{"id":104284,"date":"2023-02-22T00:01:57","date_gmt":"2023-02-21T23:01:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=104284"},"modified":"2022-12-08T15:52:58","modified_gmt":"2022-12-08T14:52:58","slug":"harald-groehler-fluechtig-vorgestellt-anhand-einer-reihe-von-buechern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/02\/22\/harald-groehler-fluechtig-vorgestellt-anhand-einer-reihe-von-buechern\/","title":{"rendered":"Harald Gr\u00f6hler \u2026 Fl\u00fcchtig vorgestellt anhand einer Reihe von B\u00fcchern"},"content":{"rendered":"&nbsp;\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wir hatten wenig; sehr wenig. Beinah hatten wir nichts. Das mache ich keinem zum Vorwurf; es sah eben nicht anders aus. Unl\u00e4ngst war grade ein Krieg gewesen<\/em>. Dies die steilen Auftaktzeilen des spannungsgeladnen Klartextbuchs <em>Klepperm\u00fchle<\/em>. Und weshalb denk ich jetzt, um 9 Uhr 23 am 27. Juli 2022, zur\u00fcck an den Morgen des 20. M\u00e4rz, als ich Rolladen hochzog, frischen Schnee sah? L\u00e4ngst nicht blo\u00df Schnee sah ich : Die wei\u00dfgesprenkelte (meisendurchschwirrte) Wiese strotzte vor gelben, lila, violetten, wei\u00dfen Krokussen, leisen Osterglocken, Schneegl\u00f6ckchen, ersten Veilchen, Windr\u00f6schen, Sumpfdotterblumen und \u2013 vielen, vielen Herbstzeitlosen, die wiederum zu einer Fu\u00dfnote in einem l\u00e4ngst geschriebnen Essay f\u00fchrten \u2013\u2013 weswegen denn nun, tja, ganz einfach : nicht <em>um des Reimes<\/em>, sondern um Harald Gr\u00f6hlers <em>willen<\/em>, an dessen B\u00fcchern ich einen Narren gefressen hab. <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">*<\/a> (Es kann sein, dass die Redewendung sich von den\u00a0Hofnarren\u00a0fr\u00fcherer Zeiten herleitet. Diese standen weit oben in der\u00a0Gunst\u00a0der Herrscher und konnten sich \u2013 nicht in Leipzig blo\u00df \u2013 allerlei erlauben \u2026)<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Narren gefressen, seit ich, es war 1984, Gr\u00f6hlers ersten Roman <strong>Rot<\/strong> las, der mich als Leser gleichsam im S\u00b7c\u00b7h\u00b7n\u00b7e\u00b7e\u00b7s\u00b7t\u00b7u\u00b7r\u00b7m eroberte. Und das war \u2013\u2013\u2013 das wurde nach 5, 50, 100, 150, 200 und mehr Seiten klar und klarer : Das war eben kein Sturm im Wasserglas. O nein. O nein. Ich las das Buch flott und flugs zweimal hintereinander : <em>Kl\u00fctsch und Tetzner<\/em> <em>\u2013 der vierzigj\u00e4hrige Tetzner, obwohl er graduierter Ingenieur war \u2013 erschienen mit einem Leiterw\u00e4gelchen auf dem winterlich-vorweihnachtlichen, eisekalten Flohmarkt an Gro\u00df Sankt Martin<\/em>. (2021 ein drittes und keineswegs letztes Mal.) Und, ja, beim ersten Mal flugs, flott, beim zweiten Mal jedoch mit Blatt und Bleistift, ich machte Notizen, Notizen, Notizen (die dummerweise verschwunden sind, einfach weg sind die \u2026), merkte auch durchaus Kritisches an und war sehr und mehr : begeistert. Begeistert von einer pulsierend lebendigen Sprache, wie ich sie in dieser Art zuvor noch nicht gelesen hatte. Und hernach \u2013 das darf ich bald 40 Jahre sp\u00e4ter bedachtsam-stoisch in den Raum stellen \u2013 auch nicht. Was br\u00e4chte es, zu versuchen, diese s\u00fcchtig machende Sprache zu bekritzeln, zu beschreiben? Ich versuche das ja trotzdem immer mal wieder \u2013 wider das be\u00dfre Wissen, da\u00df das ja nichts bringt. Rein \u2013 gar \u2013 nichts. (Lesen : Das bringt was.)<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Novelle \u2013 <em>Weihnachtsnovelle<\/em> \u2013 <strong>Tetzner<\/strong> ist gleichsam eine Erweitrung des Romans <em>Rot<\/em>, in der Frank Tetzner zu neuem, frischem Leben erweckt wird, erneut den m\u00e4nnlichen Hauptdarsteller mimt \u2013 Hauptdarsteller, nun denn, vielleicht, ja, aber eher kein \u203aHeld\u2039 \u2026 auch wenn\u2019s oft (meistens \u2026) turbulent wird, wenn Tetzner auftaucht. So richtig gelingen tut ihm wenig. Vielleicht macht ja gerade das besondren Eindruck auf die Fraun, mit denen er immer wieder freiwillig-unfreiwillig Bekanntschaft macht, die sich von ihm kitzeln lassen, so auch hier nach einem Deal, der nicht zum Abschlu\u00df kommt. Typisch irgendwie, da\u00df es sich auch noch um Frauen zweifelhaften Rufs handelt (was immer das bedeuten mag \u2026), von denen es in K\u00f6ln \u2013 auch in der Vorweihnachtszeit \u2013 immer schon gar nicht so wenige gegeben hat, angefangen mit der fetzigen Agrippina, ohne die es K\u00f6ln ja m\u00f6glicherweise gar nicht g\u00e4be. Jedenfalls nicht so, wie \u203aman\u2039 es halt kennt. Und so, wie ich es zu kennen glaubte, kommt K\u00f6ln auch nicht in diesen K\u00f6lnb\u00fcchern daher. Irgendwie ganz anders geht es da zu, unberechenbarer eben \u2013 so ganz ohne K\u00f6lnisch Wasser, Dom und Fu\u00dfball \u2026 Und gerade das ist ja (auch) so : gut \u2026 (Wobei : Gekl\u00fcngelt wird reichlich \u2026)<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Astreines Alibi<\/strong> \u2026 oder ist es eher doch ein blo\u00df fast reines Alibi? Wer das nun herausfinden will, der wird kaum umhin k\u00f6nnen, diesen rasanten Roman zu lesen, der zwar als \u203aKriminalroman\u2039 etikettiert ist, aber wohl doch eher dem Genre \u203aRoman\u2039 zuzurechnen ist. Sicher, sicher, es gibt eine Leiche, es gibt Verd\u00e4chtige, es gibt ermittelnde Kriminalbeamte, ja, ich finde alle Zutaten vor, die einen Kriminalroman ausmachen. Aber dann ist <em>Astreines Alibi<\/em> doch auch wieder ganz Roman, der durch eine Sprache besticht, die selbst dann noch leuchtet, wenn\u2019s rundherum l\u00e4ngst zappenduster ist. In, wo es zwingend notwendig ist, d\u00fcstren Bildern wird gleichsam \u203aunfa\u00dfbares\u2039 Halbweltmilieu (Milj\u00f6h \u2026) mit schroffen T\u00f6nen geschildert (von wegen sprachlich abgemildert : Speziell dort geht in K\u00f6ln \u2013 \u203aunjefildert\u2039 \u2013 die Post ab, insbesondre in der Halb- oder Unterwelt, da kennt K\u00f6bes, kennt Sch\u00e4ng, kennt T\u00fcnn kein Erbarmen \u2026), hier wildert Anja, die wir aus <em>Rot<\/em> ja gut schon kennen (klar : um einiges j\u00fcnger) ungefragt in Revieren, in denen man sie mitnichten jagen sehen will. Und Tetzner, Titelgeber f\u00fcr <em>eine Weihnachtsnovelle<\/em>, den kennen wir ja ebenfalls gut aus dem Roman <em>Rot<\/em>. