{"id":104771,"date":"1990-05-18T00:08:35","date_gmt":"1990-05-17T22:08:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=104771"},"modified":"2024-07-22T06:30:03","modified_gmt":"2024-07-22T04:30:03","slug":"substance","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/05\/18\/substance\/","title":{"rendered":"Substance"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Abz\u00fcglich des schnellen, verzerrten Punksounds klang die Musik karg und schlicht. Hooks Bass transportiert die Melodie, Sumners Gitarre l\u00e4sst L\u00fccken, statt den Mix mit dichten Riffs aufzuf\u00fcllen, und das Schlagzeug von Steve Morris scheint den Rand eines Kraters nachzuzeichnen. Curtis singt von einem \u201aeinsamen Ort\u2018 im Zentrum dieser leeren Fl\u00e4che aus.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Simon Reynolds<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1976 gr\u00fcndeten Peter Hook, Bernard Sumner und Terry Mason, nach dem Besuch eines Sex-Pistols-Konzerts in Manchester 1976, eine Band, die zu Beginn noch ohne Namen blieb. Sumner lie\u00df zur Gr\u00fcndung verlauten, dass f\u00fcr ihn die Sex Pistols den Mythos des Popstars als eine Art von anzubetendem Gott demontiert h\u00e4tten. Weihnachten 1975 hatte er eine Gitarre von seinen Eltern geschenkt bekommen, und Hook bot sich als Bassist an. In ihrer ersten Besetzung probte die Band mit Mason als S\u00e4nger, der nach kurzer Zeit jedoch zur Rhythmusgitarre und dann an das Schlagzeug wechselte. Per Anzeige am schwarzen Brett des lokalen <em>Virgin-Records-Stores<\/em> suchte die Band zun\u00e4chst erfolglos nach einem neuen S\u00e4nger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neuer und finaler S\u00e4nger der Band wurde schlie\u00dflich Ian Curtis. Hook zufolge begegneten sich die Bandmitglieder und Curtis in ihrer Anfangsphase einige Male, sprachen aber nicht oder nur sehr wenig miteinander. Beim dritten Manchester-Konzert der Sex Pistols, im Dezember 1976, \u00e4nderte sich jedoch der Kontakt. Sumner und Hook wurden durch das neon-orange Tag <em>Hate<\/em> auf Curtis\u2019 Jacke auf ihn aufmerksam und eine lose Freundschaft entstand. Curtis hatte zu diesem Zeitpunkt bereits selbst eine Band gegr\u00fcndet und probte mit dem Schlagzeuger Martin Jackson. Peter Hook zufolge fiel die Entscheidung f\u00fcr <em>Warsaw<\/em>, den englischsprachigen Namen der polnischen Hauptstadt Warschau, der Band \u201eviel einfacher als alle Namenswechsel, die noch folgen sollten.\u201c Die Band w\u00e4hlte den Namen, weil er \u201ekalt und hart klang.\u201c Als Alternative h\u00e4tte lediglich <em>Berlin<\/em> zur Wahl gestanden, jedoch bedingte das St\u00fcck <em>Warszawa<\/em> von David Bowies Album <em>Low<\/em> letztendlich die Entscheidung, weil alle Musiker der Band dieses St\u00fcck mochten. Die Konkurrenzband <em>Warsaw Pact<\/em>, die im November 1977 ihr Album <em>Needle Time<\/em> in Rekordzeit ver\u00f6ffentlicht hatte, erlangte kurzfristig ausreichend Ruhm, um ungewollt Warsaw die M\u00f6glichkeiten zu Konzertbuchungen zu nehmen. Die Bands wurden stetig verwechselt und Warsaw als potentielle Liveband eine Absage erteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vorschlag, die Band <em>Joy Division<\/em> zu nennen, ging von Ian Curtis aus. Curtis hatte das Buch gelesen und Ausz\u00fcge daraus im St\u00fcck <em>No Love Lost<\/em> verwendet. Au\u00dferdem gab er den anderen Bandmitgliedern das Buch zur Lekt\u00fcre. Als Alternative standen unter anderem <em>Slaves of Venus<\/em> und <em>Boys in Bondage<\/em> zur Wahl. <em>Joy Division<\/em> war im Buch der Name, der Gruppen j\u00fcdischer Frauen gegeben wurde, \u201edie in Konzentrationslagern den Nazi-Soldaten sexuell zur Verf\u00fcgung stehen mussten.