{"id":105102,"date":"2003-06-27T08:16:50","date_gmt":"2003-06-27T06:16:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=105102"},"modified":"2023-12-09T08:24:41","modified_gmt":"2023-12-09T07:24:41","slug":"the-mothers-of-invention","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/06\/27\/the-mothers-of-invention\/","title":{"rendered":"The Mothers of Invention"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Am 27. Juni 1966 erschien von den Mothers of Invention nicht nur die mit der ersten Do-LP der Musikgeschichte sondern auch das erste Konzeptalbum. Und damit ein Jahr vor dem v\u00f6llig \u00fcbersch\u00e4tzten Album der Sgt. Pepper\u2019s Lonely Hearts Club Band.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem zum Zeitpunkt seines Erscheinens noch jungen Genre der Rockmusik gab <em>Freak Out!<\/em> wichtige Impulse. Das Album griff mehrere, damals g\u00e4ngige Spielmuster wie Beat, Rhythm and Blues, Doo Wop oder Rock \u2019n\u2019 Roll auf. Zappa stellte diese nicht einfach nebeneinander, sondern er verband diese zu einer sich dramaturgisch entwickelnden Einheit. Frank Zappa, der alle St\u00fccke geschrieben hat, lie\u00df es dabei nicht bewenden \u2013 er erweiterte die musikalische Formenpalette des Rock erheblich. H\u00f6rgewohnheiten brach er auf, indem er eing\u00e4ngige Songstrukturen durch dazwischen geschnittene Wortfetzen oder andere Klangeskapaden unterbrach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Prinzip der Montage und Collage kontrastierender Elemente, das f\u00fcr seine Arbeit in den folgenden Jahrzehnten typisch war, trieb er bei den letzten drei St\u00fccken des Albums regelrecht auf die Spitze. Das St\u00fcck \u201eHelp, I\u2019m a Rock\u201c entwickelt sich \u00fcber einem von Gitarre und Bass gespielten Riff, das nach und nach in zunehmendem Ma\u00dfe von immer neuen Sprach- und Klangfetzen \u2013 darunter auch ein Zitat von \u201eWho Are The Brain Police?\u201c, dem dritten St\u00fcck des Albums \u2013 \u00fcberlagert wird, bis das St\u00fcck am Ende abrupt abbricht. Das m\u00f6glicherweise aus diesem Grund auf einigen Albumcovers nicht gesondert aufgef\u00fchrte St\u00fcck \u201eIt Can\u2019t Happen Here\u201c beginnt mit einer auf die Klangeffekte verschiedener Vokale oder Vokalgruppen zielenden Lautmalerei, bis ein vom klassisch besetzten Orchester gespielter Cluster das Ganze unterbricht. Nun folgt eine atonale Passage mit Schlagzeug und zwei Pianos, bis am Ende alles in die Klangmalereien vom Beginn des St\u00fcckes m\u00fcndet. \u201eThe Return of the Son of Monster Magnet\u201c beginnt mit einem durchg\u00e4ngigen Schlagzeuggroove, bei dem sich Summen, Singen, Synthesizerkl\u00e4nge, Soundcollagen verschiedener Instrumente und Stereoeffekte zun\u00e4chst immer mehr verdichten. Schlie\u00dflich ver\u00e4ndern sich die rhythmischen Muster, auch das Tempo zieht an. Nur kurz wird der R&amp;B-Klassiker Louie Louie zitiert, dann werden vorher gespielte Motive elektronisch verfremdet aufgegriffen. All das m\u00fcndet in die mehrfach vom Chor gerufene Textzeile \u201eAmerica is wonderful, wonderful, wonderful\u201c, die von sich \u00fcberlagernden Tonspuren \u00fcber r\u00fcckw\u00e4rts abgespielten Passagen bis hin zu rhythmischen Variationen von Sprache und Piano zum Finale f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Mitte der 1960er Jahre ebenfalls noch ungewohnt waren die in manchen Texten behandelten Themen und die Unverbl\u00fcmtheit, mit der diese angesprochen wurden. Schon der Er\u00f6ffnungssong des Albums, \u201eHungry Freaks, Daddy\u201c, machte die neue Gangart klar. Zappa rechnete ab mit \u201eMr. America\u201c, an dessen