{"id":104222,"date":"2022-12-07T00:01:18","date_gmt":"2022-12-06T23:01:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=104222"},"modified":"2022-11-14T17:15:29","modified_gmt":"2022-11-14T16:15:29","slug":"twitteratur-aus-ferner-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/12\/07\/twitteratur-aus-ferner-zukunft\/","title":{"rendered":"Twitteratur aus ferner Zukunft"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das, was den Menschen ausmacht, findet sich in keinem Tier.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Peter Kunert<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter Kunert schreibt eine abseitige Form der SF. Er gibt einen \u201eBericht aus ferner Zukunft\u201c ab (der gleichwohl in 2020 verlegt wurde), wir lesen einen R\u00fcckblick auf den Menschen \u201ewie er w\u00e4re, wenn er w\u00fcsste, wie er ist\u201c. Wir erinnern uns daran, dass alles Wissen f\u00fcr Ren\u00e9 Descartes zun\u00e4chst einmal einen Vorurteil darstellte. Deswegen riet der franz\u00f6sische Denker, von allen eigenen \u00dcberzeugungen abzusehen, um sie dann entweder ganz zu verwerfen oder sie durch \u00dcberpr\u00fcfung neu zu best\u00e4tigen. Das ist f\u00fcr ihn die &#8222;wahre Methode, die zur Erkenntnis aller Dinge f\u00fchrt&#8220; &#8211; sie findet ihre Anwendung &#8222;im Denken&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Es ist nicht genug, einen guten Kopf zu haben; die Hauptsache ist, ihn richtig anzuwenden.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ren\u00e9 Descartes<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter Kunert stellt das Verschwinden der Aufkl\u00e4rung fest. Er stellt sich die Frage, warum der wissenschaftlich-technisch so erfolgreiche Mensch auch nach 6000 Jahren nicht in der Lage ist, ein dauerhaft friedliches und gerechtes Zusammenleben auf diesem Planeten zu organisieren. Diese Frage hat den Autor schon bewegt, als er noch als Mediziner Arbeiten zu seinem Fachgebiet ver\u00f6ffentlichte. Als ihm sp\u00e4ter im Ruhestand die eigentlich zust\u00e4ndigen Geschichts-, Gesellschafts- und Politikwissenschaften keine Antwort auf seine Frage geben konnten, hat er sich evolutions-biologischen und -psychologischen Texten zum Thema zugewandt. Mit ihrer Hilfe stie\u00df er auf eine hochproblematische Grundkonstellation im Wesen des Menschen, die Ursache der sozialen Schw\u00e4che des Homo sapiens ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Aufgekl\u00e4rt sein hei\u00dft: Sich vor sich selbst nicht \u00e4ngstigen. <\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Gerhard Szczesny<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im HOMO DISTANS beschreibt Peter Kunert diese Problematik und stellt ihre Aufl\u00f6sung dar in Form nicht einer Sozialutopie sondern einer &#8222;Humanutopie&#8220;: Nicht die Gesellschaft muss ver\u00e4ndert werden, sondern der Mensch &#8211; nicht durch Genmanipulation, sondern durch Einsicht und von Kind auf einge\u00fcbte Selbsterziehung. Der HOMO DISTANS l\u00e4sst sich als Typus h\u00f6chster Wohlgeratenheit, im Gegensatz zu modernen Menschen, zu Gutmenschen, zu Christen und anderen Nihilisten. Wir lesen in den kurzen, auf einander aufbauenden Skizzen \u00fcber einen idealistischer Typus einer h\u00f6heren Art KUNO erinnert dies an die neue Form des Aphorismus, der <span style=\"color: #ff0000;\"><em>Twitteratur<\/em><\/span>. Der HOMO DISTANS ist zur besonderer Selbstbeherrschung und Selbstentfaltung bef\u00e4higt. Er stellt somit eine radikale Lebensbejahung als Gegenentwurf zum Nihilismus dar. Er ist \u00dcberwinder des Nihilismus, Sch\u00f6pfer neuer produktiverer Werte, die er aus sich selbst bezieht und die anstelle der durch den Nihilismus zuvor zerst\u00f6rten bzw. verneinten transzendenten Werte, ewige und unbezweifelbar moralisch und erkenntnistheoretische Dogmen nunmehr eine immanente, dem Leben zugewandte und dem Leben dienliche Entsprechung finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das unendliche Denken des Menschen ist eingesperrt in das endliche Leben eines Tieres.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Peter Kunert<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der HOMO DISTANS ist aus dem Blickwinkel seiner fundamentalen Kritik zu verstehen. Demgegen\u00fcber will Peter Kunert mit seinem Buch das Individuelle geltend machen, das in unserer vorherrschend platonisch gepr\u00e4gten Kultur des Denkens, in der Philosophie, den Wissenschaften und in der Ethik tendenziell ausgeklammert wird; dies ist die Grundlage von einer Moralkritik, denn in seiner Sichtweise stellt die verallgemeinernde Ethik Handlungen, Verhalten und Motive als gleich dar, die in Wahrheit nicht gleich sind, d.