{"id":106692,"date":"1989-11-13T00:00:10","date_gmt":"1989-11-12T23:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=106692"},"modified":"2025-07-11T13:04:45","modified_gmt":"2025-07-11T11:04:45","slug":"3-brief","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/11\/13\/3-brief\/","title":{"rendered":"3. Brief"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Mannheim, den 13. 11. 1777<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">iezt schreib ihr einmahl einen gescheiden brief, du kannst dessentwegen doch spass darein schreiben, aber so, dass du alle die briefe richtig erhalten hast; so darf sie sich nicht mehr sorgen, und k\u00fcmmern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ma tr\u00e9s ch\u00e9re Ni\u00e9ce! Cousine! fille!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00e9re, S\u0153ur, et Epouse!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Poz Himmel Tausend sakristey, Cruaten schwere noth, te\u00fcfel, hexen, truden, kre\u00fcz-Battalion und kein End, Poz Element, luft, wasser, erd und fe\u00fcer, Europa, asia, affrica und America, jesuiter, Augustiner, Benedictiner, Capuciner, minoriten, franziscaner, Dominicaner, Charthe\u00fcser, und heil: kre\u00fczer herrn, Canonici Regulares und iregulares, und alle b\u00e4rnh\u00e4\u00fcter, spizbuben, hundsf\u00fctter, Cujonen und schw\u00e4nz \u00fcbereinander, Eseln, b\u00fcffeln, ochsen, Narrn, dalcken und fuxen! was ist das f\u00fcr eine Manier, 4 soldaten und 3 Bandelier? \u2013 \u2013 so ein Paquet und kein Portrait? \u2013 \u2013 ich war schon voll begierde \u2013 \u2013 ich glaubte gewis \u2013 \u2013 denn sie schrieben mir ja unl\u00e4ngst selbst, da\u00df ich es gar bald, recht gar bald bekommen werde. Zweifeln sie vielleicht ob ich auch mein wort halten werde? \u2013 \u2013 das will ich doch nicht hoffen, da\u00df sie daran zweifeln! Nu, ich bitte sie, schicken sie mir es, je ehender, je lieber. es wird wohl hoffentlich so seyn, wie ich es mir ausgebeten habe, nemlich in franz\u00f6sischen aufzuge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wie mir Mannheim gef\u00e4llt? \u2013 \u2013 so gut einen ein ort ohne b\u00e4\u00e4sle gefallen kan. Verzeihen sie mir meine schlechte schrift, die feder ist schon alt, ich scheisse schon wircklich bald 22 jahr aus den nemlichen loch, und ist doch noch nicht verissen! \u2013 und hab schon so oft geschissen \u2013 \u2013 und mit den Z\u00e4hnen den dreck ab-bissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hoffe auch sie werden in gegentheil, wie es auch so ist, meine briefe richtig erhalten haben. nemlich einen von hohenaltheim, und 2 von Mannheim, und dieser; wie es auch so ist, ist der dritte von Mannheim, aber im allen der 4:<sup>te<\/sup>, wie es auch so ist. Nun mu\u00df ich schliessen, wie es auch so ist, denn ich bin noch nicht angezogen, und wir essen iezt gleich, damit wir hernach wieder scheissen, wie es auch so ist; haben sie mich noch immer so lieb, wie ich sie, so werden wir niemahlen aufh\u00f6ren uns zu lieben wenn auch der l\u00f6we rings-herum in Mauern schwebt, wenn schon des zweifels harter Sieg nicht wohl bedacht gewesen, und die tirranney der w\u00fctterer in abweg ist geschliechen, so frist doch Codrus der weis Philosophus oft roz f\u00fcr haber Mu\u00df, und die R\u00f6mmer, die st\u00fczen meines arsches, sind immer, sind stehts gewesen, und werden immer bleiben \u2013 \u2013 kastenfrey. Adieu, j\u2019esp\u00e9re que vous aur\u00e9s deja pris quelque lection dans la langue fran\u00e7aise, et je ne doute point, que \u2013 \u2013 <em>Ecout\u00e9s<\/em>: que vous saur\u00e9s bient\u00f4t mieux le fran\u00e7ais, que moi; car il y a certainement deux ans, que je n\u2019ai pas ecrit un m\u00f4t dans cette langue. adieu cependant. je vous baise vos mains, votre visage, vos genoux et votre \u2013 \u2013 afin, tout ce que vous me permett\u00e9s de baiser. je suis de tout mon c\u0153ur<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">votre<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Mannheim le 13 Nomv: 1777 tr\u00e9s affection\u00e9 Neveu et Cousin<br \/>\nWolfg: Amad\u00e9 Mozart<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die<strong> B\u00e4sle-Briefe <\/strong>wurden von der Forschung lange im Giftschrank versteckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-106679 size-large\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1991\/12\/Mozart_Portrait-345x500.jpg\" alt=\"\" width=\"345\" height=\"500\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wolfgang Amadeus Mozart, ein Pr\u00e4DaDaist? Er ist auch ein Sprachspieler, reimte und vertauschte, schuf falsche Partizipien und neue Redewendungen, formte Worte zu Witzen zusammen und entliess seine Adressaten gern mit \u00absumma summarum 12345678987654321 Empfehlungen\u00bb, 100&#8217;000&#8217;000&#8217;000 K\u00fcssen oder \u00ab333 Complimenten\u00bb. Und \u00fcber all diesen Bl\u00f6deleien waberte der strenge Geruch seines ausgepr\u00e4gten F\u00e4kalhumors. Ganz besonders gut riechen kann man diesen in Wolfgangs Briefen ans B\u00e4sle, seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart. Im Oktober des Jahres 1777 besuchte der 21-J\u00e4hrige die zweieinhalb Jahre j\u00fcngere Tochter seines Onkels Franz Alois in Augsburg. 15 Tage verbrachten sie gemeinsam. Das sind 15 Tage, dessen wohl vergn\u00fcglicher Inhalt uns f\u00fcr immer verborgen bleibt. Einzig Wolfgangs Briefe, die er nach seinem Aufenthalt in Bayern an sie schrieb, sind die Zeugen einer dort gekn\u00fcpften Verbundenheit der beiden jungen Leute. Marias Antworten sind bis heute verschollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/02\/26\/mozart-auf-der-reise-nach-prag\/\">Mozart auf der Reise nach Prag<\/a> ist eine K\u00fcnstlernovelle von Eduard M\u00f6rike, welche an das musikgeschichtliche Genie Wolfgang Amadeus Mozart ankn\u00fcpft und \u00fcber eine v\u00f6llig frei erfundene Begebenheit berichtet. Geschildert wird ein Tag aus dem Leben Mozarts im Herbst 1787.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine Vorschau auf einen Briefwechsel<\/strong> \u2192 Zwischen 1995 und 1999 hat A.J. Weigoni im Rahmen seiner Arbeit f\u00fcr den VS <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25436\"><em>Kollegengespr\u00e4che<\/em><\/a> mit Schriftstellern aus Belgien, Deutschland, Rum\u00e4nien, \u00d6sterreich und der Schweiz gef\u00fchrt. Sie arbeiteten am gleichen \u201eProdukt\u201c, an der deutschen Sprache.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mannheim, den 13. 11. 1777 iezt schreib ihr einmahl einen gescheiden brief, du kannst dessentwegen doch spass darein schreiben, aber so, dass du alle die briefe richtig erhalten hast; so darf sie sich nicht mehr sorgen, und k\u00fcmmern. 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