{"id":104292,"date":"2003-12-08T21:32:58","date_gmt":"2003-12-08T20:32:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=104292"},"modified":"2022-12-11T21:46:57","modified_gmt":"2022-12-11T20:46:57","slug":"peter-handke-falsche-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/12\/08\/peter-handke-falsche-bewegung\/","title":{"rendered":"Peter Handke: Falsche Bewegung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Handkes Goethe-Rezeption in ihrem Kontrast zu den \u201eLehrjahren\u201c als Gegenwartserkenntnis und poetische Bewegung<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">\u201eIch f\u00fcrchte jedoch, dass die Menschen, wenn einmal die verwaltete Welt existiert, ihre Kr\u00e4fte nicht frei entfalten werden, sondern sich soweit an rationalistische Regeln anpassen, dass sie den Regeln schlie\u00dflich instinktiv gehorchen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Menschen dieser zuk\u00fcnftigen Welt werden wahrscheinlich automatisch handeln: Bei rotem Licht stehen, bei Gr\u00fcn marschieren! Sie gehorchen den Zeichen!\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Max Horkheimer<sup>1<\/sup><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 F\u00fcr mich war es was Normales, dass ich nur einige Sachen von Goethe \u00fcbernommen habe, die mir im Ged\u00e4chtnis geblieben sind. Daraus und aber auch aus dieser ganzen Bewegung habe ich das Buch geschrieben. Ich wollte keine Rekonstruktion der Historie machen, ich wollte die historische Situation, dass jemand aufbricht, unterwegs ist, um was zu lernen, um was anderes zu werden, um \u00fcberhaupt was zu werden, also diese Bewegung ins Drehbuch \u00fcbernehmen. Das ist es auch \u2013 da bin ich ganz sicher \u2013, worauf es Goethe angekommen ist: eine Bewegung oder die Anstrengung, eine Bewegung zu unternehmen. Es war mir wichtig, jemandem zu zeigen, der sich was vornimmt und danach lebt, auch wenn es immer wieder kokett ge\u00e4u\u00dferte Tr\u00e4ume sind, und was werden will, ein K\u00fcnstler, mein ich, etwas tun will, was gleichzeitig auch Arbeit ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Heldenhafte, mit dem der Wilhelm Meister auftritt, ist einfach nicht zu schaffen, auch wenn er sich als Held einer individuellen Geschichte begreifen will. Es f\u00e4ngt ja immer mit monumentalen, wirklich ernstgemeinten Bewegungen an. Aber wer kann schon ein solches Leben f\u00fchren, wo doch alles, was sich noch ereignen k\u00f6nnte, kalkulierbar ist &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Als ich zum ersten Mal nach Deutschland gekommen bin und diese Landschaft zwei Monate lang bereist habe, da habe ich das pl\u00f6tzlich so leibhaftig in mir gesp\u00fcrt, so eine totale Bewegung durch ein Land und nat\u00fcrlich auch so ein gewisses Pathos, dass da jemand aufbricht zu einem andern Leben.<sup>2<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter Handke<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>\u00a0<\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Text der Filmerz\u00e4hlung provoziert beim Leser \u2013 zumal durch die untergeschobene Folie der Goethe\u2019schen \u201eLehrjahre\u201c \u2013 die semantische Vielfalt der Wortassoziationen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 bewegt werden\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (wodurch? \u2013 wozu?)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 bewegt sein\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (wovon? \u2013 wie?)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 sich bewegen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (woher? \u2013 wohin?)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 bewegen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (was? \u2013 wie?)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Irgendwo innerhalb dieser Assoziationsreihe sind Handkes \u201eFalsche Bewegungen\u201c und die seines Filmhelden angesiedelt oder sie umfassen gar die gesamte Serie in dem Sinne, dass es sich nicht nur um falsche Bewegungen des Handke-Wilhelms, sondern des Handke-Ichs handelt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eIst die <em>falsche<\/em> <em>Bewegung<\/em>, die ortsver\u00e4ndernde Bewegung, welche ihn unter Menschen f\u00fchrt, die ihn lieben [&#8230;], nicht allein deshalb schon <em>falsch<\/em>, weil er sich weigert, sich wirklich den menschlichen Erfahrungen zu \u00f6ffnen? Stattdessen blickt er, passiv wie schon zu Anfang, nur in sich, achtet nur auf seine W\u00fcnsche und Tr\u00e4ume, und sehns\u00fcchtig jagt er seinem Ziel nach, in dem Poesie und Politik zusammenfallen &#8230;\u201c<sup>3<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Oder aber: Inwieweit gelten Goethes \u201eLehrjahre\u201c \u00fcberhaupt noch als Grundmuster f\u00fcr eine \u00dcbernahme der in ihnen enthaltenen Probleme in den Gegenwartsbezug? Inwieweit musste sich oder sollte sich bei Handke dieses Grundmuster in den Kontrastbezug zur Goethe-Vorlage entfernen<sup>4<\/sup>, weil sich die Kernfragen heute anders und neu stellen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ist es also Handkes Intention, diesen kontrastierend-exemplarischen Wilhelm seines Filmbuchs als fiktives Extrem eines realistischen Dichterbed\u00fcrfnisses unserer Zeit darzustellen \u2013 mit der Quintessenz, dass sowohl Ansatz wie L\u00f6sung einer Frage (die Goethe in der Form einer aufkl\u00e4rerisch-optimistischen, klassisch-vers\u00f6hnlichen \u201eUtopie\u201c zu l\u00f6sen versuchte<sup>5<\/sup>) heute gar nicht mehr denkbar und l\u00f6sbar geworden sind?<sup>6<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Es ist im \u00dcbrigen interessant, dass Handke zu den ersten deutschen Schriftstellern der Gegenwart geh\u00f6rt, der die Wichtigkeit der Rezeption klassischer Autoren wieder erkannte und mit der \u201eFalschen Bewegung\u201c einer derartigen Aufforderung Benno von Wieses noch zuvorkam<sup>7<\/sup>; in seinem letzten Roman \u201eDie linksh\u00e4ndige Frau\u201c arbeitet Handke konsequent an dieser selbstgestellten Aufgabe weiter.<sup>8<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Auf \u00c4hnlichkeiten oder Unterschiede bei Handkes \u201eFalscher Bewegung\u201c und Plenzdorfs \u201eWerther\u201c-Rezeption verweise ich, wo dies sinnvoll erscheint.