{"id":105602,"date":"2024-12-06T00:01:16","date_gmt":"2024-12-05T23:01:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=105602"},"modified":"2024-05-07T13:49:19","modified_gmt":"2024-05-07T11:49:19","slug":"neue-lyrik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/12\/06\/neue-lyrik\/","title":{"rendered":"Neue Lyrik"},"content":{"rendered":"<p>1.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es giebt in Deutschland einen Dichter, einen echten Dichter; aber, fragt man einen aus der Menge nach ihm, so bekommt man entweder ein langes Gesicht oder ein ironisches L\u00e4cheln zu sehen. Dieser echte Dichter ist Detlev Freiherr von Liliencron. Er ist vorwiegend Lyriker. In seinen Gedichten schl\u00e4gt der Pulsschlag des Lebens, warmen Lebens, das reichste Herz und der feinste Kopf spricht aus ihnen; in ihnen ist Natur, die vielfarbige, vielt\u00f6nige, vielduftige Natur. Aber der Durchschnitt kennt ihn nicht, und viele, die dar\u00fcber stehen, kennen ihn auch nicht, oder wollen ihn nicht kennen; nur eine kleine, ich m\u00f6chte sagen, erlesene Schaar sucht ihn auf und ehrt ihn und schw\u00e4rmt f\u00fcr ihn. Und einen giebt es, der den Namen Detlev Liliencron in die gro\u00dfe Welt tr\u00e4gt, und das ist Otto Julius Bierbaum in M\u00fcnchen. In einem kleinen, d\u00fcrftigen B\u00e4ndchen hat er sich seine echte Begeisterung, seine ganze Liebe zu Meister Detlev vom Herzen weggejubelt. Vor kurzer Zeit ver\u00f6ffentlichte er bei Wilhelm I\u00dfleib in Berlin einen ziemlich dickleibigen, pr\u00e4chtig ausgestatteten Band: &#8222;Erlebte Gedichte&#8220;. Alles in diesem Buche verr\u00e4th den Einflu\u00df Liliencron&#8217;s; aber ich will nicht mi\u00dfverstanden werden: Einflu\u00df, im guten Sinne zu verstehen. Nichts ist anempfunden, nichts angelernt und anerzogen, nichts gek\u00fcnstelt und gemacht. Seine Weltanschauung ist ganz die seines Detlev: einzige Befriedigung im Naturgenusse, Verspottung des plumpen Philisters, des kl\u00e4glichen Heerdenmenschen mit seiner platten, seichten Durchschnittsmoral. Nur eines, das bei Liliencron immer wiederkehrt, erinnere ich mich nicht, bei Bierbaum gefunden zu haben: feste Anh\u00e4nglichkeit an die heimathliche Scholle, gesunde Vaterlandsliebe, obwohl sich das bei dem durch und durch Deutschen Bierbaum von selbst versteht. Liliencron aber hat in drei Schlachten wacker mitgefochten und wurde in zwei Feldz\u00fcgen (66 und 71) verwundet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manche werden ihn verkennen und seine echte, hei\u00dfe Vaterlandsliebe f\u00fcr Hurrahpatriotismus, wie ihn ein Wildenbruch zur Schau tr\u00e4gt, nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liliencron und Bierbaum, Meister und Sch\u00fcler, sind begeisterte Naturpropheten, gesunde Realisten. Und gemeinsam haben sie auch den liebensw\u00fcrdigen Leichtsinn, die reizende Naivet\u00e4t \u2013 andere werden es Fehler nennen \u2013, mit der sie oft die Form vernachl\u00e4ssigen. Auf dem Titelblatt der &#8222;Erlebten Gedichte&#8220; sehen wir einen Centaur, halb Rind, halb Mensch, und auf seinem R\u00fccken sitzt ein kecker Schalk, der den Leib des kl\u00e4glichen Menschthieres unaufh\u00f6rlich gei\u00dfelt; Heerdenmensch! lacht und neckt der winzige Amor. Ein Widmungsbrief an seinen lieben Detlev: &#8222;Deine Gedichte haben mir gezeigt, da\u00df es noch eine deutsche Lyrik giebt, werth des gro\u00dfen Namens: <span style=\"text-decoration: line-through;\">freie Kunst<\/span>; dein reiches, quellhelles, nicht freilich jedem schnell quellendes Wesen hat mir gezeigt, da\u00df es nicht blos freie K\u00f6pfe, sondern auch noch <span style=\"text-decoration: line-through;\">freie Herzen<\/span> giebt u.s.w. u.s.w.