{"id":105021,"date":"2023-11-13T00:01:54","date_gmt":"2023-11-12T23:01:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=105021"},"modified":"2023-10-20T17:18:07","modified_gmt":"2023-10-20T15:18:07","slug":"105021","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/11\/13\/105021\/","title":{"rendered":"DAS ELEND DER WUNSCHMASCHINE"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>oder The Pursuit Of Happiness<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Roman UNENDLICHER SPASS (INFINITE JEST) von David Foster Wallace (1996) in der \u00dcbersetzung von Ulrich Blumenbach auf 1545 Seiten mit 388 Anmerkungen. Kiepenheuer &amp; Witsch, K\u00f6ln 2009.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Wir werden angesichts der Absenz des Todes als teleologischem Ziel selbst ausgetrocknet, eines wesentlichen fl\u00fcssigen Elements beraubt, trocken zerebral, konzeptuell, zu kaum mehr als einer Halluzination Gottes.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a> <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Roman, eine Enzyklop\u00e4die des Scheiterns, ist kein Gesang \u2013 er schneit Asche. Das Urteil des Berliner Dichter HEL Toussaint ist nicht zu hoch gegriffen: INFINITE JEST \u201eist in der amerikanischen Literatur, was GUERNICA in der europ\u00e4ischen Kunst &#8230; bedeutet.\u201c<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Unendlicher Spa\u00df bezieht sich, das ahnt der Leser schon fr\u00fch, auf eine nordamerikanische, westliche Welt und Lebensweise, die zunehmend der Sucht nach Unterhaltung verf\u00e4llt. Die Drogenabh\u00e4ngigkeit der Jungen in der Bostoner Tennisakademie kennzeichnet ein kapitalistisches Gesellschaftssystem, in dem h\u00f6chster Leistungsdruck nur aushaltbar ist mit Drogenstoffen und kompensierender Unterhaltung. Das erste Kapitel beginnt mit dem seelischen und k\u00f6rperlichen Zusammenbruch des jungen Helden, Hal Incandenza, der den Stress an der Tennisakademie, seine Drogensucht und die schwere Hypothek seiner famili\u00e4ren Herkunft nicht mehr aush\u00e4lt \u2013 die folgenden Kapitel entfalten ausf\u00fchrlich die individuellen und gesellschaftlichen Zusammenh\u00e4nge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Infinite Jest bezieht sich zudem auf den letzten von Hal\u2018s Vater produzierten Film, der den Betrachter so s\u00fcchtig macht, dass er von dem Film nicht mehr loskommt und das Wiedergabeger\u00e4t auf unendliche Wiederholung stellt. In der immer nur kurz eingeblendeten Geschichte eines Gesundheitsattach\u00e9s kommt es am 2. April im Jahr der Inkontinenz-Unterw\u00e4sche (so die satirische Bezeichnung einer fiktiven Sponsorenzeit) zum Tod des Attach\u00e9s, der vor seinem auf Endlosschleife eingestellten Videoplayer lustvoll verhungert. (S. 126f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der t\u00f6dliche Suchtfilm, m\u00f6glicherweise einsetzbar als Terrorwaffe, taucht immer wieder im Verlauf des Romans auf, es gelangen offenbar Kopien des angeblich unauffindbaren Originals ans Tageslicht; der Inhalt des Films bleibt unbekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geheimagenten Hugh Steeply (USA), der auch als Journalistin Helen auftritt, und R\u00e9my Marathe (Qu\u00e9bec) spekulieren zu Beginn des 25. Kapitels dar\u00fcber, mit welchen Mitteln der Film den Zuschauer so sehr bannt, dass er sich vom Filminhalt vergewaltigen l\u00e4sst, ohne sich dessen bewusst zu werden. Hat \u201eder Reiz mit Dichte zu tun\u201c? Gelingt der \u201evisuelle Zwang &#8230; bei einer echt ausgebufften Holographie\u201c, so dass der Filmbetrachter f\u00fcr real h\u00e4lt, was er sieht? (S. 708f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Leser kann assoziieren: F\u00fchlt sich der Filmbetrachter \u00fcber optisch manipulierte Hirnprozesse k\u00f6rperlich angefasst und einbezogen, erlebt er so etwas wie einen infiniten Orgasmus der Freude, ohne physisch in Mitleidenschaft gezogen zu werden? Steeply spricht die t\u00f6dliche Gefahr an, die f\u00fcr alle besteht, die im Besitz des Films sind und der Versuchung nicht widerstehen, ihn zu erleben. Der Film wird zur Falle, aus der es kein Entrinnen mehr gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Film verbildlicht die Suchtfalle, in der sich (nicht nur) die US-Gesellschaft grunds\u00e4tzlich schon jetzt befindet: Sinnerf\u00fcllung sucht die Masse im industriell organisierten Entertainment oder im Leistungsstress, dem die meisten nicht gewachsen sind \u2013 und sie findet: nichts. Es fehlt die suchtfreie Liebe, sie kommt im Roman nicht vor \u2013 umso mehr aber ihr suchtgeleitetes Gegenteil, der Hass. Die Konsequenz ist der Tod durch den Suchtfilm <em>Infinite Jest<\/em> als einzige Erf\u00fcllung, als Erl\u00f6sung von der Sinnleere in einem Leben der K\u00e4lte. Daher ist auch oft die Sprache des Erz\u00e4hlers so kalt, so unendlich sachlich und ausufernd ausf\u00fchrlich verharrend in der Welt der Dinge und Stoffe. Es ist letztlich eine elegische Sprache, selten unterbrochen durch unterhaltsamen (sic!) Witz und kleine ironische Sensationen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">James O. Incandenza, Vater von Hal und seinen Br\u00fcdern Mario und Orin, und Leiter der Enfield Tennis Academy (E.T.A.), Boston, ist die gro\u00dfe Hintergrundfigur. Fr\u00fch erf\u00e4hrt der Leser, dass J. O. Incandenza (auch <em>Er Selbst<\/em> genannt, <em>Bedr\u00fcckter\/Verr\u00fcckter Storch<\/em>) sich w\u00e4hrend der Bearbeitung der 5. Version des Films <em>Infinite Jest<\/em> das Leben nimmt, indem er seinen Kopf in die eingeschaltete Mikrowelle steckt. Das Motiv dieser Handlung, so denke ich mit Blick auf den ganzen Roman, ist der Erkenntnis-Schock Incandenzas, dass sein filmisches Gesamtwerk eine hohle, unrettbare Welt spiegelt. Sein letzter Film ist die Droge der Erl\u00f6sung von der Sucht eines falschen Lebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt weitere bizarr-grauenvolle Szenen \u2013 Joelle (Madame Psychosis) gibt sich auf einer hohlen Party eine Drogen-\u00dcberdosis; oder der Au\u00dfenherz-Taschendieb: Ein Dieb entrei\u00dft einer Frau ihre Tasche, in der ihr k\u00fcnstliches Herz schl\u00e4gt. Oder grotesk-heitere Szenen, etwa der Urinverkauf von Hals Tenniskamerad Michael Pemulis an die drogens\u00fcchtigen Jugendlichen der Tennisakademie, um die Drogen- bzw. Dopingkontrolle zu t\u00e4uschen. Oder ein Unfall beim Hausbau: Ein Mann l\u00e4dt \u00fcberz\u00e4hlige Mauersteine oben auf dem Rohbau seines Hauses in einen Kasten, den er unten mit dem Seilzug herabl\u00e4sst. Der Flaschenzug ist aber 1:1 eingestellt, der Kasten mit den Steinen, drei Mal so schwer wie der Mann, sinkt in die Tiefe und zieht den Mann in die H\u00f6he, der Kasten prallt so stark auf, dass der Boden abplatzt und so die Steine entl\u00e4dt; nun ist der Mann schwerer als der leere Kasten, und so zieht er den Kasten wieder in die H\u00f6he, w\u00e4hrend er auf den Kastenboden \u00fcber den entladenen Steine f\u00e4llt und vor Schmerz das Seil losl\u00e4sst \u2013 nun st\u00fcrzt der Kasten wieder nach unten und &#8230; (aus dem Schreiben des Mannes an seine Versicherung).