<sup>9<\/sup> Vorab sei gesagt, dass die Motivationen bei Plenzdorf und Handke grundverschieden sind:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 W\u00e4hrend Plenzdorf mithilfe der \u201eWerther\u201c-Rezeption eine politische und in diesem Sinne ganz pragmatische Diskussion \u00fcber gesellschaftliche Zust\u00e4nde ausl\u00f6st, reflektiert Handke in der Rezeption der <em>Lehrjahre<\/em> \u201aerst\u2019 \u00fcber die Voraussetzungen eines Menschen, insbesondere eines Dichters oder Schriftstellers, ob und wie er politisch in der Literatur aktiv werden kann, darf und soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Aber es gibt Gemeinsamkeiten in beiden Rezeptionen, die thematisch bedingt sind: in der Er\u00f6rterung des Konflikts zwischen Individuum und Gesellschaft und seines gesamten gesellschaftlich relevanten Umfelds in der Gegenwart \u2013 diese Gegenwart wird, wenn auch auf ideologisch verschiedener Grundlage als Zeit einer neuen, zweiten Aufkl\u00e4rung<sup>10<\/sup> in Bezug gesetzt zur vergangenen Epoche der Aufkl\u00e4rung, und zwar in ihrer komplexen Verschr\u00e4nkung zum Sturm und Drang (bei Plenzdorf) und zur Romantik (bei Handke)<sup>11<\/sup>, wof\u00fcr sich in unserer Gegenwart erneut \u00e4quivalente Zeittendenzen anbieten \u2013 diese werden h\u00e4ufig mit den Begriffen einer \u201eNeuen Innerlichkeit\u201c<sup>12<\/sup>, einer \u201eNeuen Romantik\u201c oder einer \u201ePoetisierung des Lebens\u201c<sup>13<\/sup> beschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bewegt werden<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Eine Gemeinsamkeit, die sich bei Plenzdorf und Handke gleicherma\u00dfen einstellt, spiegelt sich in der Aufbruchssituation der Helden beider St\u00fccke wider; es ist dies im \u00dcbrigen auch ein Grundzug, der f\u00fcr Goethes Werk bestimmend ist, nur mit dem Unterschied, dass diese Aufbruchssituation im \u201eWerther\u201c eine g\u00e4nzlich andere Entwicklung des Helden in den \u201eLehrjahren\u201c nimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 W\u00e4hrend Plenzdorfs Edgar Wibeau seinen Aufbruch in die freiwillige Isolation aus der Verdrossenheit bereits erfahrener Leiden im Elternhaus, in Schule und Lehre motiviert, wird Handkes Wilhelm von der Verdrossenheit einer im Elternhaus vorgefundenen Leere, vor allem aber durch seinen Wunsch, Schriftsteller zu werden, zum Aufbruch bewegt (p. 8). Dieser erste Entschluss Wilhelms ist, in dieser Allgemeinheit, noch nicht als falsche, sondern umgekehrt als einzig richtige und notwendige Bewegung aufzufassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Doch indem er zugleich das Ziel seines Aufbruchs zu einer Reise formuliert: \u201eAber wie ist das m\u00f6glich ohne Lust auf Menschen?\u201c, k\u00fcndigt sich schon das Umschlagen einer zun\u00e4chst richtigen Bewegung in eine Illusion an, in eine falsche Bewegung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wilhelm erhofft sich in der menschlichen Begegnung die Lehre f\u00fcr sein letztes Ziel, Schriftsteller zu werden. Dass dies Illusion bleibt, erf\u00e4hrt der Handke-Leser erst auf Seite 77, wo aus Wilhelms Antwort auf eine Frage Thereses klar hervorgeht, dass er sich durch die menschlichen Begegnungen nicht ge\u00e4ndert hat. Dieser krasse Gegensatz zum Erziehungs- und Entwicklungsgedanken in den Lehrjahren Goethes<sup>14<\/sup> ist das fundamentale Movens der Handke-Erz\u00e4hlung \u2013 und im Vorgriff sei gesagt, dass dieser Kontrast eine politische Implikative Handkes, bereits im Filmbuch, darstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Zun\u00e4chst erinnern aber die Anweisungen der Mutter noch sehr deutlich an die \u201eLehrjahre\u201c, an die Hoffnungen auf eine sinnvolle Reise:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>Aber eins sollst du lernen: da\u00df du dich zu nichts zwingen lassen darfst. Sonst wirst du dir selber fremd, und auch die anderen werden nur etwas Undefinierbares bleiben. Du mu\u00dft immer wissen, was du tust und warum du es tust, und du mu\u00dft dich bei dir selber f\u00fchlen \u2013 auch wenn du gemein wirst dabei. Und la\u00df dich nicht einsch\u00fcchtern, wenn jemand dir sagt, dass du ein unn\u00fctzes Leben f\u00fchrst und dich auf die ernsthafte T\u00e4tigkeit eines Schreiners oder Arztes hinweist: wei\u00dft du, alle Menschen mit begrenzten T\u00e4tigkeiten erinnern mich an vertrocknende Schnecken in zu kurz geschnittenem Gras. Sei t\u00e4tig, aber setz dir keine Grenzen. (p. 14)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die S\u00e4tze der Mutter enthalten in komprimierter Form wesentliche Motive der \u201eLehrjahre\u201c: In ihnen steckt der zentrale Gedanke der Selbstverwirklichung eines Menschen in der allseitigen Entfaltung aller seiner Anlagen.<sup>15<\/sup> Der erzieherische Toleranzgedanke des Abb\u00e9.<sup>16<\/sup> Schlie\u00dflich der wichtige Gedanke, \u00fcber die Selbstfindung zur gesellschaftlichen T\u00e4tigkeit zu gelangen.<sup>17<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bewegt sein<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Eine weitere Anweisung, die die Mutter Wilhelm mitgibt: \u201eUnd verlier dieses Unbehaglichkeitsgef\u00fchl und deinen Missmut nicht, die wirst zu brauchen, wenn du schreiben willst.\u201c (p. 10) nimmt bereits das vorweg, woran Wilhelm schlie\u00dflich scheitert, was er p. 77 selbst bekennt: \u201eSchlimm ist nur, dass ich vor Missmut nicht nur mich selber nicht mehr sp\u00fcre, sondern auch nichts anderes mehr, \u2026 Ich kann auch nichts schreiben vor Unbehaglichkeit.\u201c \u2013 So sind die Lehren der Mutter die ersten falschen Bewegungen zu Beginn seines Aufbruchs. Vom Gef\u00fchl des Missmuts und der Unbehaglichkeit ist Wilhelm vor seiner Reise l\u00e4ngst bewegt und diese Bewegung h\u00e4lt w\u00e4hrend seiner ganzen Reise ungebrochen an. Und doch ist dieses Bewegtsein, als es in Wilhelm noch den Wunsch nach einer Ver\u00e4nderung wachrief, die ihn seiner Selbstverwirklichung und Selbstfindung n\u00e4herbringen sollte, zuerst eine ernste, nicht falsche Bewegung: Durch ein Zeitungsfoto angeregt, auf dem Wilhelm rein zuf\u00e4llig als Passant erscheint, sagt er: \u201eSeitdem bin ich so unlustig. Es wurde mir klar, dass ich bis jetzt all die Jahre wirklich nichts anderes war als dieser beliebige Passant auf dem Foto. Das Foto war auch schon alles, was es \u00fcber mich zu sagen gab. Ich muss versuchen, mehr \u00fcber mich herauszufinden.\u201c (p. 11)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Handkes Filmerz\u00e4hlung zeigt, dass dieses Motiv im Bild der Zugspitze wieder aufgenommen werden muss, weil es Wilhelm bis dahin nicht gelang (und nicht gelingen konnte), mehr \u00fcber sich herauszufinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 All dies, wovon Wilhelm bewegt wird und was ihn bewegt, aus der Leere zur \u201eLehre\u201c aufzubrechen, ist gleichsam die Exposition der Filmerz\u00e4hlung. Man kann sagen, dass die gesamte Filmerz\u00e4hlung Handkes nichts anderes ist als die Ausdehnung dieser Exposition bis hin zum Schluss, denn die Lehrjahre im Sinne der Goethe-Vorlage setzen bei Handke \u2013 gleichsam unsichtbar \u2013 erst auf der Zugspitze ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sich bewegen<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wie Plenzdorfs Held Edgar Wibeau f\u00fchrt Wilhelm in Handkes Filmerz\u00e4hlung ein Buch als Reisebegleiter mit sich; doch ist es nicht, wie bei Plenzdorf, der rezipierte Stoff selber, sondern Eichendorffs Novelle \u201eAus dem Leben eines Taugenichts\u201c. Die Lekt\u00fcre als Begleiter spielt zwar bei Handke nicht im geringsten die dynamische Rolle, die der \u201eWerther\u201c oder Salingers \u201eF\u00e4nger im Roggen\u201c f\u00fcr Plenzdorfs Helden besitzt, dennoch kommt es bei Handke zu einer seinem Filmhelden ebenfalls unbewussten \u00dcberwindung der Rezeptionsfolie, allerdings im entschiedenen Kontrast, in ihrer v\u00f6lligen Umkehrung.