{"id":104808,"date":"2023-07-01T00:01:13","date_gmt":"2023-06-30T22:01:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=104808"},"modified":"2023-06-29T23:55:52","modified_gmt":"2023-06-29T21:55:52","slug":"space-odyssey-ctd","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/07\/01\/space-odyssey-ctd\/","title":{"rendered":"Space Odyssey ctd?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #808080;\">Ein Gespenst geht um in der Debatten, ChatGPT. K\u00fcnstliche Intelligenz ist ein irref\u00fchrender und von popkulturellen modernen Mythen vernebelter Begriff. Ulrich Bergmann versucht im <em>Dichtungsring <\/em>etwas Licht in die Diskussion zu bringen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Journalist und Blogger Sascha Lobo sprach von einem Durchbruch: Im Internet gibt es, frei zug\u00e4nglich, seit Ende November 2022 einen schreibenden Chatbot, den das kalifornische Forschungslabor Open AI (Open Artificial Intelligence) in zehn Jahren Forschungsarbeit entwickelte und der weit mehr kann als bisherige Schreibautomaten: ChatGPT (Generative Pre-trained Transformer). Die schreibende Maschine generiert Texte je nach Vorgaben, \u00e4hnlich wie bei Suchanfragen bei Google. Je geschickter oder angepasster die Vorgaben sind, umso zufriedenstellender die Ergebnisse, die sich im Chatverfahren erg\u00e4nzen und verbessern lassen. Verbl\u00fcffend sind: durchweg orthographische und grammatische Richtigkeit, syntaktische Logik der S\u00e4tze, logischer Textzusammenhang, inhaltliche Vermeidung von Wiederholungen und anderen Redundanzen. Ansprechend ist auch der klare und fl\u00fcssige Sprachduktus. Die stilistische Varianz ist jedoch gering.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie so oft, h\u00e4ngen Fluch und Segen eng zusammen: In der Schule lassen sich jetzt Hausaufgaben \u2013 vor allem in den F\u00e4chern Deutsch, Geschichte, Politik, Sozialwissenschaften, Religion &#8230; \u2013 auf die Schnelle generieren, nicht ganz so schnell auch Referate. F\u00fcr die Universit\u00e4t reicht die Kompetenz der schreibenden Maschine noch nicht, zumal sie Quellen, Zitate und Zitatnachweise (noch) nicht liefert. Aber Briefe schreiben, etwa Trauerbriefe und Gratulationen, das geht schon ganz leicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fluch oder auch Segen: Wahrscheinlich in K\u00fcrze lassen sich mit ChatGPT Ank\u00fcndigungen von kulturellen Ereignissen, Texte f\u00fcr Pr\u00e4sentationen, Dramatisierungen von Romanen f\u00fcr die B\u00fchne und Werbetexte schreiben, so dass bisherige Arbeitspl\u00e4tze entfallen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Maschine &#8230; kombiniert Daten mit statistischer Wahrscheinlichkeit wie jede andere ku\u0308nstliche Intelligenz. Sie rechnet, sie denkt nicht.\u201c (Tobi M\u00fcller, Der Midcult-Generator, in: ZEIT-Online, 31. Januar 2023) Der gigantische Wissensspeicher endet allerdings derzeit im Jahr 2021. Die Maschine lernt schnell, automatisch gesteuert. So hei\u00dft es. Aber wie eng ist hier der Lern-Begriff zu sehen &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hohe Wahrscheinlichkeit ist das Prinzip, das sich f\u00fcr Sachtexte eignet, nicht aber f\u00fcr literarische Schreibkunst in Gedichten, Romanen, Dramen, wo das Au\u00dfergew\u00f6hnliche, das Assoziative, Tr\u00e4umerische, Unbewusste, \u00dcberraschende wichtig ist. Das kann ChatGPT nicht. Oder <em>noch<\/em> nicht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die 8. Klasse eines G\u00fctersloher Gymnasiums testete mit ihrem Deutschlehrer Hendrik Haverkamp die F\u00e4higkeit von GPT \u2013 zu interpretieren war ein erst k\u00fcrzlich erschienenes Gedicht. Da versagte GPT, weil der Verfasser nicht gespeichert war, und behalf sich mit einem \u00e4hnlichen Gedicht von Erich K\u00e4stner, kam aber trotzdem zu brauchbaren in sich schl\u00fcssigen Aussagen, orthographisch und grammatisch korrekt, allerdings recht allgemein, ohne Textbeweise und Epochen-Einordnung. (Martin Spiewak, Die 8a gegen die KI, in: DIE ZEIT Nr. 8, 16.2.2023) Die Sch\u00fcler lernen den kritischen Umgang mit KI als Instrument, dessen konstruktiven Wert sie