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Und es gibt blitzgescheites Philosophieren \u00fcber Tennis, das sich stellenweise, vielleicht parodistisch, anlehnt an Cantors Begriff von der Unendlichkeit (der Schlagm\u00f6glichkeiten, Taktiken und Strategien) und in Kombination mit der im Einzeltennis n\u00f6tigen Willenskraft metaphorische Bedeutung f\u00fcr das Individuum im kapitalistischen Lebenskontext gewinnt. In der Schwebe bleibt dabei f\u00fcr den Leser, ob diese artistische Tiefsinnigkeit prim\u00e4r oder nur nebenbei auch eine satirische Ebene erzeugt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Im 21. Kapitel wird die Episode, wie Hals \u00e4ltester Bruder Orin, als er vom Tennis zum Football wechselt und sich in die \u00fcbermenschlich sch\u00f6ne Cheerleader Joelle verliebt, zu einem stilistischen Fest. Der auktoriale Erz\u00e4hler verwebt Lebensphilosophisches mit gegens\u00e4tzlichen Sportarten; da Orin nur wenig Tenniserfolg hat, versucht er eine Karriere im Football:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer wirkliche Footballgrund lautete in all seiner unausweichlichen Wirklicher-Grund-Banalit\u00e4t, dass Orin, der in der Morgend\u00e4mmerung wochenlang automatisch anspringende Sprinkleranlagen und den Cheerleadertrupp (der tats\u00e4chlich fr\u00fchmorgens trainierte) beobachtet hatte, eine f\u00fcrchterliche Schuljungenverknalltheit mit allen Schikanen wie Glotzaugen und Wabbelknien entwickelt hatte, die einer gewissen haarumwallten Tambourstabschwingerin aus dem zweiten Studienjahr galt, die er von Weitem und durch das Gitterspektrum der gefiederten Sprinkler schwingen und stratzen sah, quer \u00fcber das taufeuchte Feld, eine Schwingerin, die sich bei einigen Sportlerb\u00e4llen der Universit\u00e4t hatte sehen lassen, die auch Orin und sein strabistischer B.U.-Doppel-Partner besucht hatten, und die genauso tanzte, wie sie schwang und Massenjubel erzeugte, soll hei\u00dfen, alles was in Orins K\u00f6rper fest war, verwandelte sie gewisserma\u00dfen in W\u00e4ssriges, Fernes und seltsam Gegittertes.\u201c (S. 416f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die unendlich (sic!) sch\u00f6ne Schwingerin (<em>S.C.H.M.A.Z.<\/em> = Sch\u00f6nstes M\u00e4dchen aller Zeilen) hat \u201evon seinem Zentralnervensystem Besitz ergriffen\u201c (S. 421). Sie wird, wie sich sp\u00e4ter herausstellt, Orins Geliebte \u2013 es ist Joelle, die an Thanksgiving in die Incandenza-Familie eingef\u00fchrt wird und die <em>Er Selbst <\/em>(James Incandenza) im <em>Infinite-Jest<\/em>-Film als Schauspielerin verwendet. Der Erz\u00e4hler r\u00e4soniert:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs mag eine Banalit\u00e4t [&#8230;] sein, ist aber doch Tatsache, dass n\u00e4mlich sowohl des Schicksals K\u00fcsse als auch seine Dopeknaller die grunds\u00e4tzliche individuelle Machtlosigkeit des Einzelnen \u00fcber die wirklich bedeutsamen Ereignisse seines Lebens illustrieren. M. a. W., fast nichts Wichtiges, das einem je widerf\u00e4hrt, widerf\u00e4hrt einem, weil man es eingef\u00e4delt hat. Das Schicksal hat keinen Pager; das Schicksal schiebt sich immer im Trenchcoat aus einer Gasse und macht <em>psst<\/em>, was man gemeinhin gar nicht h\u00f6rt, weil man gerade von etwas Wichtigem zur\u00fcck- oder zu etwas Wichtigem hinhetzt, das man selbst einzuf\u00e4deln versucht hat.\u201c (S. 420)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erste Kapitel hat einen Ich-Erz\u00e4hler (Hal), sp\u00e4ter kommen weitere Erz\u00e4hlperspektiven mit einem allwissenden Erz\u00e4hler hinzu, der das Ganze gliedert; oft zitiert er auch Aufzeichnungen, imitiert Stimmen und Dialoge und beschreibt ausf\u00fchrlich Orte, Dinge, Umst\u00e4nde, Hintergr\u00fcnde, Dialoge &#8230; Die Handlung wird insgesamt analytisch erz\u00e4hlt, das hei\u00dft, sie wird allm\u00e4hlich in R\u00fcckgriffen aufgebl\u00e4ttert, aber oft nicht entr\u00e4tselt. Manches kann der Leser erst einmal nur ahnen und vermuten. So spielt das erste Kapitel in der Gegenwart, der Leser liest gleich zu Beginn das Ende des Romans: Hal bricht psychisch und k\u00f6rperlich zusammen; stellenweise kl\u00e4ren sich Vorgeschichten und andere Zusammenh\u00e4nge, etwa die Drogensucht Hals; aber auch nach 19 Kapiteln sind noch nicht alle Hauptstr\u00e4nge, Figuren und Spielorte hinreichend vorgestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die insgesamt 28 Kapitel sind anfangs kurz. Die ersten 10 Kapitel beanspruchen 127 Seiten, die n\u00e4chsten 11 Kapitel 336 Seiten, das letzte, 28. Kapitel ist mit 250 Seiten das l\u00e4ngste. Ein Spiel mit der Zeit wie in Thomas Manns <em>Zauberberg<\/em>? Wallace spielt mit der Unendlichkeit der Sachen und ihren Weltzusammenh\u00e4ngen. Daher auch die nicht erm\u00fcdende, oft manische Ausf\u00fchrlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erz\u00e4hlung scheint chronologisch unsystematisch, es folgt selten eine Szene oder Episode aus der vorhergehenden. Wallace will offensichtlich gar nicht erst den Eindruck von Kausalit\u00e4t aufkommen lassen. Selbst wenn die zeitlich oft genau datierten Abschnitte in eine strenge chronologische Abfolge gebracht w\u00fcrden, erg\u00e4ben sich nur wenige kausale Zusammenh\u00e4nge, auch dann bliebe es bei der Beschreibung von Zust\u00e4nden. In der nonlinearen Erz\u00e4hlung ist der Erz\u00e4hler kein metaphysischer Beschw\u00f6rer von Sinn, und der Leser bleibt frei, dies deutend zu tun oder zu lassen. Wallace\u2018 Erz\u00e4hlung ist nicht antwortend, sondern fragend. Erz\u00e4hl-Hierarchien verflachen, die Zeit wird langsamer. Statt Eroberung der Lesergehirne das Spiel mit den Gehirnen. Alles was wir erz\u00e4hlen, ist letztlich Konfabulation, fiktive Erinnerung, also auch Deutung als Fiktion. Konfabulation ist eigentlich ein psychopathologischer Begriff \u2013 aber er passt als bewusstes Erz\u00e4hlprinzip zu den in verschiedener Hinsicht s\u00fcchtigen oder psychopathischen Romanfiguren. Wallace als nonlinearer, konstruiert-konfabulativer Autor ist sich der Erz\u00e4hlvoraussetzungen bewusst und wei\u00df auch, dass Sinngebungsfreiheit den Sinn-Unsinn linearen Erz\u00e4hlens nicht vollst\u00e4ndig zu \u00fcberwinden vermag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem langen Gespr\u00e4ch, das zum gr\u00f6\u00dften Teil in Anmerkung 110 zu lesen ist, erkl\u00e4rt der 17-j\u00e4hrige Hal seinem wesentlich \u00e4lteren Bruder Orin (und nun auch dem Leser) die politischen Spannungen in der O.N.A.N., der Organisation der nordamerikanischen Nationen: USA, Kanada und Mexiko (!). Hal, der \u2013 wie der Autor &#8211; \u00fcber die entlegensten Fachbegriffe und Fremdw\u00f6rter verf\u00fcgt, schildert die Problematik bis in die feinsten Ver\u00e4stelungen. Die Darstellung ist implizit satirisch: Das Wappen des Staatenbundes (S. 219), der von den USA dominiert wird, zeigt einen Adler mit Sombrero auf dem Kopf, im Schnabel ein sternbesetztes Tuch, in der linken Klaue Besen und Desinfektionsspray (f\u00fcr Pr\u00e4sident Donald W. Gentle), in der rechten ein Ahornblatt. Die USA haben an Kanada gro\u00dfe Gebiete der Neuenglandstaaten n\u00f6rdlich von Boston abgetreten, so dass sich aus US-Sicht ein konkaver, aus kanadischer Sicht ein konvexer Grenzverlauf bildet. Die US-Konkavit\u00e4t war gleichsam der Preis f\u00fcr die O.N.A.N.