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">*<\/a> Dieser \u2026 Tetzner \u2026 Fetzner \u2026 Ketzner \u2026 Setzner, der sich eben \u00fcber manches hinwegsetzt, \u00fcber vieles hinwegfetzt, um Ziele dann doch nicht zu erreichen. Ein Moralist ist dieser Mann, dieser Mensch, dieses Unikum jedenfalls nicht. \u00dcberhaupt nicht. Man frage Anja Wild \u2026 (Um Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen vorzubeugen : Ich sch\u00e4tze Moralisten gar nicht, da zieh ich neunundneunzig Mal und \u00f6fter die Tetzners und Ketzners dieser Welt vor.) Doch zur\u00fcck zur Sprache \u2013 und um die geht es doch in erster Linie beim literarischen Lesen. Inhalt, Stoff, Handlung, Spannung : alles gut, sch\u00f6n, wichtig, sehr wichtig sogar (und : notwendig, wie man h\u00f6rt \u2026), aber hier haben wir\u2019s mit Literatur zu tun, und in der Literatur spielt nun mal die Sprache die erste Geige. <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">*<\/a> Und zwar die allererste : Ja, in <em>Astreines Alibi<\/em> wird dem Volk sehr genau aufs Maul geschaut, hier wird jesproche, wie man eben spricht im k\u00f6lnischen K\u00f6lle (k\u00f6stlich die dia-\/idio-\/soziolektalen Einsch\u00fcbe immer wieder), da hat der Kn\u00fchles von Kommissar vill Brassel (und wenig Massel \u2026) bei der Findung des T\u00e4ters \u2013 der T\u00e4terin? (Wobei hier vom Gendern zum Gl\u00fcck gar nichts gehalten wird, ach, dieses Gendern, man k\u00f6nnt sich kaputtlachen, wenn\u2019s nicht so nervig w\u00e4r, aber das ist ja wieder eine ganz andere Geschichte, kriminell auch, sicher, aber geh\u00f6rt irgendwie nicht hierher.)<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eins ist, wenn ich an die Lekt\u00fcre des Buchs <strong>Geschichten mit Kindern und ohne<\/strong> zur\u00fcckdenke, klar wie, tja, Klo\u00dfbr\u00fche : In diesen Geschichten tauchen, echt, Kinder auf \u2013 oder eben auch nicht. (Echt jetzt?) Im Gegensatz zu etlichen anderen B\u00fcchern Harald Gr\u00f6hlers erinnere ich mich \u2026 an weitres \u2026 nicht. (Schneit es mal?) Wird der Autor mir das nachsehn? Die Lekt\u00fcre liegt, immerhin, m-i-n-d-e-s-t-e-n-s f\u00fcnfunddrei\u00dfig Jahre zur\u00fcck \u2026 Also, was soll ich machen? Ganz einfach : wiederlesen. Gleich zu Beginn der ersten der <em>Geschichten mit Kindern und ohne <\/em>dieses sch\u00f6ne Bild : <em>Hoho; l\u00e4uft da ein neunzehnj\u00e4hriges M\u00e4dchen \u2014 und im Vorbeigehen kitzelt die den S\u00e4ugling einfach an den S\u00f6hlchen. Nach einiger Zeit, einigen Sekunden dreht sich der S\u00e4ugling herum und f\u00e4ngt zu strahlen an. So lang hat das also gedauert \u2013 bis es von den S\u00f6hlchen das ganze Zentralnervensystem entlanggekillert ist!<\/em> Im Grunde \u2013 in der Tiefenstruktur dieser Zeilen n\u00e4mlich \u2013 ist, man schenke mir Glauben, schon der ganze Gr\u00f6hler \u2013 Sound, Stil, Denkungs-, Schreibart, erz\u00e4hlerischer Elan \u2013 da, gegenw\u00e4rtig, vorhanden. (Ich mag das nicht weiter erl\u00e4utern, <u>sprechen<\/u> die Zeilen, die W\u00f6rter schlie\u00dflich doch : f\u00fcr sich \u2026)<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gedichtbuch <strong>Das verdoppelte Diesseits<\/strong> (schreib ich 1991) liegt seit Tagen auf den verschiedensten Tischen herum. Ich habe es zweimal durchgelesen, dabei viele Lesezeichen hineingelegt. Heute morgen will ich es mir mal wieder greifen (das Wort <em>Rauruncula<\/em> klingt nach und will in den Gedichtzusammenhang gesetzt werden), jedoch \u2013 es liegt nicht an der Stelle, wo ich glaubte, es zuletzt zur\u00fcckgelassen zu haben. Ich mache mich auf die Suche : Auf dem Schreibtisch im Arbeitszimmer liegt es nicht, auf dem K\u00fcchentisch auch nicht \u2026 Da macht mich das Lachen von Mrs Columbo neugierig : Sie liegt noch im Bett und \u2026 liest in dem blauen B\u00fcchlein. Und lacht erneut, murmelt etwas vor sich hin, das nach <em>Kannitverstan<\/em> klingt. Sie bl\u00e4ttert um \u2013 und sieht mich im T\u00fcrrahmen stehn. \u00bbH\u00f6r mal zu\u00ab (sie spontan), und ich h\u00f6re : <em>\u00bbIm Regen. \/ Ich zertrete \/ hauslose Schnecken. \/ Ich \u00fcberhole \/ eine Greisin, \/ die singt. \/ <\/em>Oder :<em> \u2026 stand \/ unsicher und sinnlich da. \/ Du \/ warst noch weiter der schmale, \/ sch\u00fcchterne Mann, \/ lieblich. \/ Du siehst aus wie eine Prinzessin \/ sagt sie \/ zu dem Mann.