{"id":105923,"date":"2019-12-28T00:12:54","date_gmt":"2019-12-27T23:12:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=105923"},"modified":"2024-08-30T08:31:10","modified_gmt":"2024-08-30T06:31:10","slug":"born-on-the-bayou","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/12\/28\/born-on-the-bayou\/","title":{"rendered":"Born on the Bayou"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>I&#8217;d have said the right thing, but I must have used the wrong line<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Dr. John<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als jugendlicher Musikh\u00f6rer fiel mir eine Single mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=hf15HrUZ5Wk\"><em>Right Place, Wrong Time<\/em><\/a> in die H\u00e4nde, es ist ein Song des Musikers Dr. John, der sich gelegentlich auch als Lebensmotto eignet. Die Musik faszinierte mich auf Anhieb, weil die Mischung aus Swamp-Rock, Rhythm &amp; Blues, Voodoo, und kreolische Kl\u00e4ngen durchtr\u00e4nkt von der Folklore seiner Heimatstadt New Orleans ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Auch John Rebennack Interessierte sich bereits als Jugendlicher sich f\u00fcr Rhythm &amp; Blues.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der junge Rebenack hatte eine Sehnsucht nach dem Anderssein und das French Quarter\u00a0 gab ihm die M\u00f6glichkeit dies auszuleben. Mit <em>The Spades<\/em> gr\u00fcndete er eine High-School-Band, bei der Jerry Byrne (<em>Lights Out<\/em>) als S\u00e4nger mitwirkte. Als einer der ersten wei\u00dfen Musiker spielte der junge Dr. John regelm\u00e4\u00dfig bei R&amp;B-Sessions in New Orleans. Seine Heimatstadt diente ihm lebenslang als lebender musikalischer Steinbruch. Hier vermischte sich der europ\u00e4ische Stil mit dem aua Lateinamerika und afroamerikanischen Kulturen. Vor allem der Jazz mit Blechbl\u00e4sern hat seine Wurzeln in New Orleans. Die Stadt ist ebenfalls bekannt f\u00fcr Rhythm &amp; Blues, und auch Cajun und Zydeco-Musik ist vielerorts zu h\u00f6ren. Bis 1962 war Dr. John in New Orleans, dann in Los Angeles in verschiedenen Combos aktiv und an vielen Produktionen anderer Musiker wie bei Zappas Freak Out! beteiligt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Voodoo und Bewu\u00dftseinserweiterung<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von all den Exzentriker, des Rock ist wahrscheinlich die schr\u00e4gste Figur. Seinen ersten gro\u00dfen Erfolg hatte Dr.\u00a0John 1968 mit <em>Gris-Gris<\/em>, einer recht unheimlich klingenden Mischung aus Voodoo-Zauberspr\u00fcchen, Rhythm and Blues und kreolischer Soul-Musik. In seiner Musik schwang immer die Schw\u00fcle des Mississippi Deltas mit, dazu unterschwellig auch eine archaische Mystik, die von seiner Faszination f\u00fcr den Voodoo-Kult seiner Heimat herr\u00fchrte. Bereits seit seiner Kindheit war er von Zauberamuletten und nekromantischen Phantasien umgeben, die seinen Aussagen nach durch seine Familie animiert gewesen sein sollen. Seine Gro\u00dfmutter soll Telekinese beherrscht und beizeiten selbst durch den Raum geschwebt haben. Mit farbenpr\u00e4chtigen, pittoresken B\u00fchnenauftritten stilisierte er sich als <em>Dr.\u00a0John (Creaux) the Night Tripper<\/em> zu einer Ikone des Psychedelic. Einige seiner Rockliturgien erhielten dabei eine besonders hypnotische Spannung, da er seine Stimme bewusst heiser und mit Fl\u00fcster- und Kr\u00e4chzsequenzen einsetzte, wie bei dem gro\u00dfartigen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GzHUP3fVN0Y\"><em>I Walk on Guilded Splinters<\/em><\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Als &#8222;Gumbo&#8220; wird ein Eintopf in der Karibik und dem S\u00fcden der USA bezeichnet. Es gibt ihn z\u00e4h und dickfl\u00fcssig, aber auch suppenartig, und &#8222;Gumbo&#8220; ist die beste Bezeichnung f\u00fcr die Musik von Dr. John.