{"id":106892,"date":"1998-06-30T00:01:37","date_gmt":"1998-06-29T22:01:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=106892"},"modified":"2025-12-11T16:24:42","modified_gmt":"2025-12-11T15:24:42","slug":"kein-ort-nirgends","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1998\/06\/30\/kein-ort-nirgends\/","title":{"rendered":"Kein Ort, nirgends"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">&#8222;Nichtorte&#8220; stiften keine pers\u00f6nliche Identit\u00e4t oder das Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit. Sie dienen einer Funktion, wie z.B. dem Transport oder Konsum. Es sind Durchgangsorte, an denen man sich nur vor\u00fcbergehend aufh\u00e4lt und nicht wirklich dort ist. Menschen begegnen sich fl\u00fcchtig und bleiben anonym. Nach der Globalisierung \u00e4hneln sich Nichtorte weltweit, wodurch regionale oder historische Bez\u00fcge verloren gehen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Futurist Francesco Balilla Pratella trat in seinem technischen Manifest bereits 1911 f\u00fcr Atonalit\u00e4t und irregul\u00e4re Rhythmik in der Musik ein. Luigi Russolo k\u00fcndigte als Musik der Zukunft in seinem 1913 ver\u00f6ffentlichten futuristischen Manifest L&#8217;arte dei rumori die Ger\u00e4uschkunst an und schrieb wie Pratella entsprechende Musikst\u00fccke. Russolo gilt heute als Wegbereiter der synthetischen Musik. 1920 komponierte Erik Satie &#8222;Musique d\u2019ameublement, furniture music&#8220;, die als Fr\u00fchform von Ambient angesehen werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">&#8222;Ambient&#8220; ist ein Musikgenre mit Einfl\u00fcssen aus elektronischer, elektroakustischer und akustischer Musik, das durch ruhige, atmosph\u00e4rische Klangfl\u00e4chen gekennzeichnet ist und den Fokus auf Raumwirkung statt auf konventionelle musikalische Strukturen legt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Brian Eno entwickelte die Idee f\u00fcr <em>Ambient 1<\/em> w\u00e4hrend er 1977 zwangsweise einige Stunden auf dem Flughafen K\u00f6ln\/Bonn verbringen musste. W\u00e4hrend er das Geb\u00e4ude modern und gro\u00dfartig fand, \u00e4rgerte er sich \u00fcber die gew\u00f6hnliche und in seinen Ohren unpassende Soundatmosph\u00e4re des Terminals. Noch w\u00e4hrend seines Aufenthalts begann er mit der Konzeption des Albums, das anders als gew\u00f6hnliche Hintergrundmusik, die entweder aufheitern oder atmosph\u00e4risch untermalen soll, \u201eberuhigen und einen Platz zum Denken schaffen soll\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rhythmus und Perkussion stehen bei der Ambient-Musik im Hintergrund oder sind \u00fcberhaupt nicht vorhanden, sie erscheinen als subtile Perkussionstexturen, als Arpeggien oder in rhythmisch eingebrachten Melodie- und Bassverl\u00e4ufen. H\u00e4ufig wird auch mit r\u00e4umlichen Effekten, Soundscapes und Field Recordings experimentiert, vielfach werden elektronische Orgeln (Keyboards) und Blasinstrumente eingesetzt. Auch Naturger\u00e4uschkulissen, Sprache und Gesang haben ihren Platz. Die Musikst\u00fccke sind meist sehr langsam und lang, bauen sich oft gem\u00e4chlich auf und gehen ineinander \u00fcber, wobei sie selten einer klassischen Songstruktur folgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Music for Airports<\/em> besteht aus sich \u00fcberlagernden Tonbandloops, die in verschiedenen L\u00e4ngen ineinander gemischt und \u00fcberblendet wurden. So wird beispielsweise in 1\/1 eine repetitive Klaviermelodie immer wieder von komplexen, sich wiederholenden Klangmustern synchron und asynchron \u00fcberlagert, was ein komplexes Klangmuster schafft. 2\/1 und 1\/2 bestehen aus vier Spuren von textlosen, vokalisierten Lauten, die immer wieder mit sich selbst gemischt und \u00fcberblendet werden. Geringf\u00fcgige \u00c4nderungen in Timing und Timbre werden st\u00e4ndig wiederholt. 2\/2 wurde mit einem ARP 2600 im Studio von Conny Plank in Weilerswist aufgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Music for Airports<\/em> ist das erste von vier geplanten Alben der <em>Ambient<\/em>-Serie Enos. Musik aus dieser sph\u00e4rischen, stark zur\u00fcckgenommenen Gattung wurde von Eno als \u201eebenso ignorierbar wie interessant\u201c beschrieben und wird von ihm deutlich von \u00fcblicher Gebrauchsmusik abgegrenzt. Auch wenn <em>Music for Airports<\/em> nicht die erste Ambient-Ver\u00f6ffentlichung war, ist es dennoch das erste Album, das explizit unter der Genrebezeichnung Ambient vermarktet wurde. Es ist eine Ode an die &#8222;Nichtorte&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Music For Airports<\/strong> von Brian Eno, 1978<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-106893 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/airports-300x298.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"298\" \/>Dieses Album wurde 1978 von Polydor und E.G. Records ver\u00f6ffentlicht. Es besteht aus vier Kompositionen und wurde aus sich \u00fcberschneidenden Tonbandloops verschiedener L\u00e4nge zusammengestellt. Eno legte das Album als sich st\u00e4ndig wiederholende Klanginstallation an, welche die angespannte, hektische Atmosph\u00e4re eines Flughafenterminals angenehmer machen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Die Rockmusik erlebte in den 1970-er Jahren eine enorme Vielfalt und ihren H\u00f6hepunkt in der Popularit\u00e4t verschiedener Subgenres wie Glam Rock, Punk und Ambiet. Als Innovator wirkte Brian Eno u.a. mit bei: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/12\/06\/decadenz\/\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Roxy Music<\/span><\/strong><\/a><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/12\/06\/decadenz\/\">,<\/a> der Begr\u00fcndung des Ambient <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1998\/06\/30\/kein-ort-nirgends\/\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Music For Airports<\/span><\/strong><\/a>, der Lancierung einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/08\/05\/ambient-music\/\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Fourth World: 01 Possible Music<\/span><\/strong><\/a>, mit Jon Hassell und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/10\/08\/tal-king-heads\/\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Remain in Light<\/span><\/strong><\/a> von den Talking Heads.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Nichtorte&#8220; stiften keine pers\u00f6nliche Identit\u00e4t oder das Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit. 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