{"id":104056,"date":"2022-10-08T00:01:19","date_gmt":"2022-10-07T22:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=104056"},"modified":"2022-12-29T15:16:04","modified_gmt":"2022-12-29T14:16:04","slug":"sonnenkreis-unterm-himmelsdach","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/10\/08\/sonnenkreis-unterm-himmelsdach\/","title":{"rendered":"sonnenkreis unterm himmelsdach"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">zum ringheiligtum p\u00f6mmelte<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2005 begannen in p\u00f6mmelte-zackm\u00fcnde bei sch\u00f6nebeck s\u00fcd\u00f6stlich von magdeburg ausgrabungen der reste eines \u00fcber 4000 jahre alten kultortes, einer kreisgrabenanlage, unter der regie des arch\u00e4ologen dr. andr\u00e9 spatzier. susan sontag nannte filme zeitreisen. in durchschnittlich drei metern tiefe gefunden, freigelegt, ausgegraben, aufgehoben und geborgen, und sp\u00e4ter nachgebaut, wurde eine komplexe architektur aus erde und holz, gesamtdurchmesser 115 meter, mit sieben konzentrischen ringen, h\u00f6lzernen palisaden sowie w\u00e4llen, gr\u00e4ben und 29 schachtgruben. die urspr\u00fcnglichen erbauer geh\u00f6rten zur glockenbecherkultur. die palisaden, also pfahlz\u00e4une, bis zu 3 meter hoch, wurden aus 1200 st\u00e4mmen von robinien neu errichtet, die damals in europa noch nicht wuchsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">entdeckt wurde das rondell 1991 aus der luft, wo von die kreisform erkennbar war. man kann das heiligtum, der himmel das dach, als eine vorform von tempel, synagoge, kirche, moschee, theater, oper, zirkus, arena und stadion sehen. von einer neun meter hohen plattform l\u00e4\u00dft sich die gesamte anlage, die seit 2016 zu besichtigen ist, \u00fcberblicken. auf dem weg dorthin gehen besucher an angepflanzten wilden blumen und kr\u00e4utern vorbei, die im fr\u00fchling und sommer von hummeln und anderen wildbienen angeflogen werden. vom nahen sportflugplatz zackm\u00fcnde kann man per motorodersegelflugzeug \u00fcbers heiligtum fliegen. ich hatte beim ersten besuch seltsames wetter, das die szenerie beleuchtete. w\u00e4hrend der gesamten zeit meines aufenthalts dort, gut eine stunde, trennte die nahe elbe als wetterscheide gro\u00dfe wolkenberge und einen streifen blauen himmels voneinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">originale fundst\u00fccke sind im zehn kilometer entfernten \u00bbSalzlandmuseum\u00ab sch\u00f6nebeck-salzelmen ausgestellt, wo man zudem einen dokumentarfilm \u00fcber die anlage in p\u00f6mmelte sehen kann und \u00bbGeister der Vorzeit\u00ab multimedial dar\u00fcber informieren. seit 2021 entsteht in p\u00f6mmelte ein informationszentrum f\u00fcr besucher, das 2023 er\u00f6ffnet werden soll, ein stampflehmbau mit luftgetrockneten lehmziegeln und moderner inneneinrichtung. im mittelmeerraum gab es schon in der fr\u00fchen jungsteinzeit, vor mindestens 6000 jahren, lehmbauten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die astronomische ausrichtung des heiligtums in p\u00f6mmelte, vor 4340 jahren erbaut, entspricht der des steinkreises von stonehenge, dessen anf\u00e4nge vor etwa 5000 jahren liegen, eventuell bereits vor 5500 jahren, und dem das ringheiligtum in funktion und gr\u00f6\u00dfe gleicht, blo\u00df ohne steine und daf\u00fcr mit holz, sozusagen ein geschnitztes deutsches stonehenge. das weniger bekannte heiligtum woodhenge, wo man ebenfalls glockenbecherscherben fand, nahe stonehenge \u00e4hnelt p\u00f6mmelte durch seinen holzkreis noch mehr. man k\u00f6nnte woodhenge das englische p\u00f6mmelte nennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">neuere forschungen lassen vermuten, da\u00df stonehenge schon vor 11000 jahren rituelle bedeutung hatte. das w\u00e4re dann zwei bis drei jahrhunderte vor der \u00fcberflutung von doggerland gewesen, das england mit kontinentaleuropa verband. m\u00f6glicherweise entstand das heiligtum