{"id":104050,"date":"2023-02-27T00:01:46","date_gmt":"2023-02-26T23:01:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=104050"},"modified":"2022-09-27T17:41:07","modified_gmt":"2022-09-27T15:41:07","slug":"auswege-aus-dem-kapitalozaen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/02\/27\/auswege-aus-dem-kapitalozaen\/","title":{"rendered":"auswege aus dem kapitaloz\u00e4n?"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">eine der qualit\u00e4ten dieses buches ist es, da\u00df die autoren technologische entwicklungen historisch und gesellschaftlich einordnen und damit technokratischen denkweisen, die komplexit\u00e4t verweigern, etwas entgegensetzen. technik wirkt immer in prozessen und zusammenh\u00e4ngen. die \u00bbEinleitung\u00ab der herausgeber zitiert den maler leonardo da vinci, der auch ein technischer erfinder war und etwa hydraulische maschinen, einen selbst fahrenden wagen, ein gepanzertes fahrzeug, die vorform eines hubschraubers, fallschirm, unterseeboot, taucheranzug, automaten und roboter entwarf: \u00bbDiejenigen, welche glauben, an der Praxis ohne Wissenschaft Gefallen zu finden, sind Schiffer, die ohne Kompa\u00df und Steuer fahren. Sie wissen nie wohin die Fahrt geht.\u00ab altgriechisch kybern\u00e9tes bedeutet steuermann, kapit\u00e4n eines schiffes, kybern\u0113tik\u00e9 t\u00e9chn\u0113 = steuermannskunst. der flugzeugpilot ist ein steuermann in den l\u00fcften. wohin steuern wir die digitale technik? oder steuert sie uns? georg christoph lichtenberg, physiker, mathematiker, aufkl\u00e4rer und aphoristiker, kannte \u00bbMythen der Physiker\u00ab. der russische dichter ossip mandelstam formulierte: \u00bbDie K\u00e4ltetendenz r\u00fchrt vom Eindringen der Physik in die moralische Idee.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">peter br\u00f6dner, wirtschaftsinformatiker, verweist darauf, da\u00df t\u00e9chn\u0113 auch die list bezeichnete, wirkungen der \u00e4u\u00dferen natur f\u00fcr eigene zwecke zu nutzen. man denkt hier an den listigen, findigen und technisch begabten odysseus. der computer, der rechner hei\u00dft, verbindet mathematik und technik, wie die uhr. joachim paul, biophysiker sowie technikundmedienexperte, erkl\u00e4rt, bereits in der neolithischen erfindung der sonnenuhr sei die digitale rechenmaschine angelegt gewesen. rainer fischbach, informatiker und software-experte, betont die bedeutung der uhr f\u00fcr die gesellschaftliche entwicklung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">allerdings sind uhren, die das leben strukturieren, auch symbole der abh\u00e4ngigkeit der menschen, nicht nur in der industriellen arbeit. friedrich nietzsche beobachtete schon im sp\u00e4ten 19. jahrhundert: \u00bbMan denkt mit der Uhr in der Hand, wie man zu Mittag i\u00dft, das Auge auf das B\u00f6rsenblatt gerichtet, \u2212 man lebt wie einer, der fortw\u00e4hrend etwas &#8222;vers\u00e4umen k\u00f6nnte&#8220;.\u00ab \u00bbdas Leben auf der Jagd nach Gewinn zwingt fortw\u00e4hrend dazu, seinen Geist bis zur Ersch\u00f6pfung auszugeben, im best\u00e4ndigen Sich-Verstellen oder \u00dcberlisten oder Zuvorkommen: die eigentliche Tugend ist jetzt, etwas in weniger Zeit zu tun als ein anderer.\u00ab und: \u00bbDas ist nun freilich ein b\u00f6ses Zeitalter f\u00fcr den Denker: er mu\u00df lernen, zwischen zwei L\u00e4rmen noch eine Stille zu finden, und sich so lang taub stellen, bis er es ist.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sich nach der uhrzeit richten bedeutet disziplin und ordnung. zeittaktbindung ersetzt in der moderne und postmoderne die gottesbindung. f\u00fcnf minuten vor der zeit ist des teufels p\u00fcnktlichkeit. wer nur seine eigne zeit sieht, bleibt hinter seiner zeit zur\u00fcck. egon friedell \u00e4u\u00dferte, in psychologischen belangen sei die uhr kein kompetenter zeitmesser, vielmehr w\u00e4r hier das wahre ma\u00df die zahl der eindr\u00fccke und assoziationen, und, erg\u00e4nze ich, deren tiefe, die ein verweilen verlangt und erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">karl marx schrieb \u00bbDie Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien St\u00fccken, nicht unter selbstgew\u00e4hlten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen, \u00fcberlieferten Umst\u00e4nden. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden.\u00ab. alle autoren greifen auf gedanken von marx zur\u00fcck, um sie, die herrschenden dogmen des kapitalismus, also der \u00f6konomieform der modernen technologien, und der technokratie ergr\u00fcndend, auf die gegenwart und zukunft anzuwenden. viele kritisieren die einseitig gewinnorientierte nutzung der computertechnik sowie das fehlen einer finanziellen, wirtschaftlichen und sozialen demokratie, zumal im globalen ma\u00dfstab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dem internetidealismusundoptimismus folgte die internetkritikundskepsis. alex demirovi\u0107, sozialwissenschaftler, erl\u00e4utert, das internet, von dem in den neunziger jahren erwartet wurde, da\u00df es zu mehr kommunikation und austausch sowie zur bildung solidarischer gemeinschaften f\u00fchren w\u00fcrde, habe die kontrolle und manipulation der einzelnen menschen noch verst\u00e4rkt und sie abh\u00e4ngiger gemacht, und damit unfreier, auch durch die praktisch ununterbrochene erreichbarkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">arthur schopenhauer notierte: \u00bbGenialit\u00e4t ist Objektivit\u00e4t.\u00ab, egon friedell: \u00bbDie Moral des Naturforschers ist seine Objektivit\u00e4t.\u00ab mehrere autoren hinterfragen die worte rationalit\u00e4t und rationalisierung. der titel des beitrags von paul lautet: \u00bbEine Krise unserer Rationalit\u00e4t? \/ Zur Dialektik der Beziehung zwischen \u00d6konomie, Umwelt und Technik\u00ab. das w\u00e4re stoff und thema f\u00fcr ein buch. ratio bedeutet im lateinischen berechnung, erw\u00e4gung, einsicht, theorie, vernunft. allein berechnung jedoch ergibt noch keine vernunft. br\u00f6dner schreibt, h\u00e4ufig bezeichne rationalisierung in einengender weise ein b\u00fcndel von ma\u00dfnahmen zur kostensenkung und reduktion lebendiger arbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">j\u00fcrgen daub, industrieundarbeitssoziologe, macht deutlich, die logik der unterst\u00fctzung der mehrwertgenerierung sei ein wesentliches element der wissenschaft, so auch bei der entwicklung der digitalisierungstechnik. digitalisierung unterwerfe die arbeitenden menschen aber der logik von maschinen. \u00bbinstrumentelle Vernunft\u00ab wirke \u00bbbis in die Alltagsbereiche fort, indem sie dort durch Digitalisierungstechniken Lebensvollz\u00fcge strukturiert und Abh\u00e4ngigkeiten schafft.