{"id":107121,"date":"2018-06-17T00:01:02","date_gmt":"2018-06-16T22:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=107121"},"modified":"2026-02-27T12:17:56","modified_gmt":"2026-02-27T11:17:56","slug":"wandel-und-identitaet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/06\/17\/wandel-und-identitaet\/","title":{"rendered":"Wandel und Identit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Wire ist ein entscheidender Einfluss in einer Phase, als Punk zu Post wurde, eine Combo, die immer wieder zeigt, dass Wandel nicht nur unausweichlich, sondern auch kreativ fruchtbar ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Change Becomes Us&#8220; steht in einer langen Tradition der experimentellen Musik von Wire und stellt eine interessante Reflexion \u00fcber Identit\u00e4t, Wandel und musikalische Evolution dar. In der Geschichte von Wire markiert das 2013 ver\u00f6ffentlichte Album <em>Change Becomes Us<\/em> einen faszinierenden Moment der Selbstreferenz, der weit \u00fcber blo\u00dfe Nostalgie hinausgeht. W\u00e4hrend die Band mit der \u2013 wenn man es so betrachtet &#8211; \u201eTrilogie\u201c aus <em>Pink Flag<\/em>, <em>Chairs Missing<\/em> und <em>154<\/em> (1977\u20131979) eine der rasantesten Evolutionen der Musikgeschichte vollzog, blieb nach der anschlie\u00dfenden Aufl\u00f6sung 1980 ein Fragment zur\u00fcck: das Live-Dokument <em>Document and Eyewitness<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier kn\u00fcpft <em>Change Becomes Us<\/em> bewusst an, indem es den Faden des Fr\u00fchwerks auf wieder aufnimmt. Wer die rumpeligen Live-Aufnahmen kennt, vermeint hier einen Vollzug vom Entwurf zur Vollendung vollziehen zu k\u00f6nnen Die 13 Songs des Albums basieren auf Skizzen und Demos aus den Jahren 1979 und 1980. Viele dieser St\u00fccke existierten zuvor nur als rohe, fast unh\u00f6rbare Live-Aufnahmen oder unfertige Fragmente, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr ein viertes Album nach <em>154<\/em> vorgesehen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Im Gegensatz zu den direkten Anf\u00e4ngen der Band ist die Musik auf <em>Change Becomes Us<\/em> vielschichtig. Die Songs \u00fcberschreiten h\u00e4ufig die Drei-Minuten-Marke, was den H\u00f6rern erlaubt, in komplexe musikalische Ideen einzutauchen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewissermassen fungiert <em>Change Becomes Us<\/em> als \u201emissing link\u201c. Es vereint die kantige Punk-Energie von <em>Pink Flag<\/em> (z. B. in \u201eStealth of a Stork\u201c) mit den atmosph\u00e4rischen, oft klaustrophobischen Experimenten von <em>154<\/em>. Wire nutzt hier die Erfahrung von \u00fcber 30 Jahren, um die \u201eKeime\u201c dieser alten Ideen in komplexe Kompositionen zu verwandeln. Das Album ist durchdrungen von einer fragilen Melancholie, die sich durch die Texte und Kl\u00e4nge zieht. Die Band wagt es, traditionelle Songstrukturen hinter sich zu lassen und unkonventionelle Arrangements zu erforschen. Der Titelsong des Albums ist ein hervorragendes Beispiel daf\u00fcr. Hier werden Elemente des Post-Punks mit neuen Klanglandschaften kombiniert, die sowohl nostalgisch als auch innovativ wirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Trotz der historischen Wurzeln klingt das Album nie altbacken. Statt die Vergangenheit zu kopieren, unterwerfen Wire das Material ihrem aktuellen \u201eWorking Process\u201c, wodurch ein \u201efaszinierender Hybrid\u201c aus jugendlicher Unruhe und reifer Pr\u00e4zision entsteht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Songs wie \u201eRe-Invent Your Second Wheel\u201c oder \u201eMagic Bullet\u201c zeigen, wie die Band die psychedelischen und avantgardistischen Ans\u00e4tze von <em>154<\/em> weiterf\u00fchrt, sie jedoch mit einer heute deutlich klareren Produktion und Spielfreude paart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Change Becomes Us<\/em> beweist, dass Wire nicht die Geschichte wiederholen, sondern sie sinnf\u00e4llig zu Ende schreiben. Es ist die sp\u00e4te Validierung jenes kreativen \u201eOverdrive\u201c, der die Band 1980 fast zerrissen h\u00e4tte, nun aber in der gewohnten k\u00fcnstlerischen Ernsthaftigkeit vollendet wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Texte zeugen von einer Reflektion \u00fcber das Konzept des Wandels und der Identit\u00e4t. S\u00e4tze sind oft mehrdeutig und