{"id":106737,"date":"2003-09-28T00:01:03","date_gmt":"2003-09-27T22:01:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=106737"},"modified":"2025-08-14T16:36:13","modified_gmt":"2025-08-14T14:36:13","slug":"prog-rock","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/09\/28\/prog-rock\/","title":{"rendered":"Prog Rock"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Progressiv bedeutet im Kontext von Musik, insbesondere im \u00b4Progressive Rock`, eine st\u00e4ndige Weiterentwicklung und Erforschung neuer musikalischer Ideen.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Keith Emerson<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Progressive Rock bedeutete f\u00fcr die Punks jedoch Regression. Mitglieder der Boy-Group Sex Pistols trugen ein \u201eI hate Pink Floyd T-Shirt\u201c. Selbstverst\u00e4ndlich kann man die Floyds mit ihrer Space-Operette \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/03\/01\/space-operette\/\">The Dark Side of the Moon<\/a>\u201c unter Prog Rock einordnen, doch dann \u00fcberh\u00f6rt man die Texte, es spricht einiges daf\u00fcr, dass Pink Floyd vier Jahre zuvor das Requiem auf die Protestkultur geschrieben hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Der Showbiz des H\u00e4sslichen<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbstverst\u00e4ndlich haben Rotzl\u00f6ffelpunks mit ihren Provokationen auf die Verkrustung des Musikbetrieb hingewiesen, um sich selbst an die Spitze eine neuen Bewegung zu setzen. Der Showbiz des H\u00e4sslichen f\u00fchrt Rock wieder zur\u00fcck auf das Eigentliche, die Musik war schnell, hat und laut. Musiker von Bands wie die Ramones waren technisch nicht in der Lage interessante Kompositionen abzuliefern. Nach \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/07\/14\/drei-akkorde-fuer-ein-halleluja\/\">The Blitzkrieg Bop<\/a>!!\u201c verwandelte sich Joey Rammone in den Dieter Bohlen des Punk. Die Guitarrensoli, die auf \u201eNever Mind the Bollocks\u201c von den Sex Pistols zu h\u00f6ren sind, hat der Studiomusiker Chris Spedding eingespielt; aber auch mit fremde Federn fliegt es sich zu weilen gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Und damit zur\u00fcck zum Eigentlichen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Progressive Rock (kurz Prog oder Progrock) ist eine Musikrichtung, die Ende der 1960er Jahre entstand, als Musiker Rockmusik um stilistische Merkmale anderer musikalischer Gattungen erg\u00e4nzten. Dabei wurden Kompositionsweisen und Harmonik aus der abendl\u00e4ndischen Klassik einbezogen. Die Bands griffen auch auf Einfl\u00fcsse aus Jazz (Jazzrock) und nicht-westlichen Formen zur\u00fcck (Weltmusik). Eine Deutung des Begriffs wurde von Robert Fripp vorgeschlagen, Gitarrist des Genrevorreiters King Crimson. Er sieht Progressive Rock weniger als stringenten Stil denn als Haltung. Diese zeichne sich aus durch den Willen zur Neudefinition der stilistischen und konzeptuellen Grenzen der Rockmusik unter Anwendung prozeduraler Abl\u00e4ufe aus klassischer Musik und Jazz. An dem Zeitpunkt, an dem sich aus dieser Haltung heraus ein neues Gef\u00fcge von Konventionen eines eigenen Stils entwickelt hatte, betrachtete er den progressiven Charakter als hinf\u00e4llig und beendete vorerst seine Aktivit\u00e4ten innerhalb des Genres. Das geschah im Jahr 1974, als die erste Inkarnation des Genres noch in seiner kommerziellen Bl\u00fcte stand. Mit \u00bb<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/02\/16\/zwischen-konsonanz-und-dissonanz\/\">Disziplin<\/a>\u00ab gelang Fripp in den 1980-er Jahren ein fulminanten Comeback, wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass er im Gegensatz zu Steve Jones ein guter Gitarrist ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Kaum eine andere Band war so stilbildend f\u00fcr das Genre Progressive\/Artrock wie Yes.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das das 3er-Live-Album \u00bbYessongs\u00ab dokumentiert eine Tour durch Nordamarika und startet mit einem Auszug aus dem \u201eFeuervogel\u201c, eine Ballettmusik von Igor Strawinsky. Bereits in 1973 wird hier etwas vorweggenommen, was sp\u00e4ter als Symphonic Rock in eine Musikrichtung m\u00fcnden sollte, die Elemente der Rockmusik mit denen eines Sinfonieorchesters kombiniert. Dabei werden klassische Rockst\u00fccke neu interpretiert oder eigens f\u00fcr Orchester arrangiert, oft unter Verwendung von Elementen wie Streichern, Bl\u00e4sern und Ch\u00f6ren, fr\u00fche Ans\u00e4tze fanden sich bereits bei der britischen Progressive-Rock-Band Emerson, Lake and Palmer, die mit \u201ePictures at an Exhibition\u201c ein Livealbum aufgenommen haben. &#8222;Bilder einer Ausstellung&#8220; von Modest Mussorgsky ist ein ber\u00fchmter Klavierzyklus, der sp\u00e4ter von Maurice Ravel orchestriert wurde. Es gibt auch verschiedene freie Bearbeitungen, die von anderen Komponisten und Ensembles geschaffen wurden, um das Werk f\u00fcr unterschiedliche Besetzungen und Interpretationen zug\u00e4nglich zu machen, so auch von ELP.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Der S\u00e4ngern Jon Anderson nimmt seiner durch Brustresonanz verst\u00e4rkten Kopfstimme die Wiederkehr der Counterten\u00f6re vorweg.