{"id":107235,"date":"2005-12-08T00:01:58","date_gmt":"2005-12-07T23:01:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=107235"},"modified":"2026-07-01T17:18:15","modified_gmt":"2026-07-01T15:18:15","slug":"die-dekonstruktion-des-raumes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/12\/08\/die-dekonstruktion-des-raumes\/","title":{"rendered":"Die Dekonstruktion des Raumes"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Dieses Live-Album dokumentiert den permanenten Kampf der Musiker gegen die physische Ablenkung und die Unruhe der Masse.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_107244\" style=\"width: 1450px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-107244\" class=\"wp-image-107244 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2005\/12\/Doors.jpg\" alt=\"\" width=\"1440\" height=\"1140\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2005\/12\/Doors.jpg 1440w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2005\/12\/Doors-300x238.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2005\/12\/Doors-500x396.jpg 500w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2005\/12\/Doors-768x608.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2005\/12\/Doors-160x127.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 1440px) 100vw, 1440px\" \/><p id=\"caption-attachment-107244\" class=\"wp-caption-text\">The Doors performing for Danish television in Copenhagen (Gladsaxe Television-Byen studio) Foto: Jan Persson.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Klang\u00e4sthetik von <em>Absolutely Live<\/em> bricht radikal mit der kontrollierten Architektur der Studioalben der Doors. W\u00e4hrend im Studio (mit Assistenz des Produzenten Paul A. Rothchild) eine plastische, fast unheimliche Intimit\u00e4t konstruiert wurde, inszeniert das Live-Album das akustische Scheitern des Individuums an der Masse. Das \u00b4Live-Album` ist keine Dokumentation; es ist eine Montage aus Tr\u00fcmmern. \u00dcber Wochen hinweg wurden von Rothchild Konzerte zerschnitten und neu zusammengesetzt, um das Idealbild einer einzigen, \u00fcbermenschlich perfekten Nacht zu simulieren. Hier wird das Tonbandger\u00e4t zum genuinen Schock-Instrument. Es h\u00e4lt fest, was im Moment des Erlebens bereits im Taumel der Masse unterging. Morrisons Stimme fl\u00fcstert nicht mehr im sch\u00fctzenden Geh\u00e4use des Studios; sie ist der Witterung des Raumes ausgesetzt. Das Mikrophon f\u00e4ngt den Schwei\u00df, das Atmen und die drohende Gewalt des Publikums ein. Es ist &#8211; ganz im Sinne Walter Benjamins &#8211; <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/12\/16\/das-kunstwerk-im-zeitalter-seiner-technischen-reproduzierbarkeit\/\">die Erf\u00fcllung der technischen Reproduzierbarkeit<\/a>, denn das Einzigartige einen Rock&#8217;n&#8217;Roll-Konzerts wird massenhaft pressbar gemacht, ohne dabei seine Aura des Schreckens einzub\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ray Manzarek ist das metronomische Gewissen der Band. Seine hypnotischen, zyklischen Orgel-Riffs bilden den hypnotischen Raum.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Orgel von Manzarek funktioniert wie die monotone Architektur einer modernen Metropole. Sie gibt die Richtung vor, unerbittlich, hypnotisch, wie das Klicken der Weichen einer Stra\u00dfenbahn bei Nacht. W\u00e4hrend die Masse im Saal nach Erl\u00f6sung schreit, baut Manzarek das Ger\u00fcst, an dem sich die Ekstase emporranken kann. Es ist ein kaltes, barockes Licht, das durch die psychedelische Dunkelheit schneidet. Manzareks \u00b4Vox Continental`- oder \u00b4Gibson-Kalavette-Orgel` schneidet scharf und grell durch die Mitten. Kriegers Gitarre klingt oft kratzig, \u00fcbersteuert und nackt. Diese Frequenz-H\u00e4rte nimmt der Westcoast-Variante des Psychedelic Rock seine vertr\u00e4umte Weichheit und ersetzt sie durch eine aggressive, fast punkige zu nennende Dringlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">In St\u00fccken wie <em>When the Music\u2019s Over<\/em> bricht der Sound manchmal bis zur totalen Stille zusammen, in der nur noch Morrisons unbegleitetes Atmen oder das isolierte Klicken von Densmores Rimshots zu h\u00f6ren sind.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eControl your paradox behavior!