{"id":105870,"date":"2000-02-29T00:18:21","date_gmt":"2000-02-28T23:18:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=105870"},"modified":"2024-10-09T16:52:08","modified_gmt":"2024-10-09T14:52:08","slug":"garagenrock","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/02\/29\/garagenrock\/","title":{"rendered":"Garagenrock"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einfachheit ist stilbildend. Eine untersch\u00e4tze Variante der Rhythm &amp; Blues \u00a0ist der Garage Rock. Es ist eine einfache, ungeschliffene Form, meist schn\u00f6rkellos und straight gespielt. Die Songs bestehen h\u00e4ufig aus wenigen Akkorden, die sich immer wiederholen. Au\u00dferdem sind oftmals mehrstimmige Gesangsharmonien, hymnische Melodien und harte, verzerrte Gitarrenkl\u00e4nge f\u00fcr diesen Musikstil typisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prototypisch sind <em>The Feelies<\/em> aus Haledon, New Jersey. Es sind Provinzler, die eigentlich \u00a0sehr \u00f6ffentlichkeitsscheu waren so traten sie in der Regel nur an Feiertagen f\u00fcr Konzerte auf die B\u00fchne. Sofern man den Augen- und Ohrenzeugen glauben darf, spielten die Feelies bei ihren ersten Gigs im CBCB\u2019s Garagenrock im besten Sinne. Die vier Musiker sahen dabei im Unterschied zu den Rotzl\u00f6ffelpunks h\u00f6chst adrett aus, in ordentlichen Kragenhemden statt T-Shirts und sauberen Bundfaltenhosen statt zerrissenen Jeans; zwei von ihnen trugen Kassengestell-Brillen \u00e0 la Buddy Holly. Nach dem Konzert sagen die Kritiker sangen Loblieder und stellten die <em>Feelies<\/em> in eine Reihe mit <em>Television<\/em>, Velvet Underground und den Talking Heads.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Band brachte 1980 ihre erste Single <em>Fa Ce La<\/em> heraus, die jemand bei Stiff Records h\u00f6rte. Die Band erhielt einen Vertrag, und Stiff ver\u00f6ffentlichte kruze Zeit sp\u00e4ter das erfrischende Album <em>Crazy Rhythms, das <\/em>nichts von den typischen Rock-Attit\u00fcden hat, keine gespielte Lockerheit, keinen Swing, keine Bad-Boy-Attit\u00fcde,. Das Bandportr\u00e4t auf dem Cover zeigt eine himmelblauen Leere, es ist langweilig und unheimlich. Es sieht aus wie eine deplazierte Darstellung von vier Nerds, deren engster Kontakt zur Rockmusik durch die Proben in der Garage besteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie der Name Crazy Rhythms ank\u00fcndigt liegt die Essenz des Albums auf den Percussion-Tracks von Anton Fier. Becken und Hi-Hats werden fast v\u00f6llig ignoriert \u2013 zu kathartisch, zu protzig. Fast jeder Track ist mit einem trockenen Refrain aus Kuhglocken, Claves, Holzbl\u00f6cken, Glocken und Maracas \u00fcberspielt. Der Schlagwerker schl\u00e4gt im Morsecode auf seinen Tom-Toms die Worte \u201eNOT TIRED YET NOT TIRED YET NOT TIRED YET\u201c hin und her.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Fokus und die Richtung des Sounds liegen auf den Gitarren von Mercer und Million, die auf dem Rythmusteppich eine anspruchsvolle, engagierte und unendlich spannungsgeladene Musik auftragen. Die erste Single \u201eFa Ce&#8216;-La\u201c und das St\u00fcck \u201eOriginal Love\u201c \u2013 nehmen die Anmutung von Popsongs an: ein paar Minuten, ein paar Teile, eine Strophe, ein Refrain. Die anderen Songs \u00e4hnelten jedoch eher den Kompositionen von Steve Reich, es ist eine Musik, die durch Anschwellen, Schattierungen und Wiederholungen Dramatik erzeugt, ohne H\u00f6hen und Tiefen herauszuarbeiten. Die l\u00e4ngsten und fesselndsten Titel des Albums \u2013 \u201eForces at Work\u201c und \u201eCrazy Rhythms\u201c \u2013 scheinen sich weniger zu ver\u00e4ndern als vielmehr zu erweitern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Feelies klingen auf <em>Crazy Rhythms<\/em> inspiriert und zielstrebig. Mark Abel, der das Album gemeinsam mit Mercer