\u00ab und fa\u00dft zusammen: \u00bbEs gab noch zu keiner Zeit eine Gesellschaft, die derart von ihrer technologischen Basis abh\u00e4ngig wurde wie die Digitalgesellschaft.\u00ab und: \u00bbDiese Beherrschung der Natur qua Technik ist zugleich Herrschaft des Menschen \u00fcber die Menschennatur, sowohl der \u00e4u\u00dferen wie der inneren Natur.\u00ab elias canetti sah: \u00bbJe mehr wir von uns abspalten, je mehr wir leblosen Instanzen anvertrauen, desto weniger sind wir Herren \u00fcber das, was geschieht. Aus unserer wachsenden Macht \u00fcber alles, Unbelebtes wie Belebtes und besonders \u00fcber Unseresgleichen, ist eine Gegenmacht geworden, die wir nur scheinbar kontrollieren.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der begriff der instrumentellen vernunft stammt von max horkheimer und meint eine einseitig technisch rationale vernunft, die zum machtinstrument wird und menschen zu werkzeugen macht, siehe die analysen hierzu bei horkheimer und theodor w. adorno in \u00bbDialektik der Aufkl\u00e4rung\u00ab und adorno \u00bbZur Kritik der instrumentellen Vernunft\u00ab. vorstellungen vom optimal programmierten menschen entsprechen kaum dem ideal des selbstbestimmten individuums. aus technokratischer sicht wirkt der mensch im vergleich zu moderner technik antiquiert, unzuverl\u00e4ssig und weniger berechenbar. karl kraus ahnte, die technische entwicklung werde nur noch ein problem \u00fcbriglassen, die hinf\u00e4lligkeit der menschennatur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">was techniker erst erfinden und erproben und wissenschaftler oft l\u00e4nger erforschen m\u00fcssen, k\u00f6nnen schriftsteller fiktiv und phantastisch schneller beschreiben. in der literatur hat das motiv des k\u00fcnstlichen menschen viele facetten. ovid lie\u00df vor \u00fcber 2000 jahren den k\u00fcnstler pygmalion eine elfenbeinerne statue kreieren, die lebensecht aussieht und zur lebendigen frau wird, lukian vor knapp 1800 jahren ein ger\u00e4t erschaffen, das man in menschenkleider stecken und, durch zauberspr\u00fcche belebt, zu menschen\u00e4hnlichen handlungen bewegen kann. dies ist ein fr\u00fcher vorl\u00e4ufer von goethes zauberbesen, der seinem benutzer entgleitet und dadurch unheil bewirkt. der golem, ein k\u00fcnstlicher unfertiger mensch, entstand aus einem erdklumpen und st\u00fcck holz. der mensch suchte lange nach einem perfekten technischen diener. goethes faust, oder mephistopheles, der verneinende und sch\u00f6pfende geist, seinem hebr\u00e4ischen namen nach der zerst\u00f6rer, verderber, erschafft den homunculus, der durch menschliches denken und chemisch entsteht, doch keinen menschlichen k\u00f6rper und keine seele besitzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bei julien offray de la mettrie, der behauptete, der mensch selbst sei eine maschine, erscheint zur mitte des 18. jahrhunderts ein sprechender automat. in der literatur des 19. jahrhunderts finden wir, vor allem in der romantik, automaten und marionetten, symbiosen aus mechanischen und lebendigem, insbesondere bei e.t.a. hoffmann, aber auch clemens brentano, achim von arnim, bonaventura, daneben jean paul, karl philipp moritz, georg b\u00fcchner und heinrich heine. man f\u00fcrchtete eine herrschaft der maschinen und apparate. technische automatisierung und seelenlose menschen wurden zusammengedacht. jean paul fragte, ob automaten menschen ersetzen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zu beginn des 20. jahrhunderts wird das thema in der literatur erneut relevant. karel \u010dapek beschrieb gef\u00fchllose arbeitende wesen in seinem theaterst\u00fcck \u00bbR. U. R.\u00ab = \u00bbRossums Universal Robots\u00ab von 1921, in dem roboter, die sprechen k\u00f6nnen, letztlich die menschheit vernichten. die firma \u00bbRossum\u00ab stellt arbeitssklaven her, die man, humanoide roboter, androiden nennt. das wort roboter geht auf \u010dapeks st\u00fcck zur\u00fcck, siehe tschechisch robota = schwere, m\u00fchsame arbeit, fronarbeit, knechtsarbeit, untertanenarbeit. tschechisch rozum bedeutet vernunft, verstand, intellekt. instrumentelle vernunft f\u00fchrt zu einer pervertierten intelligenz, und umgekehrt. bei ray bradbury werden marionetten herren \u00fcber die menschen. im ambivalenten film \u00bbMetropolis\u00ab von fritz lang arbeiten menschen als sklaven in einer zweiklassengesellschaft. \u00bbMetropolis\u00ab weist parallelen zum roman \u00bbDie Zeitmaschine\u00ab von h.g. wells auf, der 1895 erschien und wo die sozialen unterschiede zwei g\u00e4nzlich verschiedene menschenrassen hervorgebracht haben. die oberirdischen eloi, kindlich naiv, leben paradiesisch, w\u00e4hrend die affenartigen morlocks unterirdisch f\u00fcr sie schuften m\u00fcssen. doch die menschenfressenden morlocks brauchen die eloi als ihre nahrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">inzwischen wurde \u00fcber anthropotechnik und biotechnologien im menschenpark diskutiert. derzeit mu\u00df man eher die kontrolle von menschen durch digitale technik bef\u00fcrchten als da\u00df k\u00fcnstliche intelligenz mit menschlichem bewu\u00dftsein und menschlichen gef\u00fchlen entsteht. bisher k\u00f6nnen roboter soetwas h\u00f6chstens simulieren, erkennen und darauf reagieren, nicht aber selber auspr\u00e4gen, auch die japanischen nicht. nur wissen ist noch keine bildung. und von denkmaschinen mit Ichbewu\u00dftsein oder gar empathie sind wir weit entfernt. in den usa wurden schon computer mit waffen erschossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">technik; die f\u00e4higkeiten der natur steigert und erweitert, hat dem menschen vieles erleichtert. durch mehr bequemlichkeit wurden allerdings viele gehirne faul. voltaire bemerkte: \u00bbWir leben in einer Welt, in der wie nie zuvor das Wissen die Weisheit verdr\u00e4ngt hat.\u00ab, kraus: \u00bbDas sind die wahren Wunder der Technik, da\u00df sie das, wof\u00fcr sie entsch\u00e4digt, auch ehrlich kaputt macht.\u00ab und: \u00bbeines Tages wird sich die Menschheit f\u00fcr die gro\u00dfen Werke, die sie zu ihrer Erleichterung geschaffen hat, aufgeopfert haben.