-Gr\u00fcndung, aber auch ein Danaer-Geschenk, denn die USA nutzen das abgetretene Gebiet als M\u00fcllhalde, indem sie mit riesigen Katapulten ihren M\u00fcll weit in dieses Gebiet schleudern. Zugleich wird \u00fcberlegt, wie der Qu\u00e9becer Unabh\u00e4ngigkeitskampf instrumentalisiert werden kann. Diese geopolitische Konstellation, kombiniert mit US-Wohlstandsverwahrlosung zeigt eine US-amerikanische Gesellschaft, in der Unterhaltung das Ma\u00df aller Dinge ist und zur Sucht wird \u2013 wieder eine Anspielung auf die omin\u00f6se Unterhaltungspatrone: <em>Infinite Jest<\/em>. Der Qu\u00e9bec-Kanadier R\u00e9my Marathe kritisiert im Gespr\u00e4ch mit dem US-Amerikaner Steeply am Ende des 21. Kapitels den US-amerikanischen Freiheits-Begriff:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEure Freiheit ist die Freiheit <em>von<\/em> &#8230; diese Freiheit von Zw\u00e4ngen &#8230; Aber was ist mit der Freiheit <em>f\u00fcr<\/em>? Was ist mit dem Menschen, frei zu w\u00e4hlen? &#8230; Wie soll es Wahlfreiheit geben, wenn man das W\u00e4hlen nicht gelernt hat?\u201c (S. 462)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Steeply und Marathe wirken teils wie ein satirisches Paar, dessen Platonischer Dialog \u00fcber die Sinnlosigkeit des Lebens in den USA mehrmals eingeblendet wird. Beide befinden sich in einer fast menschenleeren Landschaft auf einem Felsvorsprung. Steeply, als Geheimagent auf der Suche nach der <em>Infinite-Jest<\/em>-Filmpatrone, tritt in einer Maskierung als Frau auf, w\u00e4hrend Marathe im Rollstuhl sitzt, mit einer Hand am Abzug seiner Pistole, die er unter einer Decke verbirgt. Marathe verlor seine Beine beim <em>Jeu du Prochain Train<\/em>, wie der Leser sp\u00e4ter in einer ausf\u00fchrlichen Schilderung (Anm. 304, S. 1511-1521) erf\u00e4hrt \u2013 einem wahnwitzigen Mutspiel kanadischer Jugendlicher, das an das <em>chicken run<\/em> in dem James-Dean-Film <em>Denn sie wissen nicht, was sie tun (Rebel Without a Cause)<\/em> erinnert: Wer in rasender Fahrt zum Rand der Klippe zuerst aus dem Auto springt, ist ein Feigling. Im <em>Jeu du Prochain Train<\/em> lautet das Ziel: Sei der letzte deiner Sechsergruppe, der vor dem heranbrausenden Zug \u00fcber die Gleise springt. Die \u00dcberlebenden, teils unter Verlust ihrer Beine, geh\u00f6ren der Sekte <em>Les Assassins des Fauteuils Rollents<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\"><strong>[2]<\/strong><\/a><\/em> (A.F.R.) aus Qu\u00e9bec an. Der Zug ist nicht der Feind, die Gefahr ist hier der Kitzel einer ausgefallenen Sucht, die besondere Willenskraft verlangt &#8230; Es ist ein zugespitztes Entweder-Oder, es gibt nur Alles oder Nichts, Niederlage oder Sieg, und in dieser Hinsicht besteht eine Parallele zum Tennis. Im Hinblick auf die Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung in Qu\u00e9bec stellen die A.F.R. eine elit\u00e4re Sekte dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies zeigt die krampfhafte Suche (Sucht) nach Sinn in einem Leben, dessen gesellschaftliche Kontexte wenig geeignet sind, Sinn zu finden oder selbst zu setzen. Im Dialog Steeply\/Marathe geht es um das falsche Leben, um die Frage, was ist gut und was ist das richtige Leben. Marathe wirft den USA, der F\u00fchrungsmacht des Westens (= O.N.A.N.), das Begehren vor, anderen zu schaden. Steeply widerspricht und verteidigt die freiheitlichen Werte der USA und versteigt sich:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer amerikanische Genius, unser schieres Gl\u00fcck ist, &#8230;, dass das Streben jedes Amerikaners nach dem maximal Guten auf die Maximierung des Guten <em>aller<\/em> hinausl\u00e4uft. &#8230; Auf diese Weise vermeiden wir Unterdr\u00fcckung und Tyrannei. Auch diese angegriechelte demokratische Tyrannei des P\u00f6bels. Die Vereinigten Staaten: eine Gemeinschaft von unantastbaren Individuen, die die Unantastbarkeit der individuellen Wahlfreiheit verehren. Das Recht des Einzelnen, nach seiner eigenen Vision des besten Lust-Schmerz-Verh\u00e4ltnisses zu streben: absolut unantastbar. &#8230; Du hast ein Recht auf deine Werte maximaler Lust. Solange du meinen nicht in die Quere kommst.\u201c (S. 613f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Steeply entwirft das Bild eines Freiheitsideals in einer gesellschaftlichen Verfassung, in der der volont\u00e9 de tous in den volont\u00e9 g\u00e9n\u00e9rale \u00fcbergeht und sich zugleich epikureisch entfaltet. Aber Marathe weist auf den schleichenden Versklavungsprozess in Boston hin (eine Anspielung auf die tats\u00e4chliche Wirkung der Lust- und Suchtbefriedigung) und stellt so die Wahlfreiheit in Frage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Am <em>Interdependenztag<\/em> bilden einige Jugendliche der Tennis-Akademie, zu denen auch Hal geh\u00f6rt, im <em>Eschaton<\/em>-Spiel die globale Wirklichkeit nach, die sie mit einem selbstgeschaffenen hyperkomplexen Regelwerk als groteske Fiktion weiterentwickeln. Machtgruppen und milit\u00e4rische B\u00fcndnisse werden an die Spieler vergeben. Spielleiter ist ein 13-j\u00e4hriger Junge, der die Differential- und Integralrechnung beherrscht und die vielf\u00e4ltigen Aspekte der M\u00e4chte berechnet und verwaltet: unter anderem das Bruttosozialprodukt der Staaten, Produktionsst\u00e4tten, Technologie, Milit\u00e4rausgaben, konventionelle und atomare Waffensysteme &#8230; Auf vier miteinander verbundenen Tennispl\u00e4tzen werden die miteinander konkurrierenden M\u00e4chte in ihrer topographischen Lage durch die Utensilien der jungen Leute dargestellt; Handt\u00fccher, T-shirts und andere Gegenst\u00e4nde symbolisieren die Einzelheiten, etwa Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze oder Raketenstationen. 400 abgenutzte Tennisb\u00e4lle stehen als Machtmittel und Waffen zur Verf\u00fcgung, die rechnerisch durch den Spielleiter den Spielern zugeteilt werden &#8230; Das Spiel beginnt fair, unter Wahrung der Regeln \u2013 als w\u00fcrde das internationale Kriegsrecht gelten. Die Entscheidungen des Spielleiters werden befolgt. Anfangs vermeiden die Spieler, die als Pr\u00e4sidenten, Gener\u00e4le, F\u00fchrer ihrer Staaten auftreten und miteinander verhandeln, riskante Eskalationen und atomare Vernichtungsschl\u00e4ge und befolgen die Entscheidungen des Spielleiters, dem ein \u00e4lterer Mitsch\u00fcler im Hintergrund assistiert. Der junge Spielleiter f\u00e4hrt mit einem Servierwagen, auf dem sein Laptop liegt, durch die gro\u00dfe Landkarte. Es ist Feiertag, der Interdependenztag spiegelt ironisch das Gleichgewicht der O.N.A.N. Nun aber spielen die Tennissch\u00fcler mit dem Ungleichgewicht ihrer Fiktion. Es kommt wegen einer Kleinigkeit zum Streit unter den Kombattanten. Sie \u00fcberlegen, ob sie au\u00dferhalb des Spiels stehen, wie der Spielleiter meint. Die Regeldiskussion eskaliert \u2013 Tennisb\u00e4lle werden brutal auf Teilnehmer geschlagen, vom Himmel f\u00e4llt Schnee, schlie\u00dflich endet das Spiel in einer Schl\u00e4gerei &#8230; Es siegt die Realit\u00e4t \u00fcber das Spiel mit der Welt, es siegt die Natur der jungen Menschen \u00fcber die Regeln und ihre begrenzte Vernunft \u2013 und zugleich bildet die Schl\u00e4gerei die Unvernunft der real existierenden Menschheit ab und die Morallosigkeit der Natur, zu der die Menschen genauso geh\u00f6ren wie unschuldiger wei\u00dfer Schnee, der allm\u00e4hlich das Spielfeld zudeckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Episode, in der die Zuspitzung auf das Entweder-Oder der in diesem Roman agierenden neurotischen Personen besonders bizarr zum Ausdruck kommt, ist die <em>Clipperton-Saga<\/em>. Clipperton, ein jugendlicher Tennis-Eleve aus Indiana, tritt in jedem Turnierspiel mit der Drohung an, sich im Fall einer Niederlage mit einer Pistole zu erschie\u00dfen \u2013 und so will keiner gegen