{"id":106704,"date":"1991-05-10T00:24:51","date_gmt":"1991-05-09T22:24:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=106704"},"modified":"2025-07-11T13:28:56","modified_gmt":"2025-07-11T11:28:56","slug":"8-brief","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/05\/10\/8-brief\/","title":{"rendered":"8. Brief"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Salzburg, den 10. 5. 1780<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">De Salsbourg \/ a Mademoiselle \/ Mademoiselle Marie \/ Anne de Mozart ph: \/ a \/ Augsbourg \/ In Schwaben. \/ Abzugeben in der \/ Jesuiten Gassen \/ Par Munic<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nOb ich Joannes Chrisostomus Sigismundus Amadeus Wolfgangus Mozartus wohl im stande seyn werde, den ihre reizende sch\u00f6nheit |:visibilia und invisibilia:| gewis um einen guten Pantofel-absatz erh\u00f6henden Zorn zu stillen, mildern, oder zu bes\u00e4nftigen, ist eine frage die ich aber auch beantworten will: \u2013 bes\u00e4nftigen will so viel sagen, als Jemand in einer s\u00e4nfte sanft tragen \u2013 ich bin von natur aus sehr sanft, und einen senf esse ich auch gern, besonders zu dem Rindfleisch \u2013 mithin ist es schon richtig mit leipzig: obwohl der M:<sup>r<\/sup> feigelrap\u00e8e durchaus behaupten oder vielmehr bek\u00f6pfen will, da\u00df aus der Pastette nichts werden soll \u2013 und das kann ich Ja ohnm\u00f6glich glauben \u2013 es w\u00e4re auch nicht der m\u00fche werth da\u00df man sich darum b\u00fcckte -Ja wenn es ein beutel voll Conventions-kreutzer w\u00e4re \u2013 da k\u00f6nte man so was endlich aufklauben, heben, oder langen. \u2013 drum, wie ich gesagt habe, ich k\u00f6nnt es nicht anders geben, das ist der N\u00e4chste Preis \u2013 handeln lass ich nicht, weil ich kein Weibsbild bin; und hiemit Holla! Ja mein liebes violoncellchen! so geht und steht es auf der Welt, einer hat den beutel, und der andere hat das geld, und wer beydes nicht hat, hat nichts, und nichts ist so viel als sehr wenig, und wenig ist nicht viel, folglich ist nichts immer weniger als wenig, und wenig immer mehr als nicht viel, und viel immer mehr als wenig, und \u2013 so ist es, so war es, und so wird es seyn. mach ein End dem brief, schliess ihn zu, und schick ihn fort an ort und End \u2013 <em>feigele:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dero gehorsamster unterth\u00e4nigster diener<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Latus hin\u00fcber V: S: mein arsch ist kein Wiener<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">P: S: Ist die B\u00f6hmische trup schon weck \u2013 sagen sie mirs, meine Beste, ich bitte sie um Himmelswillen! ach! \u2013 \u2013 \u2013 Sie wird nun in ulm seyn, nicht wahr? O, \u00fcberzeugen sie mich dessen, ich beschw\u00f6re sie bey allem was heilig ist \u2013 die g\u00f6tter wissen es, da\u00df ich es aufrichtig meine<br \/>\nlebt\u2019s th\u00fcremichele noch? \u2013<br \/>\nblass mir ins loch.<br \/>\nWie hat sich Vogt mit seiner frau vertragen? \u2013<br \/>\nhaben sie sich einander nicht schon gekriegt beym kragen?<br \/>\nlauter fragen.<br \/>\nEine Z\u00e4rtliche Ode! \u2013<br \/>\nDein s\u00fcsses Bild, O B\u00e4schen,<br \/>\nschwebt stets um meinen Blick<br \/>\nallein in tr\u00fcben Z\u00e4hren<br \/>\nda\u00df du \u2013 \u2013 es selbst nicht bist.<br \/>\nIch sehe es wenn [d]er abend<br \/>\nmir d\u00e4mmert, wen der Mond<br \/>\nmir gl\u00e4nzt, seh ichs und \u2013 weine<br \/>\nda\u00df du \u2013 \u2013 es selbst nicht bist.<br \/>\nBey Jenen Thales Blumen<br \/>\ndie ich ihr leesen will,<br \/>\nbey Jenen Myrtenzweigen<br \/>\ndie ich ihr flechten will<br \/>\nbeschw\u00f6r ich dich Erscheinung<br \/>\nauf, und verwandle dich<br \/>\nVerwandle dich, Erscheinung S: V:<br \/>\nund werd \u2013 O B\u00e4\u00e4s\u2019chen selbst. P: T:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\nfinis coronat opus, Edler v: <em>Sauschwanz.