{"id":106916,"date":"1999-10-30T00:01:59","date_gmt":"1999-10-29T22:01:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=106916"},"modified":"2025-12-16T13:46:50","modified_gmt":"2025-12-16T12:46:50","slug":"transformierender-einfluss","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/10\/30\/transformierender-einfluss\/","title":{"rendered":"Transformierender Einfluss"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Brian Eno war der Katalysator, der die Talking Heads von ihren Punk-Wurzeln weg in Richtung eines komplexeren, avantgardistischen New Wave-Sounds f\u00fchrte, der Elemente aus Funk, Weltmusik und experimenteller Elektronik stimmig vereinte.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Luther Blissett<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es hat den Anschein, als h\u00e4tte Eno bei der Arbeit mit den Talking Heads nur da weitergemacht, wo er bereits mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2004\/02\/08\/futuristische-surrealitaet\/\"><em>Here Come the Warm Jets<\/em><\/a> begonnen hat. Mit <em>More Songs About Buildings and Food<\/em> begann auch eine Zusammenarbeit mit dem britischen Produzenten. Das Album kn\u00fcpft sowohl musikalisch als auch textlich an \u00b477` an, es ist aber deutlich aufwendiger instrumentiert und produziert. Doch deutet sich hier bereits ein Interesse der Talking Heads an afroamerikanischer Musik, vor allem Funk, an. Die auf dem Album enthaltene Cover-Version des Al-Green-St\u00fccks <em>Take Me to the River<\/em> wurde ein kleiner Hit. In dem im Country-Stil gehaltenen St\u00fcck The Big Country nimmt David Byrne die Rolle eines Beobachters ein, der die \u201eheile Welt\u201c der \u201eeinfachen Leute\u201c Amerikas beschreibt, jedoch \u2013 ohne dies in irgendeiner Weise zu begr\u00fcnden \u2013 f\u00fcr sich selbst das Fazit zieht: \u201eIch w\u00fcrde dort nicht leben wollen, selbst wenn man mich daf\u00fcr bezahlt!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Obwohl nicht direkt im Sinne von Hugos Ball Nonsens-Gedichten, teilten Eno und Byrne die Freude am Spiel mit Sprache und Sinn, was sich in seinen Songtiteln, Konzepten und dem experimentellen Sound zeigt<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eno hatte einen transformierenden Einfluss auf die Talking Heads, insbesondere auf &#8222;Fear of Music&#8220;), indem er ihre Musik durch experimentelle Klanglandschaften, elektronische Texturen, afrikanische Rhythmen und eine tiefere Auseinandersetzung mit urbaner Paranoia bereicherte, was den Sound der Band vielschichtiger und tanzbarer machte, aber auch interne Spannungen versch\u00e4rfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\u00a0<span style=\"color: #999999;\">\u201eFear of Music ist oft bewusst und brillant desorientierend. Wie seine schwarze, gewellte Verpackung (die an einen Kanaldeckel erinnert) ist das Album unheilvoll, unweigerlich urban und besessen von Textur.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Jon Pareles<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tina Weymouth erkl\u00e4rte, Byrnes Rhythmusgef\u00fchl sei \u201ewahnsinnig, aber fantastisch\u201c und er sei w\u00e4hrend der Heimspiel-Sessions ma\u00dfgeblich f\u00fcr den Ehrgeiz der Band gewesen. Mit der Weiterentwicklung der Songs fielen die Auftritte den Bandmitgliedern leichter. Eno trug entscheidend zur Gestaltung ihres Sounds und ihres Selbstvertrauens bei den Aufnahmen bei und arbeitete an der elektronischen Bearbeitung der Tracks. Auf <em>Fear of Music<\/em> treten die Einfl\u00fcsse der Black Music offen zutage. Die Musik wird fast durchgehend von einem dominierenden Funkrhythmus getragen, die Intensit\u00e4t deutlich gesteigert. \u201eCities\u201c beschreibt die Suche nach dem idealen urbanen Wohnort und entstand aus der Vorliebe der Talking Heads f\u00fcr Stadtwohnungen, insbesondere in Manhattan. \u201ePaper\u201c vergleicht eine Liebesbeziehung mit einem einfachen St\u00fcck Papier. In \u201eLife During Wartime\u201c inszeniert sich Byrne als \u201eunheroischen Stadtguerillak\u00e4mpfer\u201c, der auf Partys verzichtete, von Grundnahrungsmitteln wie Erdnussbutter lebte und Ger\u00fcchte \u00fcber Waffenlieferungen und improvisierte Friedh\u00f6fe h\u00f6rte. Die Figur ist nur mit dem bevorstehenden Zusammenbruch ihrer Zivilisation verbunden. Byrne hielt die Persona f\u00fcr \u201eglaubw\u00fcrdig und plausibel\u201c. \u201eAir\u201c ist ein Protestsong gegen die Atmosph\u00e4re, eine Idee, die Byrne nicht als \u201eWitz\u201c betrachtet. Inspiriert von Bertolt Brechts Dreigroschenoper und Kurt Weills wollte der Liedtexter ein melancholisches und ber\u00fchrendes Lied \u00fcber einen Menschen schaffen, der so deprimiert ist, dass ihm selbst das Atmen Schmerzen bereitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\u00a0<span style=\"color: #999999;\">\u201eWas das Album aber so erfolgreich macht, ist vielleicht ein wirklich empfundener Anti-Elitismus. Talking Heads waren klug genug, Intellektuelles ansteckend und sogar tanzbar zu machen.