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">es gibt in jeder neuen epoche der technik die gefahr der entmenschlichung, aktuell etwa, wenn menschen nach oder von algorithmen beurteilt werden. technologien f\u00fchren nicht automatisch zu einem besseren leben, ja k\u00f6nnen zw\u00e4nge und belastungen hervorrufen, die menschen deformieren. friedrich d\u00fcrrenmatt schrieb zu seinem st\u00fcck: \u00bbDie Physiker\u00ab: \u00bbEine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstm\u00f6gliche Wendung genommen hat.\u00ab, \u00bbDie schlimmstm\u00f6gliche Wendung ist nicht voraussehbar. Sie tritt durch Zufall ein.\u00ab und: \u00bbJe planm\u00e4\u00dfiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer vermag sie der Zufall zu treffen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">cicero riet: \u00bbUm lange zu leben, lebe langsam.\u00ab canetti stellte fest: \u00bbBesser will es nicht werden, aber vielleicht langsamer?\u00ab die autoren des hier besprochenen buches wollen die technologische entwicklung nicht r\u00fcckg\u00e4ngig machen oder aufhalten, manchmal vielleicht etwas bremsen, damit \u00fcber auswirkungen l\u00e4nger nachgedacht werden kann, sondern menschlicher gestalten. daf\u00fcr braucht man geistigen vorlauf, den sie anbieten. sie fragen, welche gesellschaft die menschen wirklich wollen und regen zum diskurs dar\u00fcber an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">fischbach erkl\u00e4rt, die \u00f6konomische diskussion lokalisiere technologische Innovation meist im zusammenhang der konkurrenz von unternehmen um kostenvorteile, also in dem kontext, den die marxistische tradition als kampf um den \u00bbrelativen Mehrwert<em>\u00ab<\/em> charakterisiert. paul sieht, technik sowie das verm\u00f6gen, technik treiben zu k\u00f6nnen, geh\u00f6ren als fester bestandteil zur conditio humana. doch die technik sei von der kunst, altgriechisch t\u00e9chn\u0113 = kunstfertigkeit, kunst, handwerk, lateinisch technicus = lehrer der kunst, techniker, zum instrument zur steigerung des mehrwerts geworden, dessen sicherung und erweiterung sie dient, und damit zur dienstmagd der kapitalistischen ordnung, die kapitalinteressen befriedigen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">br\u00f6dner erkennt, w\u00e4hrend die intelligenz jeweils in den t\u00e4tigkeiten der modellierung und formalisierung sozialer praxis und der aneignung der softwarefunktionen f\u00fcr den praktisch wirksamen gebrauch stecke, f\u00fchre das computersystem lediglich die algorithmen des so gewonnenen berechnungsmodells aus, rudi schmiede, \u00f6konom und soziologe, die technischen tatsachen zw\u00e4ngen uns, beschreibungen, abbilder, vorg\u00e4nge, verfahren und prozesse so und nicht anders zu handhaben, da es keine technologische alternative dazu g\u00e4be. so soll es jedenfalls scheinen. worte wie \u00bbDigitalisierung\u00ab und \u00bbK\u00fcnstliche Intelligenz\u00ab werden heute wie unanfechtbare begriffe benutzt, die dabei fast etwas sakrales bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">technische innovationen wirken jedoch nur, wenn strukturen und mittel f\u00fcr ihre nutzung vorhanden sind. fehlen sie, bleibt die praktische wirkung ein postulat. florian butollo, soziologe, und patricia de paiva lareiro, arbeitssoziologin, schreiben, neue digitale ans\u00e4tze k\u00f6nnten nur dann aufgegriffen werden, wenn der mehraufwand durch investitionen, die umstellung der produktionsprozesse, ausbildungskosten undsoweiter f\u00fcr produktivit\u00e4tsundprofitsteigerungen sorge. heinz-j. bontrup, wirtschaftswissenschaftler, schreibt: \u00bbFallen die beiden Finanzierungsarten aus Profit und \/ oder Kredit aus bzw. sind sie nicht ausreichend, dann findet auch keine Technikumsetzung statt. Viele Unternehmen leiden mangels Finanzierungsm\u00f6glichkeiten darunter, aber auch ganze Volkswirtschaften. Sie k\u00f6nnen die Technik und damit den Fortschritt schlicht nicht bezahlen.\u00ab br\u00f6dner kommentiert: \u00bbmehr oder weniger ist in gro\u00dfen Teilen der Software-Entwicklung inzwischen ein Zustand &#8222;rasenden Stillstands&#8220; erreicht, in dem viel Aktivit\u00e4t ohne substanziellen Fortschritt entfaltet wird.\u00ab \u00bbRasender Stillstand\u00ab ist ein buchtitel des geschwindigkeitsmediensimulationsundentwirklichungsanalytikers paul virilio, der etwa schrieb: \u00bbDie Geschwindigkeit ruft die Leere hervor, und die Leere treibt zur Eile.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die analyse der digitalisierung f\u00fchrt notwendig zur analyse der finanziellen und \u00f6konomischen verh\u00e4ltnisse, die das buch teils sogar dominiert, da praktisch alles von geld und \u00f6konomie abh\u00e4ngig ist. die macht im kapitalismus hat das kapital. und das braucht permanente expansion. marx sah, die herrschenden ideen einer zeit waren stets die ideen der herrschenden klasse. benjamin erl\u00e4uterte, die errungenschaften der technik k\u00e4men zuallererst den f\u00fchrenden klassen zugute. das gelte ebenso f\u00fcr die fortgeschrittensten denkformen und die modernen fortbewegungsformen, und auch kommunikationsformen. marx analysierte, das kapital habe nur \u00bbeinen einzigen Lebenstrieb, den Trieb, sich zu verwerten, Mehrwert zu schaffen, mit seinem konstanten Teil, den Produktionsmitteln, die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Masse Mehrarbeit einzusaugen. Das Kapital ist verstorbene Arbeit, die sich nur vampyrm\u00e4\u00dfig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit und umso mehr lebt, je mehr sie davon ansaugt.\u00ab und gegen geldvampire hilft kein knoblauch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die kritik des geldes ist alt. jesus soll bekanntlich nach seinem einzug in jerusalem im tempel die tische der h\u00e4ndler und geldwechsler umgesto\u00dfen haben. bei matth\u00e4us sagt er: \u00bbMein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Aber ihr macht daraus eine R\u00e4uberh\u00f6hle.\u00ab die luther-bibel ermahnt: \u00bbGeldgier ist die Wurzel allen \u00dcbels.\u00ab in der antike galt die arbeit, die man heut dem banker zuordnet, als banausisch. bei cicero lesen wir: \u00bbNichts ist n\u00fctzlich, was r\u00fccksichtslos ist.\u00ab \u00bbVon Natur aus gibt es kein Privateigentum.\u00ab \u00bbKeine Staatsform ist entstellter als jene, in der man die Reichsten f\u00fcr die Besten h\u00e4lt.\u00ab \u00bbNichts verr\u00e4t so sehr einen beschr\u00e4nkten und kleinlichen Geist wie die Geldgier.\u00ab \u00bbEs steht aber schlecht, wenn versucht wird, mit Geld zu erreichen, was durch Leistung erreicht werden sollte.\u00ab ciceros satz \u00bbAm meisten bewundern die Menschen denjenigen, der von Geld nicht beeindruckt wird.