{"id":105917,"date":"1997-08-30T00:20:41","date_gmt":"1997-08-29T22:20:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=105917"},"modified":"2024-08-28T13:24:59","modified_gmt":"2024-08-28T11:24:59","slug":"fischkoeppe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/08\/30\/fischkoeppe\/","title":{"rendered":"Fischk\u00f6ppe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u201eJeder ist Solist\u201c und \u201eJeder spielt mit Jedem\u201c.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede Geschichte hat eine Vorgeschichte. Die erste Folk-Rock-Combo, stammt aus Hamburg. Diese Musiker spielten kreuz und quer durch die europ\u00e4ische Liedtradition. Im Programm findet sich Flamenco aus Spanien, Irish Folk, Bouzouki aus Griechenland, jiidische Lieder, aber auch fr\u00fche deutsch Arbeiterlieder und Songs aus der niederdeutschen Regionalsprache. Die City Preachers traten bis in die 1970er Jahre hinein in wechselnden Besetzungen auf. Aus der Band gingen namhafte Musiker hervor. Dazu geh\u00f6ren neben dem Gypsy-Swing-Gitarristen John O\u2019Brien-Docker und die S\u00e4ngerinnen Inga Rumpf, Sibylle Kynast, Dagmar Krause, der S\u00e4nger, Kunstpfeifer und Multiinstrumentalist Eckart Kahlhofer, der Pianist Jean-Jacques Kravetz und der Schlagzeuger Udo Lindenbarg. Insgesamt wirkten \u00fcber 20 Solisten in dieser Band in wechselnden Besetzungen nach dem sogenannten \u201eBaukastenprinzip\u201c mit, das hei\u00dft \u201eJeder ist Solist\u201c und \u201eJeder spielt mit Jedem\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Inga Rumpf, Karl-Heinz Schott, der neue Schlagzeuger Carsten Bohm und Jean-Jacques Kravetz verlie\u00dfen die Truppe und w\u00e4hlten den Bandnamen <em>Frumpy<\/em>.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man wei\u00df es nicht so genau, aber wahrscheinlich ist das Fischkopp-Humor, der Bandname <em>Frumpy<\/em> ist ein Wortspiel aus dem Namen der Bandleaderin Inga Rumpf und bedeutet in der \u00dcbersetzung \u201eunkleidsam\u201c. Und in der Tat passte der Sound noch nicht so ganz, es war mehr Kraut als Rock. Auf dem ersten Album sind ausgepr\u00e4gte Prog- und Klassikelemente vertreten, die in die einzelnen Musikst\u00fccken eingebettet wurden. Hervorstechende Merkmale der St\u00fccke sind Rumpfs kraftvoller Gesang, f\u00fcr die der Name \u201eRockr\u00f6hre\u201c gepr\u00e4gt wurde, der gleichsam unpassend ist, wie der abwertende Begriff \u201eunkleidsam\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Auf dem zweiten Album war das einzige Zugest\u00e4ndnis an den Zeitgeist das batikfarbene Blumencover.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit langen Keyboardloops jazzigen Elementen entfernte sich die Combo in Siebenmeilenstiefeln, weg von musikalischen Vorbildern Brian Auger &amp; Julie Driscoll hin zum klassischen bluesgepr\u00e4gten Hardrock. Das Album besteht aus vier langen St\u00fccken, die sich zeitlich \u00fcber 7 \u2013 12 Minuten erstrecken, sie beherbergen somit gen\u00fcgend Spielraum, um in den einzelnen Musikst\u00fccken immer neue Akzente und Wendungen zu entwickeln. Und mit dem Gitarristen Rainer Baumann gab es in dem Bandgef\u00fcge einen Neuzugang, der mit seinem ausdrucksstarken Spiel auf der Stromgitarre selbstbewusste Kontrapunkte zum virtuosen Spiel von Kravetz zu setzen vermochte. Die Musik der Band wurde variabler, denn die Blues-Leidenschaft von Baumann bot einen idealen Gegenpart zu den jazzigen Ans\u00e4tzen von Kravetz und erg\u00e4nzte sich perfekt mit der Blues- und Gospel-getr\u00e4nkten Stimme von Rumpf. Nicht zu vergessen das gnadenlos pr\u00e4zise gedroschene Schlagwerk von Bohm. Ihnen sollte nichts geringeres gelingen, als Kompositionen, welche die deutsche Rockmusik am Anfang der siebziger Jahre hervorbringen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Frumpy 2<\/em> changiert zwischen vertrackten Sounds und straightem Rock&#8217;n&#8217;Roll.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Album wurde nahezu unter Livebedingungen aufgenommen. Es enth\u00e4lt lediglich vier St\u00fccke, die sich um die zehn Minuten Spielzeit herum bewegen, was den Musikern ausgiebig Zeit l\u00e4sst, um ihren Ideenreichtum und ihre Improvisationsfreudigkeit auszuleben. \u201eGood Winds\u201c beginnt als verr\u00fcckter Freak\u2019n\u2019Roll-Song und setzt sich auf einem brillanten melodischen \u201eTrip\u201c mit einer faszinierenden Keyboard-Demonstration fort. Die Rockballade <em>How the Gypsy Was Born<\/em> leitet Rainer Baumann mit einem langen Solo ein, der abrupte Rhythmuswechsel ist mit einem differenzierten Schlagzeugspiel unterlegt und die treibender Orgel liefert sich ein unwiderstehliches Zwiegespr\u00e4ch zwischen Gitarre und Stimme. Und die Seemannstochter (ausnahmsweise kein Klischee) Rumpf erz\u00e4hlt davon, wie eine Gypsy geboren wurde. Ihr kraftvoller, bluesiger Vortrag ist eines der Highlights diese Albums und speziell in den USA sch\u00e4tzte man Rumpfs bluesorientierte Stimme.