<sup>18<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In Wilhelms erster Begegnung mit Therese wird metaphorisch das Ergebnis aller Begegnungen mit Menschen im Verlauf seiner Reise vorweggenommen: Wilhelm und Therese sitzen in verschiedenen Z\u00fcgen, sind sich (noch) fremd<sup>19<\/sup>, die Z\u00fcge scheren auf verschiedenen Gleisen auseinander \u2013 und am Schluss der Filmerz\u00e4hlung entfernen sich beide, Therese und Wilhelm, erneut voneinander.<sup>20<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wilhelms \u201eSehnsucht, Menschen zu finden statt <em>toter<\/em> <em>Seelen<\/em>\u201c<sup>21<\/sup>, wird in all seinen Bewegungen von nun an nicht erf\u00fcllt. Seine Bewegungen (die in den Begegnungen ermittelt werden) sind letztlich eine Reise ohne Start und Ziel im Sinne einer Entwicklung, sie sind nicht nur falsch, sondern Stillstand im Nirgendwo.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Obwohl dem Handke-Helden analog zu den Lehrjahren die extremen Pole einer romantischen<sup>22<\/sup> (Harfner\/Mignon) und einer vernunftsorientierten Welt (Therese) begegnen<sup>23<\/sup>, obwohl ihm die Welt des Industriellen als gegenwartstypisches Symbol der Einsamkeit in Deutschland begegnet<sup>24<\/sup>, gelangt Wilhelm nicht zu den Erfahrungen<sup>25<\/sup> Wilhelm Meisters.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Allenfalls lie\u00dfe sich aber noch von negativen Erfahrungen reden, zumal wenn man bedenkt, wie reichhaltig Dinge, Zeichen, Symbole und Namen in Handkes Text auftauchen.<sup>26<\/sup> Diese unpersonale Welt der Begegnungen scheint mir Handkes Gegenentwurf zu Goethes Roman erst verst\u00e4ndlich zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In den \u201eLehrjahren\u201c dient die Schilderung der konkreten Welt als Spiegel der personalen Verh\u00e4ltnisse in den Begegnungen Wilhelm Meisters:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eThroughout the first five books, the concreteness of the world of objects and the life-like uniqueness of the characters resist Wilhelm and frustrate him in his quest to realize himself.\u201d<sup>27<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sie dient aber zugleich der Entwicklung Wilhelm Meisters, die Dinge der Wirklichkeit sehen zu lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eIn <em><u>Wilhelm Meisters Lehrjahre<\/u><\/em> the world of objects cannot be separated from the contemplating subject; at the moment of perception both are united in the indivisible phenomenon which is reality. This reciprocity between man and his world derives from Goethe\u2019s conviction that both are subject to natural laws and that certain principles in the objective world correspond to certain principles in the beholder. In agreement with this conception the progressively more complex reality in Goethe\u2019s <em><u>Bildungsroman<\/u><\/em> reflects the hero\u2019s increasing ability to \u2018see\u2019, &#8230;\u201d<sup>28<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Es ist nicht nachweisbar \u2013 vielleicht auch nicht denkbar \u2013 dass Handke sich von diesem Aspekt in den \u201eLehrjahren\u201d inspiriert f\u00fchlte, als er seine Filmerz\u00e4hlung schrieb. Der genannte Aspekt scheint mir jedenfalls als ein \u00e4u\u00dferst wichtiger Anhaltspunkt f\u00fcr die Analyse der Handke-Rezeption zu gelten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Welterfahrung Wilhelm Meisters wird bei Handke gewisserma\u00dfen ersetzt durch die Welterfahrung in der Wesensschau<sup>29<\/sup> der Dinge, Zeichen und Symbole des gegenw\u00e4rtigen Deutschlands:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>Ich wei\u00df, ich habe nicht das, was man Beobachtungsgabe nennt, aber, wie ich mir einbilde, die F\u00e4higkeit zu einer Art von erotischem Blick. Pl\u00f6tzlich f\u00e4llt mir etwas auf, was ich immer \u00fcbersehen habe. Ich sehe es dann aber nicht nur, sondern kriege gleichzeitig ein Gef\u00fchl daf\u00fcr. Das meine ich mit dem erotischen Blick. Was ich sehe, ist dann nicht mehr nur ein Objekt der Beobachtung, sondern auch ein ganz inniger Teil von mir selber. Fr\u00fcher hat man dazu, glaube ich, Wesensschau gesagt. Etwas Einzelnes wird zum Zeichen f\u00fcr das Ganze. Ich schreibe dann nicht etwas blo\u00df Beobachtetes, wie die meisten das tun, sondern etwas Erlebtes. Deswegen will ich eben gerade Schriftsteller sein. <\/em>(p. 58)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In dieser Aussage Wilhelms in der Handke-Erz\u00e4hlung klingt deutlich die Sehnsucht nach der Verschmelzung von Gedanken und Gef\u00fchl<sup>30<\/sup> an, wie sie dem Helden der \u201eLehrjahre\u201c erst im Saal der Vergangenheit in der Gesellschaft vom Turm gelingt.<sup>31<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 F\u00fcr Handkes Wilhelm ist eine \u2013 auch bei Goethe sozialutopisch skizzierte<sup>32<\/sup> \u2013 Turmgesellschaft im gegenw\u00e4rtigen Deutschland nicht mehr m\u00f6glich, weil am Beispiel des Industriellen und seines bedeutsamen Monologs \u00fcber die Einsamkeit (p. 44f.) und an der \u201eordentlichen Beschreibung unordentlicher Verh\u00e4ltnisse\u201c\u00a0<sup>33<\/sup> (mittels Namhaftmachung der Dinge, Zeichen, Symbole) der Zweifel an der Ver\u00e4nderbarkeit gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse durch politische Aktivit\u00e4t<sup>34<\/sup> jeden aufkl\u00e4rerischen und neuaufkl\u00e4rerischen Optimismus \u00fcberwiegt. An seine Stelle tritt nun aber nicht eine vordergr\u00fcndige \u201eSehnsucht nach verlorengegangenem Gef\u00fchl\u201c\u00a0<sup>35<\/sup>, auch w\u00fcrde man Handke falsch verstehen, wenn man Wilhelm so einsch\u00e4tzt: \u201eeingesunken in sein Ich und seinen angestrengten Wunsch, Poesie aus sich zu entbinden\u201c (hat er) \u201edie <em>Prosa des Lebens<\/em>, die ihn ekelt oder die er gar nicht wahrnimmt und nicht wahrnehmen will, vers\u00e4umt, verspielt, verloren\u201c.<sup>36<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Im Gegenteil: Die verlorengegangene Einheit von Gef\u00fchl und Gedanke, von Poesie und Leben<sup>37<\/sup> versucht Handkes Wilhelm zur\u00fcckzugewinnen, und zwar ganz im Sinne Goethes<sup>38<\/sup>: the artist surpasses himself by creating a second world, the aesthetic realm which frees him from the contingencies of existence and makes him conscious of his possibilities<sup>39<\/sup>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>Des Menschen gr\u00f6\u00dftes Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umst\u00e4nde so viel als m\u00f6glich und sich so wenig als m\u00f6glich von ihnen bestimmen l\u00e4sst. Das ganze Weltwesen liegt vor uns wie ein gro\u00dfer Steinbruch vor dem Baumeister, der nur dann den Namen verdient, wenn er aus diesen zuf\u00e4lligen Naturmassen ein in seinem Geiste entsprungenes Urbild mit der gr\u00f6\u00dften \u00d6konomie, Zweckm\u00e4\u00dfigkeit und Festigkeit zusammenstellt. Alles au\u00dfer uns ist nur Element, ja, ich darf wohl sagen, auch alles an uns; aber tief