\u201c (Peter Hook) Hook und Morris hoben die Identifikation mit den Opfern des Faschismus als pr\u00e4gend f\u00fcr die Namensgebung hervor.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Es waren die Unterdr\u00fcckten, nicht die Unterdr\u00fccker. Was auf eine punkige, \u201aNo-Future\u2018-Art genau das war, was wir mit dem Namen ausdr\u00fccken wollten. Es war ein bisschen wie Slaves of Venus, nur nicht so schei\u00dfe.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Peter Hook<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Compilation <em>Substance<\/em> stellt die vier von der Band ver\u00f6ffentlichten Singles zusammen, die nicht auf Alben erschienen \u2013 \u201eTransmission\u201c, \u201eKomakino\u201c, \u201eLove Will Tear Us Apart\u201c und \u201eAtmosphere\u201c \u2013 sowie die meisten ihrer B-Seiten. Es enth\u00e4lt auch Titel, die auf verschiedenen EPs ver\u00f6ffentlicht wurden, insbesondere auf der ersten Ver\u00f6ffentlichung der Band, An Ideal for Living, und auf zwei von Factory Records herausgegebenen Samplern, A Factory Sample und Earcom 2: Contradiction.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei der Titel des Albums, \u201eGlass\u201c und \u201eDead Souls\u201c, waren bereits 1981 auf der Compilation \u201eStill\u201c enthalten. Dar\u00fcber hinaus wurde die Single \u201eAtmosphere\u201c urspr\u00fcnglich in Frankreich als \u201eLicht und Blindheit\u201c mit \u201eDead Souls\u201c auf der B-Seite ver\u00f6ffentlicht; Nach dem Selbstmord von Ian Curtis wurde es als posthume B-Seite der 12-Zoll-Single \u201eShe&#8217;s Lost Control\u201c neu aufgelegt. Die Vinyl-Version verzichtet auf die Single \u201eKomakino\u201c und enth\u00e4lt aufgrund der geringeren Speicherkapazit\u00e4t einer Schallplatte nicht die vollst\u00e4ndigen Titel der EPs. Manchmal ist Digital eben doch besser.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Substance<\/strong> ist ein Single-Compilation-Album von Joy Division. Sie wurde von Factory Records ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-104772 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Joy_Division-Substance_album_cover.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Joy_Division-Substance_album_cover.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Joy_Division-Substance_album_cover-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Joy_Division-Substance_album_cover-160x160.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine erste Schallplatte: \u201eHeart of glass\u201c von Blondie, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/30\/6282\/\">vorgestellt<\/a> von Martina Haimerl. <span data-offset-key=\"eaie5-0-0\">Life circles at 33rpm!, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/16\/meine-erste-schallplatte-2\/\">postulierte<\/a> Mischa Kuball. <\/span><span data-offset-key=\"3f7gr-0-0\">Wer sich hinter \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/09\/meine-erste-schallplatte-oder-mister-b\/\">Mister B<\/a>\u201c verbirgt, beschreibt Christine Kappe. Erg\u00e4nzen ein Artikel zum <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/05\/01\/kassettenuntergrund\/\">Kassettenuntergrund<\/a>. <\/span><span data-offset-key=\"ajv9h-0-0\">\u00bb<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/06\/18\/meine-erste-schallplatte-%e2%80%9edon-juan-von-dave-dee-dozy-beaky-mick-and-tich\/\">Don Juan<\/a>\u00ab von Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich, vorgestellt von Joachim Feldmann. <\/span><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/06\/02\/5165\/\">Eine Reise ins Gl\u00fcck<\/a> von den Lilians, vorgestellt von Ju Sophie