{"id":106922,"date":"2017-12-30T12:57:57","date_gmt":"2017-12-30T11:57:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=106922"},"modified":"2025-12-17T13:03:39","modified_gmt":"2025-12-17T12:03:39","slug":"intime-ehrlichkeit-in-popiger-verpackung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/12\/30\/intime-ehrlichkeit-in-popiger-verpackung\/","title":{"rendered":"Intime Ehrlichkeit in popiger Verpackung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Zusammenarbeit von David Byrne &amp; St. Vincent bestichte durch die gelungene Verschmelzung zweier exzentrischer K\u00fcnstlerseelen und ihre originelle Instrumentierung.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr gemeinsames Album &#8222;Love This Giant&#8220; ist schon wegen der ungew\u00f6hnlichen Instrumentierung bemerkenswert. Das markanteste Merkmal ist die umfassende Verwendung einer achtk\u00f6pfigen Bl\u00e4sersektion, die an die Stelle traditioneller Gitarren trat und dem Album einen einzigartigen, funkigen und energiegeladenen Sound verlieh. Die Ergebnisse kulminieren in einem Album, das insbesondere durch eine explosive Brass-Sektion und Beats. Obwohl die Bl\u00e4ser-Arrangements in ihrer Gesamtheit dominieren, ist &#8222;Love This Giant&#8220; ein Hook-lastiges, mitrei\u00dfendes und in jeder Hinsicht modernes Popalbum geworden. Obwohl der &#8222;grauhaarige Veteran und die die aufstrebende Indie-K\u00fcnstlerin \u00e4u\u00dferlich ein ungleiches Paar schienen, verband beide eine verwandte k\u00fcnstlerische Seele und eine Neigung zur Exzentrik. Die Zusammenarbeit wirkte organisch und nicht erzwungen, wobei beide K\u00fcnstler die \u00c4sthetik des anderen erg\u00e4nzten und gleichzeitig aus ihrer eigenen Komfortzone heraustraten. Im Gegensatz zu vielen Mentor-Sch\u00fcler-Konstellationen war dies eine echte Kollaboration. Byrne und Clark schrieben zehn der zw\u00f6lf Songs gemeinsam und teilten sich gleichm\u00e4\u00dfig die Gesangsaufgaben, wodurch ein Dialog zwischen ihren unterschiedlichen Stimmen und Perspektiven entstand. Die Tour zum Album war ebenso bemerkenswert, mit aufwendiger, synchronisierter Choreografie und der gro\u00dfen Bl\u00e4serband, was die theatralische Qualit\u00e4t der Musik unterstrich. Die Arbeit mit Byrne, insbesondere sein Rat, niemals zur\u00fcckzublicken und sich st\u00e4ndig neu zu erfinden, hatte einen sp\u00fcrbaren Einfluss auf Annie Clarks sp\u00e4tere Soloalben, die dadurch noch mutiger und &#8222;artifizieller&#8220; wurden.\u00a0So kam es dann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">&#8222;Masseduction&#8220; ist gleichzeitig hochgradig zug\u00e4nglich und zutiefst herausfordernd, indem es brillante Pop-Musik als Gef\u00e4\u00df f\u00fcr komplexe, d\u00fcstere und pers\u00f6nliche Erz\u00e4hlungen nutzt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Annie Clark, die K\u00fcnstlerin hinter St. Vincent, spielt mit ihrer \u00f6ffentlichen Persona. Das Album ist ihr bisher pers\u00f6nlichstes, verwischt aber gleichzeitig die Grenzen zwischen der Kunstfigur und der realen Annie Clark, was die Spekulationen \u00fcber ihr Privatleben (insbesondere ihre Trennung von Cara Delevingne) anheizte. Das Album ist durch ein starkes visuelles Konzept gepr\u00e4gt, das Pop-Ikonographie und Konsumkritik ironisch aufgreift. Das ikonische Albumcover, das nur das Ges\u00e4\u00df einer Frau in pinker Strumpfhose zeigt, ist ein Beispiel f\u00fcr diese provokante \u00c4sthetik. Soe sind auch die Songs, unvorhersehbar, sie wechseln abrupt Genres oder Stimmungen, wie zum Beispiel &#8222;Pills&#8220;, das von einem basslastigen Kinderreim zu einer Jazz-Ballade mit Saxophon \u00fcbergeht. <em>Masseducation<\/em> behandelt d\u00fcstere Themen wie Herzschmerz, Drogenkonsum, psychische Gesundheit und Tod in einem musikalischen Gewand, das oft eing\u00e4ngig, tanzbar und von 80er-Jahre-Pop inspiriert ist. Die Diskrepanz zwischen der gl\u00e4nzenden Oberfl\u00e4che und dem rohen Kern ist ein zentrales Merkmal. Clark nutzt ihre Texte, um mit geschlechtsbezogenen Rollenbildern, Machtstrukturen und der Faszination f\u00fcr Trag\u00f6dien zu spielen. Die Texte sind oft scharfsinnig, poetisch und hinterlassen lebendige Bilder.\u00a0Dieses Album vereint futuristischen Elektropop, Glam Rock, New Wave und intime Klavierballaden. So etwas kann schnell altern, daher ist die Neuinterpretation von MassEduction in der Piano-Version zu empfehlen. W\u00e4hrend die Originalversion durch elektronische Beats und opulente Produktion von Jack Antonoff gepr\u00e4gt war, legt <em data-complete=\"true\">MassEducation<\/em> den Fokus auf die pure Songstruktur und Clarks Gesang. Es hebt die Verletzlichkeit sowie die emotionale Tiefe der Texte st\u00e4rker her und es erweist sich, dass Clark eine der herausragenden Sogschreiberinnen ihrer Gereration ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Love This Giant<\/strong> von David Byrne &amp; St. Vincent, 2012<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>MassEducation<\/strong> von St. Vincent, 2017<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-106923 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Cover_Giant-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Die Rockmusik erlebte seit den 1970-er Jahren eine enorme Vielfalt und ihren H\u00f6hepunkt in der Popularit\u00e4t verschiedener Subgenres wie Glam Rock, Punk und Ambiet. Bereits 1974 hatte Eno diese Entwicklung mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2004\/02\/08\/futuristische-surrealitaet\/\"><strong>Here Come the Warm Jets<\/strong><\/a> angerissen. Als Innovator wirkte Brian Eno u.a. mit bei: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/12\/06\/decadenz\/\"><strong>Roxy Music<\/strong><\/a><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/12\/06\/decadenz\/\">,<\/a> der Begr\u00fcndung des Ambient <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1998\/06\/30\/kein-ort-nirgends\/\"><strong>Music For Airports<\/strong><\/a>, der Lancierung einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/08\/05\/ambient-music\/\"><strong>Fourth World: 01 Possible Music<\/strong><\/a>, mit Jon Hassell und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/10\/08\/tal-king-heads\/\"><strong>Remain in Light<\/strong><\/a> von den Talking Heads.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zusammenarbeit von David Byrne &amp; St. Vincent bestichte durch die gelungene Verschmelzung zweier exzentrischer K\u00fcnstlerseelen und ihre originelle Instrumentierung. 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