\u201c &#8211; Morrisons Schrei an das Publikum ist das verbale \u00c4quivalent eines Plakats an einer bauf\u00e4lligen Fassade. Der S\u00e4nger agiert hier nicht mehr als Schamane, der die Meute heilt, sondern als Dompteur, der die Bestie, die er selbst heraufbeschworen hat, nicht mehr b\u00e4ndigen kann. Das Publikum auf <em>Absolutely Live<\/em> ist kein Kollektiv der Revolution, sondern eine amorphe Masse im Zustand der Ekstase-Erfahrung, sie applaudieren ihrem eigenen Untergang. Jedes Klatschen ist der verzweifelte Versuch, die Ohnmacht gegen\u00fcber der hypnotischen Bedrohung auf der B\u00fchne in Aktivit\u00e4t zu verwandeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Robby Krieger agiert live wie ein Kommentator: Er verstrickt sich nicht in den dionysischen Rausch Morrisons, sondern umrei\u00dft ihn mit filigranen, manchmal fast dissonanten Blues- und Jazz-Linien.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kriegers besitzt die Filigranit\u00e4t von schmiedeeisernen Balkongittern des Jugendstils, die \u00fcber einem Abgrund h\u00e4ngen. Seine Linien sind keine schweren Blues-Riffs, sondern d\u00fcnne, scharf gezogene Dr\u00e4hte. Sie erinnern an die feinen Nervenbahnen des Gro\u00dfstadtmenschen, der permanent unter Hochspannung steht. Krieger improvisiert nicht im luftleeren Raum; er kommentiert das Rasen Morrisons mit einer fast sachlichen Eleganz. Es ist &#8211; widerum im Sinne Walter Benjamins &#8211; die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/11\/22\/die-wiederkehr-des-flaneurs\/\">Kunst des Flaneurs<\/a>, der mit gelassener Geste am brennenden Haus vorbeigeht und die \u00c4sthetik der Flammen im Notizbuch festh\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Jim Morrison nutzt seine Stimme live als perkussives und theatralisches Instrument.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Absolutely Live<\/em> stellt die erste Ver\u00f6ffentlichung des Performance-St\u00fccks \u201eCelebration of the Lizard\u201c der Doors in voller L\u00e4nge dar; dieses war urspr\u00fcnglich bereits w\u00e4hrend der Aufnahmesitzungen zu &#8222;<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/07\/25\/die-geometrie-des-rock\/\">Waiting for the Sun<\/a>&#8220; im Studio in Angriff genommen, letztlich jedoch verworfen worden. Hier ist es das Herzst\u00fcck des Albums und wird zum Fundb\u00fcro f\u00fcr verlorene Mythen. In der Zivilisation des 20. Jahrhunderts, inmitten von Verst\u00e4rkern und Scheinwerfern, wird die Echse zum Totemtier der Entfremdung deklariert. Morrison rezitiert seine Poesie wie ein Auktionator, der die Restbest\u00e4nde des kollektiven Unbewussten versteigert. Dieser Performer ist das Element der absoluten Unberechenbarkeit; er zwingt die verbleibenden drei Musiker zu einer permanenten, musikalischen Alarmbereitschaft. Er liefert das dokumentarische Element des Realen \u2013 das Gef\u00fchl, dass in jeder Sekunde das Konzert abgebrochen werden \u2013&#8230; oder die Situation v\u00f6llig eskalieren k\u00f6nnte. <em>\u201eI am the Lizard King, I can do anything.\u201c<\/em> Dieser Satz ist kein Ausdruck von Macht, sondern das letzte, verzweifelte Aufbegehren des isolierten Subjekts vor seiner endg\u00fcltigen Aufl\u00f6sung in der Warenwelt der Musikindustrie.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">John Densmore fungiert als akustischer Seismograph. Seine Dynamik ist extrem: Er beherrscht das laute, peitschende Rock-Schlagzeug ebenso wie das hauchd\u00fcnne, jazzige Beckenspiel in den Momenten, in denen Morrison fl\u00fcstert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn der Jazz in die Westcoast-Psychedelik einbricht, bringt er die Pr\u00e4zision des Uhrwerks mit. Densmores Becken zischeln wie das Gaslicht in den Passagen. Er trommelt nicht gegen die Wand des Sounds, er zeichnet ihre Risse nach. Seine Schl\u00e4ge sind die Synkopen der urbanen Angst. W\u00e4hrend Morrison die Ewigkeit beschw\u00f6rt, erinnert Densmore mit jedem Beat an die unerbittlich vergehende, messbare Zeit. Er ist der W\u00e4chter am Nachtschalter, der Quittungen f\u00fcr die Ekstase ausstellt. Das Album zeigt die Band nicht als harmonische Einheit, sondern als ein h\u00f6chst fragiles Gef\u00fcge, in dem jeder Musiker eine theatralische Funktion \u00fcbernimmt, um das Live-Erlebnis vor dem Chaos zu retten\u2026 oder es an anderer Stelle bewusst dorthin zu treiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Absolutely Live<\/em> ist nicht dokumentarisch echt. Diese \u00b4Montage` besitzt