Kerschbaumer. \u201eThis charming man\u201c von den Smiths <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/01\/meine-erste-platte-this-charming-man-von-den-schmidts\/\">vorgestellt<\/a> von Haimo Hieronymus. <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/04\/12\/dschaeaeaezz\/\">Dsch\u00e4\u00e4\u00e4zz<\/a>!!!, geh\u00f6rt von Eva Kurowski. Helge Schneider ist wahrscheinlich der bislang einzige Solo-K\u00fcnstler, der gleich mit seiner ersten Platte den Titel <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/04\/02\/die-singende-herrentorte\/\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a> gab. Begleitet wurde er bei den Aufnahmen durch Tonmeister Tom T\u00e4ger im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tonstudio an der Ruhr<\/a>. <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/28\/meine-ersten-drei-platten\/\">Meine ersten drei Platten<\/a>, vorgestellt von\u00a0Marcus Baltzer. <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/04\/06\/meine-musik\/\">Meine Musik<\/a>, vorgestellt von Ulrich Bergmann. Eine Erinnerung an Mensch-Maschinen-Musik<strong>, <\/strong>das Gesamtkunstwerk <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/07\/ruckzuck\/\"><em>Kraftwerk<\/em><\/a>. In ihrem preisgekr\u00f6nten Essay\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17985\"><em>Referenzuniversum<\/em><\/a> geht Sophie Reyer der Frage nach, wie das Schreiben durch das schreibende Analysieren gebrochen wird. Seit 1991 die Lieblingsband der Readktion: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/11\/30\/mona-lisa-overdrive\/\">Mona Lisa Overdrive<\/a>. Vertiefend zur Lekt\u00fcre empfohlen, das Kollegengespr\u00e4ch\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19055\">:2= Verweisungszeichen zur Twitteratur<\/a>\u00a0von Sophie Reyer und A.J. Weigoni zum Projekt\u00a0<em>Wortspielhalle<\/em>. Mit etwas Versp\u00e4tung erschien Pia Lunds zweites Solo-Album <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/10\/21\/ein-geschenk-von-pia-lund\/\">Gift<\/a>. Smile<\/em> war f\u00fcr A.J. Weigoni ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/06\/12\/meine-erste-schallplatte\/\">Versprechen<\/a>. Eine Generation sp\u00e4ter wurde es eingel\u00f6st. Selbstverst\u00e4ndlich auf Vinyl. Und in Mono. Eine Wiederver\u00f6ffentlichung der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/03\/21\/das-herz-des-motorik-beats\/\"><em>Neu!<\/em>-Studioalben<\/a> ist auf dem Label Gr\u00f6nland erschienen. in 1999 ging KUNO der Frage <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/01\/01\/label-oder-available\/\">Label oder available?<\/a> nach. Einen <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/letternmusik.htm\">Remix<\/a> zu basteln ist in der Popmusik gang und gebe. Stephan Flommersfeld hat das Selbe mit der \u201cLetternmusik\u201d gemacht. \u201e<em>Wenn es Videoclips gibt, muss auch die Literatur auf die ver\u00e4nderten medialen Verh\u00e4ltnisse reagieren.\u201c, <\/em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/01\/18\/literaturclips-2\/\">postulierte<\/a> A.J. Weigoni 1991 und erfand mit Frank Michaelis das H\u00f6rbuch. Erweiternd zum Medium der <em>Compact Disc<\/em> auch der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=33102\">Press\/Play<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abz\u00fcglich des schnellen, verzerrten Punksounds klang die Musik karg und schlicht. Hooks Bass transportiert die Melodie, Sumners Gitarre l\u00e4sst L\u00fccken, statt den Mix mit dichten Riffs aufzuf\u00fcllen, und das Schlagzeug von Steve Morris scheint den Rand eines Kraters nachzuzeichnen. 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