&#8220; Dieser Brief ist ein Gedicht. Man braucht nur in dem Buche zu bl\u00e4ttern, und man athmet Fr\u00fchling und es lacht einem die Sonne entgegen. Die gro\u00dfe, weite Natur, sie jubelt aus dem Buche, mit tausend Kl\u00e4ngen, mit tausend Farben. Ach, <span style=\"text-decoration: line-through;\">das<\/span> ist Idealismus, ihr Pensionsg\u00e4nschenlitteraten, ihr Familienblatt- und &lt;G\u00e4nsebl\u00fcmchenromanciers&gt;, ihr Dichter f\u00fcr &#8222;h\u00f6here T\u00f6chter&#8220;. Ein Realist, h\u00f6rt ihr, der von euch verfehmte Realist lehrt euch, Idealisten zu sein. Ja, Realismus und Idealismus gehen eben bei gesunden Naturen Hand in Hand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Form sind Bierbaum&#8217;s Poesien, wie gesagt, zuweilen mangelhaft. Zumal ein Umstand, der bei Liliencron nicht in <span style=\"text-decoration: line-through;\">dem<\/span> Ma\u00dfe bemerkbar ist, f\u00e4llt ungemein auf: seine Neigung zu Gedanken- und Gef\u00fchlsbombast, der seinen formalen Ausdruck in Wortschwulst findet. Man liest da oft wahre Ungeheuer von Neubildungen, die wirklich ganz unn\u00f6thige Sprachbereicherungen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber \u00fcberall, auch in den Gedichten, die von solchen Geschmacklosigkeiten wimmeln, bricht das Talent des echten Dichters sieghaft durch und alle S\u00fcnden werden reichlich wettgemacht durch viele, viele Dichtungen, die in ihrer bezaubernden Schlichtheit und lieblichen Nat\u00fcrlichkeit wahre Prachtwerke genannt werden m\u00fcssen. Ich will einzelne Proben hersetzen. Ein frisches, sonniges Lied ist &#8222;Jeanette&#8220; (S. 9):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist mein Schatz? \u2013 Eine Pl\u00e4ttmamsell.<br \/>\nWo wohnt sie? \u2013 Unten am Gries,<br \/>\nWo die Isar rauscht, wo die Br\u00fccke steht,<br \/>\nWo die Wiese von flatternden Hemden weht:<br \/>\nDa liegt mein Paradies.<\/p>\n<p>Im allerkleinsten Hause drin,<br \/>\nMit den Fensterl\u00e4den gr\u00fcn,<br \/>\nDa steht mein Schatz am B\u00fcgelbrett,<br \/>\nHoiho, wie sie hurtig den B\u00fcgelstahl dreht,<br \/>\nGott, wie die Backen gl\u00fch&#8217;n!<\/p>\n<p>Im wei\u00dfen R\u00f6ckchen steht sie da,<br \/>\nIhr Busen blumig bunt;<br \/>\nKein Mieder schn\u00fcrt, was drunter sich regt,<br \/>\nSich wellenwohlig weich bewegt,<br \/>\nDer Br\u00fcste knospendes Rund.<\/p>\n<p>Vor\u00fcber geh&#8216; ich allmorgens fr\u00fch,<br \/>\nSchau&#8216; tief ihr in&#8217;s Auge hinein,<br \/>\nDa liegt meine Lust, meine Liebe, mein Gl\u00fcck,<br \/>\nDie lachende Kunde: Komm Abends zur\u00fcck, \u2013<br \/>\nDas W\u00e4schermadl ist dein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine pr\u00e4chtige Skizze (der Form nach, aber nur der Form nach Prosast\u00fcck) ist &#8222;Gottesdienst&#8220; (S. 13), heller Lenzluft voll, die aus plastischer Detailmalerei, aus den feinsten Stimmungsn\u00fcancen zu uns spricht. Man braucht eigentlich nur diese herrliche Dichtung zu lesen und man wei\u00df dann, wer Bierbaum ist; aber man mu\u00df sie ganz kennen lernen. Ich kann hier nur den Schlu\u00df mittheilen. Also, unser Dichter ist im Mai mit seinem Freunde Hanns von Gumppenberg in Dachau. Hier kann sich sein sch\u00f6nheitsdurstiges Herz satt trinken. &#8222;Stille, Still . . . . die schweigende Sch\u00f6nheit athmet leise, voll. Da hebt aus der Tiefe der kleinen Stadt empor sich ein Singen, hell und schlicht: &#8222;Der Mai ist gekommen&#8220; . . . von Kinderlippen. In enger Stube sitzen die Kleinen. Ich sehe im Geiste die frischen rothen M\u00e4ulchen sich gleichm\u00e4\u00dfig \u00f6ffnen, sehe den Lehrer die Fiedel streichen, sehe die lustig mitsingenden Augen, \u2013 Kindheit, Kindheit, fr\u00f6hliche, frische singende Unschuld!