{"id":105013,"date":"2003-02-09T00:01:10","date_gmt":"2003-02-08T23:01:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=105013"},"modified":"2023-10-14T14:14:53","modified_gmt":"2023-10-14T12:14:53","slug":"hamburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/02\/09\/hamburg\/","title":{"rendered":"Hamburg"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie ein gro\u00dfer, eben gefangener, noch zuckender Fisch liegt Hamburg an der Nordsee.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ewige Nebel lagern auf den zugespitzten schuppigen D\u00e4chern seiner H\u00e4user. Kein Tag h\u00e4lt seinem blassen, windigen, launischen Morgen die Treue. Mit Flut und Ebbe wechseln dumpf nasse W\u00e4rme, Sonne, graue K\u00e4lte des offenen Meeres und Regen, der auf den blanken Asphalt niederstr\u00f6mt, als wenn jemand, am Seeufer stehend, mit einem alten durchl\u00f6cherten Schiffseimer die halbe Elbe auf das von Feuchtigkeit rauchende, vom Grog der Hafenkneipe durchw\u00e4rmte, lustige Hamburg aussch\u00fcttet, das breitbeinig auf beiden Ufern der Elbe steht wie auf einem Schiffsdeck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie ein Vorurteil, wie etwas, das nicht mehr in unsere Zeit geh\u00f6rt, ist die Natur an den Ufern dieses riesigen Industrieflusses ausgemerzt. Im Verlauf Dutzender Kilometer sah ich zwei B\u00e4ume. Doch diese glichen eher Masten, von einem Schiffbruch \u00fcbriggeblieben: den einen an der Mole, geb\u00fcckt wie eine Alte, die gegen den Wind k\u00e4mpft, der ihre wollenen Str\u00fcmpfe mit zornigen Schaumflocken bewirft. Den zweiten &#8211; am Kontor der gr\u00f6\u00dften der Hamburger Werften, der Werft von Blohm &amp; Voss. Dieser Baum steht nur aus Angst da: unter ihm &#8211; ein widerw\u00e4rtiger schwarzer Kanal, in den sich die Fabriken durch die aufgesperrten Rachen der Zuflu\u00dfrohre erbrechen. Eine Br\u00fccke, das H\u00e4uschen eines Postens, und am anderen Ufer, im blassen Licht der f\u00fcnften Morgenstunde &#8211; die gl\u00e4nzenden Fenster der unsichtbaren Geb\u00e4udekomplexe; endlose Reihen \u00fcbereinander, kn\u00fcpfen sie ihr elektrisches Licht an das Tageslicht an. Das gr\u00f6\u00dfte Wunder, das Schlankste, was das Reich des schlanken Metalls kennt, sind die sich \u00fcber den Hafen beugenden leichten Tore der gr\u00f6\u00dften Hebekr\u00e4ne, die es in der Welt gibt. Zu ihren F\u00fc\u00dfen liegen wie aufget\u00fcrmtes Spielzeug fertiggebaute Ozeandampfer, mit erleuchteten Bordfenstern, mit unsch\u00f6nem Unterteil, gleich Schw\u00e4nen, die man aus dem Wasser gehoben hat. Hier arbeiten drei Schichten &#8211; krampfhaft, unbarmherzig. Hier macht die deutsche Bourgeoisie, indem sie die Arbeiter wie nasse W\u00e4sche auspre\u00dft, die letzten hoffnungslosen Versuche, die sie paralysierende Krise zu \u00fcberwinden; sie baut, schafft neue Werte, bev\u00f6lkert den Ozean mit ihren wei\u00dfen schwarzr\u00f6hrigen Schiffen, an deren Heck das alte kaiserliche schwarzwei\u00dfrote Banner mit einem kaum merklichen republikanischen Fleck weht. Alles, was sonst Himmel hei\u00dft, ist hier in Hamburg &#8211; der Rauch der Fabrikschlote, sind die Greifarme der Hebekr\u00e4ne, die die Schiffsb\u00e4uche pl\u00fcndern und steinerne Riesenk\u00e4sten auff\u00fcllen; leichte, fl\u00fcchtig geneigte Br\u00fccken \u00fcber decken die nasse Geburtsst\u00e4tte der neu erstandenen Schiffe. Heulen der Sirenen, Fluchen der Pfeifen, Flut 1 und Ebbe des Ozeans, der mit dem Unrat spielt und mit den M\u00f6wen, die wie Schwimmh\u00f6lzer auf dem Wasser tanzen, und &#8211; gleichm\u00e4\u00dfige W\u00fcrfel dunkelroter, aus Ziegeln gebauter