\u00ab <\/em>Harald Gr\u00f6hlers Gedichte sind gut. <em>Kleine Blitze<\/em>. (Drum habe ich mir im Lauf der Jahre, schreib ich nun wieder 2022, fast alle Gedichtb\u00fccher Harald Gr\u00f6hlers angeschafft, so auch den exzeptionellen Band <em>Die Ville. Ein Gedicht und seine Reise von 1956 bis 1996<\/em>, 1996 im Weilerswister Verlag Landpresse publiziert als K\u00fcnstlerbuch mit Bildern von Ekkehard Drefke. <strong>Die Ville<\/strong> also, ein Gedicht, von dem es 19 Fassungen gibt, neunzehn, eine eigenst\u00e4ndiger als die andre, nicht zu fassen \u2026 : <em>und der Dorfdepp bringt Bier, \/ schaumloses Bier \u2026<\/em>) <em>Das verdoppelte Diesseits<\/em> ist, das jetzt wieder 1991, voll Anmut, voll von (oft winzig unscheinbaren) \u2192 \u2192 \u00dcberraschungen, sinnlich, geheimnisvoll, akzentuiert und irgendwie wunderbar wibbelig witzig. Gr\u00f6hlers Gedichte erschlie\u00dfen sich mir l\u00e4ngst nicht nur \u00fcber den Kopf. (Ach nein?) Diese wahnsinnig \u2192 treffend gesetzten Verse wirken federleicht, lederweich (dabei knallhart) montiert, hingeworfne Skizzen. Beim Wieder- und Wiederlesen tun sich mir Gr\u00fcnde, ja, Abgr\u00fcnde auf, Verbindungen, Verflechtungen, Verkn\u00fcpfungen, ganz zart blo\u00df angedeutet. Alles wird in diesem poetischen Tiegel verwandelt, \u203aBegebnisse\u2039 in lyrische (auch : antilyrische) Sprache geformt. Am Ende angekommen, fang ich gleich von vorn wieder an. Bedeutsam : der beil\u00e4ufig aufkrauchende Reim, die immer wieder einmontierte Elision, W\u00f6rter (Wortsch\u00f6pfungen) wie <em>breitschauflig, jammrig<\/em>, <em>l\u00e4rmig, maulig<\/em>, <em>schei\u00dfig<\/em>, der elliptische, aufs Notwendigste eingedampfte Satz in den Erz\u00e4hlgedichten \u2013 und : manches, manches mehr \u2026<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">1997 schreib ich : Wie bewu\u00dft, wie sch\u00f6pferisch ein Autor mit ureignem Lyrikschaffen umzugehn versteht, zeigt Gr\u00f6hler im (fein japa\u00adnisch gebundenen) Ge\u00addichtbuch <strong>Das Mineral der Romantiker<\/strong>, ei\u00adnem weitren \u203aechten\u2039 Gr\u00f6hler im doppelten (verdop\u00adpelten?) Sinne des Wor\u00adtes &#8230; Die Lekt\u00fcre dieser die Magie allt\u00e4glicher Be\u00adgegnungen einfan\u00adgenden Gedichte erscheint mir wie eine Reise zur\u00fcck in fr\u00fchere B\u00fc\u00adcher wie <em>Rot, Geschichten mit Kin\u00addern und ohne, Tetzner <\/em>oder<em> Das verdoppelte Diesseits<\/em>, in denen Harald Gr\u00f6hler ja l\u00e4ngst bewiesen hat, da\u00df er ein au\u00dfer\u00adordentlich origi\u00adneller, eigenwilliger Sti\u00adlist ist, ein Dichter, der zwar <em>seine<\/em> Spra\u00adche l\u00e4ngst gefunden hat, sie aber im vorlie\u00adgenden Band gleich\u00adsam neu entdeckt :<em> 15 Gedichte und ihr Ur\u00adsprungstext <\/em>hei\u00dft es im Unter\u00adtitel des Buchs, in dem die kaprizi\u00f6se, fas\u00adzi\u00adnierend le\u00adbendige, poin\u00adtierte Art Gr\u00f6hlers Seite f\u00fcr Seite auf\u00adblitzt : Axel Kutsch (der in der von ihm bis 1997 besorgten lyrischen Reihe der Landpresse <em>Die Ville<\/em> ediert hat) meinte einmal, es sei doch jam\u00admerschade, da\u00df (der in den fr\u00fchen 1990ern von K\u00f6ln nach Berlin \u00fcber\u00adge\u00adsiedelte) Harald Gr\u00f6hler keinem breiteren Publikum be\u00adkannt sei. Nun hat er ein Gedichtbuch bei der <em>Cor\u00advinus Presse<\/em> ge\u00adlandet (ich darf mich r\u00fchmen, Ver\u00adleger und Autor zu\u00adsammengebracht zu haben), und es werden wohl einige hundert neue Leser auf\u00admerksam werden auf einen Autor, dessen sehr be\u00adwu\u00dft (frei\u00adrhyth\u00admisch) gesetzte, dennoch montage- und skizzen\u00adhaft leicht wirkende Verse, die, je mehr es aufs Ende zugeht, geheimnisvoller, mysteri\u00f6ser, numinoser, r\u00e4tselhafter, schleierhafter wirken, voller unscheinbarer \u00dcberraschun\u00adgen, sinn\u00adlicher Sugge\u00adstio\u00adnen stecken :<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Auf der Stra\u00dfe<\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zwei Personen,<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">die hier n\u00e4her kommen<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">in Fu\u00dfg\u00e4ngerh\u00f6he. Und was<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">mit ihnen? Die<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">verstehen<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">sich so gut, vierzig Jahre sind sie sicher alt;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">der Mann plump,<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">kein Routinier und<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">nichts Feines,<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">so sind sie wohl niemals<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">verheiratet miteinander \u2013 warum schwitze ich nun,<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">und der Eilige sieht das?<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">geht in der Gasse,<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">(auf dem Gesicht). Stumme Botschaften,<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">ich geh auf der Stra\u00dfe. Nur manchmal<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">vermut ich etwas<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">oberhalb des Pflasters.