{"id":106699,"date":"1990-12-23T00:17:24","date_gmt":"1990-12-22T23:17:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=106699"},"modified":"2025-07-11T13:21:44","modified_gmt":"2025-07-11T11:21:44","slug":"6-brief","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/12\/23\/6-brief\/","title":{"rendered":"6. Brief"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">kaysersheim den 23<sup>ten<\/sup>: <em>dec. <\/em><em>1778.<\/em><\/p>\n<p>Ma tr\u00e9s cher Cousine!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in gr\u00f6ster Eyl \u2013 und mit vollkomenster Re\u00fce und leid, und steifen Vorsatz schreibe ich ihnen, und gieb ihnen die Nachricht, da\u00df ich morgen schon nach M\u00fcnchen abreise; \u2013 liebstes b\u00e4sle, sey kein h\u00e4sle \u2013 ich w\u00e4re sehr gerne nach augsburg das versichere ich sie, allein der H: Reichs-Pr\u00e4lat hat mich nicht weg-gelassen, und ich kann ihn nicht hassen, denn das w\u00e4re wieder das gesez gottes und der Natur, und wers nicht glaubt ist eine h-r; mithin ist es halt einmal so, \u2013 vielleicht komme ich von m\u00fcnchen auf einen sprung nach augsburg; allein es ist nicht so sicher; \u2013 wenn sie so viell fre\u00fcd haben mich zu sehen wie ich ihnen, so kommen sie nach M\u00fcnchen in die werthe stadt \u2013 schauen sie da\u00df sie vorm Ne\u00fcen jahr noch drinn sind, so will ich sie dann betrachten vorn und hind \u2013 will sie \u00fcberall herum f\u00fchren, auch wenns nothwendig ist kristiren \u2013 doch nur eines ist mir leid, da\u00df ich sie nicht kann logiren: weil ich in keinen wirthshaus bin, sondern wohne bey \u2013 ja wo? \u2013 das m\u00f6cht ich wissen; \u2013 Nun spassssss \u00e0 part \u2013 just dessentwegen ist es f\u00fcr mich sehr nothwendig da\u00df sie kommen \u2013 sie werden vielleicht eine grosse Rolle zu spiellen bekommen \u2013 also kommen sie gewis, sonst ist ein schys; ich werde alsdan in eigner hoherperson ihnen Complimentiren, ihnen den arsch Petschieren, ihre h\u00e4nde k\u00fcssen, mit der hintern b\u00fcchse schiessen, ihnen Embrassiren, sie hinten und vorn kristiren, ihnen, was ich ihnen etwa alles schuldig bin, haarklein bezahlen, und einen wackeren furz lassen erschallen, und vielleicht auch etwas lassen fallen \u2013 Nun<br \/>\nadieu \u2013 mein Engel mein herz<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ich warte auf sie mit schmerz<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">schreiben sie mir nur gleich nach M\u00fcnchen <em>Poste restante<\/em><br \/>\nein kleines briefchen von 24 b\u00f6gen, aber<br \/>\nschreiben sie nicht hinein wo sie logiren werden,<br \/>\ndamit ich sie, und sie mich nicht finden; &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\nP:S: Scheis \u2013 dibitari der pfarer zu Rodempl<br \/>\nhat sein k\u00f6chin im arsch geleckt, ein andern zum Exempl;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Vivat \u2013 vivat \u2013 votre sincere Co[usin]<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">A. [Mozart]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die<strong> B\u00e4sle-Briefe <\/strong>wurden von der Forschung lange im Giftschrank versteckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-106679 size-large\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1991\/12\/Mozart_Portrait-345x500.jpg\" alt=\"\" width=\"345\" height=\"500\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wolfgang Amadeus Mozart, ein Pr\u00e4DaDaist? Er ist auch ein Sprachspieler, reimte und vertauschte, schuf falsche Partizipien und neue Redewendungen, formte Worte zu Witzen zusammen und entliess seine Adressaten gern mit \u00absumma summarum 12345678987654321 Empfehlungen\u00bb, 100&#8217;000&#8217;000&#8217;000 K\u00fcssen oder \u00ab333 Complimenten\u00bb. Und \u00fcber all diesen Bl\u00f6deleien waberte der strenge Geruch seines ausgepr\u00e4gten F\u00e4kalhumors. Ganz besonders gut riechen kann man diesen in Wolfgangs Briefen ans B\u00e4sle, seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart. Im Oktober des Jahres 1777 besuchte der 21-J\u00e4hrige die zweieinhalb Jahre j\u00fcngere Tochter seines Onkels Franz Alois in Augsburg. 15 Tage verbrachten sie gemeinsam. Das sind 15 Tage, dessen wohl vergn\u00fcglicher Inhalt uns f\u00fcr immer verborgen bleibt. Einzig Wolfgangs Briefe, die er nach seinem Aufenthalt in Bayern an sie schrieb, sind die Zeugen einer dort gekn\u00fcpften Verbundenheit der beiden jungen Leute. Marias Antworten sind bis heute verschollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/02\/26\/mozart-auf-der-reise-nach-prag\/\">Mozart auf der Reise nach Prag<\/a> ist eine K\u00fcnstlernovelle von Eduard M\u00f6rike, welche an das musikgeschichtliche Genie Wolfgang Amadeus Mozart ankn\u00fcpft und \u00fcber eine v\u00f6llig frei erfundene Begebenheit berichtet. Geschildert wird ein Tag aus dem Leben Mozarts im Herbst 1787.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine Vorschau auf einen Briefwechsel<\/strong> \u2192 Zwischen 1995 und 1999 hat A.J. Weigoni im Rahmen seiner Arbeit f\u00fcr den VS <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25436\"><em>Kollegengespr\u00e4che<\/em><\/a> mit Schriftstellern aus Belgien, Deutschland, Rum\u00e4nien, \u00d6sterreich und der Schweiz gef\u00fchrt. Sie arbeiteten am gleichen \u201eProdukt\u201c, an der deutschen Sprache.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>kaysersheim den 23ten: dec. 1778. Ma tr\u00e9s cher Cousine! in gr\u00f6ster Eyl \u2013 und mit vollkomenster Re\u00fce und leid, und steifen Vorsatz schreibe ich ihnen, und gieb ihnen die Nachricht, da\u00df ich morgen schon nach M\u00fcnchen abreise; \u2013 liebstes b\u00e4sle,&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/12\/23\/6-brief\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":256,"featured_media":106679,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4486,4328],"class_list":["post-106699","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-baesle","tag-wolfgang-amadeus-mozart"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106699","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/256"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=106699"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106699\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":106701,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106699\/revisions\/106701"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/106679"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=106699"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=106699"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=106699"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}