ihn gewinnen. Als Clipperton schlie\u00dflich auf dem 1. Ranglistenplatz der U18-Kontinentaljunioren steht, tritt er beim n\u00e4chsten Turnier nicht wieder an; er besucht die Bostoner E.T.A. (Enfield Tennis Academy) und gibt sich in Gegenwart von James O. Incandenza und Mario I., der die Szene filmt, die Kugel. Der Suizid als Endpunkt eines nicht fortsetzbaren Erpresserlebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Enzyklop\u00e4die der M\u00f6glichkeiten des Scheiterns spielt Don Gately, Betreuer in <em>Ennet House<\/em>, einer Entzugsklinik f\u00fcr Alkoholiker, der nebenher in der <em>Shattuck<\/em>-Unterkunft f\u00fcr nichtsesshafte M\u00e4nner als Hauswart und Reinigungskraft arbeitet, eine wichtige Rolle: der Leser bekommt intime, teils humoreske Einblicke in Philosophie und Realit\u00e4t der Arbeit im Bereich der Anonymen Alkoholiker (AA) und der Anonymen Narkotiker (NA). Gately, der wegen Mord und Totschlag im Gef\u00e4ngnis sa\u00df, sorgt verantwortlich f\u00fcr die Einhaltung der strengen Hausregeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Ende des vorletzten Kapitels kommt es zur Verkn\u00fcpfung von <em>Ennet House<\/em> und Tennis-Akademie: Der junge Hal will von seiner Drogensucht loskommen und wendet sich an Johnette Foltz, die am Morgen des 17. November im Jahr der Inkontinenz-Unterw\u00e4sche Fr\u00fchdienst hat, mit der Bitte um Hilfe (S. 1130).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Roman zeigt, dass jeder Sucht eine Hilfssucht sich zugesellt, und zu dieser wieder etwas, was zumindest zur Sucht geh\u00f6rt, eine unendliche Schachtelung, zu dem die Kehrseite Unendlicher Spa\u00df geh\u00f6rt: Unterhaltungssucht \u2013 eine sich dialektisch hochschaukelnde Entsprechungs- und Widerspruchskette. Das Leben selbst wird zur Sucht, die eine Sucht nach der anderen erzeugt, jedenfalls in einer aus den Fugen geratenen Zivilisation wie USA\/O.N.A.N. Das (falsche) Leben ist die h\u00f6chste Sucht. Die in Wallace\u2018 Roman gegebenen Beispiele mit der Abh\u00e4ngigkeit von Suchtstoffen (Alkohol, Opiate etc.) zeigen die Lebensabh\u00e4ngigkeiten auf einer individuellen Ebene. Die Kunst \u2013 am Beispiel von Film, Video und Fernsehen &#8211; ist die Suchtebene, in der das sch\u00f6pferische Individuum sich selbst zu \u00fcbersteigen versucht, indem es eine Verbindung zur Masse sucht. F\u00fcr die Masse wird Kunst zur Konsum-Sucht. Die dritte Ebene ist die Politik, die Gestaltung des Zusammen-Lebens durch Macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die einzige M\u00f6glichkeit, die Sucht zu befriedigen und so die Suchtkette zu durchbrechen, ist der Tod, der schon zu Beginn des Romans grotesk schillernd auftritt \u2013 in der knapp skizzierten Sterbeszene des Gesundheitsattach\u00e9s. Die vollendete Kunst macht das Leben \u00fcberfl\u00fcssig \u2013 eine bizarre Variante des Sinnspruchs <em>ars longa \u2013 vita brevis<\/em>. Bem\u00fchung um Lebenskunst gibt es nicht, der Roman zeigt nur scheiternde Existenzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der politischen Ebene kommt es zur Zerst\u00f6rung der Natur als Lebensgrundlage, angedeutet in der b\u00f6sen Satire der M\u00fcllentsorgung: Die Folge der M\u00fcllentsorgung ist die Vergiftung der Natur, die sch\u00e4dliche Wucherungen der Flora bewirkt, diese wird mit dem Prinzip der Annulation (Aufhebung des Gifts durch Gegengift) einged\u00e4mmt \u2013 die Technik der Annulation setzt sogar \u00f6konomisch nutzbare Energie frei. (S. 822 ff.) Analog gilt f\u00fcr die Drogensucht: die toxischen Wirkungen werden gemindert durch Ersatzdrogen mit geringeren Nebenwirkungen. Mit der fiktiven Annulation ironisiert Wallace offenbar nicht nur soziales Scheitern, sondern auch das freie Spiel der \u00f6konomischen Kr\u00e4fte, das nicht zum Wohlstand f\u00fchren kann, weil es nur kapitalistischen Gesetzen folgt, die nicht menschlichen Bed\u00fcrfnissen dienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Befriedigung der schwarms\u00fcchtigen Massen von O.N.A.N. (<em>nomen est omen!<\/em>) f\u00fchrt daher in die Sinnlosigkeit und letztlich in den Untergang \u2013 halb bewusst, halb unbewusst suizidal?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der US-Geheimdienstler und Doppelagent Hugh Steeply weist den kanadischen Anti-O.N.A.N.-Terroristen R\u00e9my Marathe, Doppelagent wie Steeply auf die Genforschung hin und ihre Versuche, das menschliche Hirn zu manipulieren \u2013 letztlich spielt er darauf an, dass die Steuerung des Hirns schon mit der abnorm sch\u00e4dlichen Unterhaltungskultur gelingt, absolut aber erst mit der Filmpatrone <em>Infinite Jest<\/em> \u2013 mit t\u00f6dlicher Folge, indem das Libido-Zentrum unabschaltbar erregt wird. (S. 685 f.) Beide Agenten wissen voneinander, beide suchen die <em>Infinite-Jest<\/em>-Masterpatrone \u2013 Marathe, um sie als Waffe gegen die USA einzusetzen; Steeply, um das zu verhindern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende des 24. Kapitels zeigt sich die Grausamkeit der A.F.R. (Assassins des Fauteuils Rollents), die ihre Entsprechung auch in der detaillierten, schonungslosen Darstellung des Erz\u00e4hlers erf\u00e4hrt in der Brutalit\u00e4t, mit der die Rollstuhlattent\u00e4ter die beiden Br\u00fcder Bertraund und Lucien Antitoi ermorden. Wallace betont die Mordlust der T\u00e4ter als Folge ihrer Sucht nach Macht. Mehrere Rollstuhlattent\u00e4ter dringen in das Gesch\u00e4ft der Br\u00fcder ein, die nicht wissen, dass sie die gesuchten Masterpatronen besitzen. Sie konnten die Filme nicht abspielen, da sie nicht \u00fcber das erforderliche Abspielger\u00e4t verf\u00fcgen; au\u00dferdem enthalten die Patronen keinen Hinweis auf ihren Inhalt, sondern nur den aufgedruckten Verkaufs-Slogan: \u201eIL NE FAUT PLUS QU\u2019ON POURSUIVRE LE BONHEUR\u201c (S. 699). Man muss nicht mehr nach dem Gl\u00fcck streben \u2013 das ist eine zynische Anspielung auf die in unserer Gegenwart bedeutungslos gewordene Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung der USA von 1776, in der steht: \u201eWe hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the <em>pursuit of Happiness<\/em>.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Darstellung brutaler Gewalt erstreckt sich \u00fcber zehn Seiten. Sie kann als literarische \u00c4sthetisierung der Gewalt gelesen werden \u2013 \u201arunning gags\u2018 wie die quietschenden T\u00fcren, das Ger\u00e4usch rollender Rollst\u00fchle, die die Opfer umzingeln, und vor allem der Stiel des Besens, der zuletzt Mund, Magen, Darm und After von Lucien Antitoi trepaniert. In dem Roman <em>Die Sandelholzstrafe<\/em> (2001) des chinesischen Nobelpreistr\u00e4gers Mo Yan ist die Kunst der langsamen T\u00f6tung Bestandteil der Handlung: Bei der <em>Sandelholzstrafe<\/em> wird ein Sandelholzstab quer durch den ganzen K\u00f6rper des Verurteilten getrieben. Dar\u00fcber hinaus wird auch <em>L\u00edngch\u00ed<\/em>, eine bis 1905 im Kaiserreich China angewandte Todesstrafe, beschrieben \u2013 im Kontext eines Provinzaufstandes ein ganzes Kapitel mit dem Titel <em>Das Meisterst\u00fcck<\/em>. Die langsame T\u00f6tungsfolter durch K\u00f6rperzerst\u00fccklung wird als Strafe <em>und<\/em> Kunstwerk exekutiert. In Kafkas Erz\u00e4hlung <em>In der Strafkolonie<\/em> erscheint die \u201aTodesstrafen-Kunst\u2018 noch sublimer in der Kontextuierung von Handlung und Dialog.