{"id":106098,"date":"1989-06-27T00:41:03","date_gmt":"1989-06-26T22:41:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=106098"},"modified":"2024-08-22T12:52:47","modified_gmt":"2024-08-22T10:52:47","slug":"industrial-punk","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/06\/27\/industrial-punk\/","title":{"rendered":"Industrial-Punk"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Eine gelungene Mischung aus Industrial, Pop und Punk.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Steve Martin<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Cleveland, Ohio ist ein heruntergerocktes Industrierevier, nicht weniger als die Abbildung eines Kapitalismus, der die Recourcen derart ausgepl\u00fcndert hat, dass durch die weitgehend unkontrollierte Einleitung von Abw\u00e4ssern der Cuyahoga River eine Kloake war. \u00d6l, brennbare Chemieabf\u00e4lle, Tierabf\u00e4lle von Schlachtereien und sonstige Abf\u00e4lle gelangten ungekl\u00e4rt hinein. Dieses brennbare Gebr\u00e4u schwamm auf der Oberfl\u00e4che, sodass der Fluss gelegentlich selbst brennen konnte. Vor hier stammen nicht nur Pere Ubu, sondern auch die Nine Inch Nails. Es ist ein Musikprojekt von Trent Reznor, das ausschlie\u00dflich der Realisierung seiner musikalischen Ideen dient. Im Studio sind weitere Musiker und Tontechniker lediglich als Assistenten gefragt, da Reznor die meisten Instrumente selbst einspielt. Auf Konzertb\u00fchnen unterst\u00fctzen ihn weitere Musiker, wodurch Nine Inch Nails nur in der Live-Umgebung als Band angesehen werden kann. Musikalisch bewegt sich die Combo zwischen Punk und elektronischer Musik. Mit Hilfe eines Labels h\u00e4tte Reznor eine beliebige Anzahl von Sessionmusikern zu den Aufnahmen holen k\u00f6nnen. Aber das tat er nicht. Nach der auf dem Band vorgegebenen Formel nahm Reznor die meisten Instrumente selbst auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Wie schon zuvor Mike Oldfield oder Prince spielt Reznor das Album allein ein und produzierte es zwischen Mai und Juni 1989 mit Synthezizern, Drumcomputern und Samplern. Die Songtexte gehen, wie bei sp\u00e4teren Songs von Nine Inch Nails, auf Gedichte von ihm zur\u00fcck.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Musikprogrammierung und das Editing verwendete Reznor einen Macintosh Plus. Dies erkl\u00e4rt das schroffe, metallische, eiskalte <em>Pretty Hate Machine<\/em> der Nine Inch Nails vertonte das letzte Beben des Kalten Krieges, erfand dadurch mehr oder weniger zuf\u00e4llig den Industrial Rock. Aus dem Album<em> Pretty Hate Machine <\/em>wurden die drei Singles <em>Head like a Hole<\/em>, <em>Down in It<\/em> und <em>Sin<\/em> ausgekoppelt. Wie bei Swordfishtrombone von Tom Waits spiele die Clipversendestelle MTV eine gro\u00dfe Rolle als Verteiler, sie spielten <em>Head like a Hole<\/em> h\u00e4ufig, was den Bekanntheitsgrad der Band erh\u00f6hte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Head Like a Hole<\/em> ist stilistisch dem Industrial Rock und Synthie-Pop zuzuordnen, zu diesem Song wurde ein Video unter der Regie von Eric Zimmermann produziert. Auf MTV wurde er h\u00e4ufig gespielt, was den Bekanntheitsgrad der Band erheblich erh\u00f6hte. Der Song ist neben <em>Kinda I Want to<\/em> und <em>Thats What I Get<\/em> der beliebteste Song auf dem Album. <em>Something I Can Never Have<\/em> ist stilistisch dem Alternative Rock zuzuordnen. Im Laufe des Songs h\u00f6rt man diverse Hintergrundger\u00e4usche, z.\u00a0B. eine T\u00fcr, die ge\u00f6ffnet wird, Maschinenger\u00e4usche, Vogelgezwitscher. Untermalt wird diese melancholische Atmosph\u00e4re durch die leise Musik des Klaviers. Auch <em>Kinda I Want to<\/em> ist dem Industrial Rock zuzuordnen. Reznor sagte, er habe den Song parallel im Studio komponiert. Im Laufe des Songs h\u00f6rt man ein Reprise von <em>Down in It<\/em>. Am Ende ist ein Schrei zu h\u00f6ren, welcher zum n\u00e4chsten Track \u00fcberleitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Album ist ein vollwertiges, gef\u00fchlsbetontes Erlebnis, von den hart stampfenden Dance-Beats \u00fcber den Schlag in die Magengrube ihrer Texte bis hin zum kunstvollen Schock. \u201ePretty Hate Machine\u201c \u00f6ffnet den Blick in ein tiefes Loch aus seiner Frustration und Einsamkeit, die Lo-Fi-\u00c4sthetik verst\u00e4rkte die Klaustrophobie und Paranoia der Songs. Reznor entwickelte eine kreative Pers\u00f6nlichkeit \u2013 die Stimme, mit der er auf Downward Spiral singt, ist \u00fcbertrieben und poetisch, aber die Kadenz auf diesem Album ist ganz seine eigene, gerade wegen ihrer H\u00e4sslichkeit. So oft lassen Musiker ihre schlechteste Seite hinter sich. Auf seinem Deb\u00fct legte Reznor all das offen, was ihn auf dem Weg beim \u00dcbergang vom <em>Manufacturing Belt<\/em> zum <em>Rust Belt<\/em> umgeben hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201ePretty Hate Machine\u201c \u00a0ist besser gealtert als fast jede Industrial-Platte seiner Zeit. Reznor mochte die Pop-Refrains seines Deb\u00fcts weniger, aber sie sind die N\u00e4gel, die das Ganze zusammenhalten und den Zuh\u00f6rern einen einfachen \u00dcberblick \u00fcber das Geschehen geben, sodass mehr Experimente an den R\u00e4ndern m\u00f6glich waren. Die kreative Wut wirkt nach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Pretty Hate Machine<\/strong>, von Nine Inch Nails, 1989<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-106099 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Nine_Inch_Nails_-Cover.