in uns liegt diese sch\u00f6pferische Kraft, die das zu erschaffen vermag, was sein soll &#8230;<\/em><sup>40<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 So steht am Ende der Handke-Erz\u00e4hlung nicht die Turmgesellschaft, sondern das f\u00fcr unsere Zeit angemessene \u00c4quivalent: die Zugspitze. In einem Land, in dem die Einsamkeit Triumphe feiert \u2013 und dies zeichnet Handke in grotesken Strichen \u2013 ist der Dichter ebenso wie jedes andere Einzelwesen auf sich allein gestellt, zumal dann, wenn die in der Klassik noch vorhandene Einheit von Mensch und Natur, Gedanke und Gef\u00fchl, Poesie und Politik selbst in ihrem idealistischen Ansatz aufgegeben worden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bewegen<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die in der Gesellschaft nicht erreichte Selbstverwirklichung und die Selbstfindung Wilhelms muss \u2013 gerade weil er ein politisch <em>bewegender<\/em> Schriftsteller werden will \u2013 au\u00dferhalb dieser erst im Sinne des eben genannten Goethe-Zitats noch errungen werden.<sup>41<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Zugspitze ist in Handkes Filmbuch ein mehrdeutiges und dar\u00fcber hinaus ironisches und offenes \u201erealistisches Symbol\u201c\u00a0<sup>42<\/sup>:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Es steht in subtiler Anlehnung an die \u201eLehrjahre\u201c f\u00fcr die Gesellschaft vom Turm.<\/li>\n<li>Es erinnert an Wilhelm Meisters fr\u00fche Auffassung vom Dichter, \u201eder wie ein Vogel gebaut ist, um die Welt zu \u00fcberschweben, auf hohen Gipfeln zu nisten &#8230; er sollte zugleich wie der Stier am Pflege ziehen &#8230;?\u201c\u00a0<sup>43<\/sup> Das w\u00e4re die ironische Variante, welche Handkes Kritiker noch einmal den Vorwurf erheben lassen k\u00f6nnte, nun habe der \u201eBewohner des Elfenbeinturms\u201c seine wahre Behausung gefunden.<\/li>\n<li>Es assoziiert die Einsamkeit des Dichters auf seinem Weg zur Selbsterkenntnis und zu seiner Selbstbestimmung als Dichter.<\/li>\n<li>Es deutet die Notwendigkeit an, dass der Dichter, unbeeinflusst von vorgegebenen gesellschaftlich-ideologischen Positionen, zu einer aus sich selbst gel\u00f6sten Stellung zur Welt findet.<\/li>\n<li>In wortspielerischer Assoziation an den Zug, in dem Wilhelm seine Reise angetreten hatte, sitzt er nun an der <em>Spitze des Zuges<\/em>, hat sich selbst und seine Reise der falschen Bewegung und Begegnungen \u00fcberholt (\u00fcberwunden).<\/li>\n<li>Das Symbol l\u00e4sst aber die richtige Bewegung, die <em>nach<\/em> dem Verlassen der Zugspitze folgerichtig kommen m\u00fcsste, offen. Nur <em>w\u00e4hrend<\/em> Wilhelm sich auf dem Zugspitz-Plateau befindet, klingt (im wahrsten Sinne des Wortes) Optimismus durch das Sturmger\u00e4usch: \u201eEin Schreibmaschinenger\u00e4usch dazwischen, das immer st\u00e4rker wird.\u201c (p. 81) Ob dies aber schon die idealistisch angestrebte Harmonisierung von Poesie und Politik andeutet oder \u201enur\u201c die Selbsterkenntnis und Selbstbestimmung des Dichters als deren Voraussetzung, bleibt unklar.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Im R\u00fcckbezug auf das Zugspitz-Symbol als Schl\u00fcssel der Filmerz\u00e4hlung Handkes werden die \u00c4u\u00dferungen Wilhelms, in denen er sich bewegt, und die \u00c4u\u00dferungen seiner Gegen\u00fcber, die ihn ebenfalls bewegen, erst verst\u00e4ndlich. Bei der folgenden Betrachtung wird sich zeigen, inwieweit die Bewegungen wirklich falsch waren und in welchem dialektischen Verh\u00e4ltnis innerhalb der Bewegungen schlie\u00dflich Wilhelms Umschlagen in die richtige Bewegung steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Auf diese Weise wird zugleich veranschaulicht, was (in der Auffassung Handkes) die Poesie politisch bewegen kann, darf und soll, und wie dies zu geschehen habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Gedanken, die Wilhelm gegen\u00fcber seinen Dialogpartnern vorbringt, steuern im Verlauf der Erz\u00e4hlung immer mehr auf einen Themenkomplex zu, der in der Unterhaltung mit dem Alten (p. 51f.) seine zentrale Er\u00f6rterung erf\u00e4hrt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Dieser Themenkomplex enth\u00e4lt die ganze Spannweite von der ersten Bewegung (Wilhelms Wunsch nach gesellschaftlichem Erleben und Erkennen) bis zur letzten Bewegung (dem Wunsch, Politisches durch Poesie auszudr\u00fccken). Interessanterweise \u00fcbernimmt der Alte, der sonst als \u201eder r\u00fcckst\u00e4ndige Naturselige\u201c\u00a0<sup>44<\/sup> erscheint, in diesem zentralen Gespr\u00e4ch die Rolle eines advocatus diaboli, der den romantizistischen Sehns\u00fcchten Wilhelms oft das humanistische Ideal der \u201eLehrjahre\u201c entgegenh\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wilhelms Weg auf der Suche nach Vers\u00f6hnung des poetischen Prinzips, das sich in romantischer Anlehnung absolut setzt, mit der politisch-prosaischen Aktivit\u00e4t des Schriftstellers beginnt zun\u00e4chst in einem Unverst\u00e4ndnis f\u00fcr alles Politische: Bei seinem Reisebeginn im Zug, die Sch\u00f6nheit der Landschaft und Eichendorffs Novelle vor Augen, fallen Gef\u00fchl und (politischer) Gedanke noch so weit auseinander, dass er feststellt: \u201eIch konnte mir nichts Politisches vorstellen.\u201c (p. 16) Er befindet sich auf einer Reise durch das gegenw\u00e4rtige Deutschland, das er sp\u00e4ter zunehmend in der Wahrnehmung von Dingen und in den Begegnungen von Menschen gleichsam mit dem \u201eerotischen Blick\u201c als durchaus politisch erf\u00e4hrt und erf\u00fchlt: Das ist gewisserma\u00dfen eine in den politischen Zusammenhang projizierte Wesensschau der Dinge, Zeichen, Symbole und Worte, die sich ihm ungeordnet und in den zuf\u00e4lligen menschlichen Begegnungen willk\u00fcrlich konfrontiert.<sup>45<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Als der Alte einmal etwas von der ersten Seite einer Zeitung vorliest, bemerkt Wilhelm: \u201eEs str\u00e4ubt sich in mir, wenn ich da zuh\u00f6re.\u201c (p. 27) \u201eEs kommt mir dann vor, als sei die Politik das Hindernis zum ungezwungenen, unbefangenen Leben und ich denke, dass erst, wenn die Politik abgeschafft sein wird, das hei\u00dft unn\u00f6tig sein wird, das menschenw\u00fcrdige Leben anf\u00e4ngt.\u201c Darauf der Alte: \u201eDu sprichst vom Paradiese, Wilhelm, und dabei, wie mir scheint, eher von einem animalischen als von einem menschlichen.