{"id":105785,"date":"1990-01-30T00:32:01","date_gmt":"1990-01-29T23:32:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=105785"},"modified":"2024-07-22T14:44:37","modified_gmt":"2024-07-22T12:44:37","slug":"minimal-pop","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/01\/30\/minimal-pop\/","title":{"rendered":"Minimal-Pop"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Klammheimlich erzeugten YMG mehr D\u00fcsternis und Angst als jeder drogenwirre Punk: Stattons abgekl\u00e4rter Gesang straft den Herzschmerz von Moxhams Liedern aufs Befremdlichste L\u00fcgen. Nur diese eine Platte \u2013 und man kann Jahre mit der Analyse ihrer Geheimnisse und ihrer todungl\u00fccklichen Sch\u00f6nheit vor dem Plattenspieler zubringen.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ken Tayler<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem Punk die Pop-Musik 1977 auf Null gesetzt hat, gab es keine klassischen Zuschreibungen mehr. Die Musik der aus dem walisischen Cardiff stammenden Band wird abseits der Hochburg London als Lo-Fi oder Post-Punk gehandelt. Eine fast schon beleidigende Zuschreibung f\u00fcr diesen bet\u00f6renden Minimal-Pop.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <em>Young Marble Giants<\/em> wurden 1978 von der S\u00e4ngerin Alison Statton und den Br\u00fcdern Philip (Bass) und Stuart Moxham (Gitarre und Orgel) gegr\u00fcndet. Sie unterschrieben im selben Jahr bei dem frisch gegr\u00fcndeten Independent-Label Rough Trade Records einen Plattenvertrag.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Alison Statton sang so, als w\u00fcrde sie an einer Haltestelle auf einen Buss warten. Ebenso unangeregt und beil\u00e4ufig klingen ihre Begleitmusiker.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-105335 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Underground-300x244.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"244\" \/>Die Gruppe schlug einen Weg ein, der sich radikal sowohl von g\u00e4ngigen Pop-Entw\u00fcrfen unterschied als auch von der gitarrenlastigen lauten \u00c4sthetik, die den sogenannten Underground dominierte. Sie hatten kein Interesse, dem Drei-Akkord-Imperativ zu gehorchen, und wollten lieber ihr eigenes Ding machen: Do It Yourself, musikalisch wie \u00f6konomisch. Mit sp\u00e4rlicher Instrumentierung und einem selbstgebauten, auf Loops basierenden Drumcomputer gelang es Young Marble Giants, ein ungew\u00f6hnliches, in seinem Minimalismus und Anti-Rockismus auff\u00e4lliges Klangbild zu erschaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1980 erschien die Deb\u00fct-LP <em>Colossal Youth<\/em>. Die Produktion kostete lediglich \u00a31.000, man beschr\u00e4nkte sich auf eine E-Gitarre und eine elekrische Orgel, E-Bass und einen Drumcomputer, der rythmische Klangtupfer setzte. Au\u00dferdem diente ein Endlostonband als weitere Soundquelle. Gerade einmal f\u00fcnf Tage brauchte die Combo, um das Album aufzunehmen. Diese Schallplatte ist eine der wenigen vom ersten bis zum letzten St\u00fcck perfekten Platten dieser Zeit; es gelangen den Musikern aufs n\u00f6tigste reduzierte Songs, in einer larmoyanzlos-melancholischen Art von entwaffnender Sch\u00f6nheit. Kein Gramm Klang zu viel, alles feste musikalische Substanz. Die Wiederver\u00f6ffentlichung auf CD bieten den Nachgeborenen verbl\u00fcffend gro\u00dfartige Kl\u00e4nge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl es das einzige Album von Young Marble Giants ist, gilt <em>Colossal Youth<\/em> aus dem Jahr 1980 als Meilenstein. Um das Album zu promoten tourten sie durch Europa und die USA. Es erschien noch die Single <em>Final Day<\/em> und die Instrumental-EP <em>Testcard<\/em>, dann l\u00f6ste sich die Gruppe auf. Bei manchen K\u00fcnstlern besteht die Einsicht, dass man auch mit wenigem ALLES sagen kann. Und vor allem, wann man wieder schweigen sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Colossal Youth<\/strong>, von Young Marble Giants, 1980 (nun bei Rough trade Records auf CD erh\u00e4ltlich)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-105786 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/ColossalYouth_Cover-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend<\/strong> \u2192<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u201eRatinger Hof\u201c bildete in D\u00fcsseldorf eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/05\/01\/kassettenuntergrund\/\">subkulturelle Scharnierstelle<\/a>. Die Rheinmetropole war so etwas wie die heimliche Hauptstadt der alten BRD, im Bermuda-Dreieck zwischen der <em>Uel<\/em>, dem <em>Einhorn<\/em> und dem <em>Ratinger<\/em> <em>Hof<\/em> traf man auf geballte Zeitgeist\u2013Kompetenz. Lesen Sie auch \u00fcber <em>Kraftwerk<\/em> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/07\/ruckzuck\/\">Pop mit Pensionsanspruch.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klammheimlich erzeugten YMG mehr D\u00fcsternis und Angst als jeder drogenwirre Punk: Stattons abgekl\u00e4rter Gesang straft den Herzschmerz von Moxhams Liedern aufs Befremdlichste L\u00fcgen. 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