\u00ab war sicher nicht als behauptung, sondern utopie gemeint. heute schafft der zwang zum unbedingten \u00fcbertreffen der konkurrenz st\u00e4ndig neue opfer. wer also stoppt das ma\u00dflose und die ma\u00dflosen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">siegfried kracauer \u00e4u\u00dferte, der bestand des gegenw\u00e4rtigen systems, das als das beste gelte, werde \u00bbauf bestimmte naturale Eigenschaften der f\u00fchrenden Schicht gegr\u00fcndet; nicht auf den ausdr\u00fccklichen Willen dieser Schicht, die Anspr\u00fcche der Massen zu befriedigen.\u00ab gustav bergmann, wirtschaftswissenschaftler mit den forschungsundlehrbereichen wirtschaftsethik, wirtschaftsdemokratie und mitwelt\u00f6konomie, schreibt, eine relativ kleine gruppe von menschen bestimme \u00fcber die produktionsbedingungen in der welt, die energievergeudung, urwaldrodung, kinderarbeit und lohnsklaverei. der zur\u00fcckgetretete franz\u00f6sische umweltminister nicolas hulot, genannt \u00bbMinister f\u00fcr \u00f6kologischen und solidarischen Umgang\u00ab, antwortete 2018 auf die frage, bontrup verweist darauf, warum er sein amt aufgebe, er habe gemerkt, da\u00df die politik entmachtet sei durch die finanzwelt, und er wolle nicht mehr l\u00fcgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das geld ist vom mittel des wertvergleichs zum alles beherrschenden bewertungsma\u00dfstab geworden. bergmann konstatiert: \u00bbVor allem <em>kapitalmarktorientierte Unternehmen<\/em> k\u00f6nnen kaum andere als Profitziele verfolgen, da sie von den Investoren und Kapitaleignern zu einer Kurswert- und Dividendensteigerung getrieben werden.\u00ab, \u00bbHedgefonds und andere Investoren mit gigantischen Kapitalressourcen im Hintergrund erk\u00e4mpfen sich wachsenden Einfluss auf das produktiv angelegte Kapital, so da\u00df heute eine Gro\u00dfzahl der Kapitalgesellschaften von diesem ma\u00dfgeblichen Gewicht der Shareholder-Interessen mehr oder weniger gepr\u00e4gt wird.\u00ab, fischbach: \u00bbWas sich so in den letzten Jahrzehnten herausgebildet hat, ist ein parasit\u00e4res Kapital, das nichts zur Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft beitr\u00e4gt, sondern lediglich die Renten extrahiert.\u00ab \u00fcberdies st\u00e4rkt die schulden\u00f6konomie den finanzsektor und l\u00e4\u00dft ihn umso mehr zu einer macht unabh\u00e4ngig von und gegen\u00fcber der materiellen Produktion werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">heine formulierte, der kaufmann habe auf der ganzen welt dieselbe religion. giorgio agamben bemerkte zu walter benjamins textfragment \u00bbKapitalismus als Religion\u00ab: \u00bbDer Kapitalismus ist also eine Religion, in welcher der Glaube \u2012 der Kredit \u2012 an die Stelle Gottes getreten ist. Anders ausgedr\u00fcckt: Da die reine Form des Kredits das Geld ist, ist der Kapitalismus eine Religion, deren Gott das Geld ist. Das bedeutet: Die Bank, die nichts anderes ist als eine Maschine zur Vergabe und Verwaltung von Kredit, hat die Stelle der Kirche eingenommen, und indem sie \u00fcber Kredit verf\u00fcgt, manipuliert und regelt sie den Glauben, den unsere Zeit noch in sich tr\u00e4gt \u2012 das knappe, unsichere Vertrauen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">filme \u00fcber die finanzkrise ab 2007 zeigen gejagte und zerrissene banker, die ebenfalls vom finanzsystem abh\u00e4ngig sind, freilich exquisit bezahlt, so \u00bbArbitrage \u2012 Macht ist das beste Alibi\u00ab von nicholas jarecki, ein komplexer film, der mehrere geschichten und handlungsebenen verbindet, mit dem hedgefonds-manager robert miller als hauptfigur, gespielt von richard gere, und \u00bbDer gro\u00dfe Crash \u2012 Margin Call\u00ab von jeffrey c. chandor, ein n\u00fcchternes kammerspiel. hier ist die figur des bankers sam rogers, dargestellt durch kevin spacey, besonders interessant, der skrupel kennt, sie in entscheidenden momenten aber jeweils, nach anf\u00e4nglichen bedenken, aus treue zur firma, wie er sagt, unterdr\u00fcckt, und darunter leidet. doch wer fragt schon wirklich, auch anderswo, woher sein geld stammt und wieviel blut daran klebt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">was und wer auf der waage liegt, ist meist bereits verloren. je ideeller eine arbeit, umso weniger finanziellen wert hat sie oft. geistige und kulturelle beschr\u00e4nktheit sind zu permanenten modeerscheinungen geworden. und moden dienen der kapitalvermehrung. in einer gesellschaft, die alles verwertet, ist es ehrenwert, nicht verwertbar zu sein. vielleicht f\u00fchrt am ende die zerst\u00f6rung des werts der lebendigen arbeit zum zusammenbruch der verwertungssysteme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die globalen konzerne verhalten sich meist wenig verantwortlich. ihre vorst\u00e4nde denken offenkundig nicht allzu weit \u00fcber ihre eigenen interessen und interessengruppe hinaus. und die politik unterwirft sich ihnen, wenn sie, parallel zu ihren hilfsundreparaturma\u00dfnahmen, ihre ohnmacht gegen\u00fcber ursachen von problemen und konflikten zur profession macht. medien helfen dabei, indem sie endlos \u00fcber probleme diskutieren lassen, die nicht gel\u00f6st werden. so entsteht der eindruck, der streit der meinungen ersetze die probleml\u00f6sungen. man hat halt, mal wieder, dar\u00fcber geredet. paul nennt das \u00bbScheindebatten zur medialen Demokratiesimulation\u00ab. die tatsache, da\u00df propaganda in der vorherrschenden mediensprache immer nur bei andern propaganda hei\u00dft, zeigt, die eigene propaganda wirkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">fischbach hebt hervor: \u00bbUnter dem Aspekt der Herrschaft gibt es keine harmlose Technik und insbesondere keine harmlose IT.\u00ab, denn technologien h\u00e4tten stets auch herrschaft zur folge, bergmann: \u00bbHeute mu\u00df man von einer <em>Machtwirtschaft<\/em> sprechen, da die M\u00e4rkte von einzelnen Konzernen beherrscht werden.\u00ab eine kapitel\u00fcberschrift bei bergmann lautet: \u00bbAutorit\u00e4rer Liberalismus: Renaissance der Strenge und Ausbeutung?