stonehenge, so wie wir es heute sehen, baubeginn vor 5000 jahren, in einem l\u00e4ngeren bauproze\u00df, der 1000 jahre gedauert haben k\u00f6nnte. alle diese anlagen hatten den zweck, die zeiten des jahres durch beobachtung des sonnenlaufs und sternenhimmels zu ermitteln, vor allem f\u00fcr den ackerbau, so f\u00fcr die aussaat, was mit einer genauigkeit von h\u00f6chstens zwei, drei tagen abweichung gelang. bei 365 tagen pro jahr sind das 0,6 bis 0,9 prozent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das heiligtum p\u00f6mmelte, erbaut auf einem kleinen hochwassersicheren h\u00f6henr\u00fccken unweit der elbe, diente 300 bis 400 jahre lang menschen der jungsteinzeitlichen glockenbecherkultur und der nachfolgenden fr\u00fchbronzezeitlichen aunjetitzer kultur f\u00fcr jahreszeitenrituale, zu denen sonnenkulte geh\u00f6rten, begr\u00e4bnisse, ahnenkulte, initiationen und opferungen. stonehenge wurde gleichfalls in der jungsteinzeit errichtet und bis in die bronzezeit hinein genutzt. auch die p\u00f6mmelter anlage war am sonnenlauf orientiert. ich empfand das gehen durch die beiden haupteing\u00e4nge sowie die tore mit wei\u00df, schwarz, rot und ocker gef\u00e4rbten pfosten als wanderung auf den wegen des sonnenjahres.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die hauptachsen der nord\u00f6stlichen und s\u00fcdwestlichen eing\u00e4nge ins ringheiligtum orientieren sich am aufgang und untergang der sonne zwischen sonnenwenden und tagundnachtgleichen. im innenraum unterm himmel feierte man zeiten des ackerbaujahres, \u00e4hnlich wie die iren ihre keltischen mittviertelfeste: imbolc = 1. februar, fr\u00fchlingsbeginn, beltaine = 1. mai, sommeranfang, lugnasad = 1. august, herbstanfang, beginn der erntezeit, und samain = 1. november, winteranfang. heilige zeiten verbinden sich mit heiligen r\u00e4umen, die eine magisch wirkende raumstruktur schaffen. jedes heiligtum ist der mittelpunkt einer welt. und solche zentren sind oft rund. der kreis kann sonne, mond, unendlichkeit, schutz, geborgenheit und neusch\u00f6pfung symbolisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">symbolische bedeutungen des p\u00f6mmelter heiligtums sind kosmische abl\u00e4ufe und jahreszeitenzyklus, m\u00e4nnlich und weiblich sowie befruchtung, geburt, leben und tod, also werden und vergehn. im nord\u00f6stlichen teil, der femininen sph\u00e4re, verbunden mit fruchtbarkeit, naturkraft und h\u00e4uslichen t\u00e4tigkeiten, fand man mahlsteine, auf der entgegengesetzten maskulinen seite, wo die energien der zerst\u00f6rung und neuerschaffung wirken sollten, steinbeile. bei festen wurde das heiligtum vermutlich geschm\u00fcckt, auch mit pflanzen, \u00e4hren, blumen und bl\u00fcten. wir k\u00f6nnen uns die rituale und das rondell jedenfalls farbig vorstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">handlungsraum war die 46 quadratmeter gro\u00dfe zentrale innere fl\u00e4che, gewisserma\u00dfen die b\u00fchne, die eine erstklassige akustik hat. neben religi\u00f6sen festen fanden dort auch wettk\u00e4mpfe statt. bei dunkelheit wurden die rituale von priestern, vorfahren der dichter und k\u00fcnstler, wohl durch fackeln erleuchtet vollzogen. bei den kulten spielte feuer, das als symbol lebensschaffender kr\u00e4fte gilt, insgesamt eine rolle. insbesondere im fr\u00fchjahr, wenn die sonne, das urfeuer, wieder st\u00e4rker w\u00e4rmt, sollte es fruchtbarkeit und wachstum bef\u00f6rdern. au\u00dferdem nutzte man feuer zur abwehr feindlicher und bedrohlicher kr\u00e4fte. die detaillierten religi\u00f6sen praktiken von vor \u00fcber 4000 jahren k\u00f6nnen wir freilich nur erahnen und allenfalls spekulativ aus nachweisbaren sp\u00e4teren kulten rekonstruieren. man kann in p\u00f6mmelte aber begreifen, wie viele religi\u00f6se und kulturelle muster, die der moderne gebildete mensch vor allem aus der antike kennt, die dem alten \u00e4gypten und alten orient nachfolgte und vieles daraus