Schulen man nichts lernen konnte, und der sich begn\u00fcgte mit seinem \u201esupermarket dream\u201c und seinem Schnapsladen-Heiligtum (\u201eliquore store supreme\u201c). Eines der vom Text herausragenden St\u00fccke des Albums ist \u201eTrouble Every Day\u201c. In diesem kritischen Politsong brandmarkte Zappa die Rassenunruhen in Watts, einem Stadtteil von Los Angeles. Sie begannen am 11. August 1965, dauerten sechs Tage und hatten am Ende 34 Menschen das Leben gekostet. Zappa war emp\u00f6rt, wie von den Fernsehstationen live \u00fcber das Ereignis berichtet und wie es von Nachrichtensendungen kommerzialisiert wurde. Ihn erz\u00fcrnten \u201eall the unconfirmed reports\u201c (all die unbest\u00e4tigten Meldungen) und die marktschreierische Gier der Sender, die Meldungen m\u00f6glichst als erste in den \u00c4ther zu schicken (\u201eThey say that no one gets it faster\u201c) \u2013 f\u00fcr Zappa schlicht eine Verdummung der Massen (\u201emass stupidity\u201c). Die Zeile \u201eI ain&#8217;t black, but there&#8217;s a whole lot of times I wish I could say I&#8217;m not white\u201c (Ich bin nicht schwarz, aber sehr oft w\u00fcnschte ich sagen zu k\u00f6nnen ich bin nicht wei\u00df) zeigt Zappas Sympathie f\u00fcr das schwarze Streben nach Befreiung. \u201eTrouble Every Day\u201c ist der erfolgreichste Song der 60er Jahre, der die Situation der Schwarzen in den Vereinigten Staaten beschreibt. Als Form des Textvortrages w\u00e4hlte Zappa den Sprechgesang, f\u00fcr seinen Biographen \u201em\u00f6glicherweise der erste Rap-Song auf Schallplatte\u201c. Auch \u201eIt Can\u2019t Happen Here\u201c z\u00e4hlt f\u00fcr Barry Miles zu \u201eZappas wichtigsten Texten\u201c. Darin geht es um die damals gerade aufkeimende Hippiebewegung. Die mehrmals mit jeweils unterschiedlicher Ortsangabe gestellte Frage \u201eWho could imagine that they would freak out somewhere in \u2026\u201c (Wer kann sich vorstellen, dass sie ausflippen in \u2026) beantwortete Zappa nicht nur mit dem Satz \u201eit can\u2019t happen here\u201c (hier kann\u2019s nicht passieren), sondern er sagte auch gleich voraus: \u201eIt won\u2019t happen here\u201c (Hier wird\u2019s nicht passieren).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Freak Out!, <\/strong>Frank Zappa and the Mothers of Invention, 1966. Nun erh\u00e4ltlich auf CD, was den Genuss mit sich bringt, dass man dieses Konzeptalbum in einem Rutsch durchh\u00f6ren kann!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-105103 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Freakout_Cover-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Dieses Konzeptalbum, besitzt einen Stellenwert f\u00fcr den Pop-Musik der 1960-er Jahre, der nur vergleichbar ist mit dem Rang, den das Beach Boys Album <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/06\/12\/meine-erste-schallplatte\/\"><em>Smile<\/em><\/a> f\u00fcr den Pop besitzt Der Musikkritiker Ben Watson bezeichnet \u201eZappas Mothers of Invention\u201c als \u201epolitisch wirksamste musikalische Kraft seit Bertolt Brecht und Kurt Weill\u201c wegen deren radikalem, aktuellen Bezug auf die negativen Aspekte der Massengesellschaft. So besehen war Frank Zappa neben <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/10\/17\/eine-chronotransduction\/\">Carla Bley<\/a> einer der bedeutendsten und pr\u00e4gendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 27. Juni 1966 erschien von den Mothers of Invention nicht nur die mit der ersten Do-LP der Musikgeschichte sondern auch das erste Konzeptalbum. Und damit ein Jahr vor dem v\u00f6llig \u00fcbersch\u00e4tzten Album der Sgt. 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