\u00ab die technokratische gesellschaft agiert in arbeitsprozessen wieder, oder noch, autorit\u00e4r, fr\u00fcher sagte man herrisch, weil dies vermeintlich effizient ist, indem es das funktionieren zu garantieren scheint. die parlamentarische demokratie, eine weiterentwicklung der antiken demokratie, aber keine vollendung, ist verbunden mit einer (finanz)wirtschaftlichen nicht-demokratie. zugleich macht, wie es aussieht, ein bestimmtes und stabiles wohlstandsniveau eine entwickelte demokratie \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bereits die autoren der \u00bbEinleitung\u00ab, bontrup und daub, beklagen eine marktkonforme demokratie. schmiede spricht von der herausbildung \u00bbmonopolistischer oder oligopolistischer Machtstrukturen\u00ab, bergmann von \u00bbHerrschaftseliten\u00ab und \u00bbMehrwertempf\u00e4ngern\u00ab. mi\u00dfbr\u00e4uche der freiheit liefern zudem autorit\u00e4ren kr\u00e4ften argumente. wir sollten dar\u00fcber nachdenken, inwieweit auf die strukturen, automatismen und wirkungen der finanzwirtschaft zutrifft, was der begriff \u00bbtotalit\u00e4r\u00ab meint. wer wirklich freie b\u00fcrger wollte, m\u00fc\u00dfte die macht des geldes, des gr\u00f6\u00dften zwangsinstruments, sp\u00fcrbar einschr\u00e4nken, notfalls durch politischen und juristischen druck, damit geld und wirtschaft st\u00e4rker den legitimen anspr\u00fcchen der bev\u00f6lkerungen dienen, und zwar weltweit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zu unternehmen wie google, amazon, facebook, apple, microsoft und ihren chinesischen entsprechungen alibaba und tencent, sowie uber, wirecard, airbnb und zalondo bemerkt schmiede: \u00bbInformationskontrolle, Kontrolle des Zugangs zum eigenen Markt, Preiskontrolle und Kontrolle der Leistungen der Beteiligten erlauben, wenn sie durchgesetzt sind, die Etablierung propriet\u00e4rer M\u00e4rkte, die ggfs. durch geeignete Akquisitionen kontinuierlich erweitert und abgesichert werden.\u00ab bei \u00bbAmazon\u00ab bewerten inzwischen algorithmen die leistungen der besch\u00e4ftigten. das hat wirklich etwas vom automaten, der menschen kontrolliert. als gnostiker k\u00f6nnte man sagen, die algorithmen seien die neuen archonten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">schmiede erkennt, durch die geldherrschaft sind soziale chancenungleichheiten bei bildung, ausbildung und berufswahl, sozialem status, einkommen und verm\u00f6gen gr\u00f6\u00dfer sowie einfacherkl\u00e4rungen rassistischer, nationalistischer und sexistischer, also populistischer, art h\u00e4ufiger geworden. paul sieht nationalismus als reaktion auf ein neues kosmopolitisches bewu\u00dftsein, das k\u00fcnftig die basis politischen denkens bilden mu\u00df. vielleicht folgen nationalisten, die hassen und verachten, weil sie sich das andere nicht als (gleich)berechtigt vorstellen k\u00f6nnen, aber auch zuallererst ihren eigenen vorurteilen und feindbilder. andererseits sind ihre meinungen, bis hin zu verschw\u00f6rungstheorien, h\u00e4ufig blo\u00df radikalisierte und vergr\u00f6berte formen normaler und allt\u00e4glicher vorurteile. unter menschen gilt: die b\u00f6sen sind immer die andern. und opfer von ressentiments werden zu objekten gemacht. auch der offizielle begriff \u00bbArbeitsmarkt\u00ab bezeichnet abh\u00e4ngig berufst\u00e4tige als objekte der finanzgesteuerten \u00f6konomie. menschen, die ihre arbeit geben, hei\u00dfen \u00bbArbeitnehmer\u00ab. marx wies darauf hin, der arbeitslohn werde durch dieselben gesetze bestimmt wie der preis jeder anderen ware. geld sei das allen eingetrichterte wesen ihrer arbeit, das sie beherrscht und das sie anbeten. wenn der zweck die mittel heilige, w\u00e4re der zweck aber unbillig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die aktuelle politische korrektheit ist widerspr\u00fcchlich, einerseits n\u00f6tig, weil nicht geringe teile der bev\u00f6lkerung in die gegenrichtung abdriften, zum andern kontraproduktiv, ja eine geistige r\u00fcckentwicklung, wenn sie dogmatisch und pedantisch auftritt und man wieder glaubt, menschen \u00bberziehen\u00ab zu m\u00fcssen. au\u00dferdem ben\u00f6tigt man die inszenierte schickliche moralische fassade, damit das reale unrecht dahinter verborgen bleibt. moral ersetzt im modernen mitteleuropa die religion. und was wurde im namen gottes gelogen. nietzsche, den ich hier gegen illusionen zitiere, meinte, moralit\u00e4t sei \u00bbim letzten Grunde die Lust an verfeinerter Grausamkeit.\u00ab marx bemerkte, die forderung, die illusionen \u00fcber einen zustand aufzuheben, sei die forderung einen zustand aufzuheben, der dieser illusionen bedarf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">nur wer einen gesamtgesellschaftlichen blick hat, kann gerechtigkeit wollen. wer ist heute die arbeiterklasse? gibt es sie \u00fcberhaupt noch? die arbeiterschaft als geschlossene soziale klasse existiert, zumal postmodern verkleinb\u00fcrgerlicht, in entwickelten industriel\u00e4ndern sicher nicht mehr wie zu zeiten von marx. doch es gibt millionen billigbesch\u00e4ftigte auch in europa, die \u00e4hnlich ausgebeutet werden. am meisten der marxschen arbeiterklasse entsprechen aber die sozial entrechteten menschen der dritten und vierten welt, wohin man die mehrzahl der menschenopfer des kapitalismus ausgelagert hat. das wort kapitalismus wird von redakteuren und autoren der medien der produzierten \u00f6ffentlichen meinung, oder meinungen, also meinungsfabriken, eher selten verwendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ein nachdenken \u00fcber soziale ungleichgewichte und konflikte mu\u00df k\u00fcnftig mehr den nord\/s\u00fcd-kontrast einbeziehen, zumal aus \u00f6kologischen und medizinischen gr\u00fcnden, siehe klimawandel und pandemie. auch in diesem buch dominiert der europ\u00e4ische blick. rosa luxemburg hatte, an marx ankn\u00fcpfend, \u00fcber folgen der expansion des kapitals geschrieben: \u00bbDer Imperialismus ist der politische Ausdruck des Prozesses der Kapitalakkumulation in ihrem Konkurrenzkampf um die Reste des noch nicht mit Beschlag belegten nichtkapitalistischen Weltmilieus. In Afrika und Asien, vom n\u00f6rdlichen Gestade bis zur S\u00fcdspitze Amerikas und in der S\u00fcdsee werden die \u00dcbereste alter urkommunistischer Verb\u00e4nde, feudaler Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, patriarchaler Bauernwirtschaften, uralter Handwerkerproduktionen vom Kapital vernichtet, zerstampft, ganze V\u00f6lker ausgerottet, uralte Kulturen dem Boden gleichgemacht, um an ihre Stelle die Profitmacherei in modernster Form zu setzen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zugleich drang und dringt die westliche popul\u00e4rkultur vor und zerst\u00f6rt zusammen mit wirtschaftlichen prozessen die identit\u00e4ten der betroffenen, die so h\u00e4ufig in ein soziales und ideelles vakuum fallen. adorno schrieb, am\u00fcsement sei die fortsetzung der arbeit im kapitalismus, g\u00fcnther anders, unterhaltung die tendenzkunst der macht. die \u00f6konomischen analysen der luxemburg, die auch das verh\u00e4ltnis von wirtschaft und demokratie hinterfragen, verbinden sich mit denen der ursachen des ersten weltkriegs, vor dem es eine rasante wirtschaftliche entwicklung gab und der den zweiten weltkrieg vorbereitete. kraus stellte fest: \u00bbSollte &#8222;Schlachtbank&#8220; nicht vielmehr von der Verbindung der Schlacht mit der Bank herkommen?