\u201c (p. 28)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wilhelms S\u00e4tze sind hier weniger deshalb interessant, weil in ihnen noch immer Gef\u00fchl und Gedanke derart auseinanderklaffen, dass er mit der spezifisch politischen Sprache nichts anzufangen wei\u00df, sondern vielmehr deshalb: Er formuliert selbst Politisches, wenn auch in unbeholfenen Z\u00fcgen einer weltfremden, beinah schon poetisierten Utopie. Der Satz von der w\u00fcnschenswerten Abschaffung der Politik erinnert von fern an die kommunistische Utopie Karl Marx\u2018 von der Abschaffung des Staates, ist aber bei Wilhelm noch wesentlich radikaler. Ausgerechnet der naturselige Alte verweist solche Utopien ins animalische Paradies. Die romantische\u00a0 Sehnsucht von der Aufhebung der politischen Gebundenheit des Individuums in der Soziet\u00e4t f\u00fchrt \u2013 und hier wird der Naturbegriff des Alten einmal ins Recht gesetzt \u2013 zur Zerst\u00f6rung des humanistischen Ideals, das sich (dies zeigen die \u201eLehrjahre\u201c) eben nur in der Bewahrung einer t\u00e4tigen Gesellschaft selbst und gerade in ihren Widerspr\u00fcchen verwirklichen kann. Wilhelms Utopie aber f\u00fchrt \u00fcber die Aufhebung aller ihrer Widerspr\u00fcche zur Natur in die naturentwurzelte und also nur mehr animalische Isolation des Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wilhelm begibt sich im Folgenden unversehens in einen scheinbaren Entwicklungsprozess seiner Idealvorstellungen. Als er sagt, dass das Aufschreiben von Tr\u00e4umen untauglich sei, formuliert er zum ersten Mal den Ansatz eines Wirklichkeitsbezuges f\u00fcr den Schriftsteller: \u201eIch will etwas schreiben k\u00f6nnen, das ganz und gar notwendig ist, &#8230;\u201c (p. 29)<sup>46<\/sup>. So wird er von seinem Gegen\u00fcber im Dialog in einen inneren Prozess der Zerstrittenheit mit sich selbst gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Weil Wilhelm seine in ihm selbst angelegten Widerspr\u00fcche nicht in der gesellschaftlichen und kommunikativen Begegnung mit der Welt der Dinge (in Deutschland) l\u00f6sen kann, wird man seine Bewegungen falsch nennen m\u00fcssen \u2013 andererseits tragen diese aber zu seinem zweiten Entschluss bei: zu der richtigen Bewegung, zun\u00e4chst \u00fcber sich selbst klarzuwerden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In diesem dialektischen Wechselspiel bewegt sich Wilhelm. Indem er zwischen These und Antithese hin und her taumelt, aber zu keiner Synthese zu gelangen vermag und diese ihm in den Begegnungen nicht vermittelt werden kann, bleibt er in einer in sich selbst sich bewegenden Dialektik, einer falschen Bewegung, gefangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sp\u00e4ter n\u00e4hert er sich zwar in gef\u00fchlsbetonter Weise einer vagen gesellschaftlich orientierten Schreibmotivation: \u201e&#8230; nicht <strong>Schreiben<\/strong> ist das Bed\u00fcrfnis, sondern schreiben <strong>wollen<\/strong> &#8230; Ebenso ist vielleicht Lieben gar kein Bed\u00fcrfnis, sondern lieben <strong>wollen<\/strong> &#8230; Schreiben wollen, lieben wollen &#8230;\u201c (p. 46).<sup>47<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Im Disput mit dem Alten wird jedoch erneut deutlich, dass Wilhelm in seinen alten romantizistischen Traumbewegungen gefangen geblieben ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eEigentlich ist mir das Politische erst mit dem Schreiben unfassbar geworden. Ich wollte politisch schreiben und merkte dabei, dass mir die Worte daf\u00fcr fehlten. Das hei\u00dft, es gab schon Worte, aber die hatten wieder nichts mit mir zu tun. Ich hatte \u00fcberhaupt kein Gef\u00fchl dabei. Ich schrieb, wie vielleicht fortschrittliche Politiker reden, nur hilfloser, weil ich nicht handelte, und pointierter, aber aus Hilflosigkeit.\u201c (p. 51)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wilhelms ansatzweise, aber eben nur scheinbare Entwicklung ist hier wieder in den zur\u00fcckgeworfenen Stillstand einer solipsistischen \u201eBewegung\u201c versetzt: Immer noch, krasser und ihm selbst bewusster, klaffen politischer Gedanke und Gef\u00fchl auseinander. Zur politischen Tat, zu der ihn der Alte statt des Schreibens auffordert (p. 52), ist er umso mehr nicht f\u00e4hig, und er kann es nicht sein, weil er mit sich selbst noch nicht \u00fcbereinstimmt: Seine Bed\u00fcrfnisse fand er \u201ebis jetzt nie von einem Politiker geweckt, immer nur von Poeten. [&#8230;] H\u00f6chstpers\u00f6nliche Bed\u00fcrfnisse hat ein jeder und sie sind die eigentlichen.\u201c So gipfelt Wilhelms immer noch um sich selbst kreisende \u201eErkenntnis\u201c eines Sehnsuchtsgef\u00fchls in dem Satz: \u201eWenn nur beide, das Poetische und das Politische, eins sein k\u00f6nnten.\u201c\u00a0<sup>48<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eDas w\u00e4re das Ende der Sehnsucht und das Ende der Welt\u201c, sagt ihm darauf der Alte.<sup>49<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Diese Kontroverse schlie\u00dft den anfangs mit der Sehnsucht nach der Abschaffung der Politik<sup>50<\/sup> gezogenen Kreis ab: Das animalische Paradies Wilhelms bedeutet nicht nur die Aufhebung aller humanistischen Ideale, sondern ganz elementar das Ende der Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wenn man \u00fcberhaupt davon reden kann, dass Wilhelm etwas in seinen Bewegungen gelernt hat, dann in dem Sinne, dass er von den Dingen der Welt ein \u201eNeues Sehen\u201c erfahren hat<sup>51<\/sup>, indem er das Meer der Gegenst\u00e4nde, dem er schon in einer der ersten Szenen der Filmerz\u00e4hlung begegnete<sup>52<\/sup>, gem\u00e4\u00df seiner Wesensschau als \u201eWelt der Dinge\u201c erkennt und zu ordnen versucht.<sup>53<\/sup> An den \u201efalschen Bewegungen\u201c erkannte er, dass er auch dieses \u201eNeue Sehen\u201c erst noch zu \u00fcberwinden hat, bis er f\u00e4hig ist, auch dar\u00fcber zu schreiben, was ihm nicht nur <em>auf<\/em>f\u00e4llt, sondern auch <em>ein<\/em>f\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 So leiten ihn die falschen Bewegungen letztlich zu seinem zweiten Entschluss, auf der Zugspitze \u00fcber die Selbstfindung zur Weltfindung, \u00fcber die Selbsterkenntnis<sup>54<\/sup> zur Welterkenntnis gelangen zu wollen.<sup>55<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Dann erst wird Wilhelm als Schriftsteller f\u00e4hig sein k\u00f6nnen, die Welt <em>richtig<\/em> zu <em>bewegen<\/em>.<sup>56<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Handkes Rezeption der \u201eLehrjahre\u201c h\u00e4tte nicht sinnvoll ausfallen k\u00f6nnen, h\u00e4tte sie der Goetheschen Utopie vom Turm nicht einen eigenen, dem gegenw\u00e4rtigen Deutschland \u00e4quivalenten \u201aErsatz\u2019 mit dem realistischen Symbol der Zugspitze gegen\u00fcbergestellt. \u2013 Dieses Symbol kann die von Goethe in seinem Roman erreichte klassische Ausgewogenheit von Poesie und Politik nicht erneuern, aber es wehrt jeden Erneuerungsversuch durch eine wie auch immer geartete sehns\u00fcchtig-romantische Bewegung ab. Dieser Versuch ist in Handkes Wilhelm personifiziert und gescheitert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-100352 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Handke_Publikumsbeschimpfung-192x300.jpg\" alt=\"\" width=\"192\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/12\/06\/die-funktion-des-skandals\/\">W\u00fcrdigung<\/a> zu Handkes 80. Geburtstag durch Jutta Ludwig. Wir versuchen auf KUNO die Evolutionsgeschichte des Essays zu vervollst\u00e4ndigen und begreifen die Gattung des Essays auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1 Max Horkheimer in einem \u201eSpiegel\u201c-Gespr\u00e4ch: \u201eWas wir <em>Sinn<\/em> nennen, wird verschwinden\u201c, in: Der Spiegel 1-2 (1970), S. 