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Quadratisch, faktisch, gut ist Harald Gr\u00f6hlers <em>Novelle auf Goethe<\/em>, die den h\u00fcbschen Titel <strong>Ausfahrten mit der Chaise<\/strong> tr\u00e4gt, auf jeden Fall und ohne den geringsten \u2013\u2013 Zweifel. Quadratisch : Ja, das sieht man schon mit blo\u00dfem Auge; faktisch, das erf\u00e4hrt man dann beim Lesen (wie jetzt???); gut, nun gut, das ist leicht gesagt und f\u00fchrt nicht selten zu Disputen zwischen Leuten, die glauben, es besser zu wissen als die andren. Aber, bitte, jetzt <em>nicht wieder satirisch l\u00e4stern<\/em>, wie es auch gleich zu Beginn des B\u00fcchleins hei\u00dft \u2026 \u00dcberhaupt : Es wird viel zu viel palavert in der Welt der Literatur. Lesen findet im deutschen Sprachraum <em>quasi<\/em> (auch so ein Wort, das ich des \u00f6ftren bei Gr\u00f6hler lese) unter Ausschlu\u00df der \u00d6ffentlichkeit statt. Aber sei\u2019n wir nicht <em>jammrig<\/em>, gucken statt dessen, was wir (wir, wieso wir : Sind wir denn hier auf der Krankenstation?) noch nicht von Gr\u00f6hler gelesen haben : <em>Wortheimat<\/em> (2010 erschienen), <em>Mitlesebuch 122 <\/em>(2015), <em>Niemals sterben. Ewig leben<\/em> (2016) \u2026 Ja, ewig leben und lesen, weiterlesen, wiederlesen, die W\u00f6rter aufjaulen lassen \u2026<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Hochspannend die einfache Frage <strong>Wer war Klaus St\u00f6rtebeker?<\/strong>, die Harald Gr\u00f6hlers 2002 er\u00adschie\u00adnener <em>Spurensuche<\/em> den Titel gibt. <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">*<\/a> Welcher Leser wollte da widerstehn? Der seit Jahren im Osten Berlins lebende Gr\u00f6hler w\u00e4re nicht Gr\u00f6h\u00adler, wenn er nicht mehr als eine blo\u00df historische Erz\u00e4hlung abliefern w\u00fcrde. Nein \u2013 dramaturgisch, ironisch, linguistisch, psy\u00adchologisch, raffiniert, wit\u00adzig, zugespitzt <em>fact and fiction<\/em> verbindend bzw. gegeneinander ausspie\u00adlend, steuert der Autor durch die unheilvollsten Untiefen, an Riffen vorbei und pr\u00e4\u00adsen\u00adtiert uns schlie\u00dflich den Kopf unterm Arm. (Die wunder:toll widerborstigen Wortf\u00fcgungen spr\u00fchn nachgerade vor florierender Frische.) Dieses Buch ist nach <em>Aus\u00adfahr\u00adten mit der Chaise<\/em> ein weitrer Beweis ist f\u00fcr Lust an gr\u00fcndlicher \u2013 minuzi\u00f6ser \u2013 Re\u00adcher\u00adche sowie literarische Originalit\u00e4t dieses urigen, vitalen, wuseligen Literaturmenschen mit dem sausundbrausgepr\u00e4gten Stil, den ich als einer der <em>happy few<\/em> seit dem Gro\u00dfstadtroman <em>Rot<\/em> : liebe.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der mich hierhin und dorthin und wieder zur\u00fcck zerrenden Lekt\u00fcre von <em>Klepperm\u00fchle<\/em> erfahre ich von einem \u00bbHerrn Gehlen\u00ab, der einst (klar : vergeblich) um die Gunst von Ben G\u00f6lers Mutter warb \u2013 und G\u00f6ler sp\u00e4ter f\u00fcr den BND, ja, anwerben wollte (was dieser, seiner musischen Natur gem\u00e4\u00df, rundweg ab-, zur\u00fcckwies). War das tats\u00e4chlich also \u203ader\u2039 Reinhard Gehlen, der 1956 (meinem Geburtsjahr, Frechheit \u2026) den BND institutionalisierte, 12 Jahre lang leitete? Er war es, pr\u00e4chtig. Und so kommt ein Gr\u00f6hlerbuch zum andren, denn geschwind bestell ich <strong>Inside Intelligence<\/strong>, auf das ich nun doch m\u00e4chtig zapplig neugierig bin, ich schwitze auf m\u00fchenden Sohlen. Ja, Buch da : Ich rase, renne, rotiere (Peer Quer steht Schmiere), bin zackzack auf Seite 79 : <em>Mit den Kaffeebohnen kauften die Mitarbeiter \u2013 oft genug auf schnurgeradem Wege und ohne den Umweg, den unn\u00fctzen, \u00fcber das Geld \u2013 Nylons ein, nie gekannt d\u00fcnne Str\u00fcmpfe, und todschicke Doppeldinger in meist zutreffender Gr\u00f6\u00dfe, die den hausbackenen Namen B\u00fcstenhalter hatten <\/em>[\u2026]<em> und manchmal auch wieder Bohnenkaffee, und wieso sie das nun taten, wussten sie gar nicht zu sagen.\u00a0<\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Famos, denk ich (immer noch \u00fcber diesen gewitzten, verschmitzten <em>Inside-Intelligence<\/em>-Gr\u00f6hler griemelnd, grinsend, glucksend, vor allem gegen Ende mich \u00f6fters verschlucksend), ge&#8212;ni&#8212;al : ein literarisches, drum sehr ernstzunehmendes Buch \u00fcber eine schwer ernstzunehmende Institution, die Unsummen verschlingt \u2013\u2013 wof\u00fcr? F\u00fcr \u2026 nix. So? Manches ist m\u00f6glich in Mitteleuropa. Harald Gr\u00f6hler, z. B., im damals deutsch-schlesischen Hirschberg, heute polnischen Jelenia G\u00f3ra geboren, k\u00f6nnt also auch polnischer Schriftsteller sein, w\u00e4r er nicht 1945 mit Mutter, Geschwistern (Vater kam sp\u00e4ter) ins Frankenland abgehauen. Da\u00df es mit dem Erz\u00e4hlband <strong>Eine Selbstm\u00f6rderin \/ Samob\u00f3jczyni <\/strong>nun ein deutsch-polnisches Buch von ihm gibt, das ist, also, ja, das ist total stimmig, zweistimmig sogar, um genau zu sein, das ist einfach g\u00e4nzlich g-u-t. Der Titel klingt weniger gut \u2013 obwohl\u2019s ein sehr guter Titel ist. Mal schaun. Mal sehn. Mal : lesen. Weiter geschm\u00f6kert. Irre geht es zu in den Geschichten. Irre. Im besten Sinne macht mich das Lesen \u2013 kirre : <em>Mich bringt <\/em>[nicht blo\u00df]<em> Ferdy auf Trab<\/em>. In diesen geradezu absurd komplexen Schwirrg\u00e4rten kann man hoffen, sich so sehr zu verlieren, dass man s\u00b7i\u00b7c\u00b7h endlich : findet. (Und nicht ver&#8212;schwindet.)<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke, tr\u00e4umend, den : Wurzeltraum (keine Leier ohne Meier), tr\u00e4um vom Seel\u00f6wen, dessen blaublauer Schnurrbart Pflanzen k\u00fc\u00dft, tr\u00e4um von der noch unbewegten Brandung der d\u00fcstren Nacht, von blaugrauen, schwarzen L-o-k-o-:motiven (nichts als Schwarzprahlerei), von Pachakuti, letztem Gro\u00dfk\u00f6nig der Inka, von der Vogelpackung mit Kr\u00e4hen angef\u00fcllt, vom kyrillischen Wandsturm, vom blaugr\u00fcnen Blut und wildt\u00e4tigen Baumt\u00e4nzer, vom Bandwurm auf dem Balkon in Las Vegas, und ich denk, die Gegenwart ist blo\u00df ein Blatt des Baums, an de\u00adm, huch, Harald Gr\u00f6hler \u2013 wie so oft<em> in Eile, im Mantel<\/em> \u2013 vorbeirast und mir, r\u00fcckblickend, zuruft : \u00bbEine solche Reaktion \u2013 so in dieser Weise eben ausgedr\u00fcckt \u2013 wiegt tausend tote Stunden auf!