{"id":103853,"date":"2022-08-29T00:01:03","date_gmt":"2022-08-28T22:01:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=103853"},"modified":"2022-07-20T13:23:48","modified_gmt":"2022-07-20T11:23:48","slug":"noart","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/08\/29\/noart\/","title":{"rendered":"NO!art"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">NO!art reflektiert den Mix aus Abschaum und Verbrechen, mit dem die Massenmedien die Gem\u00fcter unserer Zeit \u00fcberfluten<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Harold Rosenberg<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Boris Lurie, Sam Goodman und Stanley Fisher organisierten anfangs Ausstellungen in der March Gallery, New York, aus denen dann die NO!art Movement entstand, benannt nach einer Show in der Galerie Gertrude Stein. Sie richteten sich dabei gegen die gegenw\u00e4rtigen Trends wie Abstrakten Expressionismus und Pop Art in der Kunst und nutzten ihr Werk, um Faschismus, Rassismus und Imperialismus in der Politik zu attackieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die NO!art-Ausstellungen trugen Titel wie <em>Doom Show<\/em>, <em>Involvement Show<\/em>, <em>No Show<\/em> und <em>Vulgar Show<\/em> und waren meist themenbezogen, die <em>No Sculptures\/Shit Show<\/em> von 1964 enthielt dann auch Werke aus Exkrementen. Der Holocaust war ein wiederkehrendes Thema der K\u00fcnstler, und sie benannten ihre Werke vielfach provokativ als \u201ej\u00fcdische Kunst\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Collage-Technik der NO!art-Bewegung ist als Grundlage f\u00fcr <em>Das Haus von Anita<\/em>. Der Roman von Boris Lurie verbindet die Gewalt der KZs mit der zerst\u00f6rerischen Energie der Kulturindustrie. Radikal und provokant wie kein Autor zuvor. Bobby ist in New York regelm\u00e4\u00dfig zu Gast &#8211; oder sollte man besser sagen: gefangen? &#8211; im \u00bbHaus von Anita\u00ab und l\u00e4sst sich dort zusammen mit drei weiteren M\u00e4nnern von den Gebieterinnen des Hauses zur sexuellen Befriedigung qu\u00e4len und misshandeln. Was auf der Oberfl\u00e4che wie ein pornographischer S\/M-Roman wirkt, ist auf einer anderen Ebene die provokante Darstellung der Nazigr\u00e4uel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ruth Kl\u00fcger hat in der detailgenauen Darstellung der Lager die Gefahr einer \u00bbPornographie des Todes\u00ab gesehen. Wie ein auf die Spitze getriebener Beweis ihrer provokanten These liest sich dieser Text, an dem Boris Lurie mehr als 40 Jahre arbeitete. Auch er war ein \u00dcberlebender der Shoah und er war Mitbegr\u00fcnder der NO!art-Bewegung, die sich vor allem gegen die Pop Art und eine selbstgef\u00e4llige Konsumgesellschaft wendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die industrielle Zerst\u00f6rung der K\u00f6rper in den Lagern wird hier bis zur Unertr\u00e4glichkeit mit ihrer kulturindustriellen Vernutzung durch Konsum, Kommerz und Pornographie verschr\u00e4nkt. Lurie verarbeitet in diesem Buch nicht nur seine Erfahrung der KZs, sondern fragt auch mit schockierender Eindringlichkeit nach der Bedeutung der Kunst nach der Shoah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Meisterwerk des Trash ist eine Lekt\u00fcre, die erlitten und nicht genossen werden will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Haus von Anita<\/strong>, Roman von Boris Lurie. Wallstein 2022<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-103854 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Haus-von-Anita_Cover-180x300.png\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO hat ein Faible f\u00fcr Trash. Dem Begriff <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>. Produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Mit den Novellen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=34359\"><em>Cyberspasz, a real virtuality<\/em><\/a> setzte A.J. Weigoni die im Band <em><a href=\"http:\/\/www.kultura-extra.de\/literatur\/literatur\/rezensionen\/rezension_weigoni_zombies.php\">Zombies<\/a><\/em> begonnenen Erforschungen der Trivialmythen fort. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NO!art reflektiert den Mix aus Abschaum und Verbrechen, mit dem die Massenmedien die Gem\u00fcter unserer Zeit \u00fcberfluten Harold Rosenberg Boris Lurie, Sam Goodman und Stanley Fisher organisierten anfangs Ausstellungen in der March Gallery, New York, aus denen dann die NO!art&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/08\/29\/noart\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":103854,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3745],"class_list":["post-103853","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-boris-lurie"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103853","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103853"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103853\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103857,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103853\/revisions\/103857"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/103854"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103853"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=103853"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103853"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}