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Album \u00bbYessongs\u00ab wurde von vielen Fans als beste Live-LP der 1970-er Jahre gefeiert, weil die Platte wie aus einem Guss wirkt, der H\u00f6rer habe das Gef\u00fchl, einem kompletten Konzert der Band zu lauschen (sofern er die Geduld aufbringt die knapp drei Stunden in einem Rutsch zu h\u00f6ren!). <em>Rick Wakeman und Steve Howe setzten die Akzente, e<\/em>inige St\u00fccke werden musikalisch sogar besser als die Studioversionen. Wakemans grandiose Synthesizer-Eins\u00e4tze sind mehr als nur texturiert und finden reichlich visuelle \u00dcbereinstimmungen mit Roger Deans kryptischem Cover. Diese Live-Band Yes gab sich vergn\u00fcgt harmonischen und melodischen Exzessen hin und schufen sorgf\u00e4ltig geplante, vielschichtige Komplexit\u00e4ten. \u201eRoundabout\u201c war bis dahin der gr\u00f6\u00dfte Hit der Band. Er erscheint hier originalgetreu wiedergegeben. Das f\u00fchrte aber auch zu Kritik an der Verfahrensweise der Erstellung des Albums, Dies wird vor allem bei dem Titel <em>Yours Is No Disgrace<\/em> deutlich, dessen Eingangspart original ist, dann in die im Studio erzeugte Aufnahme \u00fcbergef\u00fchrt wird, im Mittelteil wieder die Originalaufnahme enth\u00e4lt, um bis fast zum Schlussapplaus erneut die nachtr\u00e4gliche Studioaufnahme wiederzugeben. Der Grund hierf\u00fcr war, dass Steve Howe seinen Kollegen kurzfristig angeboten hatte, in den Song als Solo-Part eine l\u00e4ngere Gitarrenimprovisation einzubauen, durch die der Song fast doppelt so lang wurde, wie das Gegenst\u00fcck aus The Yes-\u00bbAlbum\u00ab. Auch die St\u00fccke <em>The Fish<\/em>; <em>Perpetual Change<\/em> und <em>Starship Trooper<\/em> weichen erheblich von den Versionen der Studioalben ab. Im sp\u00e4teren Verlauf des Albums intoniert Jon Anderson dann noch eine Passage aus Strawinskis Ballett \u00bbLe sacre du printemps\u00ab. Eines zeigte sich auf dem Album \u00bbYessongs\u00ab, dass die Yes-Lieder live zu um die zehn Minuten langen Epen tendieren. Mit Ausnahme von Close to the Edge tr\u00e4gt jede LP-Seite praktisch nur zwei Songs. Mit Abstand geh\u00f6rt ist \u00bbYessongs\u00ab ist ein Zeitdokument aus einem Paralleluniversum, einer anderen Welt, die es so nicht mehr gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Yessongs<\/strong>, Erschienen 1973<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-106738 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Yessongs-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Z\u00e4hlt das durchgeknallte Konzeptalbum \u00bb<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2004\/09\/30\/ein-lamm-legt-sich-am-broadweg-nieder\/\">The Lamb Lies Down on Broadway<\/a>\u00ab von Genesis zum Progressive Rock? War David Gilmour ein Krautrocker oder ein eher ein verkappter <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/03\/01\/space-operette\/\">Blueser<\/a>? \u2013 Und ist Syd Barrett nicht eher <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/10\/06\/psuechodelisch\/\">Ps\u00fcchodelisch<\/a>? Auch Dan Treacy von den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/11\/12\/haus-und-hof-punks\/\">Television Personalities<\/a> ist ein Musterbeispiel f\u00fcr schmuddeligen, abgewetzten Au\u00dfenseiter-Pop.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Inzwischen gibt es: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/07\/ruckzuck\/\">Pop mit Pensionsanspruch<\/a>, sowie eine <em>Rock and Roll Hall of Fame<\/em>. Daher der Schlussakkord: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/10\/01\/die-erde-ist-keine-scheibe\/\">Die Erde ist keine Scheibe<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Progressiv bedeutet im Kontext von Musik, insbesondere im \u00b4Progressive Rock`, eine st\u00e4ndige Weiterentwicklung und Erforschung neuer musikalischer Ideen. Keith Emerson Progressive Rock bedeutete f\u00fcr die Punks jedoch Regression. Mitglieder der Boy-Group Sex Pistols trugen ein \u201eI hate Pink Floyd T-Shirt\u201c.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/09\/28\/prog-rock\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":254,"featured_media":106738,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4504,4500,4506,4006,4503,4507,4505],"class_list":["post-106737","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-alan-white","tag-bill-bruford","tag-chris-squire","tag-johannes-schmidt","tag-jon-anderson","tag-rick-wakeman","tag-steve-howe"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106737","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/254"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=106737"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106737\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":106742,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106737\/revisions\/106742"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/106738"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=106737"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=106737"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=106737"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}