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das St\u00fcck ist der stilsicherste und nachhaltigste deutsche Beitrag zum klassischen Rock der Zeitspanne zwischen 1967 und 1977<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Michael Rauhut<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als w\u00fcrde sich die Combo vor sich selbst warnen wollen, folgt <em>Take Care Of Illusion<\/em>. Das St\u00fcck beginnt schwungvoll, wird dann auf ein minimales Tempo runter gefahren &#8211; um abermals einen neuen Anlauf zu nehmen. Es ist ein dichter, w\u00fctender Heavy-Rock-Song mit soliden Gitarrenriffs und einem gro\u00dfartigen bluesigen Soul. <em>Duty<\/em> ist eine zerbrechliche, emotionale Ballade, sie l\u00e4dt den H\u00f6rer noch einmal auf einen Ausflug in eine ausgiebige Improvisation ein, gespickt mit herrlich energiegeladenen Blues-Rock\/Passagen, welche das Trommelfell kitzeln.<\/p>\n<p>Ist das noch Krautrock? \u2013 Eher Labskaus vom feinsten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Frumpy 2<\/strong>, 1971<\/p>\n<div id=\"attachment_105918\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-105918\" class=\"wp-image-105918 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Frumpy-2_Cover-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-105918\" class=\"wp-caption-text\">Ein Farbrausch: Germanische Ps\u00fcchodelik, ein batikfarbenes Blumencover. &#8211; Und noch eine Randbemerkung: Es gab aus der Fr\u00fchphase noch ein drittes Album, das dem Progressive Rock zugeordnet wird. Es ist gut, aber in der Sammlung nicht unbedingt erforderlich.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192<\/strong> Der Begriff `Krautrock\u00b4 geht auf das Wort \u201eSauerkraut\u201c sowie die Bezeichnung \u201eKrauts\u201c f\u00fcr die deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg zur\u00fcck. Der Ursprung des Wortes <em>Krautrock<\/em> geht auf eine Werbeanzeige der deutschen Firma <em>Popo Music Management<\/em> zur\u00fcck, die in der US-amerikanischen Zeitschrift Billboard das Wort 1971 erstmals benutzte, um f\u00fcr Platten von Bacillus Records zu werben. Dieser Begriff wurde von der britischen Presse aufgegriffen und h\u00e4ufig benutzt. Peinlich wird Krautrock immer dann, wenn Deutsch Bands versuchen englische Texte zu verzapfen. Daher ein Hinweis auf die Deutschen Texte von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/08\/30\/was-ich-fand-waren-ton-steine-scherben\/\">Ton, Steine, Scherben<\/a>. Sowie auf Ran! Ran! Ran! \u2013 THE BEST OF <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/05\/31\/soul-punk\/\">FAMILY*5<\/a> \/ VOL. I, zusammengestellt von Xao Seffcheque. Inzwischen ist das alte Thema Compact Cassette wieder aufploppt. Laut eines Berichts im Deutschlandfunk sind Tapes \u201eHipper als Vinyl\u201c, wir spulen zur\u00fcck in die Zukunft des\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/08\/27\/lost-and-found-im-underground\/\"><em>Cassettenlabels<\/em><\/a><em>. <\/em>Danach ertastet KUNO den Puls des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/03\/21\/das-herz-des-motorik-beats\/\">Motorik-Beat<\/a>s. Und machen eine Liebeserkl\u00e4rung an die \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1994\/12\/26\/glamrock\/\">7-Inch Vinyl Record Single<\/a>\u201c. <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/08\/30\/krautrock\/\">Krautrock<\/a> ohne angloamerikanisches Vorbild \u2013 l\u00e4sst es auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/07\/31\/weltmusik\/\">Kraaniche<\/a> fliegen? Auf <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/01\/25\/neugier-auf-die-welt\/\"><em>Embryo&#8217;s Reise<\/em><\/a> entdeckten die Musiker zwar nicht Amerika, sondern die Weltmusik. Ist das noch Krautrock? \u2013 Eher <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/08\/30\/fischkoeppe\/\">Labskaus<\/a> vom feinsten! Last but least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/08\/30\/krautrock-its-best\/\">Krautrock @ its best<\/a>!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen gibt es: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/07\/ruckzuck\/\">Pop mit Pensionsanspruch<\/a>, sowie eine<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/09\/03\/die-musealisierung-des-rock-and-roll\/\"> <em>Rock and Roll Hall of Fame<\/em><\/a>. Daher der Schlussakkord: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/10\/01\/die-erde-ist-keine-scheibe\/\">Die Erde ist keine Scheibe<\/a><\/p>\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eJeder ist Solist\u201c und \u201eJeder spielt mit Jedem\u201c. Jede Geschichte hat eine Vorgeschichte. Die erste Folk-Rock-Combo, stammt aus Hamburg. Diese Musiker spielten kreuz und quer durch die europ\u00e4ische Liedtradition. 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