Geb\u00e4udekomplexe, Lager, Fabriken, Kontore, M\u00e4rkte, geradlinig gebaute Zoll\u00e4mter, die aussehen wie eben abgeladene Gep\u00e4ckst\u00fccke. Eine Armee, Legionen von Arbeitern sind in diesen Werften bei dem Laden und L\u00f6schen der Schiffe, in den zahllosen Metallwerken, \u00f6lverarbeitenden und chemischen Fabriken, in einigen der gr\u00f6\u00dften Manufakturen und auf den gro\u00dfen Baupl\u00e4tzen besch\u00e4ftigt, die das Hinterland von Hamburg, seinen sumpfigen und sandigen Grund, ununterbrochen mit einer Kruste von Beton und Stahl bedecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Elbe, dieses alte schmutzige Einkehrhaus f\u00fcr die Vagabunden des Ozeans &#8211; baut und erweitert ununterbrochen ihre gewaltigen Betonhinterh\u00f6fe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier werfen die Seerosse ihre Last ab, hier fressen sie Naphtha und Kohle, hier reinigen und waschen sie sich, w\u00e4hrend die Kapit\u00e4ne dem Zollamt die Schmiergelder zahlen, die Papiere richtig zugestutzt werden und die Barbiere ihr Versch\u00f6nerungswerk an den Gesichtern der Schiffsgewaltigen vornehmen. Diese gehen dann zu ihren Familien an Land, indes die Mannschaft im Stadtviertel der Kneipen, der Kleiderbuden, der Versatz\u00e4mter, wo der eben gekaufte Anzug sofort versetzt werden kann, und endlich der erstaunlichsten Bordelle &#8211; in Sankt Pauli untertaucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch vom Mittelalter her sind die Gassen von Sankt Pauli von der Stadt durch feste eiserne Tore abgegrenzt, die nur des Nachts ge\u00f6ffnet werden. Sie sind sch\u00f6n gearbeitet mit allen m\u00f6glichen Raffinessen und h\u00fcbschen Details, mit denen ein stolzes Zunfthandwerk seine Embleme und Ehrenzeichen zu schm\u00fccken liebte. Des ,Abends \u00f6ffnet sich in jeder auf die Gasse hinausgehenden T\u00fcr ein kleines erleuchtetes Fenster,&#8216; aus dem die K\u00f6niginnen dieser Matrosenparadiese l\u00e4chelnd in die ewige regnerische Dunkelheit hinausblicken. Sie stecken in tief ausgeschnittenen, an der Taille eng zusammengerafften, mit Flitterwerk und Federn ben\u00e4hten Kleidern, mit denen die Mode aus dem Ende des letzten Jahrhunderts, die nur noch in den Anpreisungen der billigen Parf\u00fcmerieartikel und in der Vorstellung der nach dem Weibe ausgehungerten Matrosen fortlebt &#8211; die Verk\u00f6rperung der h\u00f6chsten Lebensfreude zum Ausdruck zu bringen pflegte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesen Handelsreihen wird lebendiges Fleisch mit ungek\u00fcnstelter Schlichtheit verkauft. Die Besucher gehen von einem Schaufenster zum n\u00e4chsten, besehen sich die ausgestellte Ware und treten ein, um nach einer Weile, von schweren . Fl\u00fcchen und lautem L\u00e4rm begleitet, auf das Stra\u00dfenpflaster hinauszufliegen: Sankt Paulis Torh\u00fcter sind ihrer k\u00f6rperlichen Kr\u00e4fte wegen weit und breit ber\u00fchmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den kleinen Kneipen dieser Vorstadt klingen alle Sprachen und vermischen sich alle Nationen. Witz, Eiergrog, v\u00f6llige Unantastbarkeit von Seiten der Polizei, ein erstaunliches Gemisch von Mut, Alkohol, revolution\u00e4rer Entflammbarkeit, Tabaksrauch herrschen hier und &#8211; vor allem &#8211; die letzte, verwelkte, hoffnungslos gefallene S\u00fcnde, die an einem mit saurem Bier begossenen Tisch einem betrunkenen namenlosen Adam f\u00fcr ein Butterbrot die g\u00f6ttlichste der L\u00fcgen &#8211; die Liebe vort\u00e4uscht<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sprache, die hier gesprochen wird, ist die Sprache Hamburgs. Sie ist durch und durch mit der See