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. John transzendierte den allgemein anerkannten Werte- und Verhaltenskodex aber auch jenseits des eigentlichen Schaffensprozesses im t\u00e4glichen Leben in seiner Heimatstadt New Orleans. Wahrscheinlich hat selten ein Musiker die Atmosph\u00e4re einer Stadt so akkurat heraufbeschworen wie dieser Musiker. Mit <em>Babylon, Remedies<\/em> und <em>The Sun, Moon and Herbs<\/em> setzte er die Wiederbelebung und Aktualisierung der musikalischen Einfl\u00fcsse seiner Heimatstadt fort. Wichtige Inspiration fand er auch auf dem Friedhof. Wegen der tiefen Lage von New Orleans und dem damit verbundenen sehr feuchten Boden gibt es in der Stadt keine herk\u00f6mmlichen Friedh\u00f6fe, da Seuchen bef\u00fcrchtet werden. Seit 1830 werden die Toten in Mausoleen beerdigt; diese Cities of the Dead sind Anlass f\u00fcr Legenden. Die Stadt entwickelte ihre eigene Art der Begr\u00e4bnisse. Ein traditionelles Jazz Funeral wird von einer Marching Band begleitet, die\u00a0\u00a0 auf das Jenseits ausgerichtete Musik auf dem Weg zur Beerdigung hin und fr\u00f6hliche, weltliche Musik auf dem Weg zur\u00fcck spielt. Einige Stilelemente der B\u00fchnenfigur Dr. John gehen auf den 1963 verstorbenen Musiker Prince LaLa zur\u00fcck, so findet sich auf dem Klavier ein Totensch\u00e4del. Auf dem Album <em>Gumbo<\/em>, k\u00fcndigte sich Rebennacks Abwendung von seinem extravaganten Lebensstil an, die sich mit <em>In the Right Place<\/em> und <em>Desitively Bonnaroo<\/em> fortsetzte. Die folgenden Alben fanden nicht viele K\u00e4ufer. Alle seine Versuche, sich juristisch gegen nicht autorisierte Aufnahmen <em>(Anytime, Anyplace<\/em> oder <em>The Nashville Sessions)<\/em> zur Wehr zu setzen, scheiterten. 1977 arbeitete er gemeinsam mit Van Morrison an dessen Comebackalbum <em>A Period of Transition<\/em>. Im Rahmen dieses Albums wirkte er als Arrangeur und Musiker mit. Im selben Jahr absolvierten die beiden eine Reihe gemeinsamer Auftritte, die in einem Fernseh-Special gipfelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Niemand hat mir mehr \u00fcber Musik beigebracht als Dr. John &#8211; egal ob Rock, Rhythm&#8217;n&#8217;Blues, Soul oder Funk.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Jerry Wexler<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine sch\u00f6pferische Pause endete 1981 mit dem Erscheinen der Platte <em>Dr.\u00a0John Plays Mac Rebennack<\/em>, einer Sammlung von Titeln, die der Musiker alleine mit seinem Klavier aufgenommen hatte. Seither ver\u00f6ffentlichte er in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden weitere Alben, die er fast ausschlie\u00dflich selbst komponierte. Daneben arbeitete er mit zahlreichen Bluesmusikern wie Willy DeVille, aber auch mit Jazzmusikern wie Maria Muldauer sowie dem Rockmusikern Eric Clapton zusammen. Mit dem 1995 erschienenen Album <em>Afterglow<\/em> wurde seine Liebe zum Jazz deutlich; Jazz-Standards aus den 1930er- und 1940er-Jahren pr\u00e4gen das Album. Also wiederum ein Eintopf aus den verschiedensten Zutaten, fr\u00fcher Jazz aus New Orleans, die Musik der Brass-Bands und die kreolischen Kl\u00e4nge, die man besonders zu <em>Mardi Gras<\/em>, dem traditionellen Karneval in New Orleans, h\u00f6rte. Dr. John hat den Rock&#8217;n&#8217;Roll zu seinen Voodoo-Wurzeln\u00a0zur\u00fcckgebracht. Was bleibt ist eine Stimme, die sich rau bis kr\u00e4chzend in bluesigen Sph\u00e4ren bewegt und sich hypnotische Voodoo-Beschw\u00f6rungen zu eigen macht. Sie hallt nach\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. John verstarb am 6. Juno. Nun finde ich erst die richtigen Worte, um ihn zu w\u00fcrdigen. Not the right time, but perhaps the right line.