{"id":104151,"date":"2022-11-04T00:01:40","date_gmt":"2022-11-03T23:01:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=104151"},"modified":"2022-11-06T17:41:11","modified_gmt":"2022-11-06T16:41:11","slug":"ueber-den-unschaetzbaren-wert-des-analogen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/11\/04\/ueber-den-unschaetzbaren-wert-des-analogen\/","title":{"rendered":"\u00dcber den unsch\u00e4tzbaren Wert des Analogen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir stellen auf KUNO hin und wieder Literaturzeitschriften von. Aus aktuellem Anlass eine <em>Zeitschrift f\u00fcr Literatur<\/em>, die bereits seit 1981 erscheint. Der <em>Dichtungsring<\/em> entstand im Umfeld der Universit\u00e4ten Bonn und Bochum und wird heute von einer im Bonner Raum angesiedelten Autorengruppe herausgegeben. Ein Schwerpunkt ist die Unterst\u00fctzung interkultureller Kommunikation durch Ver\u00f6ffentlichung von Texten aus anderen Literaturen. Die franz\u00f6sischen, englischen, russischen, katalanischen, schwedischen, spanischen, portugiesischen, italienischen und rum\u00e4nischen Texte erscheinen dabei meist mit deutscher \u00dcbersetzung. Die Inhalte sind nicht auf bestimmte Gattungen beschr\u00e4nkt, ordnen sich aber den f\u00fcr die einzelnen Hefte gegebenen abstrakten Themen (z. B. \u201eEmp\u00f6rung\u201c, \u201eK\u00f6rper\u201c) zu. Zur Historie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25201\">lasen <\/a>wir einen Artikel des Mitherausgebers Ulrich Bergmann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Im Fr\u00fchjahr 1981 rief mich ein Kollege der Universit\u00e4t Bonn, der Italienisch-Lektor Pino Rizzuto, in meiner Bonner Wohnung an (ich war 1977 an die Ruhr-Universit\u00e4t Bochum berufen worden, aber er wusste von meinem Vor- und Fortleben in Bonn). Pino fragte, ob ich bei einer interkulturellen Zeitschrift und Dichtergruppe mitwirken wollte, als eine Art komparatistischer Berater und musischer Beitr\u00e4ger. Vielleicht h\u00e4tte ich ja gleich eine Idee f\u00fcr den Namen einer solchen Gruppe und Zeitschrift. Der Anruf erreichte mich just in dem Moment, als ich den Dichtungsring eines Waschbeckens meiner Wohnung in der K\u00f6nigstra\u00dfe erneuerte. Damit war der Name f\u00fcr die Gruppe wie f\u00fcr die Zeitschrift gefunden. Das magische objet trouv\u00e9 erleichterte mir die Entscheidung, an dem Unternehmen teilzunehmen, sehr.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Alfons Knauth<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-99179 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Hagemeyer-235x300.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"300\" \/>Sprache ist Heimat, das ist wahrscheinlich der Grund, warum man sich in der Lyrik von Ines Hagemeyer sofort zu Hause f\u00fchlen kann. Nach Stationen in Montevideo, M\u00fcnchen, Bonn, Quito, Buenos Aires und Madrid hat sie sich auf die die Literatur der Gegenwart konzentriert. Ihr lyrisches Ich balanciert die Heimat im Fremdsein und das Fremdsein in der Heimat aus. Das allgemeine Diktum und das empfindungsreiche Nachsinnen wechseln sich ab. Aber Gedichte eignen sich nicht zur L\u00f6sung von Gleichungen. Hagemeyer arbeitet mit der Aleatorik und Kombinatorik ihrer Phantasiet\u00e4tigkeit, aber auch mit dem Gegenteil. Diese Lyrikerin schafft es, unsere Lebensrealit\u00e4t auf ihre urspr\u00fcnglichen M\u00f6glichkeiten zur\u00fcckzuf\u00fchren und gleichzeitig weite, unvorhergesehene Verstehenshorizonte zu \u00f6ffnen. Die Grammatik ist stimmig, wie so h\u00e4ufig bei jenen Schriftstellerinnen, die in nicht in einer Sprache schreiben. Es erweist sich als Vorteil, dass diese Lyrikerin, wie nur wenige Menschen, quasi zwei Muttersprachen hat! In beiden, Deutsch wie Spanisch, werden von ihr Gedichte verfasst, wobei \u00a0manchmal zuerst das deutsche das Original ist und manchmal das spanische. Und dann folgt die \u00dcbersetzung in die eine oder in \u00a0die andere Sprache. Der Inhalt ihrer Gedichte entsteht nicht durch den Reim oder durch die Form. Inhalt und Form gehen immer wieder neue Verbindungen ein, das System bleibt flexibel, dadurch absichtslos und formiert sich so an bestimmten Punkten neu. Diese Lyrik ist der gegl\u00fcckte Versuch dem Unm\u00f6glichen mit Sprache zu begegnen. Dichtung ist in ihrem Lebenswerk die Darstellung dieses Widerspruchs, der so alt ist wie sie selbst. Die Gedichte von Hagemeyer erz\u00e4hlen in n\u00fcchternen Worten von dem, was uns umgibt. Was fehlt. Was wir erg\u00e4nzen sollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Literatur ist das Fragment der Fragmente; das wenigste dessen, was geschah und gesprochen worden, ward geschrieben, vom Geschriebenen ist das wenigste \u00fcbriggeblieben.