eine tiefere, k\u00fcnstlerische Authentizit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Album ist ein Meisterwerk der akustischen Installation, sie konfrontiert die Zuh\u00f6rer mit einem tiefen Paradoxon. Der Titel verspricht geradezu unersch\u00fctterliche Authentizit\u00e4t: Absolute, geradzu unerbitterliche Unmittelbarkeit, ungefilterte Energie, die nackte Realit\u00e4t einer der provokantesten Rock&#8217;nRoll-Combos dieser \u00c4ra. Doch hinter dem Vorhang dieser akustischen Wildnis verbirgt sich kein einzelner, magischer Konzertabend, sondern die k\u00fchl kalkulierte Pr\u00e4zisionsarbeit des Produzenten Paul A. Rothchild. Indem er das Album aus zahllosen ca. 2000 Ton-Schnipseln der Tournee 1969\/1970 neu zusammensetzte \u2013 und dabei teilweise mitten im Song auch die St\u00e4dte wechselte \u2013, erschuf er eine akustische Illusion. Es stellt sich die fundamentale Frage:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Darf ein Werk, das so tiefgreifend im Studio rekonstruiert wurde, \u00fcberhaupt das Pr\u00e4dikat \u201eLive-Album\u201c tragen?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antwort erfordert eine Neudefinition von dem, was man unter dem verschwitzten Begriff <em>Authentizit\u00e4t<\/em> im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/12\/16\/das-kunstwerk-im-zeitalter-seiner-technischen-reproduzierbarkeit\/\">Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit<\/a> versteht. Betrachtet man den Begriff eines \u201eLive-Album\u201c puristisch, ist <em>Absolutely Live<\/em> ein Fake. Die traditionelle Erwartungshaltung an ein Live-Dokument basiert auf der klassischen Kontinuit\u00e4t von Zeit, Ort und Raum. Auch ein Konzert besteht ein fl\u00fcchtigen Momenten, <span class=\"ZNx93QP1XNrBdT5MI6SY\"><span class=\"expandableItem\">stark mit dem Dionysoskult verbunden<\/span><\/span>, ein Dialog zwischen Band und Publikum an einem spezifischen Ort. Rothchild bricht dieses ungeschriebene Gesetz in radikaler Weise auf. Seine Arbeit gleicht der eines \u00a0Filmregisseurs im Stile von Walter Ruttmanns <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/09\/23\/die-sinfonie-der-grossstadt\/\">Weekend<\/a> oder der sowjetischen Montage-Schule. Durch das k\u00fcnstliche Homogenisieren von Publikumsger\u00e4uschen und Raumton kaschierte er die Br\u00fcche der Realit\u00e4t um die Abgr\u00fcnde h\u00f6rbach zu machen. Was der H\u00f6rer als organischen Fluss wahrnimmt, ist in Wahrheit eine topografische und chronologische Unm\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">In einem rein dokumentarischen Sinne ist das Album keine Live-Aufnahme, sondern eine im Studio zusammengesetzte Collage.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch diese puristische Sichtweise greift zu kurz, da sie die Natur von Live-Musik und die Psychologie des H\u00f6rens missversteht. Ein einzelnes, ungefiltertes Konzert ist oft fehlerhaft, akustisch unbalanciert und f\u00e4ngt selten die subtile Essenz ein, die eine Band in der Erinnerung ihrer Fans hinterl\u00e4sst. Und genau hier setzt Rothchild an: Seine akustische Montage zielt nicht auf die Abbildung einer faktischen Wahrheit ab, sondern auf die Erschaffung einer <em>h\u00f6heren<\/em> Wirklichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Das Ergebnis ist das, die der Philosoph Jean Baudrillard als \u00b4Hyperrealit\u00e4t` bezeichnet \u2013 ein Zustand, in dem das Modell des Realen realer wirkt als die Realit\u00e4t selbst.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Absolutely Live<\/em> klingt schmutziger, wilder und gef\u00e4hrlicher, als es ein einzelnes Konzert der Doors je war. Jim Morrisons destruktive Energie, die Unberechenbarkeit der Band und die latente Gewalt der sp\u00e4ten 1960er-Jahre verdichten sich auf diesem Album zu einem atmosph\u00e4rischen Destillat. Rothchild nutzte die k\u00fchlste Studiotechnik nicht, um die Ecken und Kanten der Band glattzub\u00fcgeln \u2013 wie es bei postmodernen Pop-Produktionen der Fall ist \u2013 sondern um diese Kanten k\u00fcnstlich zu sch\u00e4rfen. Die Schnitte dienten der Intensivierung, nicht der Sterilisierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Daraus ergibt sich ein faszinierendes Paradoxon<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Album ist gerade <em>wegen<\/em> seiner absoluten K\u00fcnstlichkeit ein ersch\u00fctternd authentisches