\u00ab Und dabei kann er die Reaktion ja noch gar nicht kennen. Hier also ist sie : Ich habe soeben den Erz\u00e4hlband <strong>In Eile, im Mantel <\/strong>gelesen, bin \u2026 bin \u2026 bin \u2013 begeistert : ganz der alte \u2013 jungejunge \u2013 Gr\u00f6hler. Das sind fabelhafte, b\u00f6se \u00bbStories\u00ab (in denen Ereignisse defheftig sich \u00fcberschlagen) : Bis in die Ver\u00e4stelungen hinein \u203aerkenne\u2039 ich wieder den Gr\u00f6hlerschen Baum (<em>ein Baum, \/ der noch Bl\u00e4tter hat \/ und, gr\u00fcn sind die<\/em>, les ich, ungelogen, nein, hier wird nichts, rein gar nichts verbogen usw., Sekunden, nachdem ich \u00bbBaum\u00ab schrieb \u2013 und den Rest des Satzes, bis auf diesen Einschub hier, Wort f\u00fcr Wort f\u00fcr Wort im Kopf hatte \u2013, im Gedicht <em>Was ich im November machte<\/em>, das auf Seite 28 in <em>Frischer Schnee<\/em> steht \u2013 denn eins ist ja klar wohl, da\u00df ich n\u00e4mlich die B\u00fccher Harald Gr\u00f6hlers in diesen Tagen hier nun alle um mich herum versammelt hab, dieweil ich dar\u00fcber schreibe \u2026), den struppigen Gr\u00f6hlerbaum also, den ich, Blatt um Blatt von ihm herunterpfl\u00fcckend, seit den neunzehnhundertachtzi\u00adger Jahren immer wieder besteig, <em>bis ich hinter dem einzigen gr\u00fcnen Baum \/ f\u00fcr ihn unsichtbar werde<\/em>. Und \u203abestiegen\u2039 wird ordentlich in diesen fiesen Geschichten, diesen <em>neuen Stories<\/em>, \u2013 oder eben auch nicht. Der Auftakt mit der Erz\u00e4hlung <em>Leute, was sich so \u00e4ndert!<\/em> ist ja doch vergleichsweise harmlos : <em>Eine Woche, bevor der Syrer mit seiner frisch gewaschenen Bettw\u00e4sche das Trara veranlasste, musste ich schon eine Menge umlernen. Da ging es los. Als ich mit der Frau Hertel einen Haarschneidetermin vereinbarte, kapierte ich danach bald mehr.<\/em> Aber dann, aber dann geht doch schnell schon die Post ab \u2026 Hach, diese flott schwingende, pfiffig klingende, frech mit W\u00f6rtern umspringende Sprache <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">*<\/a> \u2013 ob in Roman, Geschicht, ob im Essay, Gedicht (wiederhole mich gern) : Ich \u2013 liebe \u2013 sie. Ja, dieser Spracherneuerer Harald Gr\u00f6hler \u2013 ich w\u00fcnsch ihm leuchtfr\u00f6hliche Flummitraumweiten. (Und noch mal : und so weiter \u2026)<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Sprung durch den Teich<\/strong> \u2013 ein feiner Titel. Der Untertitel l\u00e4\u00dft mich erst mal stutzen : <em>Die Metaphysik der Gedichte<\/em> \u2026 L\u00e4\u00dft hier wohl Giorgio de Chirico gr\u00fc\u00dfen? Dessen \u2026 <em>Pittura Metafisica<\/em>? (Auf diese spiele ich auch in einem meiner Gedichte an : <em>ein ungeschehner augenblick<\/em>. Das aber blo\u00df am Rande.) Bereits der Oberstufensch\u00fcler Harald Gr\u00f6hler war von der Malerei begeistert, die de Chirico ab Ende 1909 entwickelte (sich so vollends befreiend von Vorbildern wie Arnold B\u00f6cklin und Max Klinger). Malerei als M\u00f6glichkeit der Erinnerung, als indirekte Erz\u00e4hlung pers\u00f6nlicher Erfahrung. Nicht sichtbare Welt wollte de Chirico darstellen, sondern Ungew\u00f6hnliches, R\u00e4tselhaftes, so noch nicht Gesehnes. Ungew\u00f6hnliches, R\u00e4tselhaftes, so noch nicht Gelesnes darklarwahrstellen, Sinn, Zweck allen Seins und Scheins auf den Grund gehn (auf den Mund sehn) \u2013 tun das nicht die auch immer wieder surrealistisch angehauchten, schwungvoll geschriebnen Gedichte Harald Gr\u00f6hlers? Sie tun es, sie tun es, das kann ich hier locker versichern \u2013 <em>und es ist schwarz vor Dunkelheit. \/\/\/ Ein Feuer noch brennen lassen \u2026<\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wort <em>Feuer <\/em>spielt auch eine Rolle in einem Gedicht, das ich in der 2022 von Axel Kutsch herausgegebnen Lyrikanthologie <em>Versnetze_15 \u00b7 Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart<\/em> lese : <em>Sonne \/ Feuer, kalte Quellen, in die er doch hineinfasst; <\/em>was mich nach dem <em>Sprung durch den Teich<\/em> kurz auftauchen l\u00e4\u00dft, um gleich in diese andere Art Gedichtbuch einzutauchen. Ohne die Versammlung von Gedichten zeitgen\u00f6ssischer Autoren in umfangreichen B\u00fcchern wie <em>Jahrbuch der Lyrik<\/em> (in dem Harald Gr\u00f6hler 2022 erstmals vertreten ist) oder <em>Versnetze<\/em> w\u00e4re es dem an zumindest exemplarisch umfassendem \u00dcberblick interessierten Leser nur schwer m\u00f6glich, diesen zu gewinnen. So mancher Stimme, die mich unmittelbar ansprach, bin ich zun\u00e4chst in einer Lyrikanthologie begegnet, um sogleich das eine oder andere Gedichtbuch dieses Autors zu bestellen. Das sind die gl\u00fccklichen Momente beim Lesen dieser Art Buch \u2013 durchaus mit der \u203aLiebe auf den ersten Blick\u2039 vergleichbar : dank eines einzigen Gedichts einen Autor f\u00fcr sich zu entdecken, dessen Versen man hier zum erstenmal begegnet und von dem man im Anschlu\u00df viel, viel mehr lesen will \u2026 Seit Jahrzehnten geh\u00f6rt die Stimme Harald Gr\u00f6hlers zu denen, die regelm\u00e4\u00dfig in <em>Versnetze<\/em> (sowie deren Vorl\u00e4ufern in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts) zu vernehmen sind. Der aus Gr\u00f6hlers Gedichten klingende Ton verhilft dem vielstimmigen Chor, den Herausgeber Kutsch akzentuiert ausw\u00e4hlt und akribisch arrangiert, zu der Originalit\u00e4t, die ihm von berufner Seite nachgesagt wird : So betont etwa Crauss wiederholt, da\u00df <em>versnetze eine der wichtigsten sammlungen deutschsprachiger poesie ist, vor allem, weil sie einmal nicht davon ausgeht, dass berlin der dreh und nabel von allem ist<\/em>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Klepperm\u00fchle<\/strong> \u2013\u2013\u2013\u2013\u2013 ein Roman? Oder, etwa, frag ich mich, ganz auf die Schnelle, eine Novelle (wie wir sie auch schon von Harald Gr\u00f6hler kennen)? Da hak ich doch lieber und vorsichtshalber mal beim Autor nach, der, wie es seine gute Art ist, ausf\u00fchrlich antwortet : <em>Das Buch ist, wie der Untertitel bereits sagt, ein Bericht.