aufnahm und umformte, vor vier jahrtausenden in anderen erscheinungsformen selbst in mitteleuropa bereits vorgepr\u00e4gt waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">nachdem das heiligtum an bedeutung verloren hatte, oder weil die gemeinschaft weiterzog, wurde es vor 4050 jahren real und symbolisch durchdacht zerst\u00f6rt, das hei\u00dft abgebaut, verbrannt und eingeebnet. man legte die rituellen dinge, steinbeile, pfeilspitzen aus feuerstein, tierknochen und keramikschalen, oder deren scherben, in oder auf beh\u00e4lter aus rinde, leder oder korbgeflecht sowie in l\u00f6cher, die beim herausziehen der holzpf\u00e4hle entstanden. die sch\u00e4chte, in die man die asche des verbrannten holzes sch\u00fcttete, wurden mit kies der eiszeit bedeckt, den es in der gegend reichlich gibt, und durch opfergaben, zum beispiel mahlsteinen und rinderknochen, versiegelt. aufgrund dieser respektvollen bewahrung, sogar in der zerst\u00f6rung, und den erhaltenen heiligen kreis, der darauf hinwies, konnten die rituellen dinge nach 4000 jahren am ort ihrer verehrung wieder gefunden werden. 300 jahre nach dem abbau legte man auf einigen der gef\u00fcllten schachtgruben erneut objekte ab, steinbeile, menschensch\u00e4del oder einen teil eines menschlichen oberschenkels. bis vor 3600 jahren gab es dort noch gelegentlich rituale. der heilige platz, der wieder genutzt wurde, war noch nicht vergessen. vor 3000 jahren nutzte man den ort erneut rituell.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">prospekte am ringheiligtum verweisen auf die 4100 bis 3700 jahre alte himmelsscheibe von nebra aus der aunjetitzer kultur, eine bronzeplatte mit gold, die vor 3600 jahren, zusammen mit jeweils zwei wertvollen schwertern sowie zwei beilen, zwei armspangen und einem mei\u00dfel, vergraben wurde. auf dieser scheibe, einer religi\u00f6sen, oder mythologischen, und astrologischen darstellung des kosmos, sind die endpunkte der horizontb\u00f6gen auf wintersonnenwende und sommersonnenwende ausgerichtet. au\u00dferdem verwiesen wird auf das 6900 jahre alte sonnenobversatorium goseck, gleichfalls eine kreisgrabenanlage mit holzkreis, aus der zeit der stichbandkeramik, wo man schon jahrtausende vor stonehenge und p\u00f6mmelte den lauf der sonne beobachtete sowie sonnenaufgang und sonnenuntergang zur wintersonnenwende und sommersonnenwende ermittelte, und die knapp 5500 jahre alte und 1,76 meter gro\u00dfe menhirstatue der dolmeng\u00f6ttin von langeneichst\u00e4dt vom typ gro\u00dfe mutter mit fruchtbarkeitsbedeutung, die der zeit der linearbandkeramik zugerechnet wird, alle nahe halle an der saale. das \u00bbLandesmuseum f\u00fcr Fr\u00fch- und Vorgeschichte\u00ab halle w\u00fcrdigt alle genannten st\u00e4tten mit seiner ausstellung \u00bbHimmelswege\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zugleich ehrte oder verehrte man in p\u00f6mmelte die toten. 13 m\u00e4nnergr\u00e4ber in der \u00f6stlichen rondellh\u00e4lfte, alles einzelgr\u00e4ber, einer grabanlage, die ein kleines heiligtum f\u00fcr rituale im jahreszeitenzyklus und f\u00fcrs totenbrauchtum war, liegen richtung sonnenaufgang, wo \u00e4gyptisch die welt neu entstand. der tod, durch den menschen an den anfang der welt zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen, um aufzuerstehen, galt in der vorstellung der \u00e4gypter, die ihren totenkult besonders konsequent auspr\u00e4gten, als mittel zur regeneration und verj\u00fcngung des lebens. die ausrichtung der toten nach osten, zur morgensonne hin, die manche beim aufgehen leise zirpen oder singen geh\u00f6rt haben wollen, l\u00e4\u00dft vermuten, da\u00df man ans weiterleben nach dem tod glaubte. die 17 bis 30 jahre alten m\u00e4nnlichen toten, viel l\u00e4nger lebten damals die meisten nicht, vermutlich herausgehobene personen, priester oder initianden, wurden in der \u00fcblichen hockposition begraben, die an die vorgeburtliche stellung des embryo im mutterk\u00f6rper