ges\u00e4ttigt und salzig wie ein Klippfisch; rund und saftig wie ein holl\u00e4ndischer K\u00e4se, derb, gewichtig und munter wie englischer Schnaps; glatt, reich und leicht wie die Schuppen eines Tiefseefisches. Und nur der Buchstabe &#8222;S&#8220;, spitz wie eine Nadel, anmutig wie ein Schiffsmast, zeugt von der alten Gotik Hamburgs, von den Zeiten der Gr\u00fcndung der Hansast\u00e4dte und dem Piratentum der Bisch\u00f6fe. Nicht nur das Lumpenproletariat &#8211; die ganze Stadt ist durchsetzt von dem lebendigen, beweglichen Geist des Hafens. Von allen Seiten umschlie\u00dft sein dichter Ring die b\u00fcrgerlichen, um die Alster gelegenen Viertel. Die Villen sind dicht ans Ufer gedr\u00e4ngt, sie haben kaum den n\u00f6tigen Raum, um ihre schmucken G\u00e4rten, die mit ihren Blumen, Tennispl\u00e4tzen, Treppenfluten geschm\u00fcckt sind, zu entfalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die H\u00e4user der Patrizier sp\u00fcren in ihrem Nacken den unsauberen, erregten Atem der Vorst\u00e4dte. Der Ring der elektrischen Bahnen spannt die gedr\u00e4ngten Vorst\u00e4dte eng um die eleganten Viertel; zweimal am Tage saust der tr\u00fcbe Strom der Arbeiter, die Stadt nach den Docks zu durchquerend, die Wagen mit dem Geruch von Schwei\u00df, Teer und Alkohol erf\u00fcllend, um ihre Villen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf diese Weise gehorcht ganz Hamburg ebensosehr der Mittagssirene der Werften, dem morgendlichen und abendlichen Namensaufruf an den Ufern der Elbe, wie die kleinste Pf\u00fctze, ein armseliger Froschteich, dem fernen Pulsschlag des Ozeans gehorcht, der Hamburg seine Reicht\u00fcmer und seine unerm\u00fcdlichen Winde schickt. Der Bourgeois, der ehrbare B\u00fcrger, ist ebensowenig wie seine Wohnung gegen die Ber\u00fchrung und die Nachbarschaft der Proletarier gesichert. Die Dame, die abends ins Theater f\u00e4hrt, sitzt zwischen zwei Dockarbeitern eingezw\u00e4ngt, die ihre \u00f6ligen S\u00e4cke in aller Gelassenheit auf die weichen Sitzb\u00e4nke niederlegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Dirne aus Sankt Pauli sitzt neben der Gattin eines Beamten, zwinkert den Nachbarn zu und steigt an der n\u00e4chsten Haltestelle aus &#8211; schon am Arm irgendeines von ihnen; der Arbeiter umarmt seine Frau oder seine Freundin; der L\u00f6scharbeiter umw\u00f6lkt seine N\u00e4chsten mit seinem unm\u00f6glichen Tabak; Freunde schleppen einen betrunkenen Matrosen nach Hause, und der ganze Wagen am\u00fcsiert sich mit ihnen, denkt, spricht und lacht im reinsten Hamburger Platt, das geeignet ist, jeden beliebigen Ort sofort in eine lustige Hafenkneipe zu verwandeln. Von unserem Gesichtspunkt aus betrachtet, scheint das alles nicht sehr wichtig. Aber nach Berlin, wo der Arbeiter mit seinen Instrumenten nur in einem besonders schmutzigen und unsauberen Wagen fahren darf, wo das Vorrecht der Ersten und Zweiten Klasse nahezu- mit polizeilichem Aufgebot verteidigt wird; wo der Arbeitslose, sich seine vor K\u00e4lte violetten Ohren reibend, es kaum wagen darf, sich auf einer der zahllosen, stets leeren B\u00e4nke des Tiergartens auszuruhen; nach dem offiziellen b\u00fcrgerlichen Berlin riecht allein schon die Luft von Hamburg mit seiner Einfachheit und seinen freien Sitten nach Revolution.