nutzen k\u00f6nnen. Das m\u00fcsste auch im Alltag der Erwachsenen gelten. Aber was passiert, wenn der Lernerfolg von Chatbot GPT von der Quantit\u00e4t allm\u00e4hlich in Qualit\u00e4t umschl\u00e4gt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem Film <em>2001 \u2013 Odyssee im Weltraum<\/em> (1968), dessen Drehbuch Stanley Kubrick mit dem Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke entwickelte, betreibt der Computer <em>HAL <\/em>(die jeweils nachfolgenden Buchstaben ergeben: IBM), die Liquidierung der Besatzung mit der Begr\u00fcndung, dass die im Gegensatz zu ihm fehlbaren Menschen das Projekt gef\u00e4hrden. Dieser Computer ist dialog- und lernf\u00e4hig wie ChatGPT und handelt nach Ma\u00dfgabe einer \u00fcbergeordneten Logik, er emanzipiert sich von seinen Erzeugern und Befehlsgebern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konzerne wie AI und Google arbeiten an <em>artificial general intelligence<\/em>, einem Programm mit der Leistungsf\u00e4higkeit des menschlichen Gehirns &#8230; Kann ChatGPT das verwirklichen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Schriftsteller Rainald Goetz (\u201eIrre\u201c, Roman; \u201eKrieg\u201c, Schauspiel-Trilogie; zuletzt: \u201eJohann Holtrop\u201c, Roman) hielt am 22.2.2023 im Wissenschaftskolleg, Berlin, eine Rede zur Feier der Zeitschriften und des sch\u00f6pferischen und gedruckten Wortes, in der er auch auf Digitalit\u00e4t und KI eingeht (abgedruckt in: DIE ZEIT Nr. 10, 2.3.2023). Goetz betont die Wichtigkeit der sozialen Energie, die sich in dinglich fassbaren Texten, also im Buch, in der Zeitung und in Zeitschriften, nachhaltig konzentriert und offenbart. F\u00fcr das Schreiben gilt: \u201eMan mu\u00df im Zustand der HYSTERIE sein, um Texte schreiben zu k\u00f6nnen, die das wirklich sagen, was einem vorschwebt. V\u00f6llig \u00fcberwertig besessen von Ideen, Worten, Konzepten, Details des Sprachlichen, den Feinstabw\u00e4gungen von Ober- und Untert\u00f6nen des Geschriebenen &#8230; Die Sprache ist allergisch gegen jede Art von Programmatik &#8230;\u201c In diesem Zusammenhang r\u00fchmt er das, was zur sozialen Energie geh\u00f6rt, \u201ediesen Suadaspeed, das Ineinander von Erkenntnis und Erlebnis, Gedanke und Geschichte, die f\u00fcr mich immer noch sch\u00f6nste Textidee: LOSLABERN.\u201c In einer Zeitschrift kommt, so Goetz, \u201e&#8230; fast mehr noch als beim Buch, die reale Materialit\u00e4t des ZUSAMMENSEINS der unterschiedlichen Autoren mit ihren Texten in diesem einen Objekt Zeitschrift dazu &#8230; Die in den Texten gespeicherte Hysterie wird hier so vergesellschaftet, da\u00df sie in die Hysterie der menschlichen Begegnungen \u00fcbergehen kann &#8230; das ist eigentlich der Idealvorgang.\u201c Wenn wir die \u00fcberh\u00f6hten Worte etwas niedriger h\u00e4ngen, gelten sie auch f\u00fcr unsere Zeitschrift, den <em>Dichtungsring<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-104809 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Cover_Dichtungsring63-237x300.png\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Ulrich Bergmann nennt seine essayistischen Alltagsbetrachtungen ironisch &#8222;gedankenmusikalische Polaroidbilder zur Illustration einer heimlichen Poetik des Dialogs&#8220;. Es ist eine bildungsb\u00fcrgerliche Kurzprosa mit gleichsam eingebauter Kommentarspaltenfunktion, bei der Kurztexte aus dem Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper,<\/em> und auch aus der losen Reihe mit dem Titel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40312\"><em>Splitter, nicht einmal Fragmente <\/em><\/a>aufploppen. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em>\u00a0von Ulrich Bergmann finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>. Lesen Sie auf KUNO zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> auch den\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Essay<\/a>\u00a0von Holger Benkel, sowie seinen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15183\">Essay<\/a> zum Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gespenst geht um in der Debatten, ChatGPT. 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