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der kongenialen \u00dcbersetzung Ulrich Blumenbachs<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> (2009) finden die ludischen und stilistischen Elemente, die Wallace einsetzt, eine \u00fcberzeugende Entsprechung. Besonders auff\u00e4llig ist die starke Tendenz zu extrem langen, oft hypotaktischen Satzbauten. Daneben auch lakonische Syntax, die auf Witz und Gef\u00fchl setzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00fcberwiegend auktoriale Erz\u00e4hlung wird manchmal erg\u00e4nzt durch die Ich-Erz\u00e4hlung einer Figur, wie Hal im ersten Kapitel. Ludisch und zugleich Romanfiguren charakterisierend oder auch den Leser neckend sind sprachliche Eigenheiten, Fremdwortflut, nicht nur auf dem Gebiet der Drogensucht. Manchen Figuren werden fehlerhafte W\u00f6rter zugeordnet: maxim\u00e4r (statt maximal), Revelanz (statt Relevanz), \u00e9nergois (statt \u00e9nergique) &#8230; Es kommt zu Wortspielen: regenerigiert &#8230; extrusiv &#8230; Aaschl\u00f6cher &#8230; (sich) die Karte umdekorieren \/ entkarten sind h\u00e4ufig benutzte Wendungen f\u00fcr das T\u00f6ten oder Sterben. Es gibt derbe Umgangssprache, Slang, Insidersprache, Radebrechen, Neologismen, unklare und offensichtlich unstimmige Metaphern, unbeholfene direkte Rede im O-Ton \u2013 andererseits hochsprachliche, hochdifferenzierte, poetische Phasen mit selten gebrauchten Konjunktiven. Insgesamt betont die Erz\u00e4hlweise subjektive Realit\u00e4tsempfindungen, w\u00e4hrend sich zugleich der fiktionale Charakter des Romans abhebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zeitstruktur der Erz\u00e4hlung insgesamt tr\u00e4gt zwar konfabulierende Z\u00fcge, ist aber wohl\u00fcberlegt im Hinblick auf das vielf\u00e4ltige Zusammenwirken der einzelnen Erz\u00e4hlstr\u00e4nge und der analytischen Aufarbeitung der Vergangenheit mit dem Ziel, die Gegenwart aufzuhellen. Die sp\u00e4teren Kapitel enthalten immer h\u00e4ufiger Schnitte: R\u00fcckblicke, Orts- und Szenenwechsel, Fortsetzungen abgebrochener Erz\u00e4hlabschnitte. Diese zunehmende Verfugung erinnert an die allm\u00e4hlich wachsende Zeitdehnung der Gegenwart in Thomas Manns <em>Zauberberg<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt ist die Erz\u00e4hlung ihren Figuren gegen\u00fcber k\u00fchl, distanziert, selten ironisch, abgesehen von der grotesk \u00fcberzeichnenden Satire auf die politischen Zust\u00e4nde der O.N.A.N. \u2013 Wallace karikiert hier vielleicht \u00e4ltere Dystopien, etwa Huxleys <em>Brave New World<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Empathie, wenn auch Grauen erregende, wird aber durchaus beim Leser evoziert, etwa im 26. Kapitel bei Randy Lenz, dessen Lebenslauf und kriminelle, psychopathische Neigungen in teils poetischen, teils aus dem Inneren seiner nach Liebe und Anerkennung suchenden Seele heraus formulierten S\u00e4tzen die Gedanken- und Gef\u00fchlsfetzen offenbart, die dieser neurotische, s\u00fcchtige Mensch \u00e4u\u00dfert. Lenz, der wohl abscheulichste Charakter der Romanfiguren, findet in Bruce Green, Mitbewohner im Reha-Wohnheim <em>Ennet House<\/em>, einen Begleiter seiner n\u00e4chtlichen G\u00e4nge durch die Stadtviertel in der N\u00e4he, die er nutzt, um Katzen und Hunde kurz vor der Schlie\u00dfzeit des <em>Ennet House<\/em> aus zwanghafter Kompensation f\u00fcr sein scheiterndes Leben zu t\u00f6ten. Bruce Green wird Zeuge, wie Lenz vor einem Haus, in dem eine Party stattfindet, einem Hund Fleisch hinwirft, um ihm beim Fra\u00df die Gurgel durchzuschneiden. Zuvor t\u00e4uscht er Green, er m\u00fcsse mal ein paar Meter weiter pissen gehen, Green solle auf ihn warten. Die Tat wird bemerkt, erst von Green, der die Sterbelaute des Hundes wahrnimmt, dann von feiernden M\u00e4nnern, die den T\u00e4ter verfolgen. Lenz entkommt, aber drei M\u00e4nner, offenbar Kanadier, finden ihn vor dem <em>Ennet House<\/em>, deren Mitbewohner wie jeden Tag ihre Autos umparken, weil die Stadt Boston vorschreibt, dass um Mitternacht die andere Stra\u00dfenseite Parkzone wird, eine der vielen kuriosen Details der Romanerz\u00e4hlung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Szene kulminiert in einer m\u00f6rderischen, minuti\u00f6s geschilderten Schl\u00e4gerei zwischen den Autofahrern des <em>Ennet House<\/em>. Diesmal erinnert die Gewaltszene an die Show-down-Dramatik im Western, Schie\u00dferei und Pr\u00fcgelei mit Todesfolge. Die Erz\u00e4hlweise wirkt wie schon beim A.F.R.-Raubmord wie eine sprachlich komponierte mehrstimmige Fuge<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Variante erf\u00e4hrt die Brutalit\u00e4t bei der Suche nach der Masterpatrone des <em>Infinite-Jest<\/em>-Films. Als die A.F.R. abspielbare Patronen findet, testet sie mit unwissenden Versuchspersonen die Intensit\u00e4t der Sucht, mit der sie nach Wiederholung der Filmabspielung verlangen. Die Probanden nehmen sogar den Schmerz der Amputation ihrer Zehen in Kauf. (S. 1044)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Infinite Jest<\/em> ist also tats\u00e4chlich die st\u00e4rkste vorstellbare Droge. Der Inhalt der Filmpatrone wird au\u00dfer der Tatsache, dass Joelle darin als Schauspielerin auftritt, nicht enth\u00fcllt. M\u00f6glicherweise wird durch visuell-auditive Reize ein permanenter (<em>infinite<\/em>) Seelenorgasmus (<em>jest<\/em>) ausgel\u00f6st, der mit dem sexuellen Orgasmus zusammenh\u00e4ngt, ihn aber noch bei weitem \u00fcbertrifft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Im 27. Kapitel erz\u00e4hlt Molly Notkin, Doktorandin der Filmtheorie einem Geheimdienstagenten (des United States B\u00fcro f\u00fcr Unspezifizierte Dienste U.S.B.U.D.), der Inhalt \u201edes t\u00f6dlich unterhaltsamen Films <em>Unendlicher Spa\u00df (V oder VI)<\/em> laufe darauf hinaus, dass Madame Psychosis [= Joelle van Dyne] eine Art m\u00fctterliche Allegorie der archetypischen Gestalt des Todes darstelle, nackt dasitze, in ihrer K\u00f6rperlichkeit herrlich, hinrei\u00dfend, hochschwanger, das verunstaltete und entstellte Gesicht entweder verschleiert [&#8230;] oder grobgepixelt [&#8230;]; sie sitze nackt da und erkl\u00e4re dem von der Kamera Repr\u00e4sentierten in ganz einfacher und kindgerechter Sprache, der Tod sei immer weiblich, und das Weibliche sei immer m\u00fctterlich. D. h., die Frau, die einen umbringe, sei im n\u00e4chsten Leben immer die Mutter.