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um vier oder f\u00fcnf Uhr nachts schl\u00e4ft das Lumpenproletariat dieser Stadt an irgendeinem beliebigen Platz oder wird auf die Polizeiwache geschafft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Viertel vor sechs, noch bei elektrischem Licht, setzt die erste Arbeiterflut ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber der Stra\u00dfenbahn h\u00e4ngt in der Dunkelheit die Stadtbahn, kurze, leuchtende B\u00e4nder der elektrischen Z\u00fcge der Hochbahn winden sich \u00fcber dieser, und alle zusammen schaffen eine ganze Armee, Hunderttausende von Dockarbeitern und weitere Hunderttausende von Arbeitslosen, die, in der Hoffnung auf einen gelegentlichen Verdienst, die Anlegestellen umlagern, zum Hafen. Jeder Trupp sammelt sich um seinen Meister, zwischen den geteerten Jacken, h\u00f6ckrigen, mit Werkzeug beladenen Schultern leuchtet wie bei Bergarbeitern das \u00d6ll\u00e4mpchen. Nach dem Namensaufruf verteilen sich die Arbeiterregimenter auf Hunderte von Dampfern, die sie in die Werften und Betriebe bringen. Durch vier Br\u00fccken str\u00f6men sie in das Industriezentrum. Truppen und Polizei passen scharf auf, da\u00df kein einziger &#8222;Zivilist&#8220; auf die Industrieinseln dringt. Aber auch diese Br\u00fccken und Hunderte von Dampfern, die mit ihren Lichtern und Scheinwerfern einen unerh\u00f6rten Karneval, ein schwarzes, geteertes Venedig auff\u00fchren, gen\u00fcgen der Flut der Morgenschicht nicht. Tief unter dem Elbgew\u00e4sser liegt ein trockenes, helles Rohr, der Elbtunnel, der morgens und abends Legionen von Arbeitern von Ufer zu Ufer pumpt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An beiden Enden dieses Tunnels heben und senken sich Riesenlifts und werfen den Strom zu den Betonausg\u00e4ngen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In ihren eisenknarrenden, schraubenf\u00f6rmigen T\u00fcrmen bewegen sich diese beiden Lifts wie zwei m\u00e4chtige Schaufeln, die unausgesetzt lebendiges Heizmaterial in die zahllosen Fabrik\u00f6fen schleudern. Aus ihren Essen kam der Hamburger Aufstand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Essay erschien vor 80 Jahren in <strong>Hamburg auf den Barrikaden<\/strong>. Erlebtes und Erh\u00f6rtes aus dem Hamburger Aufstand 1923<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-104954 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Larisa_Rejsner-215x300.jpg\" alt=\"\" width=\"215\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Larisa_Rejsner-215x300.jpg 215w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Larisa_Rejsner-359x500.jpg 359w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Larisa_Rejsner-160x223.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Larisa_Rejsner.jpg 432w\" sizes=\"auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/>Larissa Reissner war die Tochter des deutschst\u00e4mmigen Rechtswissenschaftlers Michail Reissner, der 1896 aus Russland emigrieren musste, nachdem er ein juristisches Gutachten zugunsten von Revolution\u00e4ren verfasst hatte; ihre Mutter hie\u00df Jekaterina Alexandrowna Chitrowa. Larissa besuchte Schulen in Frankreich und Deutschland. Durch ihren Vater lernte sie schon als Kind August Bebel, Karl Liebknecht und auch Lenin pers\u00f6nlich kennen. 1906 kehrten sie nach Russland zur\u00fcck. Als Kriegsgegnerin beteiligte sie sich w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs an der antimilitaristischen Zeitschrift ihres Vaters und arbeitete an verschiedenen Projekten Maxim Gorkis wie der Literaturzeitschrift <i>Letopis<\/i> und nach der Februarrevolution 1917 an der linkssozialistischen Tageszeitung <i>Nowaja Schisn<\/i> mit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Larissa Reissner nahm aktiv an der Oktoberrevolution teil und trat im Sommer 1918 in die bolschewistische Partei ein. Sie diente in der Roten Armee und der Marine und war 1919 mehrere Monate lang Kommissarin des Generalstabs der Roten Flotte. W\u00e4hrend