\/kleine-damonen-auf-tour\/\">Kleine D\u00e4monen auf Tour<\/a>. Ein Essay \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/01\/18\/der-sudelbuchschreiber\/\">Unlust am Leben, Angst vor\u2019m Tod<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff Zombie leitet sich von dem Wort nz\u00f9mbe aus der in Nord-Angola beheimateten Bantusprache Kimbundu ab. Er bezeichnete dort urspr\u00fcnglich einen Totengeist, eine Bedeutung, die das im Kreolischen gebr\u00e4uchliche Wort zonbi (gesprochen zombi) in Haiti noch besitzt. 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