{"id":106702,"date":"1991-04-07T00:22:10","date_gmt":"1991-04-06T22:22:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=106702"},"modified":"2025-07-11T13:24:36","modified_gmt":"2025-07-11T11:24:36","slug":"7-brief","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/04\/07\/7-brief\/","title":{"rendered":"7. Brief"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Salzburg, le 24 d\u2019avril 1780<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ma tr\u00e8s ch\u00e8re Cousine!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie haben meinen letzten Brief so sch\u00f6n beantwortet, da\u00df ich nicht weis wo ich Worte hernehmen soll, ihnen daf\u00fcr meine Dankbezeugung genug zu bezeugen, und Sie zugleich neuerdings zu versichern, wie sehr ich seye<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Dero gehorsamster Diener und<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0aufrichtiger Vetter<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0WOLFGANG AMAD\u00c8 MOZART<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wollte gerne mehr schreiben, allein der Raum wie Sie sehen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0ist<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0zu adieu adieu<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0klein<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nNun aber Spa\u00df und Ernst; Sie m\u00fcssen mir schon f\u00fcr diesmal verzeihen, da\u00df ich ihren allerliebsten Brief nicht so wie er es verdiente, von Wort zu Worte beantworte, und erlauben, da\u00df ich nur das nothwendigste schreiben darf; n\u00e4chstens werde ich meinen Fehler nach m\u00f6glichkeit zu verbessern suchen \u2014 Es sind nun 14 T\u00e4ge, da\u00df ich M<sup>r<\/sup> B\u00f6hm geantwortet habe \u2013 mir liegt nur daran zu wissen, ob mein Schreiben nicht zu Verlust gegangen, welches mir sehr leid w\u00e4re \u2013 denn sonst wei\u00df ich nur gar zu gut, da\u00df M<sup>r<\/sup> B\u00f6hm alle T\u00e4ge nur zu sehr occupirt ist \u2013 dem sey wie ihm wolle, so bitte ich Sie in jedem Fall mein lieber Knall, Tausend Komplimente zu machen \u2013 und ich warte nur auf einen Wink von ihm, so ist die Aria aldort fertig. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab geh\u00f6rt. da\u00df Murschhauser seye auch krank; ist das wahr? \u2013 das w\u00e4re nicht gut f\u00fcr M<sup>r<\/sup> B\u00f6hm. \u2013 Nun beste werden Sie wohl alle Tage, auch bey Sturm und Hagel, das Theater flei\u00dfig besuchen, weil Sie Entr\u00e9e frey sind? \u2013 Neues weis ich ihnen nichts zu schreiben, als da\u00df leider Joseph Hagenauer |:bei welchem sie, meine Schwester und ich im Erker-st\u00fcbel Choccolate getrunken:| gestorben ist. \u2013 ein grosser Verlust f\u00fcr seinen Vatter \u2013 sein Bruder Johannes |:der verheurathete:| welcher, weil er sich auf seinen seligen bruder g\u00e4nzlich verlassen konnte, das Faulenzen so ziemlich gewohnt war, mu\u00df nun recht daran, welches ihm ein bischen sauer ank\u00f6mmt. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, meine liebste, beste, sch\u00f6nste, artigste, und liebensw\u00fcrdigste \u2013 bald geschrieben! \u2013 das bitte ich mir aus, alle Neuigkeit in und aus dem Hause \u2013 an alle die Leute, welchen Sie Komplimente geschrieben, wieder doppelt, so viele \u2013 Adieu \u2013 N\u00e4chstens einen ganzen Bogen; doch \u2013 vorher von ihnen, mein Schatz, ein ganzes Buch voll \u2013 adieu Von meinem Vatter Papa und meiner Schwester zizibe, alles erdenkliche \u2013 an dero Aeltern von uns 3<sup>en<\/sup>, 2 Buben und ein Madl, 12345678987654321 Empfehlungen, und an alle gute freunde von mir allein 624, von meinem Vatter 100 und von Schwester 150 zusammen 1774 und summa summarum<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a012345678987656095 Complimente.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die<strong> B\u00e4sle-Briefe <\/strong>wurden von der Forschung lange im Giftschrank versteckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-106679 size-large\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1991\/12\/Mozart_Portrait-345x500.jpg\" alt=\"\" width=\"345\" height=\"500\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wolfgang Amadeus Mozart, ein Pr\u00e4DaDaist? Er ist auch ein Sprachspieler, reimte und vertauschte, schuf falsche Partizipien und neue Redewendungen, formte Worte zu Witzen zusammen und entliess seine Adressaten gern mit \u00absumma summarum 12345678987654321 Empfehlungen\u00bb, 100&#8217;000&#8217;000&#8217;000 K\u00fcssen oder \u00ab333 Complimenten\u00bb. Und \u00fcber all diesen Bl\u00f6deleien waberte der strenge Geruch seines ausgepr\u00e4gten F\u00e4kalhumors. Ganz besonders gut riechen kann man diesen in Wolfgangs Briefen ans B\u00e4sle, seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart. Im Oktober des Jahres 1777 besuchte der 21-J\u00e4hrige die zweieinhalb Jahre j\u00fcngere Tochter seines Onkels Franz Alois in Augsburg. 15 Tage verbrachten sie gemeinsam. Das sind 15 Tage, dessen wohl vergn\u00fcglicher Inhalt uns f\u00fcr immer verborgen bleibt. Einzig Wolfgangs Briefe, die er nach seinem Aufenthalt in Bayern an sie schrieb, sind die Zeugen einer dort gekn\u00fcpften Verbundenheit der beiden jungen Leute. Marias Antworten sind bis heute verschollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/02\/26\/mozart-auf-der-reise-nach-prag\/\">Mozart auf der Reise nach Prag<\/a> ist eine K\u00fcnstlernovelle von Eduard M\u00f6rike, welche an das musikgeschichtliche Genie Wolfgang Amadeus Mozart ankn\u00fcpft und \u00fcber eine v\u00f6llig frei erfundene Begebenheit berichtet. Geschildert wird ein Tag aus dem Leben Mozarts im Herbst 1787.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine Vorschau auf einen Briefwechsel<\/strong> \u2192 Zwischen 1995 und 1999 hat A.J. Weigoni im Rahmen seiner Arbeit f\u00fcr den VS <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25436\"><em>Kollegengespr\u00e4che<\/em><\/a> mit Schriftstellern aus Belgien, Deutschland, Rum\u00e4nien, \u00d6sterreich und der Schweiz gef\u00fchrt. Sie arbeiteten am gleichen \u201eProdukt\u201c, an der deutschen Sprache.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Salzburg, le 24 d\u2019avril 1780 Ma tr\u00e8s ch\u00e8re Cousine! 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