{"id":104520,"date":"2003-03-18T16:21:16","date_gmt":"2003-03-18T15:21:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=104520"},"modified":"2023-03-13T16:27:39","modified_gmt":"2023-03-13T15:27:39","slug":"hast-du-auch-nicht-vergessen-die-uhr-aufzuziehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/03\/18\/hast-du-auch-nicht-vergessen-die-uhr-aufzuziehen\/","title":{"rendered":"Hast du auch nicht vergessen, die Uhr aufzuziehen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wollte, mein Vater oder meine Mutter, oder vielmehr beide (denn es war doch beider gemeinsame Pflicht) h\u00e4tten ein wenig bedacht, was sie thaten, als sie mich in die Welt setzten. H\u00e4tten sie ernstlich erwogen, wie viel von dem, was sie vornahmen, abhienge, \u2013 da\u00df es sich nicht allein darum handelte, ein vern\u00fcnftiges Wesen hervorzubringen, sondern da\u00df m\u00f6glicherweise die gl\u00fcckliche K\u00f6rperbildung und das Wohlbefinden dieses Wesens, vielleicht seine geistigen F\u00e4higkeiten und die Eigenth\u00fcmlichkeit seines Charakters, ja (wie kaum anders anzunehmen) wohl gar das Schicksal seines ganzen Hauses durch die Stimmungen und Neigungen, die zu jener Zeit in ihnen obwalteten, ihre Richtung erhalten w\u00fcrden; h\u00e4tten sie alles das, sage ich, pflichtgem\u00e4\u00df erwogen und demzufolge gehandelt, so w\u00fcrde ich \u2013 das ist meine feste Ueberzeugung \u2013 eine andere Figur in der Welt gespielt haben, als die ist, in welcher mich der Leser nun bald sehen wird. \u2013 F\u00fcrwahr, die Sache ist nicht so unwesentlich, als vielleicht Mancher glaubt. Wer h\u00e4tte nicht schon von den animalischen Geistern geh\u00f6rt, und wie sie vom Vater auf den Sohn \u00fcbergehen u.s.w. u.s.w.? Nun \u2013 verla\u00dft Euch auf mein Wort, \u2013 neun Zehntheil aller klugen oder dummen Streiche eines Menschen, seiner Erfolge oder Mi\u00dferfolge in dieser Welt h\u00e4ngt von den Bewegungen und der Th\u00e4tigkeit dieser Geister, von der Art und Weise, wie sie in Gang gebracht werden, ab; denn <span class=\"zenoTXSpaced\">sind<\/span> sie einmal im Gang, dann ist nichts mehr zu machen, \u2013 gut oder \u00fcbel, vorw\u00e4rts geht&#8217;s wie toll, und da sie immer und immer wieder denselben Weg laufen, so giebt das bald eine Stra\u00dfe so glatt und bequem wie eine Chaussee, von der sie, wenn sie erst einmal daran gew\u00f6hnt sind, der Teufel selbst nicht wegtreibt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHast du auch nicht vergessen, die Uhr aufzuziehen, lieber Mann?\u00ab fragte meine Mutter. \u2013 \u00bbGott im Himmel!\u00ab rief mein Vater au\u00dfer sich, aber mit ged\u00e4mpfter Stimme, \u2013 \u00bbhat seit der Erschaffung der Welt wohl je ein Weib den Mann durch eine so alberne Frage gest\u00f6rt!\u00ab \u2013 \u2013 Bitte, was meinte Ihr Vater? \u2013 Nichts!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div><\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"en-Latn\"><i>The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman<\/i><\/span>; kurz <b>Tristram Shandy<\/b>) ist ein zwischen 1759 und 1767 erschienener Roman von Laurence Sterne<\/p>\n<div style=\"width: 223px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=19841&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Gema\u0308lde-von-Joshua-Reynolds.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Gema\u0308lde-von-Joshua-Reynolds.jpg 480w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Gema\u0308lde-von-Joshua-Reynolds-240x300.jpg 240w\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"266\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Laurence Sterne (1713-1768), Gem\u00e4lde von Joshua Reynolds, 1760<\/p><\/div>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\">Laut Friedrich Nietzsche war er <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19824\">Der freieste Schriftsteller<\/a>. Laurence Sterne, der vor 250 Jahren starb, wird zu diesem Anlass mit einer gro\u00dfartigen Werkausgabe geehrt. Der irische Humorist l\u00f6ste mit seinem Roman\u00a0<em>The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman<\/em> 1759 einen Literaturskandal aus, weil der Autor alle Erz\u00e4hlkonventionen auf so k\u00fchne wie geistreiche Weise auf den Kopf stellt. Leben und Ansichten Tristram Shandys\u201c werden im Lauf der Handlung (?) aber kaum zum Gegenstand des Romans, sondern vielmehr die Ehefreuden seiner Eltern und das Liebesleben seines Onkels Toby.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ich wollte, mein Vater oder meine Mutter, oder vielmehr beide (denn es war doch beider gemeinsame Pflicht) h\u00e4tten ein wenig bedacht, was sie thaten, als sie mich in die Welt setzten. 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