{"id":105888,"date":"1994-12-26T00:01:34","date_gmt":"1994-12-25T23:01:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=105888"},"modified":"2025-11-21T11:05:48","modified_gmt":"2025-11-21T10:05:48","slug":"glamrock","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1994\/12\/26\/glamrock\/","title":{"rendered":"Glamrock"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Eine Liebeserkl\u00e4rung an die \u201e7-Inch Vinyl Record Single\u201c.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Erinnerung an eine Zeit, in der die Single f\u00fcr den Sammler normal war und der Kauf einer Langspielplatte nicht selbstverst\u00e4ndlich. Auch das Medium Radio hatte eine ganz andere Bedeutung. 1967 wurde der britische Radio-DJ John Peel auf zwei junge Musiker aufmerksam und bot ihnen an, ihre Musik in seinen Sendungen bei Radio 1 einem gr\u00f6\u00dferen Publikum vorzustellen. Peels Begeisterung f\u00fcr die Gruppe f\u00fchrte schlie\u00dflich zu mehreren solcher Gastspiele, und der Name <em>Tyrannosaurus Rex<\/em> wurde durch die BBC allm\u00e4hlich \u00fcberregional bekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch im gleichen Jahr wurden sie von dem aus Brooklyn stammenden Produzenten Tony Visconti im Kellerclub UFO in der Londoner Oxford Street entdeckt, der im Rahmen seiner T\u00e4tigkeit bei Essex Music beauftragt worden war, eine neue Gruppe f\u00fcr den Musikverlag zu engagieren. Wenige Tage danach nahm Regal Zonophone (Essex Music), Tyrannosaurus Rex unter Vertrag. Visconti begleitete sie bis zum Album <em>Zinc Alloy<\/em> (1974) und war ma\u00dfgeblich an der Entwicklung ihres Gruppensounds beteiligt. Bald darauf erschien die Single <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6O554p-ovsI\"><em>Debora<\/em><\/a>, die im Mai 1968 bis auf Platz 34 der Hitperade kam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz darauf begannen die Aufnahmesessions f\u00fcr eine neue Single. Auf <em>King of the Rumbling Spires<\/em> spielt Bolan erstmals auf einer Tyrannosaurus-Rex-Platte Elektrogitarre. W\u00e4hrend der Aufnahmen entstanden noch eine Reihe anderer Songs, die aber erst viel sp\u00e4ter auf diversen Zusammenstellungen ver\u00f6ffentlicht wurden. Im Sp\u00e4tsommer 1969 unternahm die Gruppe ihre erste US-Tour, um sich auch auf dem dortigen Musikmarkt einen Namen zu machen. Aber das Publikum zeigte wenig Interesse an der Musik der beiden, und so wurde die Tournee schlie\u00dflich zum Flop.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bolan machte sich auf die Suche nach einem neuen Partner, und im makrobiotischen Restaurant Seeds machte ihn ein gemeinsamer Freund mit Mickey Finn bekannt, der dort gerade mit einer Auftragsarbeit in Form eines psychedelischen Wandgem\u00e4ldes besch\u00e4ftigt war. Er hatte auch Erfahrung als Musiker und Congas gespielt. Bei einem gemeinsamen Essen einigten sich die beiden auf die Zusammenarbeit, und Finn wurde im Oktober 1969 das neue Bandmitglied. Nach Bolans Aussage war Finn weder ein guter Perkussionist noch konnte er besonders gut singen, aber er sah gut aus und passte auch sonst gut zu Bolans Vorstellung vom zuk\u00fcnftigen Werdegang der Gruppe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tony Visconti hatte sich seit langem angew\u00f6hnt, auf Produktionspapieren den langen Bandnamen der Einfachheit halber in \u201eT. Rex\u201c abzuk\u00fcrzen, was Bolan bislang \u00e4rgerte. Er suchte aber nach Ver\u00e4nderungen, was auf den letzten Platten schon musikalisch durch die Verwendung der Elektrogitarre und in einfacheren Liedtexten zum Ausdruck kam. Die im Oktober 1970 nun als T. Rex ver\u00f6ffentlichte Single <em>Ride a White Swan<\/em> wurde von Radiosendern zun\u00e4chst wenig gespielt. Aber die Plattenl\u00e4den verzeichneten eine best\u00e4ndig steigende Nachfrage, und so kletterte der mit einem markanten Gitarrenriff gespielte und mit Streichern untermalte Song langsam in die britische Single-Hitparade und erreichte nach 13 Wochen im Januar 1971 schlie\u00dflich seine H\u00f6chstnotierung auf Platz 2.