{"id":106706,"date":"1991-10-23T00:29:30","date_gmt":"1991-10-22T23:29:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=106706"},"modified":"2025-07-11T13:33:51","modified_gmt":"2025-07-11T11:33:51","slug":"9-brief","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/10\/23\/9-brief\/","title":{"rendered":"9. Brief"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Wien, den 23. 10. 1781<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00e0 \/ Mademoiselle \/ Mademoiselle Marieanne \/ Mozart \/<br \/>\n\u00e0 \/ Augsburg \/ in der Jesuitengasse<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ma tr\u00e8s ch\u00e8re Cousine!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war schon die ganze Zeit her auf einem Brief von ihnen, liebste Baase, begierig; \u2013 wie der ausfallen wird! \u2013 und wie ich mir ihn eingebildet, so war er auch. \u2013 Denn nachdemme ich einmal 3 Monathe vorbeygehen lassen, so h\u00e4tte ich nicht mehr geschrieben \u2013 und wenn der scharfrichter mit blossem schwerdt hinter mir gewesen w\u00e4re; \u2013 denn ich h\u00e4tte Ja nicht gewust: wie, wann, wo, warum, und was? \u2013 ich musste nothwendigerweise auf einen brief warten. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sind unterdessen, wie sie wohl wissen werden, vielle wichtige sachen mit mir vorgegangen, wobey ich nicht wenig zu denken, und vielle verdr\u00fcsslichkeiten, \u00e4rgern\u00fcss, kummer und Sorge hatte, welches mir auch in der that zu einer entschuldigung meines langen Stillschweigenswegen dienen kann; \u2013 was sonst das \u00fcbrige alles anbelangt, so mu\u00df ich ihnen sagen da\u00df das geschw\u00e4tze was die Leute von mir herumlaufen zu lassen beliebten, zum theil wahr, und zum theil \u2013 falsch ist; \u2013 mehr kann ich zur Zeit nicht sagen; nur noch zu ihrer beruhigung da\u00df ich nichts \u2013 ohne ursache \u2013 und zwar \u2013 ohne gegr\u00fcndete ursache thue. \u2013 wenn sie mehr Freundschaft und Vertrauen zu mir gezeigt h\u00e4tten, und sich gerade an mich \/: und nicht an andere \u2013 und zwar! \u2013\u00a0:\/ doch stille! \u2013 wenn sie sich gerade an mich gewendet h\u00e4tten, so w\u00fcssten sie gewis mehr, als alle Leute \u2013 und wenn es m\u00f6glich w\u00e4re, mehr als \u2013 ich selbst! \u2013 Doch \u2013 Nun da\u00df ich nicht vergesse \u2013 haben sie doch die g\u00fcte, liebste, beste baase, und \u00fcberbringen sie sogleich selbst das beyliegende schreiben dem H: Stein; \u2013 und bitten sie ihm, er m\u00f6chte mir doch gleich darauf antworten \u2013, oder wenigstens ihnen sagen, was sie mir dar\u00fcber schreiben sollen; \u2013 denn ich hoffe, da\u00df unsere Correspondence liebes b\u00e4\u00e4sle, nun erst recht angehen soll! \u2013 wenn ihnen nur die briefe nicht so theuer zu stehen k\u00f6mmen! \u2013 wenn sie mich, wie ich hoffe, mit einer antwort beehren wollen, so haben sie nur die gewogenheit den Brief wie lezthin \u2013 nemlich <em>auf dem Peter, im auge Gottes, im 2:<sup>ten<\/sup> Stock<\/em> zu adre\u00dfiren; ich wohne zwar nicht mehr dort, allein auf der Post ist die adre\u00dfe schon so bekannt, da\u00df wenn ein brief gerade an meine logis gewiesen ist, ich selben einem tag oder ein paar t\u00e4ge sp\u00e4ter erhalte. \u2013 Nun leben sie wohl, liebste, beste baase! und erhalten sie mich in ihrer mir so sch\u00e4tzbaren Freundschaft; der meinigen sind sie ganz versichert; ich bleibe Ewig<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\u00a0Ma tr\u00e9s chere Cousine<br \/>\nihr aufrichtiger Vetter ud Frd<br \/>\nWolfgang Amad\u00e8 Mozart<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die<strong> B\u00e4sle-Briefe <\/strong>wurden von der Forschung lange im Giftschrank versteckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-106679 size-large\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1991\/12\/Mozart_Portrait-345x500.jpg\" alt=\"\" width=\"345\" height=\"500\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wolfgang Amadeus Mozart, ein Pr\u00e4DaDaist? Er ist auch ein Sprachspieler, reimte und vertauschte, schuf falsche Partizipien und neue Redewendungen, formte Worte zu Witzen zusammen und entliess seine Adressaten gern mit \u00absumma summarum 12345678987654321 Empfehlungen\u00bb, 100&#8217;000&#8217;000&#8217;000 K\u00fcssen oder \u00ab333 Complimenten\u00bb. Und \u00fcber all diesen Bl\u00f6deleien waberte der strenge Geruch seines ausgepr\u00e4gten F\u00e4kalhumors. Ganz besonders gut riechen kann man diesen in Wolfgangs Briefen ans B\u00e4sle, seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart. Im Oktober des Jahres 1777 besuchte der 21-J\u00e4hrige die zweieinhalb Jahre j\u00fcngere Tochter seines Onkels Franz Alois in Augsburg. 15 Tage verbrachten sie gemeinsam. Das sind 15 Tage, dessen wohl vergn\u00fcglicher Inhalt uns f\u00fcr immer verborgen bleibt. Einzig Wolfgangs Briefe, die er nach seinem Aufenthalt in Bayern an sie schrieb, sind die Zeugen einer dort gekn\u00fcpften Verbundenheit der beiden jungen Leute. Marias Antworten sind bis heute verschollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/02\/26\/mozart-auf-der-reise-nach-prag\/\">Mozart auf der Reise nach Prag<\/a> ist eine K\u00fcnstlernovelle von Eduard M\u00f6rike, welche an das musikgeschichtliche Genie Wolfgang Amadeus Mozart ankn\u00fcpft und \u00fcber eine v\u00f6llig frei erfundene Begebenheit berichtet. Geschildert wird ein Tag aus dem Leben Mozarts im Herbst 1787.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine Vorschau auf einen Briefwechsel<\/strong> \u2192 Zwischen 1995 und 1999 hat A.J. Weigoni im Rahmen seiner Arbeit f\u00fcr den VS <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25436\"><em>Kollegengespr\u00e4che<\/em><\/a> mit Schriftstellern aus Belgien, Deutschland, Rum\u00e4nien, \u00d6sterreich und der Schweiz gef\u00fchrt. Sie arbeiteten am gleichen \u201eProdukt\u201c, an der deutschen Sprache.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wien, den 23. 10. 1781 \u00e0 \/ Mademoiselle \/ Mademoiselle Marieanne \/ Mozart \/ \u00e0 \/ Augsburg \/ in der Jesuitengasse Ma tr\u00e8s ch\u00e8re Cousine! 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