<\/em> (Aber irgendwie auch eine Roman, gar eine Novelle \u2013 mit unerh\u00f6rtem Ereignis \u2013, denk ich, und weise mich sogleich zurecht : H\u00e4ng dich doch nicht an bl\u00f6de Begriffe.) <em>Meine Mutter war mit uns Kindern 1945 nach Sch\u00f6nwald in Nordbayern gekommen, und ich bringe verbl\u00fcffende Augenblicke aus f\u00fcnf Generationen der Familie Arnim-Borch-Uslar. Diese Familie lebte seit f\u00fcnf Generationen hier. Ein Arno Arnim hatte eines der gro\u00dfen zusammenh\u00e4ngenden Waldgebiete Deutschlands kaufen k\u00f6nnen, das schildere ich kurz. Das Waldgebiet zieht sich bei Sch\u00f6nwald hin. Arnim erwarb den Wald 1872 von s\u00e4chsischen Spekulanten aus Plauen. Die hatten aber seit 1871 gewaltige Fl\u00e4chen binnen anderthalb Jahren abgeholzt, sie besa\u00dfen ein damals hochmodernes Dampfs\u00e4gewerk. Der Arnim forstete nun die Kahlschl\u00e4ge alle wieder auf, er hing an diesem Wald, er war ein fr\u00fcher \u00d6ko-Mann. In den W\u00e4ldern liegt auch die Klepperm\u00fchle.<\/em> Na, ich will k\u00fcnftigem Leser die Spannung nicht nehmen, verzichte auf weitre Ausf\u00fchrungen zum Plot des im Dezember 2021 publizierten Buchs, von dessen Erscheinen ich allerdings erst im Juli 2022 erfahre. Kein olles, neinnein, ein d-o-l-l-e-s Umschlagbild ist das mit diesem \u00fcberwucherten uralten Bruchsteinhaus \u2026 gleichsam : p-h-a-n-t-a-s-t-i-s-c-h. Und dann der Titel : <em>Klepperm\u00fchle<\/em>. Das Wort lasse ich mir mehrfach auf der Zunge zergehen : Klepperm\u00fchle. Klep-per-m\u00fch-le. Ein Buch, das den Titel <em>Klepperm\u00fchle<\/em> tr\u00e4gt, ja, ein solches Buch will ich lesen, zumal von Harald Gr\u00f6hler geschrieben, dessen mundgerecht durchgearbeiteter idiosynkratischer \u2013 stimmiger \u2013 Sprache (Duktus \/ Kollokation \/ Phraseologie \/ Prosodie \/ Sound \/ Stil \/ Syntax \/ Wortwahl \/ \u2026) mit diesen fortw\u00e4hrend faszinierend feinen Verr\u00fcckungen ich f\u00f6rmlich (f\u00fcrwahr \u2026) verfallen bin. Ja, ich r\u00e4um\u2019s freim\u00fctig ein, ich bin abermals : b-e-g-e-i-s-t-e-r-t; und wer das anhand des hier zitierten Abs\u00e4tzchens wom\u00f6glich nicht nachvollziehen will, der m\u00f6ge tun, was ich so lang schon im literarischen Kontext empfehle : das springmauslebendige Buch \u2013 ganz einfach \u2013 in G\u00e4nze lesen. <a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">*<\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war dann, so in den f\u00fcnfziger Jahren, in einer Jungengruppe, die sich im Wandervogel-Verband locker organisiert hatte. Und da fiel mir die Rolle zu oder es war auch meine eigne Idee, die leerstehende Klepperm\u00fchle als unseren Gruppen-Treffpunkt zu erbitten, vom Freiherrn Alhard, der mittlerweile die W\u00e4lder von seinem Papa geerbt hatte. Der Alhard, der meine Familie und von dieser vor allem die Ellen fl\u00fcchtig kannte, verschloss sich nicht meinen Bitten. Zum Nulltarif gemietet, so kriegte ich mit siebzehn Jahren die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die M\u00fchle.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Schwer blo\u00df kann ich loslassen vom be-be:rauschend wirkenden Klepperm\u00fchlenbuch, in dem es bisweilen ganz sch\u00f6n scheppert : Als der Icherz\u00e4hler das vierst\u00fcndige \u2013 allerallerheftigste \u2013 andorranische (!) Gewitter schildert, wird mir angst, ja, bange. Eben bittet mich Enkelin Katharina, die demn\u00e4chst eingeschult wird, ins Freundebuch zu schreiben. Unter Lieblingsbuch schreib ich nach nur kurzem \u00dcberlegen : Harald Gr\u00f6hler, <em>Klepperm\u00fchle<\/em>. (Kein <em>K\u00e4u<\/em>, echt wahr!)<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt aber: <strong>Dichter! Dichter!<\/strong> Der Titel (ein Zitat) ist ironisch, gar sarkastisch zu verstehn, keine Frage. Und das wird, in der Tat, schnell schon klar, hat man einmal angefangen zu lesen. Ja, die Schriftsteller k\u00f6nnen schon ganz sch\u00f6ne Heinis sein, begegnet man ihnen pers\u00f6nlich. Harald Gr\u00f6hler schildert herb, scharf, unverbl\u00fcmt, wie er ihnen begegnete, diesen Heinis \u2026 Wobei, Heinrich B\u00f6ll war ja eher kein Heini. (Der war eher ein : Feini.) Auf Seite 26 \u2013 im Kapitel \u00bbRolf Dieter Brinkmann\u00ab werden Augenlider so richtig heftig hoch:g-e-r-i-s-s-e-n : <em>Auch einen Theo Breuer, der sp\u00e4ter enthusiastisch \u00fcber ihn geschrieben hat, schw\u00e4rmerisch (zum Beispiel in \u00bbAus dem Hinterland\u00ab), h\u00e4tte er weggebissen \u2026<\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich mag die Vorstellung vom vierbl\u00e4ttrigen Kleeblatt. Habe es hin und wieder als Bild benutzt, was ich jetzt auch wieder tun werde. Ich habe sogar mal eins gefunden, unter einem gro\u00dfen und sehr alten Baum im K\u00f6lner Stadtwald. Das war so um 2020 \u2026 Und da ich Gr\u00f6hler bereits mit einem Baum verglichen hab sowie aus einem Baumgedicht in <strong>Frischer Schnee<\/strong> zitiert \u2013 warum also sollt ich unter diesem Gr\u00f6hlerbaum nicht ein vierbl\u00e4ttriges Kleeblatt finden, ein Blatt f\u00fcr <em>Rot<\/em>, ein Blatt f\u00fcr <em>Klepperm\u00fchle<\/em>, ein Blatt f\u00fcr <em>Frischer Schnee<\/em>, ein Blatt f\u00fcr <em>Astreines Alibi<\/em>. Und was ist mit <em>Dichter! Dichter!?