und Million produzierte, nannte sie \u201edie eigensinnigsten Menschen, die ich je getroffen habe\u201c. Mercers Gesang ist ein Bewusstseinsstrom, der unter dem Schimmer der Gitarren summt. \u201eAls Gitarrist\u201c, sagte er, \u201ehabe ich kein gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis, mich als S\u00e4nger auszudr\u00fccken\u201c \u2013 eine Behauptung, die einen glauben l\u00e4sst, dass die Gitarrensoli ein Feuerwerk werden, und das ist nicht der Fall. Bei den Feelies ging es nicht um Feuerwerk. Es\u00a0 geht ihnen darum an Feiertagen in die umliegenden St\u00e4dte von Haledon, New Jersey zu fahren, um ihren Variante von Rhythm &amp; Blues auf Konzerten in kleinen Hallen spielen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Crazy Rhythms<\/strong>, The Feelies, 1980 (nun auf CD erh\u00e4ltlich!)<\/p>\n<div id=\"attachment_105871\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-105871\" class=\"wp-image-105871 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Feelies_Cover.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"301\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Feelies_Cover.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Feelies_Cover-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Feelies_Cover-160x161.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-105871\" class=\"wp-caption-text\">Kassengestell-Brillen \u00e0 la Buddy Holly<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192 <\/strong>Wir verorten auf KUNO die erste Punk-LP mit dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/12\/das-bananenalbum\/\">Bananenalbum<\/a>. Oder war es doch der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/02\/29\/garagenrock\/\">Garagenrock<\/a>? \u2013 Der Titeltrack des Albums ist der mit Abstand spektakul\u00e4rste und zeitloseste Titel des Albums. Bis heute ist <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/09\/30\/in-hells-kitchen\/\"><em>Blank Generation<\/em><\/a> der Song, der wohl gr\u00f6\u00dfer ist, als die Band, die ihn produziert hat. Waren die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/10\/28\/trittbrettfahrer\/\">Pistols<\/a> die erste Boy-Group? Gegen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/10\/31\/california-ueber-alles\/\">Fresh Fruit for Rotting Vegetables<\/a> h\u00f6rt sich alles andere wie Pop an. \u2013 Weitere ungel\u00f6ste Fragen: Die <em>The Ruts<\/em> stellen mit einem Album das Lebenswerk von The Clash? Wann h\u00f6rt der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/05\/18\/substance\/\">Substance<\/a> von Punk auf? Wann beginnt der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/01\/30\/minimal-pop\/\">Post-Punk<\/a>? Ist das bereits <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/12\/28\/10-years-after\/\">New Wave<\/a>? Oder stellt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/10\/08\/tal-king-heads\/\">Polyrythmik<\/a> den H\u00f6hepunkt dar? <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/02\/thrash-metal\/\">Thrash Metal<\/a> ist das Resulthat der Verschmelzung der Energie und Geschwindigkeit des Hardcore Punk mit den Techniken der New Wave of British <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/19\/doro-pesch-die-godmother-of-hardrock\/\">Heavy Metal<\/a>. Die Alben von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/06\/17\/und-hier-ist-es\/\">Wire<\/a> stellen in beeindruckender Weise dar, was aus Punk h\u00e4tte werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Einfachheit ist stilbildend. Eine untersch\u00e4tze Variante der Rhythm &amp; Blues \u00a0ist der Garage Rock. Es ist eine einfache, ungeschliffene Form, meist schn\u00f6rkellos und straight gespielt. Die Songs bestehen h\u00e4ufig aus wenigen Akkorden, die sich immer wiederholen. 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