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der b\u00fcrgerliche mensch meint, wenn er vom einzelnen spricht, fast immer den privilegierten einzelnen. wie lange k\u00f6nnen noch jene gesellschaften die welt beherrschen, die den gr\u00f6\u00dften schaden verursachen? indem die globale marktwirtschaft permanent unrecht produziert, gegen das die b\u00fcrgerlichen sublimierungen den meisten menschen weltweit wenig helfen, gef\u00e4hrden sich die westlichen kulturen letztlich selbst. wo das eintreten f\u00fcr soziale gerechtigkeit als naiv gilt, denken tats\u00e4chlich jene naiv, die glauben, das mi\u00dfachten sozialer rechte r\u00e4che sich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bergmann sieht: \u00bbErfolg individuell zuzurechnen ist ein Missverst\u00e4ndnis, denn alle Werte sind Sozialprodukte.\u00ab je weniger erfolg oder mi\u00dferfolg vom einzelnen menschen abh\u00e4ngen, umso mehr stellen sie das bewertungssystem infrage. aufgrund ungleicher lebensbedingungen, also ungleichwertiger voraussetzungen, ists f\u00fcr viele blo\u00df begrenzt beeinflu\u00dfbar, ob sie ihren begabungen und f\u00e4higkeiten entsprechende erfolge haben oder nicht. nicht wenige erleben vergeblichkeit und herabsetzung. wenn die wesentlichen verm\u00f6gen leistungslos durch erbe verteilt werden, k\u00f6nne man kaum von einer leistungsgesellschaft sprechen. canetti meinte, was dem reichen das erbe, sei dem armen die hoffnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der wert der arbeit gegen\u00fcber dem geld ist ebenso gesunken wie der gebrauchswert gegen\u00fcber dem tauschwert. daub erl\u00e4utert, erst das zur \u00bbWare\u00ab werden der \u00bbArbeitskraft\u00ab f\u00fcr einen \u00bbMarkt\u00ab schaffe \u00bbArbeit\u00ab im heutigen sinne. daher der begriff \u00bbMarktwirtschaft\u00ab f\u00fcr das herrschende gesellschaftsmodell. kreative arbeit ohne markteffekte gilt nicht als arbeit. man mu\u00df immer bedenken, welche ma\u00dfst\u00e4be einer bewertung zugrunde liegen. denn das k\u00f6nnen genau die falschen sein. der mensch sieht im erfolg an sich mehr ein qualit\u00e4tsmerkmal als in einer leistung. denn menschen urteilen gemeinhin nach etiketten und nicht kompetenzen. beim wort \u00bbVerm\u00f6gen\u00ab denken fast alle an geld und nicht f\u00e4higkeiten. man sollte bei erfolgen also stets fragen, womit und wof\u00fcr. inwieweit ist beruflicher erfolg \u00fcberhaupt ein zeichen von begabung? mu\u00df man nach erfolgen gar dar\u00fcber nachdenken, was man verkehrt gemacht hat? c.g. jung fragte: \u00bbHaben Sie einen Erfolg erlitten?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">canetti \u00e4u\u00dferte, da\u00df ein gro\u00dfer teil des industriellen und kommerziellen rechts mit der moral in konflikt steht, bertolt brecht, unrecht gewinne oft rechtscharakter einfach dadurch, da\u00df es h\u00e4ufig vorkommt, friedell, die menschheit habe einen gro\u00dfen bedarf an personen, die unrecht als recht ausgeben. recht ist, zumindest in seinen wirkungen, meist das recht der privilegierten. benjamin stellte die frage: \u00bbWie entsteht aus den Widerspr\u00fcchen einer \u00f6konomischen Situation ein ihr unangemessenes Bewu\u00dftsein?\u00ab, canetti: \u00bbWarum sind nicht mehr Menschen aus Trotz gut?\u00ab voltaire notierte: \u00bbSowie man Gutes tun will, kann man sicher sein, Feinde zu finden.\u00ab brecht erkl\u00e4rte, der mensch sei gut, aber die verh\u00e4ltnisse erlaubten es nicht, doch auch, bevor sich die welt ver\u00e4ndern k\u00f6nne, m\u00fcsse sich erst der mensch \u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bontrup wies darauf hin, da\u00df 2019 bereits 42% der abh\u00e4ngig besch\u00e4ftigten in westdeutschland keinen tarifvertrag mehr hatten, in ostdeutschland sogar 53%. \u00bbIn Deutschland, einem der reichsten L\u00e4nder der Erde, gibt es heute sogenannte <em>&#8222;Tafeln&#8220; <\/em>zur Armenspeisung.\u00ab \u00fcber zwei millionen deutsche gehen dort hin. und die zahl steigt. die \u00bbTafeln\u00ab sind widerspr\u00fcchlich. der idealismus und einsatz der ehrenamtlichen helfer, die bed\u00fcrftigen menschen helfen und die vernichtung von lebensmitteln verhindern, ist ehrenwert, ja vorbildlich, und verweist zugleich auf verkehrte verh\u00e4ltnisse. au\u00dferdem klingt der begriff zynisch. an tafeln sa\u00dfen einst adlige und verm\u00f6gende. das wort tafel wurde deutsch dem altfranz\u00f6sischen la table reonde = tafelrunde des k\u00f6nigs artus, w\u00f6rtlich die runde tafel, entlehnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das wort \u00bbPrekariat\u00ab ist zusammengesetzt aus prek\u00e4r und proletariat. prek\u00e4r geht auf franz\u00f6sisch pr\u00e9caire = prek\u00e4r, labil, unsicher zur\u00fcck, das basiert auf lateinisch prec\u0101rius = bittweise erlangt, erbeten, erbettelt, aus gnade gew\u00e4hrt, siehe prec\u0101ti\u014d = bitte, gebet. das verteilen von almosen ist teil der machtaus\u00fcbung. fr\u00fcher nannte man das \u00bbPrekariat\u00ab \u00bbLumpenproletariat\u00ab, \u00bbSubproletariat\u00ab, \u00bbUnterschicht\u00ab, \u00bbDer untere Rand\u00ab oder \u00bbBodensatz der Gesellschaft\u00ab, alles begriffe der verachtung. franz kafkas lieblingswitz war laut klaus wagenbach dieser: \u00bbNach einem Opernbesuch kommt eine feine Dame an einem Bettler vorbei. &#8222;Liebe Frau&#8220;, sagt er und h\u00e4lt ihr unterw\u00fcrfig seine M\u00fctze hin, &#8222;ich habe seit drei Tagen nichts gegessen.&#8220; Die feine Dame bleibt stehen und betrachtet ihn voll Mitgef\u00fchl. &#8222;Junger\u00a0 Mann,&#8220; sagt sie. &#8222;Sie m\u00fcssen sich zwingen.&#8220;\u00ab voltaire machte klar: \u00bbJedes Land, in dem Betteln ein Beruf ist, wird schlecht regiert.