<\/em> Mit <em>St\u00f6rtebeker<\/em>? Mit <em>Sprung durch den Teich<\/em>? Gar mit dem <em>verdoppelten Diesseits<\/em>? Okay, okay, jetzt mal nicht so ungeduldig: Vierbl\u00e4ttrige Kleebl\u00e4tter findet man nicht so schnell als Paar. Und f\u00fcr die Auswahl spricht: <em>Rot<\/em> dreimal gelesen, <em>Klepperm\u00fchle<\/em> zweimal, <em>Frischer Schnee<\/em> dreimal, <em>Astreines Alibi<\/em> zweimal. Man sei also froh, da\u00df hier nicht die Inselfrage gestellt wird: Da h\u00e4tt ich mich \u2013 wahrlich und wahrhaftig \u2013 schwergetan mit der Antwort \u2013 \u2013 \u2013 <em>Rot<\/em> oder <em>Klepperm\u00fchle<\/em>? (Oder doch ein Buch mit Gedichten \u2026) Kurzweg la\u00df ich noch einmal alle B\u00fccher Harald Gr\u00f6hlers vor dem geistigen Auge paradieren, la\u00df <em>Inside Intelligence<\/em> aus der Reihe tanzen, denk : ein gro\u00dfartig gegl\u00fccktes \u2013 und sehr wichtiges \u2013 Buch, das vieltausendfach gelesen werden sollte. Hab ich schon mal erw\u00e4hnt, da\u00df ein sch\u00f6ner Moment f\u00fcr mich auch jener ist, in dem ich ein zu Ende gelesnes Buch an die entsprechende Stelle im Regal r\u00fccke? Das hat f\u00fcr mich sogar etwas gleichsam Sakrales, vergleich ich es doch mit dem Moment (da werden jedes Mal Erinnerungen wach an den Me\u00dfdiener, der ich als Junge war), in dem der Priester am Ende der Messe den Kelch in den Tabernakel zur\u00fcckstellt. Im Gr\u00f6hlerfall verharre ich vor den nunmehr sechzehn B\u00fcchern, sortierte sie zun\u00e4chst um, nehme sie sodann noch einmal einzeln in die Hand, bl\u00e4ttre, lese diese Zeile, jenen Vers, erinnre mich, als ich den Roman <em>Rot<\/em> erstmals las.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIl faut \u00eatre absolument moderne.\u00ab Hat dieses Diktum etwa an Aktualit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft \u2013 \u203aheute\u2039 : 2022? Berichte, Gedichte, Stories, Romane Harald Gr\u00f6hlers \u2013 zeitgen\u00f6ssisch im besten Rimbaudschen Sinne \u2013 sind von einem Reiz, dem ich mich nicht entziehen kann (und will \u2026); sie sind von einer Lebendigkeit, die mich wortw\u00e4hrend befl\u00fcgelt; Sprache, Stimme, Sound dieses Autors sind von einer Unverwechselbarkeit, deren Grad locker so hoch ist wie der K\u00f6lner Dom oder der Fernsehturm am Berliner Alexanderplatz. Das ist nicht \u203aeinfach mal so\u2039 als pure Rhetorik in den Raum gestellt : Ich habe den K\u00f6lner Dom dreimal bis in die schwindelerregende Spitze bestiegen, bin zweimal hoch oben auf dem m\u00f6wenumflatterten Fernsehturm am Alexanderplatz gewesen. Ich wei\u00df also sehr genau, wovon ich spreche, wenn ich diesen Vergleich mit den B\u00fcchern Harald Gr\u00f6hlers anstelle, die, das als letztes noch, auf mich wirken wie \u2013 \u2013 \u2013 frischer Schnee.<\/p>\r\n&nbsp;\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Harald Gr\u00f6hler : Einzeltitel in zeitlicher Reihenfolge<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Geschichten mit Kindern und ohne<\/strong>. Prosa. 191 Seiten. Hardcover mit Schutzumschlag. Schneekluth Verlag, M\u00fcnchen 1981.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rot<\/strong>. Roman. 316 Seiten. Hardcover mit Schutzumschlag. Schneekluth Verlag, M\u00fcnchen 1984.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das verdoppelte Diesseits<\/strong>. Gedichte und Erz\u00e4hlgedichte. Mit sieben Pinselzeichnungen von Peter Angermann. 100 Seiten. Hardcover mit Schutzumschlag. Radius-Verlag, Stuttgart 1991.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Tetzner<\/strong>. <em>Eine Weihnachtsnovelle<\/em>. 88 Seiten. Broschur. Radius-Verlag, Stuttgart 1992.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Ville<\/strong><em>. Ein Gedicht und seine Reise von 1956 bis 1996. <\/em>42 Seiten. Mit Bildern von Ekkehard Drefke. Landpresse, Weilerswist 1996.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Mineral der Romantiker<\/strong>. <em>15 Gedichte und ihr Ursprungstext<\/em>. 40 einseitig bedruckte, unpaginierte Bl\u00e4tter. Handsatz, Handdruck, japanische Fadenheftung. 200 numerierte Exemplare. Corvinus Presse, Berlin 1997.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ausfahrten mit der Chaise<\/strong>. Eine Novelle auf Goethe. 36 Seiten. Handsatz und -druck, japanische Fadenbindung. Blockbuch. 303 numerierte Exemplare. Corvinus Presse, Berlin 1999.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wer war Klaus St\u00f6rtebeker?<\/strong> Roman. 129 Seiten. Broschur. Verlag Barbarossa, Z\u00fclpich 2002.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Inside Intelligence.<\/strong> <em>Der BND und das Netz der gro\u00dfen westlichen Geheimdienste<\/em>. 344 Seiten. Broschur. Verlag Neuer Weg, Essen 2015.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine Selbstm\u00f6rderin \/ Samob\u00f3jczyni<\/strong>. Erz\u00e4hlungen. Zweisprachig: deutsch \/ polnisch. Vorwort von Kalina Mr\u00f3z-Jab\u0142ecka. 296 Seiten. Hardcover. Neisse Verlag, Leipzig 2015.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Sprung durch den Teich<\/strong>. <em>Die Metaphysik der Gedichte<\/em>. Cover-Zeichnung von Peter Angermann. 138 Seiten. Broschur. Pop Verlag, Ludwigsburg 2015.