erinnert. in schachtgruben lagen sch\u00e4del, die ahnensch\u00e4del oder troph\u00e4ensch\u00e4del sein k\u00f6nnten, und eventuell eine sch\u00e4delmaske. die \u00e4ltesten hinweise auf bestattungen sind 120000 jahre alt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">andererseits fand man in einer schachtgrube im kreisgraben unvollst\u00e4ndige skelette von f\u00fcnf kindern und jugendlichen und zwei frauen ohne arme und beine zusammmen mit ritualabf\u00e4llen. vier der toten sind vorm tod gefesselt sowie durch keulen, beile und pfeilsch\u00fcsse stark verletzt, die sch\u00e4del einer frau und eines kindes eingeschlagen, also wohl gewaltsam get\u00f6tet worden. waren es menschenopfer oder opfer eines \u00fcberfalls? in woodhenge fand man ein kinderskelett mit zerstr\u00fcmmertem sch\u00e4del, das vermutlich auf ein menschenopfer verweist. es konnte eine ehre sein, geopfert zu werden, weil man dadurch religi\u00f6se bedeutung bekam. bei modernen menschenopfern, etwa toten von verkehrsunf\u00e4llen, die der mensch dem gott der geschwindigkeit opfert, ahnt man das nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zwei gruben waren die ersten sakralen pl\u00e4tze am ort des sp\u00e4teren ringheiligtums. ein kleineres grabheiligtum mit h\u00fcgelgrab f\u00fcr jahreszeitenzyklische rituale und totenkulte, vor 4900 bis vor 4600 jahren errichtet, ging dem rondell voraus. dort befindet sich ein grab samt h\u00f6lzerner totenh\u00fctte mit erdh\u00fcgel aus der zeit der schnurkeramikkultur. die grabbeigaben, steinbeile und messerklingen, deuten auf eine h\u00f6here stellung der begrabenen hin. die worte h\u00fctte und haus sind etymologisch mit haut verwandt. das haus, oder die h\u00fctte, birgt einen menschen wie die haut seinen k\u00f6rper. das 14&#215;14 meter gro\u00dfe grabgeviert insgesamt enthielt scherben von keramikgef\u00e4\u00dfen, einen schleifstein sowie einen rinderkiefer. auf der nord\u00f6stlichen und s\u00fcdwestlichen grabenseite waren zwei durchg\u00e4nge, deren verbindungsachse auf sommersonnenwende und wintersonnenwende ausgerichtet war. au\u00dferdem entdeckte man 2020 in p\u00f6mmelte einen 6000 bis 5400 jahre alten monumentalen grabbau der baalberger kultur, die der trichterbecherkultur zugeordnet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">s\u00fcdlich und westlich des heiligtums p\u00f6mmelte wurden, neben einigen steinzeitlichen bauten, die grundrisse einer siedlung mit mindestens 80 h\u00e4usern, \u00fcberwiegend langh\u00e4usern, der aunjetitzer kultur vom beginn der bronzezeit gefunden, erbaut vor 4200 bis vor 4000 jahren, sowie scherben von vorratsgef\u00e4\u00dfen, hauswandverputz und ger\u00e4ten aus feuerstein und knochen. die geb\u00e4ude sind 70 bis 220 quadratmeter gro\u00df, meist 20 bis 30 meter lang und im durchschnitt 8 meter breit. die vielzahl der h\u00e4user direkt beim heiligtum deutet auf ein fr\u00fchbronzezeitliches \u00fcberregionales zentrum hin. es wird weiter nach h\u00e4usern, gr\u00e4bern und gruben gesucht und gegraben. au\u00dferdem werden fundst\u00fccke erforscht, um noch ungel\u00f6ste arch\u00e4ologische fragen zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1,3 kilometer nordwestlich vom p\u00f6mmelter heiligtum wurde vor 4200 bis vor 3900\/3700 jahren im heutigen stadtgebiet sch\u00f6nebecks die nachfolgende etwas kleinere fr\u00fchbronzezeitliche kreisgrabenanlage genutzt, eventuell teils zeitgleich mit der fr\u00fcheren, gesamtdurchmesser 80 meter, errichtet auf einer kleinen anh\u00f6he. die hauptachsen dieses heiligtums, das ebenfalls ein gestaffeltes system aus grubenringen, gr\u00e4ben und pfosten aufweist, verlaufen wie in p\u00f6mmelte und stonehenge. wahrscheinlich entsprach es zugleich entwicklungen der fr\u00fchen bronzezeit. in p\u00f6mmelte war der innenraum bei ritualen visuell und akustisch durch palisaden von der au\u00dfenwelt abgetrennt, also ein geschlossener raum. in sch\u00f6nebeck