{"id":10520,"date":"2022-12-20T00:01:00","date_gmt":"2022-12-19T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=10520"},"modified":"2024-10-10T19:30:03","modified_gmt":"2024-10-10T17:30:03","slug":"zeitzeichen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/12\/20\/zeitzeichen\/","title":{"rendered":"Zeitzeichen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Grimms_Kinder-_und_Hausma\u0308rchen_Erster_Theil_1812.cover_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-10521\" style=\"border: 1px solid black;\" title=\"Grimm's_Kinder-_und_Hausma\u0308rchen,_Erster_Theil_(1812).cover\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Grimms_Kinder-_und_Hausma\u0308rchen_Erster_Theil_1812.cover_-233x300.jpg\" alt=\"\" width=\"186\" height=\"240\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Grimms_Kinder-_und_Hausma\u0308rchen_Erster_Theil_1812.cover_-233x300.jpg 233w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Grimms_Kinder-_und_Hausma\u0308rchen_Erster_Theil_1812.cover_.jpg 239w\" sizes=\"auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px\" \/><\/a>Am 20. Dezember 1812 erschien in Berlin der erste Band der von Jacob und Wilhelm Grimm gesammelten <em>Kinder- und Hausm\u00e4rchen<\/em> im Oktavformat (475 Seiten, es kostete einen Taler und achtzehn Groschen). Das Buch bestand aus 86 Geschichten, darunter Schwank- und Tierm\u00e4rchen &#8211; auf die legten die Br\u00fcder beim Sammeln besonderen Wert -, sowie jede Menge Zauberm\u00e4rchen.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ruckedigu, Blut ist im Schuh<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die von Clemens Brentano angeregte Sammlung ist von daher bemerkenswert, weil es sich um eine fr\u00fche Art von Schwarmintelligenz handelt. Jacob und Wilhelm Grimm f\u00fchrten die Sammlung von Brentano in eigener Regie weiter, wobei sie Notizen zu Gew\u00e4hrspersonen und Aufnahmedaten nun genauer f\u00fchrten. Die Geschwister Hassenpflug und Wild waren weiterhin die ergiebigsten Quellen. Dem Bild hessischer Volks\u00fcberlieferung am n\u00e4chsten kommt wohl der pensionierte Dragonerwachtmeister Johann Friedrich Krause als \u00e4ltester Beitr\u00e4ger \u00fcberhaupt. Nun war es Brentanos Freund Achim von Arnim, der die Br\u00fcder Grimm auf weitere Texte hinwies, u.a. <em>Die Sterntaler<\/em>, und sie 1812 zur Publikation animierte. Das Buch sollte preiswert sein und zur Mitarbeit anregen. So wurde auch fragmentarisches Material abgedruckt mit Anmerkungen direkt unter den Texten. Die ersten Exemplare erschienen am 20. Dezember 1812, der gr\u00f6\u00dfte Teil im M\u00e4rz 1813 in einer Auflage von 900 St\u00fcck bei Verleger Georg Andreas Reimer in Berlin. Es war zu Verz\u00f6gerungen gekommen, da der Text von <em>Der Fuchs und die G\u00e4nse<\/em> verloren gegangen war.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ach wie gut da\u00df niemand wei\u00df<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/220px-DBP_1959_325_Wohlfahrt_Sterntaler.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-10525 alignright\" title=\"220px-DBP_1959_325_Wohlfahrt_Sterntaler\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/220px-DBP_1959_325_Wohlfahrt_Sterntaler.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"189\" \/><\/a>Der Druck des zweiten Teils 1814 verlief unkomplizierter. Wilhelm Grimm entdeckte als Quellen die westf\u00e4lischen Adelsfamilien von Haxthausen und von Droste H\u00fclshoff. Da diese ihre M\u00e4rchen letztlich von M\u00e4gden, Bauern, Sch\u00e4fern, u. A. \u00fcbernahmen, gelang ihm tats\u00e4chlich der Zugriff auf eigentliches Volksgut, das gleichwohl durchwegs den intellektuellen Filter belesener Frauen des B\u00fcrgertums durchlief. Der Erz\u00e4hler getraute sich nicht alles zu erz\u00e4hlen, die Aufzeichnerinnen gaben nicht jede Geschichte weiter, und die Br\u00fcder Grimm w\u00e4hlten wiederum aus und \u00fcberarbeiteten. Heinz R\u00f6lleke bemerkt: <em>F\u00fcr fragmentarische, in sich widerspr\u00fcchliche, oft auch zotenhafte Aufzeichnungen h\u00e4tte sich seinerzeit weder ein Verleger noch das Lesepublikum interessiert.