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In Eile, im Mantel<\/strong>. <em>Neue Stories<\/em>. 223 Seiten. Broschur. Pop Verlag, Ludwigsburg 2018.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dichter! Dichter! <\/strong><em>So begegneten sie mir.<\/em> Mit Fotografien von Brigitte Friedrich. 307 Seiten. Broschur. Verlag K\u00f6nigshausen &amp; Neumann, W\u00fcrzburg 2019.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Frischer Schnee<\/strong>. Gedichte. 32 Seiten. Broschur. Lyrik-Edition Rheinland in der Edition Virgines, D\u00fcsseldorf 2020.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Astreines Alibi<\/strong>. Roman. 256 Seiten. Klappenbroschur. Pop Verlag, Ludwigsburg 2020.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Klepperm\u00fchle<\/strong>. <em>Ein Bericht<\/em>. 268 Seiten. Broschur. Verlag K\u00f6nigshausen &amp; Neumann, W\u00fcrzburg 2021.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content --><!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":65845,\"width\":314,\"height\":500,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-65845 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1990\/11\/untergruendig.jpg\" alt=\"\" width=\"314\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1990\/11\/untergruendig.jpg 628w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1990\/11\/untergruendig-188x300.jpg 188w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1990\/11\/untergruendig-560x892.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1990\/11\/untergruendig-260x414.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1990\/11\/untergruendig-160x255.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 314px) 100vw, 314px\" \/>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\r\n&nbsp;\r\n\r\n&nbsp;<\/figure>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">*<\/a> Herbstzeitlosen im Fr\u00fchling? Ja, es gibt eine seltene (und ebenso giftige) Variet\u00e4t dieser Pflanze, die, man h\u00f6re und raune, im fr\u00fchen M\u00e4rz bereits bl\u00fcht : Colchicum autumnale var. vernale. Harald Gr\u00f6hler im eifelfernen Berlin will es partout nicht glauben, als ich ihm den Blick in den Garten (ohne Eichh\u00f6rnchen \u2026) beschreibe, von den Massen Herbstzeitlosen schw\u00e4rme, die sich \u2013 <em>naturgem\u00e4\u00df<\/em> \u2013 Jahr f\u00fcr Jahr vermehren und die Wiese mittlerweile f\u00fcr einige Wochen im M\u00e4rz be:herrschen. Neinneinnein, das sei nicht m\u00f6glich, keinesfalls sei das m\u00f6glich, ereifert er sich, Herbstzeitlosen t\u00e4ten, wie der Name schon sage, im Herbst bl\u00fchen. Kann es nicht glauben und liest mir aus B\u00fcchern vor, die das best\u00e4tigten. Ja, ja, kann es gehn mit den B\u00fcchern \u2026<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">*<\/a> Noch nie in der Gr\u00f6hler-Forschung war die Rede von der \u00bbk\u00f6lnischen Tetzner-Trilogie\u00ab. Ja, wieso dat denn nich : Der Roman <em>Rot<\/em>, die Novelle <em>Tetzner. Eine Weihnachtsnovelle<\/em> sowie der Kriminalroman <em>Astreines Alibi<\/em> w\u00e4ren ohne den Wahlk\u00f6lner Tetzner \u2013 \u2013 \u2013 nichts. Er ist eine der zentralen Gestalten in diesen drei struppig-ruppig markanten Geschichten, in denen er immerhin zweimal blo\u00df stirbt. In der Literatur geht (es) eben (um) alles.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">*<\/a> Gr\u00f6hler hat den Primat der Sprache vom ersten Buch an unmi\u00dfverst\u00e4ndlich betont, um ihn mit jedem weitren Buch noch immer deutlicher \u2013 kompromi\u00dflos radikaler \u2013 herauszustellen. Womit auch gekl\u00e4rt w\u00e4re, weshalb die j\u00fcngsten B\u00fccher des naturgem\u00e4\u00df \u00e4lter werdenden Autors derma\u00dfen frech und frisch daherkommen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">*<\/a> 2006 erschien die (von mir, hm, nicht gelesne) bearbeitete Neuausgabe unter dem Titel <strong>St\u00f6rtebeker. Volksheld und Pirat: Die Biographie.<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">*<\/a> bei der, by the way, der saloppe Einsatz von Correctio bzw. Metaphrase eine auff\u00e4llige, oft geradezu herausragende Rolle spielt \u2026<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">*<\/a> Um gar nichts andres geht es hier doch \u2026<\/p>\r\n\r\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wir hatten wenig; sehr wenig. Beinah hatten wir nichts. Das mache ich keinem zum Vorwurf; es sah eben nicht anders aus. Unl\u00e4ngst war grade ein Krieg gewesen. Dies die steilen Auftaktzeilen des spannungsgeladnen Klartextbuchs Klepperm\u00fchle. Und weshalb denk ich&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/02\/22\/harald-groehler-fluechtig-vorgestellt-anhand-einer-reihe-von-buechern\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":97870,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1406,84],"class_list":["post-104284","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-harald-grohler","tag-theo-breuer"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104284","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=104284"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104284\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104287,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104284\/revisions\/104287"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97870"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=104284"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=104284"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=104284"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}