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_105924\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-105924\" class=\"wp-image-105924 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Dr._John-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><p id=\"caption-attachment-105924\" class=\"wp-caption-text\">Dr. John auf dem TFF.Rudolstadt 2011, Photo: Schorle<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192 <\/strong> Rhythm &amp; Blues lebt davon, dass die Ambivalenz bewahrt wird. Dieses Album wurde ver\u00f6ffentlicht, als Country noch Country war, es gab kein <em>Alternative<\/em>, was das R\u00e4tsel aufgab, was genau man h\u00f6rte. Die Cowboy Junkies nahmen Blues, Country, Folk, Rock und Jazz und verlangsamten es stark und schufen dabei etwas Neues. Wir betrachten die Geburtshelfer der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/11\/27\/die-geburtsstunde-der-americana\/\">Americana<\/a>. Des Weiteren eine Betrachtung des tiefgr\u00fcndigen Folk-Songs: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/02\/07\/wolken-2\/\"><em>Both Sides Now<\/em><\/a>. Wahrscheinlich hat selten ein Musiker die Atmosph\u00e4re einer Stadt so akkurat heraufbeschworen wie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/12\/28\/born-on-the-bayou\/\">Dr. John<\/a>. Die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/06\/28\/delta-blues-progression\/\"><em>Delta-Blues-Progression<\/em><\/a> des Captain Beefheart muss dahinter nicht zur\u00fcckstehen, eine gute Einstimmung f\u00fcr sein Meisterwerk <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/12\/17\/das-bueffelherz-hat-aufgehoert-zu-schlagen\/\"><em>Trout Mask Replica<\/em><\/a><em><u>.<\/u><\/em> Wir lauschen der ungekr\u00f6nten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/10\/04\/die-ungekroente-koenigin-des-weissen-bluesrock\/\">K\u00f6nigin des wei\u00dfen Bluesrock<\/a>. Und dem letzten Werk der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/04\/05\/cocktail-jazz\/\">Doors<\/a>. Unterdessen begibt sich Eric Burdon auf die Spuren vom <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/05\/11\/love-peace-understanding\/\">Memphis Slim<\/a>. In der Reihe mit gro\u00dfen Blues-Alben h\u00f6ren wir den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1998\/03\/02\/der-irische-melancholiker\/\">irischen Melancholiker<\/a>. Lauschen dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/07\/12\/chicka-chicka-what\/\">Turning Point<\/a>, von John Mayall. Vergleichen wir ihn mit den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/10\/01\/der-proberaum-in-onkel-toms-huette\/\"><em>Swordfishtrombones<\/em><\/a>, von Tom Waits und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/07\/30\/traurige-clowns\/\">Circus Songs<\/a> von den Tiger Lillies. Und stellen die Frage: Ist David Gilmour ein verkappter <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/03\/01\/space-operette\/\">Blueser<\/a>?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen gibt es: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/07\/ruckzuck\/\">Pop mit Pensionsanspruch<\/a>. Daher auch schnellstens der Schlussakkord: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/10\/01\/die-erde-ist-keine-scheibe\/\">Die Erde ist keine Scheibe<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I&#8217;d have said the right thing, but I must have used the wrong line Dr. John Als jugendlicher Musikh\u00f6rer fiel mir eine Single mit dem Titel Right Place, Wrong Time in die H\u00e4nde, es ist ein Song des Musikers Dr.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/12\/28\/born-on-the-bayou\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":254,"featured_media":105924,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4184,1602,4185,4006,4186],"class_list":["post-105923","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-dr-john","tag-frank-zappa","tag-jerry-wexler","tag-johannes-schmidt","tag-van-morrison"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105923","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/254"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=105923"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105923\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":106197,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105923\/revisions\/106197"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/105924"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=105923"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=105923"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=105923"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}