ihrer T\u00e4tigkeit als Kundschafterin geriet sie einmal in Gefangenschaft. Ihre Schriften \u00fcber den B\u00fcrgerkrieg enthalten einen Bericht \u00fcber die Schlacht bei Swijaschsk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1918 heiratete sie den sowjetischen Flottenkommandeur Fjodor Raskolnikow. Im September 1923 lernte sie Karl Radek kennen, mit dem sie bis zu ihrem fr\u00fchen Tod liiert war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den fr\u00fchen 1920er-Jahren bereiste Reissner sowohl die Sowjetunion als auch das westliche Ausland und fasste ihre Erlebnisse in Reiseberichten zusammen, deren bekanntester <i>Hamburg auf den Barrikaden<\/i> ist, eine Sammlung von Reportagen \u00fcber den Hamburger Aufstand 1923. Nach dessen Niederschlagung kehrte sie in die Sowjetunion zur\u00fcck und untersuchte die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse im Ural. Im Jahr 1925 versuchte sie ihre st\u00e4ndig wiederkehrenden Malariaanf\u00e4lle im Wiesbadener Neroberghotel auszukurieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Alter von 30 Jahren starb sie am 9. Februar 1926 in Moskau einem Moskauer Krankenhaus an Typhus.<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO hat ein Faible f\u00fcr die frei drehende Phantasie. Wir begreifen die Gattung des Essays als eine Versuchsanordnung, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Auch ein Essay handelt ausschliesslich mit Fiktionen, also mit Modellen der Wirklichkeit. Wir betrachten Michel de Montaigne als einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/04\/23\/die-ehe-ist-ein-vertrag-nur-der-erste-anfang-ist-frei\/\">Blogger aus dem 16. Jahrhundert<\/a>. Henry David Thoreau gilt als Schriftsteller auch in formaler Hinsicht als eine der markantesten Gestalten der klassischen amerikanischen Literatur. Als sorgf\u00e4ltig feilender Stilist, als hervorragender Sprachk\u00fcnstler hat er durch die f\u00fcr ihn <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/07\/12\/walden-life-in-the-woods\/\">charakteristische Essayform<\/a> auf Generationen von Schriftstellern anregend gewirkt. Karl Kraus war der erste Autor, der die kulturkritische Kommen\u00adtie\u00adrung der Welt\u00adlage zur Dauer\u00adbesch\u00e4f\u00adtigung erhob. Seine Zeit\u00adschrift \u201eDie Fackel\u201c war gewisser\u00adma\u00ad\u00dfen der erste <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/01\/29\/die-fackel\/\">Kultur-Blog<\/a>. Die Redaktion nimmt Rosa Luxemburg beim Wort und versucht in diesem Online-Magazin auch \u00fcberkommene <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/05\/01\/wie-entstand-die-maifeier\/\">journalistische Formen<\/a> neu zu denken. Enrik Lauer zieht die Dusche dem Wannenbad vor. Warum erstere im Sp\u00e4tkapitalismus \u2013 zum Beispiel als Zeit und Ressourcen sparend \u2013 zweiteres als Form der K\u00f6rperreinigung weitgehend verdr\u00e4ngt hat, ist einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/25\/wohlbefinden\/\">eigenen Betrachtung<\/a> wert. Ulrich Bergmann setzte sich mit den Wachowski-Br\u00fcdern und der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/06\/the-matrix-has-you\/\">Matrix<\/a> auseinander. Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">weitere Betrachtungen<\/a> von J.C. Albers. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wie ein gro\u00dfer, eben gefangener, noch zuckender Fisch liegt Hamburg an der Nordsee. Ewige Nebel lagern auf den zugespitzten schuppigen D\u00e4chern seiner H\u00e4user. Kein Tag h\u00e4lt seinem blassen, windigen, launischen Morgen die Treue. 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