{"id":104962,"date":"2023-10-11T00:01:04","date_gmt":"2023-10-10T22:01:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=104962"},"modified":"2023-12-16T07:13:23","modified_gmt":"2023-12-16T06:13:23","slug":"social-beat-beat-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/10\/11\/social-beat-beat-2\/","title":{"rendered":"Social Beat &#038; Beat"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">2021 gab es von Januar bis Mai eine Ausstellung \u00fcber den legend\u00e4ren Social Beat im Literaturhaus Stuttgart. \u201eSocial Beat &amp; Beat: Ein literarischer Urknall\u201c hie\u00df das Ganze. Bei Killroy Media gibt es jetzt die DVD zur Ausstellung. &#8211; Ein Kommentar von N\u00ed Gudix:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wort \u201eUrknall\u201c im Zusammenhang mit Social Beat ist lachhaft. Social Beat war kein Urknall, sondern ein F\u00fcrzchen. Ein Pups im Kies. 1994\/95, dann war es vorbei. Und wenn J\u00f6rg A. Dahlmeyer auf Facebook schreibt, die Festivals seien \u201ewie Woodstock\u201c gewesen, ist das genauso albern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Video sieht man u.a. Joachim Sch\u00f6nauer und Boris Kerenski in der Ausstellung. Dort sind bunte Plakate zu sehen, B\u00fcchertische mit den Social-Beat-Bibeln drauf, etwa der Anthologie \u201eDowntown Deutschland\u201c aus dem Isabel-Rox-Verlag oder der Trilogie \u201eSocial Beat SLAM!poetry\u201c aus dem Hause Killroy, und Gem\u00e4lde der gro\u00dfen Vorbilder von Jim Avignon h\u00e4ngen an den W\u00e4nden. Und es wird dann erz\u00e4hlt, wie der Social Beat aus dem Beat entsprang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Problem beim Social Beat war aber meines Erachtens nach, dass er zuviel Fake und Kopie war und zuwenig originell. Schon sein Name erinnert ja an die Vorbilder; ohne die Vorbilder des amerikanischen Beat und des deutschen 68er-Undergrounds gibt es den Social Beat gar nicht. Kerouac, Ginsberg, Burroughs und Konsorten, dann nat\u00fcrlich Bukowski, Bukowski, Bukowski, und schlie\u00dflich Rolf Dieter Brinkmann, Hadayatullah H\u00fcbsch, J\u00fcrgen Ploog, J\u00f6rg Fauser \u2013 der Social Beat schleppt st\u00e4ndig nur die Schilder mit sich rum, auf denen die Namen der Vorbilder stehen, und ohne diese Schilder ist der SB \u00fcberhaupt nicht existent. \u201eWir k\u00f6nnen das auch!\u201c, das ist das, was die Social Beater dem Publikum mitzuteilen hatten. Die Literatur der 90er Jahre in Deutschland kann auch wild, enthemmt usw. sein, wir k\u00f6nnen auch so schreiben wie die gro\u00dfen Rebellen des Beat! &#8211; Das ist ja sch\u00f6n und gut, aber f\u00fcr eine literarische Bewegung ist das zuwenig. Nur ein bisschen Lookalike und M\u00f6chtegern reicht nicht. Sicher, der SB richtete sich gegen die \u201eetablierte\u201c Literaturszene, und das war zun\u00e4chst auch ein echtes Aufb\u00e4umen und Sich-Frei-Schreiben, aber er verfestigte diese Pose im Laufe der Jahre, oder besser gesagt: die Rebellion wurde zur Pose, stagnierte und verk\u00fcmmerte. Sp\u00e4testens 1997 war der Social Beat als solcher erledigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man die Dichter nicht pers\u00f6nlich kannte und nicht zu den Festivals fuhr, sondern nur die Gedichte und Stories las, dann sprang der Funke nicht \u00fcber. Ich war Mitte der 90er Jahre Studentin in Konstanz, ich bestellte mir Zeitschriften wie Cocksucker und Krachkultur, weil ich diese neue literarische Bewegung kennenlernen wollte \u2013 und war dann ziemlich ange\u00f6det. Einige Texte hatten wirklich Pfiff und Power, aber im wesentlichen hatte ich den Eindruck: seichte Geschichtchen, und die Pointe hatte irgendwas mit Sex, Suff und Drogen zu tun. Und das war\u2019s dann auch schon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die, die dabei waren, war es bestimmt eine tolle Zeit und eine geile Sause. Man kann das auch in der MAULhURE von 2022 nachlesen, in der man ein Special \u201e30 Jahre Social Beat\u201c findet. Kersten Flenter, Robsie Richter, Roland Adelmann und diverse andere schreiben darin ihre pers\u00f6nlichen R\u00fcckblicke auf ihre wilden Jahre.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schade, dass man in der DVD davon nichts sieht. Auf dem Cover ist der junge Michael Sch\u00f6nauer abgebildet, offenbar \u201evoll in action\u201c auf einer B\u00fchne, und ich hatte gehofft, auf der DVD altes Filmmaterial oder Fotos der Social-Beat-Festivals zu sehen. Statt dessen nur ein braves Abfilmen der Ausstellung und altgewordene Rebellen, die von fr\u00fcher reden. Naja \u2013 schade\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die DVD ist ab sofort gegen eine Schutzgeb\u00fchr von 10 \u20ac hier im Buch-Shop erh\u00e4ltlich des KILLROY media Verlags erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Social Beat \u2013 Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/strong>.\u00a0<em>Taschenbuch (14,5 x 21 cm), 40 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, <\/em><em>Edition Hibana 2021<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_104929\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-104929\" class=\"wp-image-104929 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/DvD_Cover-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/DvD_Cover-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/DvD_Cover-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/DvD_Cover-160x160.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/DvD_Cover.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-104929\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckblick in einer Zeit, in der sich junge Autoren in der Pose des Rockstars gefallen haben.<\/p><\/div>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl die nonkonformistische Literatur ehrlich und transparent zugleich sein wollte, war gegen Ende der 1960er nur schwer zu fassen, die Redaktion entdeckt die Keimzelle des Nonkonformismus in der die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/12\/10\/die-keimzelle-des-nonkonformismus\/\">Romantiker-WG in Jena<\/a>. Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; 2021 gab es von Januar bis Mai eine Ausstellung \u00fcber den legend\u00e4ren Social Beat im Literaturhaus Stuttgart. \u201eSocial Beat &amp; Beat: Ein literarischer Urknall\u201c hie\u00df das Ganze. 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