83<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2 Peter Handke in einem Interview: Materialien Peter Handke, Falsche Bewegung, in: Suhrkamp-Literatur-Zeitung Nr. 1\/2. Programm. Frankfurt\/ Z\u00fcrich\/Wien September 1975 (Beilage, S. 4)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3 <strong>Sch\u00fctte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4 <strong>P\u00fctz<\/strong> behandelt die Frage des Kontrasts in Handkes Rezeption knapp, aber treffend:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEinige Anlehnungen an den Goethe\u2019schen <em>Wilhelm<\/em> <em>Meister<\/em> sind so klar erkennbar, dass es \u00fcberfl\u00fcssig erscheint, sie im Einzelnen zu nennen &#8230;\u201c \u2013 Dem schlie\u00dfe ich mich insofern an, als ich in meiner Untersuchung auf die Herausarbeitung aller, auch der subtileren, Anlehnungen in explizite verzichte; denn \u2013 so P\u00fctz weiter:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Analogien sind &#8230; in den wenigsten F\u00e4llen deckungsgleich, sondern verschieben und \u00fcberschneiden sich &#8230; Handke \u00fcbernimmt gleichsam [&#8230;] ein vorgeformtes Geflecht und ver\u00e4ndert es so, dass zwar das Grundmuster und damit die Tatsache der \u00dcbernahme st\u00e4ndig sichtbar bleibt, dass aber immer mehr F\u00e4den dieses Geflechts in andere Richtungen gelenkt, zu neuen Sinnbeziehungen verkn\u00fcpft werden. Daher sind auf dem Hintergrund der Entsprechungen Kontraste vielsagender als Analogien. &#8230; im scharfen Kontrast zum Goethe\u2019schen <em>Wilhelm<\/em> <em>Meister<\/em> nicht nur als Vehikel der Parodie, sondern gleichsam als photographisches Negativ, das es umzukehren gilt, will man die wirklichen Erscheinungen sichtbar werden lassen. Die Mechanismen tradierter Formen bieten die Kontrastfl\u00e4che, von der sich die neuen Dinge allererst abheben und profilieren. Damit wird Tradition als Mittel der Gegenwartserkenntnis rezipiert und verwertet.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5 Vgl.<strong> Storck<\/strong> 229, <strong>Janz<\/strong> 340, <strong>Luk\u00e1cs<\/strong> 61 f. und 69<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6 Dieser gedankliche Ansatz wird vage angedeutet bei <strong>Buselmeier<\/strong> 60: \u201eWeil aber das Paradies der Einheit aller Gegens\u00e4tze verriegelt ist, rettet sich Handke, wie mancher vor ihm, in den Versuch einer Neubegr\u00fcndung des <em>poetischen<\/em> Denkens, das gegen\u00fcber dem politisch-wissenschaftlichen absolut gesetzt wird &#8230;\u201c (B. r\u00fcckt Handke damit allerdings zu sehr in die N\u00e4he von Novalis, was mir nicht angemessen erscheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>P\u00fctz<\/strong> 2 l\u00e4sst die Frage offen, verweist aber sehr ausdr\u00fccklich auf Handkes \u201eNeues Sehen\u201c von Dingen hin und erw\u00e4hnt in diesem Zusammenhang auch Husserls Ph\u00e4nomenologie. P\u00fctz h\u00e4tte diesen Gedanken (als Begr\u00fcndung daf\u00fcr, dass Handkes Wilhelm einen anderen Weg zu gehen hat als Goethes) daher ruhig expliziter und entschiedener ausf\u00fchren k\u00f6nnen \u2013 vgl. auch Anmerkung 4.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7 Benno von Wiese: Ist die Literaturwissenschaft am Ende? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.1973. (Handke schrieb \u201eFalsche Bewegung\u201c im Juli\/August 1973, schon zuvor hatte er sich im \u201eKurzen Brief zum langen Abschied\u201c mit der Rezeption traditioneller, wenn auch nicht gerade klassischer Texte besch\u00e4ftigt.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">8 Erschienen im Suhrkamp-Verlag, Frankfurt\/M. 1976 (rezeptive Grundlage: Goethes \u201eWahlverwandtschaften\u201c)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9 <strong>P\u00fctz<\/strong> bezieht sich in seiner Handke-Besprechung zweimal auf Plenzdorf und scheint dessen \u201eWerther\u201c-Rezeption, zumindest unter dem allgemeinen Aspekt eines \u201eGrundmusters\u201c der Rezeption, der Handke\u2018schen als vergleichbar gegen\u00fcberstellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">10 Vgl. <strong>Storz<\/strong> 197<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">11 Auch Plenzdorfs Text ist als Filmszenario (und Theaterst\u00fcck) geschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">12 Dazu vgl. den Plenzdorf-Teil meiner Arbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">13 Z. B. <strong>Buselmeier<\/strong> 60<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">14 <strong>Storck<\/strong> 213: Die Selbstfindung ist nur im gesellschaftlichen Zusammenhang m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">15 <strong>Luk\u00e1cs<\/strong> 60<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">16 <strong>Storz<\/strong> 198; <strong>Storz<\/strong> 199 meint (nicht unangemessen im Sinne Handkes), dass weder Leitung noch Theorie Wilhelm auf den ihm gem\u00e4\u00dfen Weg bringen, sondern die Natur, das <em>Unmittelbare.<\/em> Vgl. auch <strong>D\u00fcrr<\/strong> 203-205<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">17 <strong>Storck<\/strong> 216<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">18 Vgl. <strong>P\u00fctz<\/strong> 2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">19 Nach <strong>Storz<\/strong> 192 k\u00f6nnte man auch im Falle Handkes hier von einer \u201eVor-Erscheinung\u201c sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">20 <strong>P\u00fctz<\/strong> 2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">21 <strong>Sch\u00fctte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">22 <strong>Storck<\/strong> 224 f.: Gegenwelt gesellschaftlichen Au\u00dfenseitertums<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">23 <strong>Storck<\/strong> 216<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">24 <strong>P\u00fctz<\/strong> 1; Friedrich Luft in: Materialien Peter Handke, Falsche Bewegung, S.\u00a08<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">25 <strong>Janz<\/strong> 321<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">26 <strong>P\u00fctz<\/strong> 2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">27 <strong>D\u00fcrr<\/strong> 203 \u2013 D\u00fcrr stellt dies bei den \u201eLehrjahren\u201c vor allem im Kontrast der ersten 5 B\u00fccher zu den letzten beiden fest. Stilistisch zeige sich dies bei Goethe auch darin, dass er in den B\u00fcchern 1-5 (bei Beschreibung konkreter Dinge) parataktische, in den B\u00fcchern 7 und 8 dagegen hypotaktische Satzperioden verwende: Stil und Gehalt des Beschriebenen korrespondieren jeweils miteinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">28 <strong>D\u00fcrr<\/strong> 204 \u2013 vgl. hinsichtlich Handke: <strong>P\u00fctz<\/strong> 2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">29 Vgl.