\u201c Filmische Spezialeffekte h\u00e4tten Joelle schwanger aussehen lassen. Die Kamera habe Joelle aus der Tiefe aufgenommen, so dass sie sich \u201eals Todes-Mutter\u201c \u00fcber das Publikum gebeugt habe, krei\u00dfend und nackt, \u201evon oben herab \u2013 in beiderlei Wortsinn, was von der kritischen Warte aus eine syn\u00e4sthetische<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doppeldeutigkeit in den Film eingef\u00fchrt habe, die sowohl die akustische als auch die optische Perspektive der subjektiven Kamera umfasst habe &#8230;\u201c (S. 1131f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wallace spielt hier offenbar mit Ironie, indem er Tiefenpsychologie und Metaphysik pseudoromantisch vereint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die finale Superdroge <em>Infinite Jest<\/em> ist eine Metapher f\u00fcr den Irrweg, im Konsum das Seelenheil zu finden. Dieser Irrweg ist nicht nur mit chemischen Drogen gepflastert, sondern auch mit religi\u00f6sen Hoffnungen. Zugleich kann die Superdroge zur politisch-milit\u00e4rischen Waffe der Machts\u00fcchtigen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Film <em>Infinite Jest<\/em> erreicht die Kunst ihre Vollendung dergestalt, dass sie das Leben ausl\u00f6scht, und zwar parallel zur satirisch dargestellten M\u00fcllentsorgung. Das Urteil \u00fcber die Unf\u00e4higkeit und Unm\u00f6glichkeit der Menschen, ihr Leben sinnvoll zu gestalten, haben auch die gro\u00dfen literarischen Dystopien formuliert. In Orwells Roman <em>1984<\/em> wird dem Scheitern des Einzelnen und einer freiheitlichen Gesellschaftsform immerhin die Kraft der Liebe entgegengesetzt. In Huxleys Roman <em>Brave New World<\/em> kommen genetische Menschenz\u00fcchtung und Pharmaka zum Einsatz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wallace sieht das Scheitern des Menschen in seinem K\u00f6rper angelegt. Kapitalismus und politisches System spielen zwar auch in seinem Roman eine Rolle, erscheinen aber eher als Begleiterscheinungen menschlicher Gestaltungsunf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wallace glaubt nicht (mehr) an die Kraft der Vernunft, an Aufkl\u00e4rung oder an Hoffnungen, wo ein freies Spiel demokratischer und wirtschaftlicher Kr\u00e4fte sich zur Vollendung menschlichen Zusammenlebens entwickeln. Keine einzige Romanfigur hat das Potential daf\u00fcr. Die jungen Mitglieder der Tennis-Akademie geben kaum Beispiele f\u00fcr ein selbstbestimmtes Leben. Auch sie sind schon dem Suchtprinzip unterworfen. Die Erwachsenen sind durchweg mehr oder minder Psychopathen. Es fehlt allen an Lebensfreude und Liebe. Verantwortungsbewusstsein zeigt in begrenztem Ma\u00dfe der Schweren\u00f6ter Gately, der seine Sucht \u00fcberwinden konnte und nun als Angestellter f\u00fcr die Einhaltung der <em>Ennet-House<\/em>-Ordnung sorgt. In der t\u00f6dlichen Pr\u00fcgelszene sieht er sich zum Schutz der ihm anbefohlenen Heiminsassen gezwungen, gewaltt\u00e4tig einzugreifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Hals Bruder Mario, k\u00f6rperbehindert und in der seelischen Entwicklung zur\u00fcckgeblieben, ist die einzige Romanfigur, die sich nicht schuldig macht, allerdings auch schuldunf\u00e4hig ist. Trotzdem geh\u00f6ren seine Gespr\u00e4che mit der Moms (Avril Incandenza) und seinem j\u00fcngeren Bruder Hal \u2013 neben einigen Szenen der Tennis-Sch\u00fcler \u2013 zu den wenigen idyllischen Abschnitten des Romans, die nicht ironisch gelesen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Guido Graf empfiehlt in einer Rezension der Frankfurter Rundschau, <em>Unendlicher Spa\u00df<\/em> auch als Familienroman zu lesen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Familie Incandenza besteht aus der Mutter Avril Incandenza, einer hochgewachsenen, offenbar \u00fcberaus attraktiven Mittf\u00fcnzigerin, aus James Incandenza, Forscher, Experimentalfilmer und Gr\u00fcnder der Enfield Tennis Academy, aus dem \u00e4ltesten Sohn Orin, einem inzwischen in Arizona lebenden Footballspieler, der mit seiner Mutter nicht mehr redet, dem mittleren Sohn Mario, einem verzwergten Kr\u00fcppel, der aber mit allerlei Hilfsmitteln als Filmemacher in die Fu\u00dfstapfen seines Vaters getreten ist, schon bevor sich dieser auf ziemlich komplizierte und r\u00e4tselhafte Weise mit dem Kopf in einer Mikrowelle umgebracht hat, und schlie\u00dflich Harold James Incandenza, genannt Hal, dem j\u00fcngsten Sohn, der die ungek\u00fcrzte Version des Oxford English Dictionary auswendig kann, umfangreiche Abhandlungen zu entlegenen geisteswissenschaftlichen und mathematischen Themen verfasst sowie &#8230; zweitbester Spieler der Tennisakademie ist. &#8230; So wie Hal Incandenza oben auf dem H\u00fcgel immer mehr in eine Einsamkeitsspirale eindreht, mitten hinein in den inneren Abgrund seiner traurigen Familie, kommt der andere gro\u00dfe Protagonist des Romans, Don Gately &#8230; vor allem mit den D\u00e4monen seiner Kindheit nicht mehr klar. Seine Familiengeschichte von der Mutter, die st\u00e4ndig vom Stiefvater verpr\u00fcgelt wurde, sich Tag f\u00fcr Tag besinnungslos gesoffen &#8230; hat, verk\u00f6rpert die drastische und brutale Seite der verwahrlosten Hohlwelt dieses Romans &#8230; Gegen Ende des Romans liegt Gately mit fiebrigen Wachtr\u00e4umen im Bett, f\u00fchrt ein ausf\u00fchrliches Gespr\u00e4ch mit dem Geist von Hals totem Vater James Incandenza, immer wieder brechen neue traumatische Kindheitserfahrungen hervor. &#8230; Hal Incandenza und Don Gately sind Wiederg\u00e4nger von Shakespeares Hamlet wie so vieles in <em>Unendlicher Spa\u00df<\/em> &#8211; nicht nur der Titel ist Zitat &#8211; mit dem Hamlet-Muster spielt. &#8230; Nach dem Tod seines Vaters ist Hal auch gegen\u00fcber seiner Mutter ein Hamlet, der daran zu knabbern hat, dass sie nun mit ihrem eigenen Halbbruder und neuen Direktor der Tennisakademie liiert ist. &#8230; Er ist einsam. &#8230; Hal verzweifelt an der Heuchelei, von der er sich umgeben sieht. Er verzweifelt an der Heuchelei seiner Mutter, ihrem \u201aH\u00f6flichkeitsroulette\u2018 und Aufmerksamkeitsterror &#8230; <em>Unendlicher Spa\u00df<\/em> ist eine Hamletmaschine, die zum Stehen kommt &#8230; Sprache und Welt passen nicht zusammen, stattdessen leben wir als manipulationswillige Parasiten einer Heuchelindustrie.\u201c<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese <em>Hamletmaschine<\/em> ist eine <em>Wunschmaschine<\/em><a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a>, die in der Zwickm\u00fchle von Sucht und Entertainement versagen muss. Das gilt f\u00fcr alle Romanfiguren \u2013 sie sind einsam und verkommen in ihrer Sinnleere. Dass Hal Incandenza als Hauptfigur des Romans mit seiner Entscheidung, von der Sucht wegzukommen, ein Hoffnungszeichen darstellt f\u00fcr die M\u00f6glichkeit, aus dem gesellschaftlich-\u00f6konomischen Gesamtsuchtwerk auszusteigen, ist angesichts seines Zusammenbruchs, mit dem der Roman beginnt, unwahrscheinlich. Hal erkennt in den Mittelschichtm\u00e4nnern einer Selbsthilfegruppe, in die er irrt\u00fcmlich bei seiner Suche nach einem Treffen der Anonymen Narkotiker ger\u00e4t, seine eigene Einsamkeit und die Unliebe seiner Eltern \u2013 die M\u00e4nner in den Drei\u00dfigern dr\u00fccken identische Teddyb\u00e4ren als ihren <em>Inneren S\u00e4ugling<\/em> an ihre Brust (S. 1144-1160) und bleiben in ihrer Kompensationssucht einsam. Hal als Hoffnungstr\u00e4ger ist zudem undenkbar im Hinblick auf das philosophische Fundament, das der Erz\u00e4hler im Zusammenhang mit der noch zu verfassenden Dissertation der Filmtheoretikerin Molly Notkins erw\u00e4hnt. Sie behauptet,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201edass der gesamte Vollkommene-Unterhaltung-als-Liebestod-Mythos, der die vorgeblich t\u00f6dliche Patrone umwittere, lediglich eine klassische Illustration der antinomisch schizoiden Funktion jenes Mechanismus des postindustriellen Kapitalismus sei, dessen Logik die Ware als sterblichkeitsangstverdr\u00e4ngende Flucht pr\u00e4sentiere, die ihrerseits psychologisch fatal sei, wie Monsieur Gilles Deleuze in <em>Inzest und die Vitalit\u00e4t des Todes in der kapitalistischen Unterhaltung<\/em> in leicht verst\u00e4ndlichem Detailreichtum nachgewiesen habe, ein posthum erschienenes Buch &#8230;\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(S. 1136)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Gilles Deleuze sieht das Unterbewusstsein als ein Ensemble von Wunschmaschinen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs funktioniert \u00fcberall, bald rastlos, dann wieder mit Unterbrechungen. Es atmet, w\u00e4rmt, i\u00dft. Es schei\u00dft, es fickt. Das Es \u2026 \u00dcberall sind es Maschinen im wahrsten Sinne des Wortes: Maschinen von Maschinen, mit ihren Kupplungen und Schaltungen. Angeschlossen eine Organmaschine an eine Quellmaschine: Der Strom, von dieser hervorgebracht, wird von jener unterbrochen. Die Brust ist eine Maschine zur Herstellung von Milch, und mit ihr verkoppelt die Mundmaschine. Der Mund des Appetitlosen h\u00e4lt die Schwebe zwischen einer E\u00dfmaschine, einer Analmaschine, einer Sprechmaschine, einer Atmungsmaschine (Asthma-Anfall). In diesem Sinne ist jeder Bastler; einem jeden seine kleinen Maschinen.