bestand sichtkontakt nach au\u00dfen. zeigt dies einen direkteren bezug zur irdischen gegenwart, weil das leben inzwischen realweltbezogener wahrgenommen wurde? k\u00f6nnten ursachen daf\u00fcr ver\u00e4nderungen der gesellschaftsstruktur in der \u00fcbergangszeit der steinzeit zur bronzezeit gewesen sein, so die zunehmende herausbildung weltlicher macht? oder war das heiligtum in p\u00f6mmelte ein ort des jenseits und das in sch\u00f6nebeck, wo hinweise auf totenkulte fehlen, eines des diesseits? wir k\u00f6nnen die menschen von damals nicht mehr fragen, obwohl ich \u00f6fter mit den priestern rede.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">im kreisgraben des sch\u00f6nebecker heiligtums fand man knochen und keramikscherben, s\u00fcdlich davon eine mit totenasche gef\u00fcllte urne sowie nahebei eine nekropole der sp\u00e4ten bronzezeit und fr\u00fchen eisenzeit, die noch genauer erkundet wird. hier hatte man wohl heiligtum und grabst\u00e4tte getrennt. einst wurde auch in kirchen begraben, sp\u00e4ter meist nur auf dem friedhof, der kirchhof hie\u00df, wie es der historiker philippe ari\u00e8s in seiner \u00bbGeschichte des Todes\u00ab beschrieben hat. im und beim sch\u00f6nebecker heiligtum, das ebenfalls rekonstruiert werden soll, gibt es gewi\u00df noch weitere funde. vielleicht k\u00f6nnen besucher einmal die 1300 meter vom einen heiligtum zum andern laufen oder fahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_104231\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-104231\" class=\"wp-image-104231 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Poemmelte-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1247\" \/><p id=\"caption-attachment-104231\" class=\"wp-caption-text\">Ringheiligtum P\u00f6mmelte, Photo: Jutta Gampe<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><strong>\u00a0<\/strong>Dies ist bereits eine Vorschau auf den Schwerpunkt in 2023. Wir begreifen die Gattung des Essays auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Was den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21478\">Rezensionsessays<\/a> von Holger Benkel die \u00dcberzeugungskraft verleiht, ist die philosophische Anstrengung, denen er sein Material unterwirft, seine Texte zeigen, was der Fokus auf eine Fragestellung sichtbar machen kann, wie diese Konzentration aufdeckt, was dem Schreibenden selbst verborgen blieb, wohl wissend, da\u00df die F\u00fclle der Literatur, der Kunst und des Lebens eben darin liegen, nie alles wissen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>zum ringheiligtum p\u00f6mmelte 2005 begannen in p\u00f6mmelte-zackm\u00fcnde bei sch\u00f6nebeck s\u00fcd\u00f6stlich von magdeburg ausgrabungen der reste eines \u00fcber 4000 jahre alten kultortes, einer kreisgrabenanlage, unter der regie des arch\u00e4ologen dr. andr\u00e9 spatzier. susan sontag nannte filme zeitreisen. in durchschnittlich drei metern&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/10\/08\/sonnenkreis-unterm-himmelsdach\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":36,"featured_media":104231,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[94,3309],"class_list":["post-104056","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-holger-benkel","tag-jutta-gampe"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104056","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/36"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=104056"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104056\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104352,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104056\/revisions\/104352"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/104231"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=104056"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=104056"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=104056"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}