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">verdienst der autoren dieses buches ist es, da\u00df sie sonst eher ungern thematisierte zusammenh\u00e4nge erkl\u00e4ren, das themenfeld aus verschiedenen perspektiven betrachten, wobei ihre erkenntnisse oft einander erg\u00e4nzen, und den inszenierten eindimensionalen und oberfl\u00e4chlichen \u00f6ffentlichen meinungen, denen die mehrheit glauben soll und auch wirklich glaubt, interdisziplin\u00e4res denken entgegensetzen, wie joachim paul und gustav bergmann, das wir noch viel mehr brauchen, w\u00e4hrend technokraten, die den ganzen menschen nicht im blick haben und die sozialen und kulturellen folgen ihrer vorstellungen und taten vielfach entweder ausblenden oder als unvermeidlich abtut, einseitig spezialisierung f\u00fcr vorteilhaft halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zugleich m\u00fcssen wir fragen, inwieweit der kapitalismus dem genetischen, sozialen und kulturellen erbe des, zumindest westlichen, menschen entspricht. nietzsche meinte: \u00bbEntwicklung will nicht Gl\u00fcck, sondern Entwicklung und weiter nichts.\u00ab, aber auch: \u00bbUnser Zeitalter, soviel es von \u00d6konomie redet, ist ein Verschwender: es verschwendet das Kostbarste: den Geist.\u00ab, canetti: \u00bbDer Zielbewu\u00dfte auf seinem Weg empfindet das meiste, was seiner Erreichung nicht dient, als Ballast. Er wirft es von sich, um leichter zu sein, es kann ihn nicht k\u00fcmmern, da\u00df es vielleicht sein Bestes ist.\u00ab mu\u00df man den menschen, wie einst figuren in m\u00e4rchen und sagen, immer noch, oder wieder, zurufen: verge\u00dft das beste nicht? zumindest gebildetes gl\u00fcck braucht ideelle impulse und erf\u00fcllungen in der arbeit. die meisten w\u00fcrden auf die frage, weshalb und wof\u00fcr sie arbeiten, freilich antworten: \u00bbUm Geld zu verdienen.\u00ab, und w\u00e4ren erstaunt, wenn man sie nach ihrem pers\u00f6nlichen ideal der arbeit fragt. die antwort w\u00e4re bei vielen wahrscheinlich: \u00bbSowas brauche ich nicht.\u00ab, oder: \u00bbSowas braucht man nicht.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">br\u00f6dner weist in seinem beitrag \u00bbDas Produktivit\u00e4tsparadoxon der Computertechnik\u00ab darauf hin, da\u00df digitalisierung, die sich einer instrumentellen vernunft unterwerfe, vern\u00fcnftigen menschlichen zielen wie gerechtigkeit, gleichheit der chancen, toleranz und bewahrung der natur h\u00e4ufig entgegenstehe, zumal wenn sie durch formelhafte begriffe, die manche f\u00fcr besonders rational halten, freies dialektisches denken, das immer auch das paradoxe analytisch einbezieht, schw\u00e4cht oder gar abt\u00f6tet. demirovi\u0107 schreibt: \u00bbEs bedarf, wof\u00fcr schon Herbert Marcuse argumentiert hat, nicht der Konsumforschung von oben, sondern einer kritischen Neubestimmung der Bed\u00fcrfnisse in demokratischen Bed\u00fcrfnisdiskussionen, um festzulegen, wof\u00fcr die Rohstoffe und die gesellschaftlich zur Verf\u00fcgung stehende Gesamtarbeit anteilig jeweils genutzt werden. Weder M\u00e4rkte noch zentralstaatliche Planung k\u00f6nnen dies leisten.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">technik greift immer weiter in die natur und ihre ressourcen ein. paul fragt nach einer globalen schicksalsgemeinschaft, die noch ziemlich unentwickelt ist. naturzerst\u00f6rung, ungesunde lebensbedingungen, hunger, bildungsundkulturverachtung sowie diskriminierung von minderheiten und au\u00dfenseitern haben \u00e4hnliche ursachen. wir br\u00e4uchten also zugleich eine \u00f6kologie der natur, der kultur, der bildung und des sozialen. insbesondere bereiche der gesellschaft wie gesundheit, ern\u00e4hrung, naturschutz und wohnraum geh\u00f6ren nicht unter die herrschaft des geldes und der technokratie. wenn kliniken f\u00fcr kapitalgewinn arbeiten, mu\u00df man sich fragen, welches menschenbild dem zugrunde liegt, jedenfalls kein menschenfreundliches.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die klimakatastrophe scheint beschlossene sache. es geht wohl k\u00fcnftig nur noch um die eind\u00e4mmung der folgen, f\u00fcr jene, die es sich leisten k\u00f6nnen. cioran konstatierte: \u00bbIndem die Natur den Menschen zulie\u00df, hat sie viel mehr als einen Rechenfehler begangen: ein Attentat auf sich selbst.\u00ab, kraus: \u00bbDie Technik feiert Pyrrhussiege \u00fcber die Natur.\u00ab, voltaire: \u00bbDie Menschen diskutieren; die Natur handelt.\u00ab die naturzerst\u00f6rung macht die zivilisation zweifelhaft. gegenw\u00e4rtig findet das gr\u00f6\u00dfte artensterben seit 70 millionen jahren, dem sauriersterben, statt. jeden tag sterben angenommen 150 tierundpflanzenarten aus, die der mensch meist noch nicht einmal kennt. die menschheit, die wirkungen eines einschlagenden asteroiden hat, ist zur gr\u00f6\u00dften naturkatastrophe auf erden geworden. wir haben bisher keine sprache der empathie daf\u00fcr, schon gar keine \u00f6ffentliche. jean paul sah: \u00bbUns greift ein auf der Stra\u00dfe verwestes Vogelgerippe mehr an als eines, das auf dem Teller liegt.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bergmann fa\u00dft zusammen: \u00bbDie gro\u00dfe Endzerst\u00f6rungsmaschine rast mit uns in die soziale und \u00f6kologische Katastrophe. Sehenden Auges ruiniert die Menschheit ihre Lebensgrundlagen. Die meisten Menschen handeln jedoch im <em>Zwang der Verh\u00e4ltnisse<\/em>, deshalb ist es auch sicher falsch, vom Anthropoz\u00e4n zu reden, es ist wohl eher ein Kapitaloz\u00e4n, ein durch Kapitalinteressen bestimmtes Zeitalter.\u00ab und peter sloterdijk setzt fort: \u00bbDie katastrophale Drift der globalen Prozesse macht es heute notwendig, \u00fcber die Schaffung einer umfassenden Solidarit\u00e4tseinheit nachzudenken, die stark genug w\u00e4re, um dem wehrlosen Ganzen als Immunsystem zu dienen \u2012 jenem ungesch\u00fctzten Ganzen, das wir die Natur, die Erde, die Atmosph\u00e4re, die Biosph\u00e4re, die Anthroposph\u00e4re nennen.\u00ab \u00bbDie aktuelle Weltlage ist offensichtlich dadurch bestimmt, da\u00df sie f\u00fcr die Mitglieder der &#8222;Weltgesellschaft&#8220; keine effiziente Ko-Immunit\u00e4t anbietet.\u00ab \u00bbJedes Teilsystem sucht seinen Vorteil, das Ganze aber bleibt ungesch\u00fctzt den Pl\u00fcnderungen der Kombattanten ausgesetzt.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die gr\u00f6\u00dften irrt\u00fcmer der gebildeten sind oft ihre hoffnungen. jean paul schrieb: \u00bbVerzweiflung ist der einzige echte Atheismus.\u00ab, benjamin: \u00bbNur um der Hoffnungslosen willen ist uns Hoffnung gegeben.\u00ab, d\u00fcrrenmatt: \u00bbJeder Versuch eines Einzelnen, f\u00fcr sich zu l\u00f6sen, was alle angeht, mu\u00df scheitern.\u00ab, doch auch: \u00bbEs ist eine schwere Zeit, in der man so wenig f\u00fcr die Welt zu tun vermag, aber dieses Wenige sollen wir wenigstens tun: das Eigene.\u00ab sowie: \u00bbDas Zuk\u00fcnftige ist immer utopisch.