{"id":103958,"date":"2003-08-27T05:48:52","date_gmt":"2003-08-27T03:48:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=103958"},"modified":"2022-08-28T05:54:50","modified_gmt":"2022-08-28T03:54:50","slug":"lied-vom-boergermoor","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/08\/27\/lied-vom-boergermoor\/","title":{"rendered":"Lied vom B\u00f6rgermoor"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wohin auch das Auge blickt.<\/p>\n<p>Moor und Heide nur ringsum.<\/p>\n<p>Vogelsang uns nicht erquickt,<\/p>\n<p>Eichen stehn kahl und krumm.<\/p>\n<p>Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier in dieser \u00f6den Heide<\/p>\n<p>ist das Lager aufgebaut,<\/p>\n<p>wo wir fern von jeder Freude<\/p>\n<p>hinter Stacheldraht verstaut.<\/p>\n<p>Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Morgens ziehen die Kolonnen<\/p>\n<p>in das Moor zur Arbeit hin,<\/p>\n<p>graben bei dem Brand der Sonne,<\/p>\n<p>doch zur Heimat steht der Sinn.<\/p>\n<p>Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heimw\u00e4rts, heimw\u00e4rts! Jeder sehnet<\/p>\n<p>sich nach Eltern, Weib und Kind.<\/p>\n<p>Manche Brust ein Seufzer dehnet,<\/p>\n<p>weil wir hier gefangen sind.<\/p>\n<p>Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf und nieder geh\u00b4n die Posten,<\/p>\n<p>keiner, keiner kann hindurch,<\/p>\n<p>Flucht wird nur das Leben kosten,<\/p>\n<p>vierfach ist umz\u00e4unt die Burg.<\/p>\n<p>Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch f\u00fcr uns gibt es kein Klagen,<\/p>\n<p>ewig kann\u00b4s nicht Winter sein.<\/p>\n<p>Einmal werden froh wir sagen: Heimat,<\/p>\n<p>Du bist wieder mein!<\/p>\n<p>Dann ziehn die Moorsoldaten nicht mehr mit dem Spaten in\u00b4s Moor!<\/p>\n<p>Dann ziehn die Moorsoldaten nicht mehr mit dem Spaten in\u00b4s Moor!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 27. August 1933 wurde im Konzentrationslager B\u00f6rgermoor\u00a0bei\u00a0Papenburg\u00a0im\u00a0Emsland\u00a0das &#8222;Moorsoldatenlied&#8220; aufgef\u00fchrt (es wurde 2 Tage sp\u00e4ter von der Lagerleitung verboten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Texter des Liedes waren der Bergmann\u00a0Johann Esser\u00a0und der Schauspieler und Regisseur\u00a0Wolfgang Langhoff, die Musik stammt von dem kaufm\u00e4nnischen Angestellten\u00a0Rudi Goguel. Das Lied wurde am 27. August 1933 bei einer Veranstaltung namens\u00a0<em>Zirkus Konzentrazani<\/em>\u00a0von 16 H\u00e4ftlingen, \u00fcberwiegend ehemaligen Mitgliedern des\u00a0Solinger Arbeitergesangvereins, aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rudi Goguel erinnerte sich sp\u00e4ter:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie sechzehn S\u00e4nger, vorwiegend Mitglieder des Solinger Arbeitergesangsvereins, marschierten in ihren gr\u00fcnen Polizeiuniformen (unsere damalige H\u00e4ftlingskleidung) mit geschulterten Spaten in die Arena, ich selbst an der Spitze in blauem Trainingsanzug mit einem abgebrochenen Spatenstiel als Taktstock. Wir sangen, und bereits bei der zweiten Strophe begannen die fast 1000 Gefangenen den Refrain mitzusummen.\u00a0[\u2026]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Strophe zu Strophe steigerte sich der Refrain, und bei der letzten Strophe sangen auch die SS-Leute, die mit ihren Kommandanten erschienen waren, eintr\u00e4chtig mit uns mit, offenbar, weil sie sich selbst als \u201aMoorsoldaten\u2018 angesprochen f\u00fchlten.\u00a0[\u2026]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Worten \u201a\u2026 Dann ziehn die Moorsoldaten nicht mehr mit den Spaten ins Moor\u2018 stie\u00dfen die sechzehn S\u00e4nger die Spaten in den Sand und marschierten aus der Arena, die Spaten zur\u00fccklassend, die nun, in der Moorerde steckend, als Grabkreuze wirkten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-98207 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/der-lyrik-eine-bresche-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/>Durch entlassene oder in andere Lager verlegte Gefangene wurde das Lied \u00fcber B\u00f6rgermoor hinaus bekannt. 1935 lernte es der Komponist Hanns Eisler in London kennen. Er \u00fcberarbeitete die Melodie f\u00fcr den S\u00e4nger Ernst Busch. Dieser schloss sich w\u00e4hrend des Spanischen B\u00fcrgerkrieges (1936\u20131939) den <em>Brigadas Internacionales<\/em> an, den Internationalen Brigaden, die die Spanische Republik gegen den Putschisten Franco verteidigten. Dadurch wurde das Lied verst\u00e4rkt international bekannt. Doch der originale Anfang der Melodie von Rudi Goguel mit drei gleichen T\u00f6nen klingt weniger zuversichtlich als die Version von Eisler. Goguel hatte mit drei gleichen T\u00f6nen die hoffnungslose Stimmung, aus der heraus das Lied entstand, besser eingefangen als die von Eisler abge\u00e4nderte Melodie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wohin auch das Auge blickt. Moor und Heide nur ringsum. Vogelsang uns nicht erquickt, Eichen stehn kahl und krumm. Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor! &nbsp; Hier in dieser \u00f6den Heide ist das Lager&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/08\/27\/lied-vom-boergermoor\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":98207,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3760,3762,3761],"class_list":["post-103958","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-johann-esser","tag-rudi-goguel","tag-wolfgang-langhoff"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103958","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103958"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103958\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103959,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103958\/revisions\/103959"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98207"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103958"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=103958"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103958"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}