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Februar 1971 ver\u00f6ffentlicht, belegte <em>Hot Love<\/em> sechs Wochen lang die Spitzenposition der britische Single-Hitparade. F\u00fcr einen Auftritt in \u201eTop oft he Pops\u201c klebte Chelita Secunda, Bolan einige glitzernde Sternchen unter die Augen. Dieser Auftritt steht nach weit verbreiteter Ansicht f\u00fcr die Geburtsstunde des Glamrock der in Form einer Jugendbewegung, sowie k\u00fcnstlerisch und kommerziell in den n\u00e4chsten Jahren die popul\u00e4re Rock- und Popmusik in Europa dominierte. \u00c4hnlich der \u201eBeatlemania\u201c in den 1960er Jahren, sprach man in Gro\u00dfbritannien aufgrund des gro\u00dfen Medienrummels, den Bolan und seine Band ausl\u00f6sten, von \u201eT.Rextasy\u201c. Sp\u00e4testens ab diesem Zeitpunkt drehte sich dort die gesamte Medienaufmerksamkeit allein um Bolan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Nachfolgesingle <em>Get It On<\/em> erreichte Platz 1 und wurde, etwas sp\u00e4ter in den USA in <em>Bang a Gong (Get It On)<\/em> umbenannt, um Verwechslungen mit einem anderen gleichnamigen Song der Gruppe Chase zu vermeiden, zum Top-Ten-Hit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erste in der Besetzung einer klassischen Rockband mit Elektrogitarre, Bass und Schlagzeug eingespielte und im September 1971 ver\u00f6ffentlichte die Band mit<em> Jeepster <\/em>einen weiteren Top Hit. Neben Mickey Finns Conga-Spiel, das vor allem auch bei <em>Mambo Sun<\/em> prominent zu h\u00f6ren ist, und Tony Viscontis Streicher-Arrangements, wie z.\u00a0B. bei <em>Cosmic Dancer<\/em>, wurden einige Songs zudem mit Saxophon <em>(Rip Off)<\/em>, Piano <em>(Get It On)<\/em> oder Fl\u00fcgelhorn <em>(Girl)<\/em> angereichert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im November 1971 brachte Fly Records gegen Bolans Willen die Single <em>Jeepster<\/em> auf den Markt. Bolan wechselte zur britischen EMI, die ihm das eigene Label \u201eT. Rex Wax Co.\u201c zur Verf\u00fcgung stellte, und er erhielt zudem die weitgehende Kontrolle \u00fcber k\u00fcnftige Ver\u00f6ffentlichungen. Die beiden n\u00e4chsten Top-Singles <em>Telegram Sam<\/em> und <em>Metal Guru<\/em>. Auf dem H\u00f6hepunkt des Erfolgs wurden T. Rex bisweilen schon als die Nachfolger der Bealtles angesehen. Bolan und Finn waren Spielfiguren einer essenzialistischen Geschlechter-Disposition zu einer Zeit in der die Fluidit\u00e4t der Geschlechter erkundet und unter <em>Glamrock<\/em> vermarktet wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer diese Zeit erkunden m\u00f6chte, kann einer der vielen (meist schlecht zusammengestellten) Best-of Sammlungen h\u00f6ren oder ein gut gemachtes Re:master von <em>Electric Warrior<\/em>. \u00a0Das Album gilt bis heute zu Recht als Klassiker. Die Gruppe hatte sich\u00a0zu einem Quartett erweitert und nutzte die Instrumentierung einer klassischen Rockband: Gesang, Gitarre, Bass und Schlagwerk. Das Album enth\u00e4lt mit den beiden Single-Auskopplungen <em>Get It On<\/em> und <em>Jeepster<\/em> sowie den groovigen <em>Mambo Sun<\/em> und eine Reihe tanzbarer Songs, jedoch auch einige Balladen wie <em>Cosmic Dancer<\/em>, <em>Life\u2019s a Gas<\/em> oder das auf akustischer Gitarre und Fl\u00fcgelhorn begleitete <em>Girl<\/em>. Was ich an diesem Re:Master sch\u00e4tze ist die Hinzunahme der ersten 7\u2018 *, plus der R\u00fcckseiten. Da hat offensichtlich jemand mitgedacht!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Electric Warrior, <\/strong>T. Rex 1971<\/p>\n<div id=\"attachment_105889\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-105889\" class=\"wp-image-105889 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/T.Rex_Cover-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-105889\" class=\"wp-caption-text\">Die zweifarbige Frontseite des Albumcovers zeigt auf schwarzem Grundton die in metallischer Goldfarbe gedruckte Silhouette Bolans mit Elektrogitarre vor einem Gitarrenverst\u00e4rker. Das Foto stammt von Kerian \u201eSpud\u201c Murphy.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> <em>Glam Rock<\/em> feat. <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1994\/12\/26\/glamrock\/\">T. Rex<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/07\/08\/mut-zum-pathos\/\">Steve Harley &amp; Cockney Rebel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/12\/06\/decadenz\/\">Roxy Music<\/a>. Inzwischen gibt es: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/07\/ruckzuck\/\">Pop mit Pensionsanspruch<\/a>, sowie eine<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/09\/03\/die-musealisierung-des-rock-and-roll\/\"> <em>Rock and Roll Hall of Fame<\/em><\/a>. Daher der Schlussakkord: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/10\/01\/die-erde-ist-keine-scheibe\/\">Die Erde ist keine Scheibe<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Liebeserkl\u00e4rung an die \u201e7-Inch Vinyl Record Single\u201c. Eine Erinnerung an eine Zeit, in der die Single f\u00fcr den Sammler normal war und der Kauf einer Langspielplatte nicht selbstverst\u00e4ndlich. 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