<strong> P\u00fctz<\/strong> 1, der auf Husserls Ph\u00e4nomenologie verweist, zumal Handkes Wilhelm (p. 58) selbst den Begriff \u201eWesensschau\u201c verwendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vgl. auch <strong>Buselmeier<\/strong> 60: \u201e&#8230; dieses Sichversenken in die reine Dingwelt &#8230;\u201c (Buselmeier bespricht Handkes \u201eDie Stunde der wahren Empfindung\u201c, leitet dann aber gleich \u00fcber zur \u201eFalschen Bewegung\u201c). \u201eIch selbst habe beim Lesen zuerst an Edmund Husserl und die Ph\u00e4nomenologie gedacht: ad res, ad fontes, <em>zu den Sachen selbst<\/em>; eine rein deskriptive Wissenschaft, die sich ontologisch auf das naive Erschauen der Erscheinungen fixiert. Die Ph\u00e4nomenologie will die Dinge so wahrnehmen, wie sie sich selbst zeigen, unter Abstraktion von ihren geschichtlich-gesellschaftlichen Qualit\u00e4ten. Zu dieser Philosophie des autonomen Gegenstandes scheint Handke ein poetisches \u00c4quivalent zu liefern.\u201c Im Folgenden soll gezeigt werden, dass Handke in seinem \u201epoetischen \u00c4quivalent\u201c geschichtlich-gesellschaftliche Qualit\u00e4ten durchaus impliziert \u2013 gerade durch seine Rezeption der \u201eLehrjahre\u201c und deren Inbezugsetzung zur Gegenwart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">30 Vgl. <strong>Blumenberg<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">31 <strong>D\u00fcrr<\/strong> 207<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">32 <strong>Luk\u00e1cs<\/strong> 69<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">33 <strong>Blumenberg<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">34 <strong>Blumenberg<\/strong>; Z\u00fcrcher 44 f. verweist auf eine dazu korrespondierende Stelle in Handkes \u201eDer kurze Brief zum langen Abschied\u201c (Frankfurt\/M. 1.\u00a0Aufl.\u00a01972, S. 190 f.), wo der Gespr\u00e4chspartner des Ich-Erz\u00e4hlers (der sich ironischerweise einmal mit dem Namen Wilhelm vorstellt), der Filmregisseur John Ford, sagt: \u201eBis vor einem Jahrhundert haben noch die Leute f\u00fcr den Fortschritt gesorgt, die die Macht hatten, ihn auch herbeizu-f\u00fchren: von der Neuzeit an bis vor kurzem gingen die Heilslehren immer von den Machthabern selber aus: von den F\u00fcrsten, den Fabrikherren, den <em>Wohlt\u00e4tern<\/em>. Jetzt sind aber die Machthaber keine Wohlt\u00e4ter der Menschheit mehr, h\u00f6chstens geb\u00e4rden sie sich als Wohlt\u00e4ter an einzelnen, und nur noch die Armen, die Mittellosen und Machtlosen denken sich etwas Neues aus. Die, die allein etwas \u00e4ndern k\u00f6nnten, machen sich keine Gedanken mehr, und so muss alles beim Alten bleiben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">35 <strong>Jeremias<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">36 <strong>Sch\u00fctte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">37 <strong>Storck<\/strong> 226 f.; <strong>D\u00fcrr<\/strong> 209<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">38 Vgl.<strong> Luk\u00e1cs<\/strong> 61 f.: \u201eDer Gestaltung eines in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft notwendig utopisch bleibenden Ideals wie des Humanismus muss notwendig ein gewisser Fluchtcharakter anhaften. Denn kein Realist kann diese Verwirklichung mit der realistischen Gestaltung des <em>normalen Ablaufs<\/em> der Geschehnisse in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft vereinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">39 <strong>D\u00fcrr<\/strong> 207<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">40 Goethes Werke. Herausgegeben von Erich Trunz. 14 Bde. (Hamburg 1948-1960), 8. neubearbeitete Auflage M\u00fcnchen 1973, Bd. 7, S. 405<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">41 Vgl. Peter Handke: Die Tyrannei der Systeme, in: Die Zeit, 2.1.1976: Der Schriftsteller muss \u201e&#8230; sich selber ohne Erbarmen erforschen \u2013 als ob er noch nichts \u00fcber sich selbst w\u00fcsste.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">42 Vgl. <strong>D\u00fcrr<\/strong> 208 f. Ich m\u00fcnze diesen Begriff so auch auf Handke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">43 Goethes Werke. Herausgegeben von Erich Trunz. 14 Bde. (Hamburg 1948-1960), 8. neubearbeitete Auflage M\u00fcnchen 1973, Bd. 7, S. 83. \u2013 Vgl. <strong>Janz<\/strong> 323, der mit diesem Bild die soziale Unbestimmtheit des Dichters in Wilhelm Meisters Wunsch charakterisiert findet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">44 <strong>P\u00fctz<\/strong> 2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">45 <strong>Sch\u00fctte<\/strong> spricht von einer \u201eeigenwilligen, subjektiven Auseinandersetzung mit <em>Deutschland<\/em> (der BRD)\u201c, hinter der \u201eder klassische Stoff des Bildungsprogramms\u201c zur\u00fccktritt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">46 Vgl. auch p. 32: \u201eIch m\u00f6chte nichts Bestimmtes sehen, bevor ich etwas schreiben will &#8230; und zum Schreiben muss ich mich ungest\u00f6rt und genau erinnern, sonst schreibe ich nur was Zuf\u00e4lliges.\u201c \u2013 Diese Bemerkung Wilhelms korrespondiert zu Handkes \u201eordentlicher Beschreibung unordentlicher Verh\u00e4ltnisse\u201c in Deutschland (<strong>Blumenberg<\/strong>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">47 Vgl. dies mit p. 13: Wilhelm zu Janine: \u201eIch m\u00f6chte mich in jemanden verlieben.\u201c \u2013 Die Zusammenh\u00e4nge werden Wilhelm sp\u00e4ter klarer: an die Stelle des W\u00fcnschens tritt das als Wollen definierte Bed\u00fcrfnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">48 Vgl. p. 72: Wilhelm will eine Geschichte schreiben, in der er beweisen will, \u201e&#8230; dass Gutm\u00fctigkeit und Erbarmungslosigkeit zusammengeh\u00f6ren. Ich glaube, es wird eine politische Geschichte werden.\u201c \u2013 Die Vers\u00f6hnung von Politik und Poesie ist Wilhelms Sehnsucht bis zum Schluss, bevor er die richtige Bewegung macht, indem er auf der Zugspitze zuerst die in ihm selbst verankerten hemmend-subjektiven Pr\u00e4missen f\u00fcr seine Selbst- und Weltfindung erforscht, ordnet und kl\u00e4rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">49 Alle Zitate p. 52<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">50 Siehe p. 28<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">51 <strong>P\u00fctz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">52 Siehe p. 9; vgl. <strong>P\u00fctz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">53 p. 56: \u201e&#8230; f\u00fcrs Schreiben ist es besser, dass einem was auff\u00e4llt, statt dass einem was einf\u00e4llt.\u201c Vgl. damit p. 58, wo von der Wesensschau die Rede ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">54 Vgl. <strong>Arnold<\/strong> 26 f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">55 \u201eIn der Kontemplation ist mehr Bewegung, als wenn jemand aufspringt und sich mit Zwischenrufen Luft macht &#8230; Nur die strenge und genaue Abstraktion wendet der Zuschauer auf sich und seine Umwelt an.\u201c (Peter Handke 1969 in der RIAS-Sendung \u201eProminente zu Gast\u201c; zitiert nach <strong>Michaelis<\/strong> 96).