\u00a0h., sie unterdr\u00fcckt gewaltsam das Individuelle. Kunert versteht den Begriff des HOMO DISTANS als der Entwurf einer gedanklichen Welt, in dem menschliche <em>Individuen<\/em> nicht mehr unter <em>allgemeinen<\/em> und gleichmachenden Begriffen wie eben Mensch verstanden werden. Seine Kritik lautet, Individuen unter einen schematischen Begriff wie Mensch zu subsumieren, mache diese Typen auf ungerechtfertigte und gewaltsame Weise gleich, obwohl sie doch als Individuen eigentlich nicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen seien, sondern sich vollst\u00e4ndig voneinander unterschieden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>HOMO DISTANS<\/strong> &#8211; Der Mensch wie er w\u00e4re, wenn er w\u00fcsste, wie er ist: Bericht aus ferner Zukunft, von Peter Kunert. BoD 2020<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-104223 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/HOMO-DISTANS_Cover-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO hat unterschiedliche Autoren zu einen Exkurs zur Twitteratur gebeten, und gl\u00fccklicherweise sind die Antworten so vielf\u00e4ltig, wie die Arbeiten dieser Autoren. \u00dcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/03\/16\/small-is-beautiful\/\">Vorl\u00e4ufer der Twitteratur<\/a> berichtet Maximilian Zander. Anja Wurm, sizzierte, warum Netzliteratur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=20142\">Ohne Unterla\u00df<\/a> geschieht. Ulrich Bergmann sieht das Thema in seinem Einsprengsel <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21388\">ad gloriam tvvitteraturae!<\/a> eher kulturpessimistisch. F\u00fcr Karl Feldkamp ist <em>Twitteratur<\/em>: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21804\">Kurz knackig einf\u00fchlsam<\/a>. Jesko Hagen denkt \u00fcber das fragile Gleichgewicht von Kunst und Politik <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=13711\">nach<\/a>. Sebastian Schmidt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=23267\">erkundet<\/a> das Sein in der Timeline. Gleichfalls zur Kurzform Lyrik haben wir Dr. Tamara Kudryavtseva vom Gorki-Institut f\u00fcr Weltliteratur der Russischen Akademie der Wissenschaften um einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22638\">Beitrag<\/a> gebeten. Mit \u201aTWITTERATUR | Digitale K\u00fcrzestschreibweisen\u2018 betreten Jan Drees und Sandra Anika Meyer ein neues Beobachtungsfeld der Literaturwissenschaft. Und sie machen erste Vorschl\u00e4ge, wie es zu kartographieren w\u00e4re. Eine unverzichtbare <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=23810\">Lekt\u00fcre <\/a>zu dieser neuen Gattung. Maximilian Zander berichtet \u00fcber eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/12\/07\/kleinform\/\">Kleinform der spanischen Literatur<\/a>. Holger Benkel begibt sich mit seinen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22451\">Aphorismen<\/a> <em>Gedanken, die um Ecken bie<\/em>gen auf ein anderes Versuchsfeld. Die Variation von Haimo Hieronymus <em>Twitteratur<\/em> ist die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22449\">Kurznovelle<\/a>. Peter Meilchen beschreibt in der Reihe <em>Leben in M\u00f6glichkeitsfloskeln <\/em>die Augenblicke, da das Wahrnehmen in das Verlangen umschl\u00e4gt, das Wahrgenommene schreibend zu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22445\">fixieren<\/a>. Sophie Reyer bezieht sich auf die Tradition der Lyrik und vollzieht den Weg <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21415\">vom Zierpen zum Zwitschern<\/a> nach. Nur auf KUNO sind die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/08\/26\/scharten-der-erinnerung\/\">Mikrogramme<\/a> von A.J. Weigoni zu finden. Gemeinsam mit Sophie Reyer pr\u00e4sentierte A.J. Weigoni auf KUNO das Projekt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19038\">Wortspielhalle<\/a>, welches mit dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22035\">lime_lab<\/a> ausgezeichnet wurde. Mit dem fulminanten Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26608\">Romanvernichtungsdreck! #errorcreatingtweet<\/a> setzte Denis Ulrich den vorl\u00e4ufigen Schlu\u00dfpunkt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das, was den Menschen ausmacht, findet sich in keinem Tier. Peter Kunert Peter Kunert schreibt eine abseitige Form der SF. 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