\u00ab letzteres antwortet friedells satz \u00bbDie Welt ist immer von gestern.\u00ab, der sich auf stefan zweigs buch \u00bbDie Welt von gestern\u00ab bezieht, das die welt vor dem ersten weltkrieg beschreibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bergmann postuliert, das wort postulieren ist mit forschen und fragen verwandt, in seinem beitrag \u00bbSch\u00f6ne neue Arbeitswelt durch Digitalisierung? \/ Ein Versuch zu Agilit\u00e4t, Digitalit\u00e4t und Mu\u00dfe: \u00bbMu\u00dfe erscheint als eine M\u00f6glichkeit, den Sinn des Lebens zu entdecken, sich zu besinnen und am sozialen Leben aktiv teilnehmen zu k\u00f6nnen. Menschen in Mu\u00dfe finden zu sich und zu den anderen. Sie sind liebensw\u00fcrdiger und kreativer. Langsamkeit intensiviert die Erfahrung, sinnliche Erlebnisse und Kleinigkeiten werden sichtbar.\u00ab das eigene freie selbst wird aktiviert und kein manipuliertes ich. \u00bbEine Kultur der Bef\u00e4higung, Ermunterung und Zusammenarbeit f\u00fchrt zu einer sinnvollen, syntropischen Arbeit, die wirklichen Wohlstand f\u00fcr alle schafft.\u00ab \u00bbAlso schauen, wer sich wie in eine Gemeinschaft einbringt und welche kognitiven, musischen, emotionalen, erfindungsreichen Beitr\u00e4ge jemand leistet.\u00ab in der mu\u00dfe lebt und schafft man ohne uhr. friedell notierte, selig seien die stunden der unt\u00e4tigkeit, denn in ihnen arbeite die seele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">doch mu\u00dfe ist unver\u00e4ndert ein privileg und kein recht. kracauer wandte skeptisch ein, die vorstellung, nach der die nachteile der mechanisierung mit hilfe geistiger, das hei\u00dft ideeller, inhalte zu beseitigen seien, die wie medikamente eingefl\u00f6\u00dft werden, w\u00e4re selber noch ein ausdruck der verdinglichung, gegen deren wirkung sie sich richtet. sie werde von der auffassung getragen, da\u00df die gehalte fertige gegebenheiten darstellten, die sich ins haus liefern lie\u00dfen wie waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wie kann beschleunigung vertiefung schaffen? bergmann findet zweifelhaft, da\u00df man \u00bbkreative Gestaltungsprozesse beschleunigen\u00ab k\u00f6nne. \u00bbDer weise H\u00e4uptling sagt dazu: Gras w\u00e4chst nicht schneller, wenn man daran zieht. Kreativit\u00e4t entsteht eher beim Flanieren und Vagabundieren, beim Abduzieren, also beim Abschweifen, und durch Zufallsfunde, die sogenannte Serendipit\u00e4t.\u00ab das ist ein utopischer anspruch. d\u00fcrrenmatt wu\u00dfte: \u00bbDer Wissende wei\u00df, da\u00df er glauben mu\u00df.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der begriff \u00bbmoderner Kapitalismus\u00ab im buchtitel geht \u00fcber die postmoderne hinaus und meint einen neuen kapitalismus. man k\u00f6nnte fragen, ob die verh\u00e4ltnisse und verhaltensweisen, die von den autoren als erstrebenswert beschrieben werden, \u00fcberhaupt noch kapitalistisch sind. einige haben einen demokratischen sozialismus vor augen. gleichviel, namen sind nicht entscheidend. die verh\u00e4ltnisse m\u00fcssen sich \u00e4ndern, und die menschen. denn ohne ver\u00e4nderung gibt es keine entwicklung. und wer ver\u00e4ndern will, mu\u00df listig sein und geduld haben. benjamin sah: \u00bbDas kommende Erwachen steht wie ein Holzpferd der Griechen im Troja des Traums.\u00ab bei d\u00fcrrenmatt sagt der urmensch adam in \u00bbPortr\u00e4t eines Planeten\u00ab: \u00bbJeder wahre Fortschritt dauert Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende. Lesen Sie Bachofen, lesen Sie Freud.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u00a0***<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Digitalisierung und Technik \u2013 Fortschritt oder Fluch?<\/strong> Perspektiven der Produktivkraftentwicklung im modernen Kapitalismus. Heinz-J. Bontrup \/ J\u00fcrgen Daub (Hg.) Paperback, 321 Seiten. PapyRossa Verlag, 2020<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Digi_Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-72790 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Digi_Cover-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" \/><\/a><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong> <strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Essay \u201e<a href=\"https:\/\/www.vordenker.de\/jpaul\/jp_krise_rationalitaet.pdf\">Eine Krise unserer Rationalit\u00e4t?<\/a>\u201c befindet sich auf der Seite des Medienpartners vordenker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Lesen Sie auch einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/08\/25\/zwischenruf-aus-dem-maschinenkeller-der-digitalisierung\/\">Zwischenruf aus dem Maschinenkeller der Digitalisierung<\/a> von Joachim Paul. A.J. Weigonis <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=34359\"><em>Cyberspasz, a real virtuality<\/em><\/a> spiegelt die entfesselten Welten des Digitalzeitalters. Der \u00b4virtual reality` zieht Weigoni in diesen Novellen die reale Virtualit\u00e4t der Poesie vor und pl\u00e4diert f\u00fcr die Ver\u00e4nderbarkeit der Welt.<\/p>\n<h5><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; eine der qualit\u00e4ten dieses buches ist es, da\u00df die autoren technologische entwicklungen historisch und gesellschaftlich einordnen und damit technokratischen denkweisen, die komplexit\u00e4t verweigern, etwas entgegensetzen. technik wirkt immer in prozessen und zusammenh\u00e4ngen. die \u00bbEinleitung\u00ab der herausgeber zitiert den maler&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/02\/27\/auswege-aus-dem-kapitalozaen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":36,"featured_media":104051,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2702,94,86,2703],"class_list":["post-104050","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-heinz-j-bontrup","tag-holger-benkel","tag-joachim-paul","tag-juergen-daub"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104050","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/36"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=104050"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104050\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104054,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104050\/revisions\/104054"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/104051"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=104050"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=104050"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=104050"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}