&#8220; Und er geht dem Gesang nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;. . . Da verscheidet der Sang. Vor einem gro\u00dfen, grauen Hause steh ich still. Durch offene Thore weht wie Weihrauch k\u00fchl mildherziger Duft. In die Kirche tret&#8216; ich . . .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[188] Da starb meiner Sch\u00f6nheit Bild. H\u00e4\u00dfliches, freches Bunt an den W\u00e4nden, grausam th\u00f6richter Spott mit dem Leide eines gewaltigen, liebedurchloderten, g\u00f6ttlichen Menschen. Knieende Weiber, mit dumpfen, bl\u00f6den, \u00e4ngstlichen Z\u00fcgen murmeln Gebete. Klappernd gleitet durch die harten, gekr\u00fcmmten Finger die abgeriffene Perlenschnur des kn\u00f6chernen Rosenkranzes. Ein dickes Priestergesicht aus Speckstein neigt sich und nickt und wackelt und wendet sich vorn am Altare.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine tiefe, schneidende Bitterni\u00df grub \u00e4tzend sich in mein Herz. Was der Natur hold heilige Sch\u00f6nheit mir geschenkt, verdarb vor dem Menschenkram, vor dem Menschenbettelvolk, das sich vor fremdem Sein in den Staub winselnd wirft, statt freudig hinauf, jauchzend, freudig mit vollem Herzschlag, hoch hinauf sich zu heben zu seliger, lebender Sch\u00f6nheit.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich nenne auch die &#8222;Prosast\u00fccke&#8220;: das prachtvolle &#8222;Golgatha&#8220; (S. 19), &#8222;Fr\u00fchling&#8220; (S. 1), &#8222;Ernte&#8220; (S. 17), &#8222;Aus einem Herbste&#8220; (S. 25), &#8222;Erntelied&#8220; (S. 28), &#8222;Ich freue mich auf morgen&#8220; (S. 49), &#8222;Abend&#8220; (S. 80), ein grandioses Gem\u00e4lde, &#8222;<em>Fin de si\u00e8cle<\/em>&#8222;, zwei Phantasiest\u00fccke an Hermann Bahr (S. 103), &#8222;D\u00e4mmerungszauber&#8220; (S. 128), &#8222;Fieberlied&#8220; (S. 131), &#8222;Genesung&#8220; (S. 132), &#8222;Erste Bl\u00fcthen, erster Mai . . .&#8220; (S. 133), &#8222;Josephine&#8220; (S. 137), &#8222;Zu einer Jubelfeier&#8220; (S. 150), &#8222;Meine Sonne a.D.&#8220; (S. 154), &#8222;Epistel an Detlev, geschrieben im Rathskeller zu M\u00fcnchen&#8220; (S. 156), &#8222;Fabel f\u00fcr zuk\u00fcnftige Kritiker, die jetzt noch Kinder sind&#8220; (S. 161), ein k\u00f6stlicher Scherz, &#8222;&lt;<em>Cantus Lyriculorum<\/em>&gt;&#8220; (S. 181), &#8222;Gebet&#8220; (S. 186), &#8222;Die R\u00f6merschanze&#8220; (S. 192), &#8222;Brunnenst\u00e4ndchen&#8220; (S. 207); und ich k\u00f6nnte noch viele Gedichte erw\u00e4hnen, Beispiele noch mehr f\u00fcr beide Arten, in denen Bierbaum Meister ist, f\u00fcr das volksth\u00fcmliche Lied und f\u00fcr die feine nuancensatte Stimmungsmalerei. Aber \u00fcberall ist er Naturmensch, ein wahrer Prachtkerl, gesund durch und durch, im Hassen und Lieben. Was er ha\u00dft? Nun, wie sein Vorbild Liliencron, vor allem die deutschen, skatledernen Bierphilister und alle andern Philister, Zopf, Pfaffenthum und Militarismus, unsere s\u00fc\u00dflichen Durchschnittslyrikerchen, die er mit bei\u00dfendem Humor ha\u00dft, den Undank der Deutschen gegen ihre wahren Dichter. Einige Verse noch, die in ihrer bittern Wahrheit so recht bezeichnend sind:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Sittlinge m\u00fcssen sich immer geniren,<br \/>\nWenn einer recht herzhaft von Liebe spricht,<br \/>\nSie denken halt immer an&#8217;s \u2013 Amusiren,<br \/>\nAn des R\u00e4thsels Heiligkeit denken sie nicht!