\u201c<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Wunschmaschinen stecken nicht in unserem Kopf, sind keine Produkte der Einbildung, sondern existieren\u00a0<em>in den technischen und gesellschaftlichen Maschinen selbst<\/em>.\u201c<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Deleuze negiert Sigmund Freuds Auffassungen von Es und Unterbewusstsein; er geht aus von der vollkommenen Einheit von Mensch und Natur. So sind alle Werke des menschlichen Geistes Naturph\u00e4nomene \u2013 das betrifft etwa Kunst, Psyche, Bewusstsein, Wille, Libido, &#8230; Wissenschaft, Technik, gesellschaftliche Verfassungen, Kapitalismus &#8230; und die Umsetzung der W\u00fcnsche. Die psychischen Abl\u00e4ufe sieht Deleuze n\u00fcchtern als mechanische Bewegungen der Wirklichkeits-Affirmation. Seine Philosophie ist, so gesehen, resignativ, denn alle psychischen Erscheinungen \u2013so auch jede Sucht als Ausdruck eines Wunschs \u2013 sind Natur, eingebettet in gewachsene gesellschaftliche Systeme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Leser des Romans kann den Eindruck gewinnen, James Orin Incandenza, der <em>Auteur<\/em> der <em>Infinite-Jest<\/em>-Patrone, verk\u00f6rpere den Philosophen Deleuze, zumal dieser auch filmtheoretische Abhandlungen schrieb, die auf Incandenzas Filmschaffen passen. Auch das Lebensende des an Asthma leidenden Deleuze, der im Alter von 70 Jahren aus dem Fenster seines Hauses in den Tod sprang, weist einen Bezug zum Selbstmord des <em>Auteurs<\/em> (und des Roman-Autors) auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Das 28. Kapitel zeichnet sich durch Engf\u00fchrung der Perspektiven der beiden Hauptfiguren aus: Hal Incandenza und Don Gately. Sie werden sich nicht begegnen, aber sie haben beide dasselbe Ziel: die \u00dcberwindung ihrer Suchtabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Hal wird mit einem Schlag klar (S. 1286), dass er sich dem Stress und den Zw\u00e4ngen der Tennisakademie nicht mehr beugen will. \u201eIch lag in meinem engen kleinen Sarkophag aus Raum\u201c (S. 1295) \u2013 er denkt an seine Situation mit all den \u00e4u\u00dferen und inneren Abh\u00e4ngigkeiten und kommt sp\u00e4ter zu dem Entschluss, das Tennisspielen zu verweigern (S. 1371) und den Drogengenuss zu \u00fcberwinden, mit dem er sein fremdbestimmtes Leben kompensierte. Auf diesem Weg gr\u00fcbelt er \u00fcber sein Leben nach, er erinnert sich an Kindheit und Familienleben, vor allem an ein Gespr\u00e4ch seines Vaters mit Orin, dem \u00e4lteren Bruder, der berichtet, er habe mit dem Vater ein ernstes und wohltuendes Gespr\u00e4ch gehabt, nachdem er in seiner fr\u00fchen Jugend heimlich mit Freunden einen Pornofilm gesehen habe. Incandenza habe als Leiter der Akademie gesagt, \u201eer w\u00fcrde ihnen nicht verbieten, den Film zu sehen\u201c, wenn sie dabei diskret vorgingen. Als Vater aber w\u00fcrde er davon abraten, Orin solle abwarten, \u201ebis er selbst erfahren h\u00e4tte, was f\u00fcr eine profunde und ehrlich gesagt sogar ziemlich bewegende Sache Sex sein k\u00f6nne\u201c, denn ein Film vermittle ein falsches Bild vom Sex. \u201eEs war die gr\u00f6\u00dfte Offenheit Seiner Selbst einem anderen Menschen gegen\u00fcber, von der ich je geh\u00f6rt hatte\u201c, erz\u00e4hlt Hal. (S. 1373). Diese Episode ist bemerkenswert, sie ist die einzige im ganzen Roman, in der Liebe als unverfremdete Realit\u00e4t erscheint. Dieser Mann, der im Gegensatz zu allen anderen Romanfiguren die F\u00e4higkeit zu echter Liebe hat, bringt sich jedoch um, nachdem ihm mit seinem Film <em>Infinite Jest<\/em> gelungen ist, was er wohl als perfektes Kunstwerk angestrebt hat: die vollkommene Illusionierung des Betrachters. Denkbar, dass er seine Filmkunst als Irrweg erkannte, als h\u00f6chste und schlimmste Droge innerhalb einer durch und durch kapitalistischen Konsum- und Suchtwelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Don Gately liegt im Krankenhaus, vielleicht t\u00f6dlich verletzt in der Schl\u00e4gerei mit den beiden Kanadiern. Das Krankenbett ist sein \u201aSarkophag\u2018, in dem er schlimmen Tr\u00e4umen und Erinnerungen seines Lebens ausgesetzt ist. Er lehnt trotz vehementer Schmerzen stillende Medikamente ab, um nicht wieder s\u00fcchtig zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Roman endet mit der Erinnerung Gatelys an ein komat\u00f6ses Suchtgelage mit Fackelmann, der von weiteren s\u00fcchtigen Eindringlingen f\u00fcr einen Fehler grausam bestraft wird \u2013 die Augenlider werden ihm an die Stirn gen\u00e4ht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der qu\u00e4lenden Erinnerung an Gewalt und Selbstverletzungen im Verlauf dieser furiosen Suchtparty endet der Roman, ohne dass klar wird, ob Gately \u00fcberlebt und was aus Hal nach seinem Zusammenbruch wird \u2013 ob er seine Entscheidung durchhalten kann. Beide Hauptfiguren k\u00f6nnen zwar als Aufforderung aufgefasst werden, sich gegen ein Leben in einem Gesellschaftssystem der organisierten Sucht zu entscheiden. Aber sind sie wirklich Hoffnungstr\u00e4ger? Die Skepsis \u00fcberwiegt \u2013 die unerbittliche und gewaltt\u00e4tige Suche der Rollstuhlattent\u00e4ter (A.F.R.) und des US-Geheimdienstes nach der Masterpatrone <em>Infinite Jest<\/em> geht weiter; man will das Grab Incandenzas aufbrechen; der geplante Terroranschlag gegen die Tennisjunioren ist im Gange, das wird in den letzten Abschnitten des Buchs fast beil\u00e4ufig erw\u00e4hnt; und der Kapitalismus feiert immer gr\u00f6\u00dfere Triumphe, was sich an der Sponsorenzeit ablesen l\u00e4sst \u2013 die Handlung der meisten Kapitel spielt sich im Jahr der Inkontinenz-Unterw\u00e4sche ab (2009). Hals Zusammenbruch erfolgt schlie\u00dflich im Jahr des Glad-M\u00fcllsacks (2010) im 1. Kapitel. So schlie\u00dft sich der Kreislauf &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Der aus ungehemmt viriler, nicht aber narzisstischer, Perspektive geschriebene Roman schildert famili\u00e4re Miseren und biografische Unterg\u00e4nge im Kontext der Sucht. Im letzten Kapitel kommt mit der Figur Fackelmanns die suizidal gef\u00e4rbte Wettspielsucht hinzu, geradezu wortspiels\u00fcchtig erz\u00e4hlt. Immer wieder regiert dieses Entweder-Oder, Sieg oder Niederlage im Kampfsport \u2013 Football und Tennis \u2013 wie in den Showdown-Situationen des Lebens. Es gibt kaum Zwischent\u00f6ne, kein gelungenes Leben, schon gar keine Lebenskunst; denn auch politisches und k\u00fcnstlerisches Schaffen stehen im Sog der S\u00fcchte mit der tautologischen Konsequenz des Niedergangs, des Todes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Tod ist das Ende aller W\u00fcnsche. Er ist das Ende jeder Sucht. Auch das Ende der Wunsch-Maschine auf der vergeblichen Suche nach einem Sinn des Lebens. Und die Fiktion einer vollkommenen Erf\u00fcllung aller W\u00fcnsche, <em>Infinite Jest<\/em>, Suchtmittel und Kunst in einem, ist die suizidale Abk\u00fcrzung des Wegs aus einem sinnlosen Sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wallace schrieb einen Roman \u00fcber das Scheitern der Gattung Mensch: die Unf\u00e4higkeit zur Gestaltung des Prinzips Hoffnung, der Verantwortung und der Vernunft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-105022 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/infinite-jest-300x212.