{"id":106353,"date":"2011-07-05T00:17:30","date_gmt":"2011-07-04T22:17:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=106353"},"modified":"2024-09-23T13:41:04","modified_gmt":"2024-09-23T11:41:04","slug":"rheinromantik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/07\/05\/rheinromantik\/","title":{"rendered":"Die Rheinromantik is en Jef\u00f6hl"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>F\u00fcr mich sind nur die Gegenden sch\u00f6n, welche man gew\u00f6hnlich rau und wild nennt; denn nur diese sind erhaben, nur erhabene Gegenden k\u00f6nnen sch\u00f6n sein, nur diese erregen den Gedanken der Natur. [\u2026] Nichts aber vermag den Eindruck so zu versch\u00f6nern und zu verst\u00e4rken als die Spuren menschlicher K\u00fchnheit an den Ruinen der Natur, k\u00fchne Burgen auf wilden Felsen.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Friedrich Schlegel<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der <em>Kavalierstour<\/em>, einer Bildungsfahrt junger Adeliger, haben die britischen Jungm\u00e4nner einst auch in Linz am Rhein einen Halt eingelegt. Sie sind somit die eigentlichen Erfinder der Rheinromantik. Diese spezielle rheinische Form der Romantik fand in allen Kunstgattungen ihren Ausdruck: von Literatur und Musik, \u00fcber Malerei und Architektur, bis hin zur Lieddichtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die Luft ist k\u00fchl und es dunkelt,<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Und ruhig flie\u00dft der Rhein;<br \/>\nDer Gipfel des Berges funkelt<br \/>\nIm Abendsonnenschein.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Heinrich Heine<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Das ist eine Gegend wie ein Dichtertraum, und die \u00fcppigste Phantasie kann sich nichts Sch\u00f6neres erdenken&#8220;, so beschrieb Heinrich von Kleist das Rheintal, durch das sich der &#8222;heilige Strom&#8220; in vielen Windungen seinen Weg bahnt. K\u00fcnstler formulierten einen poetischer Gegenentwurf zur adeligen Gesellschaft. Friedrich Schlegel thematisiert einerseits die zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch als wild und schroff empfundene Natur des engen Flusstals, andererseits die heiter erscheinenden Weinberge und das reiche kulturhistorische Erbe des Rheinlands zwischen R\u00fcdesheim und Xanten, mit seinen Legenden und den zahlreichen mittelalterlichen St\u00e4dten und Burgen. Der durch Rationalismus und die Industrialisierung gepr\u00e4gten Moderne setzte das romantische <em>Jef\u00f6hl<\/em> eine weitgehend verkl\u00e4rte, vermeintlich heile Vergangenheit entgegen und trug seit der Besetzung des linken Rheinufers durch das nachrevolution\u00e4re Frankreich zur Herausbildung sowohl einer rheinischen Identit\u00e4t und des Bewusstseins einer rheinischen Landschaft als auch eines gesamtdeutschen Nationalbewusstseins bei. Die nationalistische Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts verf\u00e4lscht die wahren Impulse von Klassik und Romantik und deutet sie im Namen von Volk, Rasse, Sprache oder politischer Schicksalsgemeinschaft um.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Trotz alledem und alledem,<br \/>\nTrotz Dummheit, List und alledem,<br \/>\nWir wissen doch: die Menschlichkeit<br \/>\nBeh\u00e4lt den Sieg trotz alledem!<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ferdinand Freiligrath<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da Linz am Rhein weitestgehend vom Bombenhagel im 2. Weltkrieg verschont geblieben ist, ist viel vom charakteristischen Fachwerk erhalten geblieben. Da diese Handwerk in dieser Stadt sehr Farbenfroh gestaltet ist, erhielt sie den Beinamen: \u00b4Bunte Stadt am Rhein`. Vom Stadtmarketing wird sie so beschrieben: \u201eVertr\u00e4umte Winkel und Gassen, farbenfrohe Fachwerkbauten, gem\u00fctliche Pl\u00e4tze, rheinischer Frohsinn, lebendig gehaltene Traditionen.\u201c Inzwischen ist in der Stadt auf der Sonnenseite des Rheins ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm dazugekommen. Vor allem der Zusammenhalt und das Engagement der Linzer Gemeinschaft, das Urspr\u00fcngliche und die langj\u00e4hrigen Traditionen machen Linz zu einem ganz besonderen Ort. Und damit unterreibt die Rheintouristik nicht. Die Rheinromantik ist tief verwurzelt im rheinischen Gem\u00fct, die k\u00fcnstlerische Auseinandersetzung mit Land und Leuten hat nicht aufgeh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Die Trennung von Natur und Kultur \u00fcberwinden.<\/span> <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Romantik ist eine \u00dcberforderung durch Eindr\u00fccke. Auf dem Weg in die postpostmoderne Gegenwart findet sich in Linz am Rhein eine Art von Sp\u00e4tromantik. Es ist bemerkenswert, wie viele K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler seit dem Vorm\u00e4rz in Linz am Rhein gelebt und gearbeitet haben. Die Geisteshaltung der K\u00fcnstler seit der Romantik bewegt sich zwischen Sentiment und Rationalit\u00e4t. Maler, Bildhauer und Grafiker haben auch in den letzten Jahrzehnten Kunstwerke geschaffen, die bis heute in \u00f6ffentlichen und privaten Sammlungen in Linz, aber auch weit dar\u00fcber hinaus, Zeugnis f\u00fcr die Kreativit\u00e4t dieser Stadt und des Rheinlandes abgeben. findet. Regelm\u00e4\u00dfig erinnert der Kunstverein an diese K\u00fcnstler. Stellvertretend seinen genannt: Otto Cornelius (Maler), Hans-G\u00fcnter G\u00f6bel (Maler), Heinrich Gogarten (Maler), Bernhard Hofer (Maler und Grafiker), Joseph von Keller (Kupferstecher), Norbert Kersting (Maler), Johann Martin Nieder\u00e9e (Maler), Waltraud Markmann-Kawinski (Malerin und Grafikerin), Peter Meilchen (Maler, Fotograf), Edith Oellers-Teuber (Malerin) und G\u00fcnther Oellers (Bildhauer). Was diese Nachfolgenden schaffen, ist keine Angelegenheit von tragischer Romantik und transzendentaler Erhabenheit; romantische Unsch\u00e4rfe zieht sich durch diese Kunst als Flow von Klarheit und Leichtigkeit durch ihre besten Arbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rheintor, Linz \u2013 Anno Domini 2011<\/strong>, Edition Das Labor 2011. \u2013 Limitierte und handsignierte Auflage von 100 Exemplaren. \u2013 Dem Exemplar 1 \u2013 50 liegt ein Holzschnitt von Haimo Hieronymus bei.<\/p>\n<div id=\"attachment_106355\" style=\"width: 241px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-106355\" class=\"wp-image-106355 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Linz_Unter_Meilchen-231x300.jpg\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-106355\" class=\"wp-caption-text\">Linz unter, von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Einen Essay zur Rheintorreihe finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/12\/10\/rheintor-revisited\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr mich sind nur die Gegenden sch\u00f6n, welche man gew\u00f6hnlich rau und wild nennt; denn nur diese sind erhaben, nur erhabene Gegenden k\u00f6nnen sch\u00f6n sein, nur diese erregen den Gedanken der Natur. 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