&#8220; \u00a0 (S. 115.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Natur, mein Freund, ist immer sittlich.<br \/>\nDer Staatsanwalt freilich ist unerbittlich.<br \/>\nJ\u00fcngst hat er ein Andachtsbuch konfiscirt,<br \/>\nWeil sich zwei Fliegen d&#8217;rauf kopulirt.&#8220; \u00a0 (S. 116.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Seite 150:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Den guten Deutschen sind v\u00f6llig wurstig<br \/>\nIhre Poeten; sie sind nicht durstig<br \/>\nNach der Sch\u00f6nheit schillernden Quellen<br \/>\nUnd nach dem hellen<br \/>\nTranke der Wahrheit;<br \/>\nSie fordern nur Klarheit<br \/>\nVon ihren guten,<br \/>\nMalzw\u00fcrzigen Suden.<br \/>\nWer bei ihnen dichtet,<br \/>\nDer ist gerichtet;<br \/>\nUnd w\u00e4re sein Dichten wie Sonnenschein golden,<br \/>\nSein Herz ein Liebestempel der Welt:<br \/>\nHat er kein Geld,<br \/>\nWird er ein Narr gescholten.<br \/>\nIm Lande der Dichter und Denker n\u00e4mlich<br \/>\nMi\u00dft man bequemlich<br \/>\nAuch die Poeten,<br \/>\nNach den Moneten.<br \/>\nWem voll der Kopf und der Beutel leer,<br \/>\nDer tr\u00e4gt in Deutschland sein Leben schwer;<br \/>\nBlicken die Sache umgekehrt,<br \/>\nDer wird mit &lt;Tsching!&gt; und Bum! geehrt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und was er liebt? Nun, neben der Natur die drallen Landm\u00e4del und G\u00f6the. Und, wenn er liebt, so m\u00f6chte er es gern in die Welt hinausjubeln, der Menschheit die Kunde von seinem Gl\u00fcck und sein Gl\u00fcck mittheilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im &#8222;Fr\u00fchling&#8220; steht auf Seite 2:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Meine Arme breite ich aus: Gl\u00fcck! Gl\u00fcck! O k\u00f6nnt&#8216; ich es allen, allen Menschen schenken, allen Menschen im dr\u00fcckenden Joch, allen Menschen mit krampfendem Herzen, allen denen, die im Hochflug ihre Fl\u00fcgel zur goldenen Sonne breiten m\u00f6chten und im Schmutze harter Noth sich m\u00fchen m\u00fcssen \u2013 \u2013.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G\u00f6the betet er in dem Gedicht auf S. 186 an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;O G\u00f6the, G\u00f6the, ewig Lebendiger,<br \/>\nDu Gott der Jugend, die in Versen athmet . . .&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann weiter unten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;O G\u00f6the, Gott in meinem Herzen du,<br \/>\nDu Held und Heros, Deutscher und Hellene,<br \/>\nHeiland, der mir das Heidenthum bescheert,<br \/>\nDie gro\u00dfe Religion des Dionys,<br \/>\nDie Rosenreligion, die tanzend beten lehrt<br \/>\nUnd deren Symbolum die Sonne ist<br \/>\nVierhunderttausendfach in sch\u00f6nen M\u00e4dchenaugen. \u2013&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies f\u00fcr die Herren, die uns so gerne mit der Phrase kommen: &#8222;Die Modernen werfen alles Alte \u00fcber den Haufen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Keine Grisette<br \/>\nAus Paris<br \/>\nUnd nicht M\u00fcsette<br \/>\nDie Kleine hie\u00df:<br \/>\nDas lustige Katherl,<br \/>\nEin M\u00fcnchener Maderl.