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Nine_Inch_Nails_-Cover.png 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Nine_Inch_Nails_-Cover-150x150.png 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Nine_Inch_Nails_-Cover-160x160.png 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192<\/strong> Wir verorten auf KUNO die erste Punk-LP mit dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/12\/das-bananenalbum\/\">Bananenalbum<\/a>. Oder war es doch eher der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/02\/29\/garagenrock\/\">Garagenrock<\/a>? \u2013 L\u00e4sst sich davon der verschwitzte Proto-Punk der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/07\/14\/drei-akkorde-fuer-ein-halleluja\/\">New Yorker Proll-Combo<\/a> ableiten? Oder hatte der testosterongesteuerte Punk gar eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/03\/09\/horses\/\">Ur-Mutter<\/a>? \u2013 Der Titeltrack des Albums ist der mit Abstand spektakul\u00e4rste und zeitloseste Titel des Albums. Bis heute ist <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/09\/30\/in-hells-kitchen\/\"><em>Blank Generation<\/em><\/a> der Song, der wohl gr\u00f6\u00dfer ist, als die Band, die ihn produziert hat. Dies ist das beste Album, das die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/09\/dies-ist-das-beste-album-das-die-buzzcocks-nie-gemacht-haben\/\">Buzzcocks<\/a> nie gemacht haben. Kaum ein Song beschreibt den beginnenden britischen Punk besser als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/04\/25\/der-roentgenblick-auf-das-patriarchat\/\">\u201eOh Bondage Up Yours!\u201c<\/a>. Es ist ein Zeichen von <em>Chuzpe<\/em>, wenn sich eine von M\u00e4nnern dominierte Szene<em>, <\/em>eine Combo von Frauen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/20\/in-the-beginning-there-was-rhythm\/\">The Slits<\/a> nennt. Waren die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/10\/28\/trittbrettfahrer\/\">Pistols<\/a> die erste Boy-Group? Johnny Rotten predigte Anarchie, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/04\/20\/es-gibt-keine-blaupause-fuer-ein-album-wie-y\/\">The Pop Group<\/a> praktizierte sie. <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/11\/19\/punk-he-has-his-future-in-a-british-steel\/\">PiL<\/a> has his future in a British Steel. Klingt die Trostlosigkeit des Rust Belt nach Punk oder <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/01\/29\/avant-garage\/\"><em>Industrial Folk<\/em><\/a>? Gegen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/10\/31\/california-ueber-alles\/\">Fresh Fruit for Rotting Vegetables<\/a> h\u00f6rt sich alles andere wie Pop an. Zu <em>Monarchie und Alltag<\/em> gibt es einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/01\/01\/zur-lage-der-detonation-revisited\/\">Bericht zur Lage der Detonation<\/a>. \u2013 Weitere ungel\u00f6ste Fragen: Stellen die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/03\/punk-against-racism\/\"><em>The Ruts<\/em><\/a> mit einem Album das Lebenswerk von The Clash in den Schatten? Wann h\u00f6rt der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/05\/18\/substance\/\">Substance<\/a> von Punk auf? Wann beginnt der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/01\/30\/minimal-pop\/\">Post-Punk<\/a>? Ist das bereits <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/12\/28\/10-years-after\/\">New Wave<\/a>? Oder stellt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/10\/08\/tal-king-heads\/\">Polyrythmik<\/a> den H\u00f6hepunkt dar? Eine W\u00fcrdigung der s\u00fcdafrikanischen Tekkno-Punks <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/06\/03\/pluenderer\/\">Die Antwoord<\/a>. <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/02\/thrash-metal\/\">Thrash Metal<\/a> ist das Resulthat der Verschmelzung der Energie und Geschwindigkeit des Hardcore Punk mit den Techniken der New Wave of British <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/19\/doro-pesch-die-godmother-of-hardrock\/\">Heavy Metal<\/a>. Die Alben von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/06\/17\/und-hier-ist-es\/\">Wire<\/a> stellen in beeindruckender Weise dar, was aus Punk h\u00e4tte werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine gelungene Mischung aus Industrial, Pop und Punk. 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