laden zur Interpretation ein, was die H\u00f6rer dazu anregt, sich mit den Themen des Vergehens und der Erneuerung auseinanderzusetzen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Hauptthema von <em>Change Becomes Us<\/em> ist Wandel und Identit\u00e4t. Wire reflektiert \u00fcber die Zeit und das, was aus der Vergangenheit bleibt. Diese Themen sind nicht nur in den Texten vorhanden, sondern auch in der musikalischen Entwicklung der Band selbst. Die Musik wird oft als Kommentar zu leeren Versprechungen der postmodernen Welt zusammengefasst, was einen tiefen sozialkritischen Aspekt des Albums er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es zeigt, dass sich die Band nicht nur auf ihre Wurzeln besinnt, sondern diese auch neu deutet. Dies spiegelt sich in der Relevanz der Themen und der musikalischen Komplexit\u00e4t wider. In <em>Change Becomes Us<\/em> vereint Wire etliche Aspekte ihres Erbes mit einer progressiven Vision. Die musikalische Komplexit\u00e4t gepaart mit tiefgr\u00fcndigen Texten bietet gewisserma\u00dfen eine Mediation \u00fcber die Natur des Wandels selbst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Change Becomes Us<\/strong>, Wire 2013<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-107122 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/change-Cover-300x271.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"271\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192<\/strong> Eine W\u00fcrdigung der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1998\/09\/30\/und-hier-ist-es\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Trilogie<\/span><\/a> <strong>Pink Flag<\/strong><em>, <\/em><strong>Chairs Missing<\/strong><em> und <\/em><strong>154<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Punk erweist sich als eine Cover-Version des Rock\u2019n\u2018Roll, der Style und die Haltung sind ebenso wichtig wie die Musik. Wir verorten auf KUNO die erste Punk-LP mit dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/12\/das-bananenalbum\/\">Bananenalbum<\/a>. Oder war es doch eher der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/02\/29\/garagenrock\/\">Garagenrock<\/a>? \u2013 L\u00e4sst sich von MC Five (<em>Motor City Five<\/em>) oder den Stooges der verschwitzte Proto-Punk der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/07\/14\/drei-akkorde-fuer-ein-halleluja\/\">New Yorker Proll-Combo<\/a> ableiten? Oder hatte der testosterongesteuerte Punk gar eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/03\/09\/horses\/\">Ur-Mutter<\/a>? W\u00fcrden das die Nerds unter den Musik-Kritikastern \u00fcberhaupt zugeben? \u2013 Der Titeltrack des Albums ist der mit Abstand spektakul\u00e4rste und zeitloseste Titel des Album. Bis heute ist <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/09\/30\/in-hells-kitchen\/\"><em>Blank Generation<\/em><\/a> der Song, der wohl gr\u00f6\u00dfer ist, als die Band, die ihn produziert hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wire ist ein entscheidender Einfluss in einer Phase, als Punk zu Post wurde, eine Combo, die immer wieder zeigt, dass Wandel nicht nur unausweichlich, sondern auch kreativ fruchtbar ist. &#8222;Change Becomes Us&#8220; steht in einer langen Tradition der experimentellen Musik&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/06\/17\/wandel-und-identitaet\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":254,"featured_media":107122,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4158,4160,4006,4623,4622],"class_list":["post-107121","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-colin-newman","tag-graham-lewis","tag-johannes-schmidt","tag-matthew-simms","tag-robert-grey"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107121","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/254"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=107121"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107121\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":107124,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107121\/revisions\/107124"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/107122"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=107121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=107121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=107121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}