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Tom Bentkowski<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt wird das musikalische Spektrum erweitert und reicht von den fast afrikanisch anmutenden Rhythmen des St\u00fcckes I Zimbra \u2013 der Vertonung des Lautgedichtes <em>Gadji beri bimba<\/em> des Dadaisten Hugo Ball. Und ausserdem ist der Album-Opener <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2kx03MYsKDY\">I Zimbra<\/a><\/span> von Afrobeat und Disco beeinflusst und enth\u00e4lt das Gitarrenspiel von Robert Fripp sowie Hintergrundgesang der Tonassistentin Julie Last. Der Nonsens-Text basiert auf dem Gedicht \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/11\/12\/gadji-beri-bimba\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Gadji beri bimba<\/span><\/a>\u201c des deutschen Dadaisten Hugo Ball. Jerry Harrison sagte, dass dieses Lied Einfluss darauf hatte, was die Band auf ihrem n\u00e4chsten Album machen w\u00fcrde. Dieser Song war das gelungene Vorspiel zu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/10\/08\/tal-king-heads\/\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Remain in Light<\/span><\/strong><\/a> dem Meisterwerk der Tal King Heads.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fear of Music<\/strong>, Talking Heads 1979<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-106917 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Fear_of_Music-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Die Rockmusik erlebte in den 1970-er Jahren eine enorme Vielfalt und ihren H\u00f6hepunkt in der Popularit\u00e4t verschiedener Subgenres wie Glam Rock, Punk und Ambiet. Bereits 1974 hatte Eno diese Entwicklung mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2004\/02\/08\/futuristische-surrealitaet\/\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Here Come the Warm Jets<\/span><\/strong><\/a> angerissen. Als Innovator wirkte Brian Eno u.a. mit bei: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/12\/06\/decadenz\/\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Roxy Music<\/span><\/strong><\/a><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/12\/06\/decadenz\/\">,<\/a> der Begr\u00fcndung des Ambient <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1998\/06\/30\/kein-ort-nirgends\/\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Music For Airports<\/span><\/strong><\/a>, der Lancierung einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/08\/05\/ambient-music\/\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Fourth World: 01 Possible Music<\/span><\/strong><\/a>, mit Jon Hassell und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/10\/08\/tal-king-heads\/\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Remain in Light<\/span><\/strong><\/a> von den Talking Heads.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brian Eno war der Katalysator, der die Talking Heads von ihren Punk-Wurzeln weg in Richtung eines komplexeren, avantgardistischen New Wave-Sounds f\u00fchrte, der Elemente aus Funk, Weltmusik und experimenteller Elektronik stimmig vereinte. Luther Blissett &nbsp; Es hat den Anschein, als h\u00e4tte&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/10\/30\/transformierender-einfluss\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":254,"featured_media":106917,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4133,4132,1696,136,4130,4006,4499,4131],"class_list":["post-106916","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-brian-eno","tag-chris-frantz","tag-david-byrne","tag-hugo-ball","tag-jerry-harrison","tag-johannes-schmidt","tag-robert-fripp","tag-tina-weymouth"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106916","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/254"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=106916"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106916\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":106920,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106916\/revisions\/106920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/106917"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=106916"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=106916"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=106916"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}