<\/em> Insbesondere enthielt der zweite Band nun Beitr\u00e4ge der ab Mai 1813 neugewonnenen Erz\u00e4hlerin Dorothea Viehmann, die auch einige des ersten Teils ersetzten. Ihre Kontakte als Wirtstochter und ihr Erz\u00e4hltalent machten sie zum Idealbild einer M\u00e4rchenfrau, deren Texte auch zur Vervollst\u00e4ndigung anderer verwendet wurden und dem Anmerkungsteil als Vergleichsfassungen dienten. <em>Sie erz\u00e4hlte bed\u00e4chtig, sicher und ungemein lebendig mit eigenem Wohlgefallen daran, erst ganz frei, dann, wenn man will, noch einmal langsam, so da\u00df man ihr mit einiger \u00dcbung nachschreiben kann<\/em> (Wilhelm Grimm). Ihre Texte wurden auch f\u00fcr sp\u00e4tere Auflagen kaum ver\u00e4ndert.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Goldesel und Kn\u00fcppel aus dem Sack<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verkauf, vor allem des zweiten Bandes, verlief schleppend, weshalb es zu Unstimmigkeiten zwischen den Grimms und ihrem Verleger Reimer kam. 1819 kam eine zweite Auflage beider B\u00e4nde heraus, die als die wichtigste in der Editionsgeschichte angesehen wird. Eine Vielzahl von Texten wurde darin neu aufgenommen, darunter einige, die heute zum Grundbestand der KHM z\u00e4hlen (Die Bremer Stadtmusikanten, Hans im Gl\u00fcck, Tischlein deck dich), zahlreiche Texte der ersten Auflage wurden grundlegend bearbeitet. Die Grimms reagierten so auf Kritik von Freunden und Rezensenten.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Und wenn sie nicht gestorben sind &#8230;<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kinder- und Hausm\u00e4rchen erschienen schon zu Lebzeiten der Br\u00fcder Grimm in rund zehn, teils stark ver\u00e4nderten Auflagen. Da\u00df Wilhelm Grimm an seinem literarischen Schreibstil feilte und ihn zu einzigartiger Perfektion brachte, ist dabei noch der harmloseste Grund. Es sind Wilhelms Neurosen, seine Scheu vor literarischen Erotizes sowie emp\u00f6rte Reaktionen eines konservativen B\u00fcrgertums, die gerade auf der inhaltlichen Seite zu ganz neuen Schattierungen und Verl\u00e4ufen in den Geschichten f\u00fchren. Das <em>Faule und Tr\u00e4ge<\/em>, schreibt Wilhelm Grimm in den Anmerkungen zur gro\u00dfen Auflage letzter Hand von 1857, <em>sei eine dem Menschen angeborene Neigung<\/em>, die besonders gern geschildert und <em>bis zur h\u00f6chsten Spitze getrieben<\/em> werde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<div id=\"attachment_100367\" style=\"width: 236px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-100367\" class=\"size-full wp-image-100367\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Bru\u0308der-Grimm-e1645725260502.jpg\" alt=\"\" width=\"226\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-100367\" class=\"wp-caption-text\">Wilhelm and Jacob Grimm, 1847. Daguerreotype von Hermann Blow<\/p><\/div>\n<h5>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf KUNO portr\u00e4tierte Holger Benkel die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11282\">Br\u00fcder Grimm<\/a>, mit anderem Resultat. Karen Duve hat sich an einer Neufassung der Grimmschen M\u00e4rchen versucht, obs gelungen ist, <a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/peggy-neidel-karen-duve.htm\">schreibt<\/a> Peggy Neidel im Poetenladen. KUNO hat A.J. Weigoni gebeten seine Grimm-Hommage <em>Lilak\u00e4ppchen und der Steppdeckenwolf<\/em> bei KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=10528\">einzustellen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 20. Dezember 1812 erschien in Berlin der erste Band der von Jacob und Wilhelm Grimm gesammelten Kinder- und Hausm\u00e4rchen im Oktavformat (475 Seiten, es kostete einen Taler und achtzehn Groschen). 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