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine bildungsb\u00fcrgerliche Kurzprosa mit gleichsam eingebauter Kommentarspaltenfunktion, bei der Kurztexte aus dem Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper,<\/em> und auch aus der losen Reihe mit dem Titel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40312\"><em>Splitter, nicht einmal Fragmente <\/em><\/a>aufploppen. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em>\u00a0von Ulrich Bergmann finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>. Lesen Sie auf KUNO zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> auch den\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Essay<\/a>\u00a0von Holger Benkel, sowie seinen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15183\">Essay<\/a> zum Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> HEL Toussaint (= Herbert Laschet) an den Autor dieses Textes am 3.10.2023.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Korrekt (auch in Qu\u00e9bec) w\u00e4re: Roulants<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Ein Beispiel f\u00fcr die Schwierigkeiten, vor die Blumenbach sich gestellt sah, ist die Rede eines immigrierten Schweizers in der Bostoner AA-Gruppe (S. 507f.):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAls aine , wo alli Aabeehhysli verspritzt, bin ych scho m\u00e4nngs Joor bekannt gse. In de Beize uff de Landstrosse han ych scho lang nimme uff d\u2018 Schissi deerfe. Deheim, im Bad isch d\u2018 Dabeete scho so w\u00e4llig gese, das glaubsch gar nit. Aber denn uff aimool &#8230; das wird ych nie verg\u00e4sse. Ai Wuche no, und ych h\u00e4tt niinzig Tag nimme gsoffe. Drei Moonet w\u00e4r ych denn undrungge gse. Also ich hogg dehaim uff dr Schissi, verstoosch. Bi am Drugge wie allewyl, das glaubsch gar nit, und &#8230; und bi so verstuunt gse, ych ha myne Auge nit traut. Das han ych scho lang nymme gsee, do han ych zerscht d\u00e4nggt, s\u2018 Portemonnaie isch mir ins Hysli gfalle, verstoosch. By Gott,ych han d\u00e4nggt, \u2018s Portemonnaie isch mir ins Hysli gfalle. Ych kneule also n\u00e4bem Haafe und lueg ganz genau. Grad soo wie me emene Schatz in d\u2018 Auge luegt. Miini Frynd, das isch e Fraid gse, mir f\u00e4le d\u2018 Wort. Do lygt e richtig <em>Wirschtli<\/em>. E <em>richtig Wirschtli<\/em>. Fesch, spitzig und lycht krumm. Es hett usgseh wie ne Wirschtli, gar nimme verspritzt. Graad eso als ob dr liebi Gott \u2018s gmacht haig. Also miini Frynd, das Wirschtli hett fascht wie gl\u00e4bt, Ych bi also kneule blybe und ha mym <em>Heechere W\u00e4se<\/em> danggt, das W\u00e4se wo fir my dr liebi Gott isch, und sit d\u00e4m Tag dank ych d\u00e4m <em>Heechere W\u00e4se<\/em> uff de Kneu, am Morge, am Oobe und uff em Hysli.\u201c Der Mann strahlt \u00fcber das ganze rotlederne Gesicht. Gately und die anderen <em>Wei\u00dfflagger<\/em> kriegen sich nicht wieder ein vor Lachen, eine Wurst, die lebt, eine Hymne auf einen Festschiss; aber die glanzlosen Augen gewisser zittriger <em>Neulinge<\/em> in den letzten Reihen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0weiten sich unter einer ganz privaten <em>Identifikation<\/em> und m\u00f6glicherweise\u00a0 auch Hoffnung, von der sie kaum noch zu tr\u00e4umen wagen &#8230; Eine <em>Botschaft ist weitergegeben worden<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0&#8218; &#8218;d been a confarmed bowl-splatterer for yars b&#8217;yond contin&#8216;. &#8218;d been barred from t&#8217;facilities at o&#8217;t&#8216; troock stops twixt hair&#8217;n Nork for yars. T&#8217;wallpaper in de loo a t&#8217;ome hoong in t&#8217;ese carled sheets froom t&#8217;wall, ay till yo. But now woon dey . . . ay&#8217;ll remaember&#8217;t&#8217;always. T&#8217;were a wake to t&#8217;day ofter ay stewed oop for me ninety-dey chip. Ay were tray moents sobber. Ay were thar on t&#8217;throne a&#8217;t&#8217;ome, yo new. No&#8217;t&#8217;put too fain a point&#8217;on it, ay prodooced as er uzhal and &#8230; and ay war soo amazed as to no&#8217;t&#8217;belaven&#8216; me yairs. &#8218;Twas a sone so wonefamiliar at t&#8217;first ay tought ay&#8217;d droped me wallet in t&#8217;loo, do yo new. Ay tought ay&#8217;d droped me wallet in t&#8217;loo as Good is me wetness. So doan ay bend twixt m&#8217;knays and&#8217;ad a luke in t&#8217;dim o&#8217;t&#8217;loo, and codn&#8217;t belave me&#8217;yize. So gud paple ay do then ay drope to m&#8217;knays by t&#8217;loo an&#8217;t&#8217;ad a rail luke. A leaver&#8217;s luke, d&#8217;yo new. And friends t&#8217;were loavely past me pur poewers t&#8217;say. T&#8217;were a tard in t&#8217;loo. A rail tard. T&#8217;were farm an&#8216; teppered an&#8216; aiver so jaintly aitched. T&#8217;luked . . . conestroocted instaid&#8217;ve sprayed. T&#8217;luked as ay fel&#8217;t&#8217;in me &#8218;eart Good &#8218;imsailf maint a tard t&#8217;Juke. Me friends, this tard&#8217;o&#8217;mine practically had a poolse. Ay sted doan own m&#8217;knays an tanked me Har Par, which ay choose t&#8217;call me Har Par Good, an&#8216; ay been tankin me Har Par own m&#8217;knays aiver sin, marnin and natetime an in t&#8217;loo&#8217;s&#8217;well, aiver sin.&#8216; The man&#8217;s red-leather face radiant throughout. Gately and the other White Flaggers fall about, laugh from the gut, a turd that practically had a pulse, an ode to a solid dump; but the lightless eyes of certain palsied back-row newcomers widen with a very private Identification and possible hope, hardly daring to imagine. &#8230; A certain Message has been Carried.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Gefugt ist auch die Pr\u00fcgelszene in den MEISTERSINGERN VON N\u00dcRNBERG von Richard Wagner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Guido Graf, Depression und Unterhaltung sind ein und dasselbe. In: Frankfurter Rundschau vom 26.1.2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Gilles Deleuze hat sp\u00e4ter den Begriff der <em>Wunschmaschine<\/em> umbenannt in <em>Assemblage<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Gilles Deleuze und F\u00e9lix Guattari:\u00a0<em>Anti-\u00d6dipus: Kapitalismus und Schizophrenie I<\/em>. Suhrkamp, Frankfurt a.M 1974,\u00a0S.\u00a07.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Gilles Deleuze und F\u00e9lix Guattari:\u00a0<em>Anti-\u00d6dipus: Kapitalismus und Schizophrenie I<\/em>. Suhrkamp, Frankfurt a.M 1974,\u00a0S.\u00a0512,2. (Sp\u00e4ter ersetzt Deleuze den Begriff der Wunschmaschinen durch <em>Assemblage<\/em>.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>oder The Pursuit Of Happiness Zum Roman UNENDLICHER SPASS (INFINITE JEST) von David Foster Wallace (1996) in der \u00dcbersetzung von Ulrich Blumenbach auf 1545 Seiten mit 388 Anmerkungen. Kiepenheuer &amp; Witsch, K\u00f6ln 2009. 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