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die<strong> B\u00e4sle-Briefe <\/strong>wurden von der Forschung lange im Giftschrank versteckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-106679 size-large\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1991\/12\/Mozart_Portrait-345x500.jpg\" alt=\"\" width=\"345\" height=\"500\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wolfgang Amadeus Mozart, ein Pr\u00e4DaDaist? Er ist auch ein Sprachspieler, reimte und vertauschte, schuf falsche Partizipien und neue Redewendungen, formte Worte zu Witzen zusammen und entliess seine Adressaten gern mit \u00absumma summarum 12345678987654321 Empfehlungen\u00bb, 100&#8217;000&#8217;000&#8217;000 K\u00fcssen oder \u00ab333 Complimenten\u00bb. Und \u00fcber all diesen Bl\u00f6deleien waberte der strenge Geruch seines ausgepr\u00e4gten F\u00e4kalhumors. Ganz besonders gut riechen kann man diesen in Wolfgangs Briefen ans B\u00e4sle, seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart. Im Oktober des Jahres 1777 besuchte der 21-J\u00e4hrige die zweieinhalb Jahre j\u00fcngere Tochter seines Onkels Franz Alois in Augsburg. 15 Tage verbrachten sie gemeinsam. Das sind 15 Tage, dessen wohl vergn\u00fcglicher Inhalt uns f\u00fcr immer verborgen bleibt. Einzig Wolfgangs Briefe, die er nach seinem Aufenthalt in Bayern an sie schrieb, sind die Zeugen einer dort gekn\u00fcpften Verbundenheit der beiden jungen Leute. Marias Antworten sind bis heute verschollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/02\/26\/mozart-auf-der-reise-nach-prag\/\">Mozart auf der Reise nach Prag<\/a> ist eine K\u00fcnstlernovelle von Eduard M\u00f6rike, welche an das musikgeschichtliche Genie Wolfgang Amadeus Mozart ankn\u00fcpft und \u00fcber eine v\u00f6llig frei erfundene Begebenheit berichtet. Geschildert wird ein Tag aus dem Leben Mozarts im Herbst 1787.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine Vorschau auf einen Briefwechsel<\/strong> \u2192 Zwischen 1995 und 1999 hat A.J. Weigoni im Rahmen seiner Arbeit f\u00fcr den VS <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25436\"><em>Kollegengespr\u00e4che<\/em><\/a> mit Schriftstellern aus Belgien, Deutschland, Rum\u00e4nien, \u00d6sterreich und der Schweiz gef\u00fchrt. Sie arbeiteten am gleichen \u201eProdukt\u201c, an der deutschen Sprache.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Salzburg, den 10. 5. 1780 De Salsbourg \/ a Mademoiselle \/ Mademoiselle Marie \/ Anne de Mozart ph: \/ a \/ Augsbourg \/ In Schwaben. \/ Abzugeben in der \/ Jesuiten Gassen \/ Par Munic Ob ich Joannes Chrisostomus Sigismundus&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/05\/10\/8-brief\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":256,"featured_media":106679,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4486,4328],"class_list":["post-106704","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-baesle","tag-wolfgang-amadeus-mozart"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/256"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=106704"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106704\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":106705,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106704\/revisions\/106705"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/106679"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=106704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=106704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=106704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}