Dokument. Es f\u00e4ngt zwar nicht die physische Realit\u00e4t eines bestimmten Abends in New York, <span class=\"ZNx93QP1XNrBdT5MI6SY\"><span class=\"expandableItem\">Chicago<\/span><\/span> oder Detroit ein, aber es f\u00e4ngt die psychologische und kulturelle Realit\u00e4t der Doors-Tournee im Ganzen ein. Dies ist das akustische Schlachtengem\u00e4lde einer \u00c4ra, die aus den Fugen geriet. H\u00e4tte Rothchild lediglich ein einzelnes Konzert eins zu eins \u00fcberspielt, w\u00e4re das Ergebnis wom\u00f6glich flach, gar erm\u00fcdend oder fragmentarisch gewesen. Erst durch die Montage entstand die emotionale Wucht, die der H\u00f6rer mit dem Begriff \u201eLive\u201c verbindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Man kann <em>Absolutely Live<\/em> daher nicht nur als Live-Album bezeichnen, man sollte es m\u00f6glicherweise als \u00b4das ultimative Live-Album` verstehen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es emanzipiert den Begriff von der blo\u00dfen Pflicht zur Tonband-Dokumentation und erhebt den Rock&#8217;n&#8217;Roll zu einer Kunstform. Das Album beweist, dass im Kosmos der Rockmusik die &#8222;gef\u00fchlte Wahrheit&#8220; erheblich schwerer wiegt als die messbare Realit\u00e4t. Rothchilds chirurgischer Eingriff hat den K\u00f6rper der Realit\u00e4t zerlegt, um seiner Seele Ausdruck zu verleihen. Am Ende ist <em>Absolutely Live<\/em> genau das, was der Titel verspricht \u2013 nicht, weil es die Wirklichkeit unber\u00fchrt lie\u00df, sondern weil es die Studio-Apparatur nutzte, um die ungefilterte Essenz des Live-Erlebnisses f\u00fcr die Ewigkeit wiedererlebbar zu machen. Am Ende von <em>Absolutely Live<\/em> bleibt keine Katharsis. Das Album schlie\u00dft mit dem Applaus, der abrupt in die Rille der Schallplatte zur\u00fcckgeworfen wird. <em>When the Music\u2019s Over \/ turn out the light\u2026<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Absolutely Live<\/strong> von The Doors, 1970<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An American Prayer<\/strong>, Lyrik von Jim Morrison, erschienen 1970 im Selbstverlag (500 Exemplare). 1995 erschien eine Lesung der Gedichte als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/12\/08\/ein-lyrik-album-aus-dem-jenseits\/\">H\u00f6rbuch<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-107236 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Absolutely-Live-e1782848393499.jpg\" alt=\"\" width=\"299\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Im typischen Gestus junger Dichter hasste Arthur Rimbaud die kleinb\u00fcrgerliche Enge seiner Vaterstadt, was z.\u00a0B. in dem satirischen Gedicht <em>\u00c0 la musique<\/em> (<em>An die Musik<\/em>) zum Ausdruck kommt, er ist <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/10\/20\/der-erste-rockstar-der-poesie\/\">der erste Rockstar der Poesie<\/a>. Dichter wie der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/11\/06\/dub-poetry\/\">Dub-Poet Linton Kwesi Johnson<\/a>, der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/08\/30\/medway-poets\/\">Punk-Poet John Cooper Clarke<\/a>, der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/11\/12\/haus-und-hof-punks\/\">Lo-Fi-Poet Dan Treacy<\/a>, der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/01\/01\/zur-lage-der-detonation-revisited\/\">Sp\u00e4t-Expressionist<\/a> Peter Hein, der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/12\/08\/wings\/\">Lizard-King<\/a> Jim Morrison und die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/12\/30\/leben-und-kunstwollen-im-transit\/\">Grandma des Punk<\/a> Patti Smith nutzten Musik als Transportmittel f\u00fcr ihre Lyrics. Und eigentlich k\u00f6nnte auch: \u201eDylan gut ohne den Nobelpreis f\u00fcr Literatur weiterleben und -arbeiten. <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/10\/14\/the-dimes-they-are-a-changin\/\"><em>Er ist auch kein genuiner Kandidat<\/em><\/a><em>, <\/em>insofern er halt kein \u201arichtiger\u2018 Schriftsteller ist, sondern ein Singer-Songwriter.\u201c<em> (<\/em>Heinrich Detering).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Live-Album dokumentiert den permanenten Kampf der Musiker gegen die physische Ablenkung und die Unruhe der Masse. &nbsp; Die Klang\u00e4sthetik von Absolutely Live bricht radikal mit der kontrollierten Architektur der Studioalben der Doors. 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