&#8220; \u00a0 (S. 86.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist bezeichnend f\u00fcr Bierbaum&#8217;s Lieben, noch bezeichnender das etwas derbe Volkslied:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Von rothen Backen las ich diesen Spruch:<br \/>\nBauernm\u00e4del rundes,<br \/>\nBauernm\u00e4del gesundes,<br \/>\nBauernm\u00e4del schenkelstramm<br \/>\nHaut die ganze Welt zusamm&#8216;.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Status! \u2013 das ist die Religion dieses jungen, gesunden, begeisterungsf\u00e4higen Herzens; die freie Gottesnatur ist ein Tempel, in welchem sich&#8217;s am and\u00e4chtigsten beten l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was soll ich mehr \u00fcber ihn sagen? Ich wollte mit meiner Kritik nichts anderes, als einmal geh\u00f6rig meinen Enthusiasmus austoben. Das hab&#8216; ich erreicht. Ist es mir aber auch gelungen, ein F\u00fcnkchen nur von dieser Begeisterung meinen Lesern mitzutheilen, welches sie anregt, Bierbaum zu lesen, so bin ich mehr als zufrieden. Sie werden es thun und mir dann Recht geben: Ein urw\u00fcchsiges, urspr\u00fcngliches, starkes Talent, das noch im Stadium der G\u00e4hrung begriffen ist \u2013 und, wenn es g\u00e4hrt, da treibt es bekanntlich oft gar sonderbare Blasen \u2013 das uns selbst B\u00fcrge f\u00fcr seine L\u00e4uterung ist, f\u00fcr seine Befreiung von den Schlacken geschmackloser Uebertreibungen, f\u00fcr seinen Aufschwung zu der Sonnenh\u00f6he makelloser Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Erstdruck<\/em>: Organ des Vereins &#8222;Breslauer Dichterschule&#8220;. Jg. 18, 1892, Nr. 12, Dezember<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-105603 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Liliencron_Kraus-187x300.png\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"300\" \/>Ich kann Ihnen nicht beschreiben, wie wohltuend es mir ist, von Ihnen geliebt und beachtet zu werden.<\/em> &#8211; so Detlev von Liliencron gegen\u00fcber seinem Bewunderer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Karl Kraus ist 18 Jahre alt, als er den 48-j\u00e4hrigen Liliencron mit diesem Essay feiert. Der f\u00fcr sein scharfes Urteil Gef\u00fcrchtete r\u00fcckt sein Leben lang nicht von dieser Feststellung ab. Er bekr\u00e4ftigt sie noch: \u00bbEin Dichter! \u2013 Das gen\u00fcgt. Man lese ihn!\u00ab Kraus liest Liliencrons Gedichte immer wieder vor, bis 1933.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Joachim Kersten beschreibt in seinem einleitenden biographischen Essay die Spielz\u00fcge des Lebensvirtuosen Liliencron und legt die Wurzeln von Liliencrons Werk frei. Friedrich Pf\u00e4fflin zeichnet die Stationen des Briefwechsels zwischen dem Dichter und dem Herausgeber der \u203aFackel\u2039 nach. Seitenblicke gelten der Entdeckung des jungen Gerhart Hauptmann, Rilkes Liliencron-Enthusiasmus, der physischen Ablehnung des Liliencrons durch Hofmannsthal, der Unterst\u00fctzung Liliencrons durch Elisabeth F\u00f6rster-Nietzsche und Harry Graf Kessler oder Richard Dehmels verst\u00fcmmelnder Redaktion der ersten Briefausgabe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Es giebt in Deutschland einen Dichter, einen echten Dichter; aber, fragt man einen aus der Menge nach ihm, so bekommt man entweder ein langes Gesicht oder ein ironisches L\u00e4cheln zu sehen. 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