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">56 Das betrifft auch Handkes Selbstverst\u00e4ndnis als Schriftsteller. Vgl. <strong>Arnold<\/strong> 32: \u201eWarum wird nicht versucht zu denken, dass die Art Literatur, die ich schreibe, ja nichts Gegens\u00e4tzliches ist zu der aktionistischen oder rein begrifflichen Auffassung von Gesellschaft, Individuum usw.? Als ob die Literatur, die ich mache, nicht auch dazu beitragen k\u00f6nnte, dieses ganze System von Begriffen, von Aktionen mitzubewegen. Als ob die subjektivis-tische Literatur, die ich mache, nicht auch als Korrektur, als ein Modell von M\u00f6glichkeit, Leben darzustellen, akzeptiert werden kann.\u201c (Vgl. auch <strong>Michaelis<\/strong> 84 \u00fcber Handkes Aufsatz von 1967: \u201eIch bin ein Bewohner des Elfenbeinturms\u201c)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht ein wenig \u00fcberspitzt: Der Turm der \u201eLehrjahre\u201c, den Handke als realistisches Symbol in der \u201eFalschen Bewegung\u201c rezipiert, geh\u00f6rt zum richtigen Verst\u00e4ndnis dessen, was er mit seinem Elfenbeinturm auch heute noch in Bewegung zu bringen versucht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Literatur<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Falsche Bewegung<\/strong>, Frankfurt\/M. (Suhrkamp) 1975 (Drehbuch, geschrieben in Venedig, Juli\/August 1973, f\u00fcr \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 den gleichnamigen Film von Wim Wenders, Herbst 1974.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ver\u00f6ffentlicht auch in: Suhrkamp-Literatur-Verzeichnis \u00a0\u00a0 Nr. 1\/2. Programm, Frankfurt\/Z\u00fcrich\/Wien September \u00a0\u00a0 1975, S. 4-25 (vollst\u00e4ndiger Abdruck mit Standfotos der Wim Wenders Verfilmung)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>\u00a0<\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wilhelm Meisters Lehrjahre, Berlin 1795\/96, 4 Bde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Goethes Werke, herausgegeben von Erich Trunz, 14 Bde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (Hamburg 1948-1960), 8. neubearbeitete Auflage M\u00fcnchen \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1973, Bd. 7)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Arnold<\/strong>, Heinz Ludwig: Gespr\u00e4ch mit Peter Handke. In: Text + Kritik, Zeitschrift f\u00fcr Literatur, Heft 24\/24a, 3. Aufl. September 1976, 15-37 (Das Gespr\u00e4ch fand am 29.9.1975 statt.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Blumenberg<\/strong>, Hans C.: Deutschlands tote Seelen. Film: Peter Handke und Wim Wenders auf Wilhelm Meisters Spuren. In: Die Zeit, 21.3.1975<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Buselmeier<\/strong>, Michael: Das Paradies ist verriegelt. In: Text + Kritik, Zeitschrift f\u00fcr Literatur, Heft 24\/24a, 3. Aufl., September 1976, 57-62<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D\u00fcrr<\/strong>, Volker: \u201eWilhelm Meisters Lehrjahre\u201c: Hypotaxis, Abstraction and the \u201eRealistic Symbol\u201c. In: Versuche zu Goethe. Festschrift f\u00fcr Erich Heller zum 65. Geburtstag am 27.3.1976, hg. v. Volker D\u00fcrr und G\u00e9za\u00a0 von Moln\u00e1r, Heidelberg 1976, 201-211<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Fernsehspiele Westdeutscher Rundfunk. Januar \u2013 Juni 1976. WDE-Pressestelle K\u00f6ln. (Auf S. 155 ausf\u00fchrliche Daten zum Film \u201eEine falsche Bewegung\u201c)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Janz<\/strong>, Rolf-Peter: Zum sozialen Gehalt der \u201eLehrjahre\u201c. In: Literaturwissenschaft und Geschichtsphilosophie, Festschrift f\u00fcr Wilhelm Emrich, hg. vom Helmut Arntzen, Bernd Balzer, Karl Pestalozzi und Rainer Wagner, Berlin \/ New York 1975, 320-340<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jeremias<\/strong>, Brigitte: Die hoffnungslose Jugend der siebziger Jahre<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.3.1975<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Luk\u00e1cs<\/strong>, Georg: Wilhelm Meisters Lehrjahre (1936). In: G. L., Goethe und seine Zeit, Berlin 1955, 55-73<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Michaelis<\/strong>, Rolf: Ohrfeigen f\u00fcr das Lieblingskind. Peter Handke und seine Kritiker. Eine Beispielsammlung. In: Text + Kritik, Zs. f. Lit., Heft 24\/24a, 3. Aufl., September 1976, 80-96<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Niehoff<\/strong>, Karena: Tote Seelen, blutendes Fleisch. \u201eFalsche Bewegung\u201c, ein Film von Wim Wenders nach einem Drehbuch von Peter Handke. In: Der Tagesspiegel, 23.3.1975<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>P\u00fctz<\/strong>, Peter: Schl\u00e4ft ein Lied in allen Dingen. In: Suhrkamp-Literatur-Zeitung Nr. 1\/2. Programm, Frankfurt\/Z\u00fcrich\/Wien, September 1975, S. 1-2 (auf S. 4-25 Abdruck von Peter Handkes Filmerz\u00e4hlung \u201eEine falsche Bewegung\u201c)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sch\u00fctte<\/strong>, Wolfram: Tr\u00e4umerei oder Weg nach Innen. \u201eFalsche Bewegung\u201c von Wim Wenders nach Handkes Wilhelm-Meister-Drehbauch. In: Frankfurter Rundschau, 25.4.1975<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Storck<\/strong>, Joachim W.: Das Ideal der klassischen Gesellschaft in \u201eWilhelm Meisters Lehrjahren\u201c. In: Versuche zu Goethe. Festschrift f\u00fcr Erich Heller zum 65. Geburtstag am 27.3.1976, hg. v. Volker D\u00fcrr und G\u00e9za Moln\u00e1r, Heidelberg 1976, 212-234<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Storz<\/strong>, Gerhard: Wieder einmal die \u201eLehrjahre\u201c. In: Versuche zu Goethe, Festschrift f\u00fcr Erich Heller zum 65. Geburtstag am 27.3.1976, hg. v. Volker D\u00fcrr und G\u00e9za von Moln\u00e1r, Heidelberg 1976, 190-200<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Z\u00fcrcher<\/strong>, Gustav: Leben mit Poesie. In: Text + Kritik, Zeitschrift f\u00fcr Literatur, Heft 24\/24a, 3. Aufl., September 1975, 38-56<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Handkes Goethe-Rezeption in ihrem Kontrast zu den \u201eLehrjahren\u201c als Gegenwartserkenntnis und poetische Bewegung \u201eIch f\u00fcrchte jedoch, dass die Menschen, wenn einmal die verwaltete Welt existiert, ihre Kr\u00e4fte nicht frei entfalten werden, sondern sich soweit an rationalistische Regeln anpassen, dass sie&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/12\/08\/peter-handke-falsche-bewegung\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":98374,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[413],"class_list":["post-104292","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-peter-handke"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104292","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=104292"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104292\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104295,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104292\/revisions\/104295"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98374"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=104292"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=104292"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=104292"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}