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-98374 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1989\/02\/Bergmann.jpg\" alt=\"\" width=\"122\" height=\"182\" \/>Ulrich Bergmanns vielgestaltiges Werk reicht von <em>Begegnungen<\/em>, intensiven Alltagsbeobachtungen, glossierenden Zeitgeistbetrachtungen \u00fcber die Wiederbelebung historischer Figuren bis zum weltl\u00e4ufigen Erz\u00e4hlen. Dieser Autor baut seine B\u00fccher h\u00e4ufig aus lose verkn\u00fcpften, in sich geschlossenen Prosaminiaturen zusammen. Manches von dem, was Bergmann in seinen kurzen Texten schreibt, ist so oder so \u00e4hnlich bereits publiziert worden ist, aber es ist \u00fcberzeugend und au\u00dferdem lernt man einen feinsinnigen Menschen und seinen Antrieb zum Schreiben genauer kennen. Es ist eine bildungsb\u00fcrgerliche Kurzprosa mit gleichsam eingebauter Kommentarspaltenfunktion, bei der Kurztexte aus dem Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper,<\/em> und auch aus der losen Reihe mit dem Titel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40312\"><em>Splitter, nicht einmal Fragmente <\/em><\/a>aufploppen. Er ist ein Freigeist, ihm gelten nur die Regeln der Syntax, er geht mit k\u00fchler Distanz an allen kunstideologischen Pr\u00e4missen und saisonalen Tendenzen vorbei, ohne sich in der Attit\u00fcde zu verh\u00e4rten. Die <em>Begegnungen<\/em> lassen den Leser eintauchen in seelische Bewegungen, in Prozesse der \u00d6ffnung und Verwandlung, es ist ein Sichheranschleichen an Gef\u00fchlserkenntnisse und Denkersch\u00fctterungen. Dieses Opening ist weniger Meisterwerk als Mixtape, vielseitig wie sprunghaft, mit angemessener Achtlosigkeit aus der H\u00fcfte geschlenzt. Hat man sich mit den Kurztexten quasi \u201eaufgew\u00e4rmt\u201c, geht es zu Bergmanns \u00fcberzeugendsten Zyklus, den <em>Schlangegeschichten<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Zusammenarbeit mit der LGA-Arnsberg pr\u00e4sentiert DER <em>GOLEM<\/em> \u2013 am 4. November 2022 ab 19:30, bemerkenswerte Lesekultur im Pengel Anton.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesung von Ines Hagemeyer und Ulrich Bergmann ab 19:30 Uhr. DER <em>GOLEM<\/em> \u2013 Kultur im Pengel Anton. Lange Wende 30, 59755 <em>Arnsberg- Neheim<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Einf\u00fchrung<\/a> in das Werk von Ines Hagemeyer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0<strong>Fragen im Schlepptau<\/strong>, Gedichte von Ines Hagemeyer. Ludwigsburg: Pop Verlag 2021. Lesen Sie hierzu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/10\/05\/kein-ankerplatz-nirgendwo\/\"><em>Kein Ankerplatz, nirgendwo<\/em><\/a><strong>.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0<strong>handverlesen<\/strong>: Gedichte von Ines Hagemeyer. Mit 15 Tuschezeichnungen von PAPI. POP-Verlag, Ludwigsburg 2015 \u2013 Lesen Sie hierzu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/10\/01\/ueber-schatten-und-nebel\/\">\u00dcBER SCHATTEN UND NEBEL<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0<strong>aus dem Gef\u00e4hrt das dir Tr\u00e4ume aufl\u00e4dt, <\/strong>Gedichte von Ines Hagemeyer, mit\u00a014 Tusche-Zeichnungen von PAPI. POP-Verlag, Ludwigsburg 2011 \u2013 Lesen Sie hierzu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/10\/01\/ueber-den-welten\/\"><em>\u00dcber den Welten<\/em><\/a><strong>.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Es ist eine bildungsb\u00fcrgerliche Kurzprosa mit gleichsam eingebauter Kommentarspaltenfunktion, bei der Kurztexte von Ulrich Bergmann aus dem Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper,<\/em> und auch aus der losen Reihe mit dem Titel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40312\"><em>Splitter, nicht einmal Fragmente <\/em><\/a>aufploppen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wir stellen auf KUNO hin und wieder Literaturzeitschriften von. Aus aktuellem Anlass eine Zeitschrift f\u00fcr Literatur, die bereits seit 1981 erscheint. Der Dichtungsring entstand im Umfeld der Universit\u00e4ten Bonn und Bochum und wird heute von einer im Bonner Raum&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/11\/04\/ueber-den-unschaetzbaren-wert-des-analogen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":99179,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1690,866],"class_list":["post-104151","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-ines-hagemeyer","tag-ulrich-bergmann"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104151","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=104151"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104151\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104197,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104151\/revisions\/104197"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99179"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=104151"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=104151"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=104151"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}